Deutschland ist gut aufgestellt

Während im europäischen Ausland vielerorts der Unmut über das dortige Krisenmanagement wächst, sind die Zustimmungswerte für die große Koalition in Berlin in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen – nicht ohne Grund. Nicht nur hat sich das deutsche Gesundheitswesen bislang als vergleichsweise robust präsentiert, kaum eine Regierung in der Eurozone hat so schnelle und umfangreiche Finanzhilfen für Wirtschaft und private Haushalte auf den Weg gebracht wie die deutsche.

Ein Grund für das entschiedene Vorgehen der Bundesregierung liegt in der soliden finanziellen Ausgangslage des Landes. Nach Jahren der Budgetüberschüsse und einer bis Ende 2019 auf rund 60% gesunkenen Schuldenstandsquote sind die Kassen von Bund und Ländern prall gefüllt. Das zahlt sich nun aus. Deutschland konnte einen Nachtragshaushalt des Bundes in Höhe von 156 Mrd. Euro verabschieden, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob die Finanzmärkte eine nahezu Verdoppelung der Emissionstätigkeit in diesem Jahr verkraften würden. Das unterscheidet Deutschland von Italien und anderen Peripheriestaaten, die wahrscheinlich ohne das umfangreiche EZB-Krisenprogramm PEPP jetzt schon mit überschießenden Risikoprämien zu kämpfen hätten.

Deutschlands Ruf als exzellenter Schuldner stellt aber nicht nur den Zugang zum Kapitalmarkt sicher. Die Finanzagentur erzielt sogar noch Erträge mit der Ausgabe neuer Anleihen. Mit Ausnahme der Papiere mit 30-jähriger Laufzeit liegt die gesamte Renditekurve von Bundeswertpapieren im negativen Bereich. Die Ankündigung eines Nachtragshaushaltes hat auch nicht etwa zu einem nachhaltigen Anstieg der Renditen geführt. Bundrenditen reagieren aktuell nahezu unelastisch auf eine Veränderung des Angebotes von Staatsanleihen.

Die Erträge, die Deutschland mit der Ausgabe von Schuldtiteln in diesem Jahr erzielt, könnten sich auf etwa 3 Mrd. Euro belaufen, eine Mrd. Euro würde allein auf die neuen Papiere entfallen, die aufgrund der Krise begeben werden. Auf Sicht der Gesamtlaufzeit aller in diesem Jahr voraussichtlich begebenden Papiere summieren sich die Erträge sogar auf voraussichtlich rund 10 Mrd. Euro. Ökonomisch gesehen subventioniert der Finanzmarkt damit Deutschlands Corona-Hilfen ein Stück weit. Bleiben die Renditen langfristig niedrig oder sogar im negativen Bereich, würde der Effekt mit der Zeit sogar noch deutlich zunehmen. Deutschland könnte sich also allein über das negative Renditeniveau in Teilen entschulden. Auch muss der Finanzminister vor dem Hintergrund unelastischer Bundrenditen weniger zwischen dem Nutzen einzelner Maßnahmen abwägen. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ dürften sich sämtliche Maßnahmen auszahlen, die dazu beitragen, dass das Land möglichst bald wieder auf einen Wachstumspfad zurückkehrt. Wächst Deutschlands Wirtschaft wieder und kehrt Berlin anschließend zu einer neutralen Finanzpolitik zurück, dürfte auch die Schuldenstandsquote nach einem krisenbedingten Anstieg alsbald wieder in den Sinkflug übergehen.

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Ein Kommentar

Reinhard Brand

Top-Bericht, Chapeau! Er zeigt, dass die „schwäbische Hausfrau“ mit dem sparsamen Umgang der Finanzen auch mal gut ist. Jetzt hat Deutschland insoweit eine Sorge weniger, weil die Finanzierung der jetzt notwendigen Ausgaben „problemlos“ möglich ist. Bei anderen Staaten, die zuvor schon über die Verhältnisse gelebt haben und sich weigerten, Einsparungen durchzuführen, ist jetzt guter Rat teuer – im wahrsten Sinne des Wortes. Deshalb gilt nach wir vor der Spruch: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“

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