EUR-USD: Zwischen zwei Fronten gefangen

Die Corona-Krise hat an den internationalen Finanzmärkten extreme Turbulenzen ausgelöst. Insbesondere im März waren zum Teil dramatische Kursbewegungen zu beobachten. Das „Risk-off“ Sentiment zog Aktienmärkte ins schier Bodenlose, während aggressive Spreadausweitungen das Bild an den Kreditmärkten dominierten. An den Devisenmärkten stellt sich die Lage etwas komplexer dar. Auch hier gibt es natürlich traditionelle „Risk-off“ Verhaltensmuster – diese waren zuletzt vor allem unter den Schwellenländerwährungen zu beobachten, die herbe Verluste einstecken mussten. Währungen sind jedoch per definitionem immer eine relative Betrachtung: es ist nicht damit getan festzustellen, dass die Corona-Krise mit massiven wirtschaftlichen Einbußen für alle Länder verbunden sein wird. Die Aufgabe eines Deviseninvestors ist es, einzuschätzen, welche Länder stärker bzw. weniger betroffen sind als der Rest. Wie schwer sich der Markt mit der Abwägung der unterschiedlichen wirtschaftlichen Perspektiven und der Einschätzung darüber, welche Währungen in diesem Umfeld als Sichere Häfen gelten können, getan hat, ist deutlich an den Kursentwicklungen der vergangenen Wochen zu erkennen, die extrem volatil vor allem aber auch hochgradig erratisch waren.

Die beste Illustration hierfür ist EUR-USD: das Währungspaar hat seit Anfang Februar Tiefststände von 1,0635 USD und Höchststände um 1,1495 USD gesehen und sich innerhalb dieser Spanne gleich mehrmals im Kreis gedreht. Hatte in manchen Phasen der Dollar die Nase vorne, gelang es dem Euro immer wieder sich zu behaupten. Geschuldet ist dies vor allem der Tatsache, dass es in dieser Krise (noch) keine klaren Gewinner geben kann. Auf beiden Seiten des Atlantiks überbieten sich Zentralbanken und Regierungen mit expansiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen. Weder in den USA noch in Europa ist derzeit wirklich absehbar, welche Auswirkungen die Krise (und die in ihrem Zuge unternommenen Schritte) mittel- und längerfristig haben wird. Und weder auf der einen noch auf der anderen Seite des Atlantiks kann man derzeit eine Debatte über die Tragfähigkeit der angehäuften Schulden ausschließen.

„Risk-off“ mag aus Sicht eines Aktieninvestors ein klares und eindeutiges Verkaufssignal sein. Am Devisenmarkt gilt es einen Vergleich anzustellen. In manchen Fällen, wie z.B. bei den strukturell schwächeren EM-Währungen, mag dies derzeit verhältnismäßig einfach sein. Das Beispiel EUR-USD zeigt jedoch, dass der Markt noch nicht bereit ist, ein endgültiges Urteil über die relative Attraktivität dieser beiden Währungen zu fällen. Daran dürfte sich u.E. nach bis auf weiteres nichts ändern. Wir gehen davon aus, dass das Währungspaar auf absehbare Zeit in einer Handelspanne um 1,10 USD verbleibt.


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