Kupfer erholt sich, aber (noch) keine Entwarnung

Wir befinden uns in einer schweren globalen Rezession. Dafür halten sich die konjunktursensitiven Industriemetalle, allen voran Kupfer, erstaunlich stabil. Seit Jahresbeginn ist das Infrastrukturmetall nur um 14,3 Prozent gefallen. Der Rohstoffmarkt ist im selben Zeitraum um 24,9 Prozent eingebrochen. Seit seinem Jahrestief Mitte März legte Kupfer mit einem Anstieg von 13 Prozent eine deutliche Aufwärtsbewegung hin. Wir stellen uns nun die Frage, wie nachhaltig diese positive Preisreaktion sein kann?

Da auf China mehr als die Hälfte der globalen Nachfrage bei Kupfer entfällt, ist die chinesische Verbrauchsentwicklung stets im Fokus der Anleger. In der Post-Lockdown-Phase ist der chinesische Verbrauch wieder etwas gestiegen. Auch die Raffinerien haben ihre Auslastung spürbar hochgefahren. Allerdings erwarten wir, dass die chinesische Konjunktur 2020 bestenfalls stagniert. Daher wird die Nachfrageerholung bei Kupfer im weiteren Verlauf des Jahres nicht ausreichen, um den Verbrauchsverlust des ersten Quartals auszugleichen. Diese etwas positiveren „Verbrauchssignale“ halfen in Verbindung mit den „Lockdown-bedingten“ Angebotsausfällen in Lateinamerika dem Kupferpreis auf die Beine. Im Rest der Welt bleibt die Kupfernachfrage schwach. Auf globaler Ebene wird der Verbrauch (-6,7 Prozent) stärker zurückgehen als während der Finanzkrise.

Kupfer ist langfristig sicherlich eines der interessantesten Industriemetalle. Bedeutende Zukunftsthemen, wie zum Beispiel die Energiewende oder die zunehmende Elektrifizierung der globalen Fahrzeugflotte, sind ohne das rote Metall nicht zu besetzen. Auch die zügig voranschreitende Digitalisierung ist abhängig von Kupfer. So sind alleine in einem Smartphone rund 16 Gramm Kupfer verbaut. Damit bleiben die Aussichten für das Metall langfristig positiv, zumal auf der Angebotsseite die Qualität der Erze schon seit Jahren spürbar fällt. Kurzfristig jedoch scheint der Markt unseres Erachtens aber ein wenig zu optimistisch. Aufgrund der hohen Überversorgung rechnen wir 2020 nicht mit einem weiteren deutlichen Preisanstieg. Das „Kupfer-Blatt“ wird sich erst vor dem Hintergrund der globalen Konjunkturerholung 2021 zum Positiven wenden.

 

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