Rohöl: Supertanker sind voll

Erstmals seit Januar sind die Lagerbestände von Rohöl in den USA marginal gefallen. Die Preisreaktion war sehr positiv. Wir halten sie aber zumindest kurzfristig für übertrieben. Da einige Länder in die Post-Lockdown-Phase übergehen, ist zwar eine Nachfrageerholung im zweiten Halbjahr plausibel. Allerdings bleibt das „Vor-Corona-Niveau“ in weiter Ferne. Erst 2021 ist mit einer nachhaltigeren Nachfragestabilisierung zu rechnen. Aufgrund der globalen Angebotskürzungen dreht der Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte wohl leicht in den defizitären Bereich. Dies wird aber bestenfalls ausreichen, um den sehr hohen Angebotsüberhang in 2020 minimal zu schmälern.

Wer sich aber über den leichten Bestandsrückgang in den USA von 750 Tausend Barrel freut, ist jedoch mindestens auf einem Rohöl-Auge blind. Denn: Über 30 Supertanker, die mit saudischem Öl gefüllt sind, werden in den kommenden Wochen an der US-Golf- und Westküste anlanden. Es handelt sich um gut 50 Millionen Barrel, die in Bälde wieder die US-Lagerbestände füllen werden.

Die globalen Lagerbestände bleiben ebenfalls sehr hoch. Alleine auf den Weltmeeren sind derzeit 175 Millionen Barrel unterwegs. Dies entspricht etwa 6 Prozent der gesamten Vorräte innerhalb der OECD-Länder. Bis sich die Lagerbestände wieder auf einem Normalniveau einpendeln, wird noch viel Zeit vergehen. Bis dahin spricht die üppige Versorgungslage fortgesetzt für tiefe Ölpreise. Erst im Laufe des nächsten Jahres wird sich Lage nachhaltig aufhellen. Wir sehen den Ölpreis daher in 12 Monaten etwa 25 Prozent über dem aktuellen Niveau.

 

 

 

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