Das Ende der Zinsen?

Zinsen gab es schon lange vor Christi Geburt, vermutlich gibt es sie seit die Menschen systematisch wirtschaften und Handel treiben. Heute scheint es, als ob diese vieltausendjährige Geschichte der Zinsen an ihr Ende gekommen ist. Der Zins wird zu Grabe getragen von den Zentralbanken. So liegt der durchschnittliche Leitzins in den G10-Staaten derzeit bei gerade einmal 0,05 Prozent. Vielfach haben wir es derzeit sogar mit Negativzinsen zu tun – etwas, das von den Ökonomen bis vor kurzem nur für ein theoretisches Konstrukt gehalten wurde.

Wie kommt es zu diesem Ausnahmezustand, und wie lange wird er andauern? Die Nullzinsen sind nur der Endpunkt eines Abwärtstrends, der schon seit den 1980er Jahren andauert. Dem zugrunde wiederum liegt eine lang anhaltende Abwärtsbewegung bei den Inflationsraten, die in den meisten Ländern ziemlich synchron zu beobachten ist. Es gibt eine ganze Reihe von Erklärungsversuchen für die sinkenden Inflationsraten – etwa die zunehmende Globalisierung, die demografische Alterung in vielen Gesellschaften, den wirtschaftlichen Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft oder auch den Erfolg der Geldpolitik selbst. Denn der gewonnene Kampf gegen die hohen Inflationsraten der Vergangenheit hat die niedrigen Zinsen erst möglich gemacht.

Das neue Zinsumfeld führt auch zu einer neuen Balance zwischen Schuldner und Gläubiger. Kapital und Liquidität sind überreichlich vorhanden, Ausfallrisiken scheinen an den Märkten keine große Rolle mehr zu spielen. Ob und wie lange das alles so bleiben kann, hängt auch davon ab, ob mit einer Rückkehr der Inflation zu rechnen ist.

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