Corona-Pandemie verschont weitgehend den Wohnungsmarkt, verursacht aber hohe Mietausfälle im Handel

Bei der Eindämmung der Corona-Pandemie ist Deutschland gut vorangekommen, sodass die wirtschaftliche Aktivität nach einer vergleichsweise kurzen Unterbrechung wieder anlief. Dennoch ist der wirtschaftliche Schaden gewaltig. Nach und nach werden auch die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt sichtbar.

Danach hat der Wohnungsmarkt kaum gelitten. Zwar sank die Zahl der Kauf- und Mietofferten nach den von F+B wöchentlich ausgewerteten Immobilienangeboten bis Ende April um ein Viertel. Aber bereits im Mai wurde wieder das März-Niveau erreicht. Die geforderten Preise und Mieten gingen dagegen nicht zurück, sie stiegen sogar etwas. Eine Stütze für den Markt ist das knappe Angebot. Der Neubau, der 2019 mit 293.000 fertiggestellten Wohnungen den höchsten Wert seit 2001 erreichte, reicht für den Wohnbedarf nicht aus. Und 2020 dürfte sich der Neubau abschwächen, weil die Arbeit auf den Baustellen ins Stocken geraten ist. Die Vermieter kommen trotz der Belastungen am Arbeitsmarkt offenbar glimpflich durch die Krise. Dank des guten sozialen Netzes sind Mietrückstände weitgehend ausgeblieben. Insofern ist es konsequent, dass der Kündigungsschutz bei Corona-bedingten Mietrückständen nicht verlängert und somit am Ende Juni ausläuft.

Überraschend kräftig zeigte sich das Finanzierungsgeschäft. Das Neugeschäft mit privaten Immobilienkrediten ging im April gegenüber dem hohen März-Wert von 25,3 Mrd. Euro nur leicht um eine Milliarde Euro zurück. Vermutlich sind viele Finanzierungen noch vor dem Pandemieausbruch in die Wege geleitet worden. Im Mai sollte das Finanzierungsvolumen aber nachgeben, auch wenn der Immobilienkauf mit Zinsen nahe des historischen Tiefs attraktiv bleibt.

Deutlicher treten die Pandemie-Folgen bei Gewerbeimmobilien zutage. So gingen etwa die Investitionen in Gewerbeobjekte im April und Mai sichtbar zurück. Am stärksten leiden Hotels und Einzelhandel unter der Pandemie. Doch anders als das vor der Pandemie boomende Tourismusgeschäft war der innerstädtische Einzelhandel schon vom Online-Shopping geschwächt. Als Folge ging der Lockdown mit einer Insolvenzwelle einher, die viele bekannte Handelsketten betraf. Die Mietausfälle summierten sich während des sechswöchigen Lockdowns auf 2,4 Mrd. Euro. Dabei dürfte es nicht bleiben, denn auch nach der unter Auflagen erfolgten Öffnung der Geschäfte liegt die Kundenfrequenz spürbar unter dem üblichen Niveau. Auch mit Blick auf das E-Commerce-Wachstum steht Einzelhändlern und Vermietern eine längere Durststrecke bevor.

Am Büromarkt sieht es besser aus, auch wenn derzeit der überwiegende Teil der Büroflächen kaum genutzt wird. Die Büroetagen werden sich in den kommenden Monaten wieder füllen, wenn die Mitarbeiter aus dem Homeoffice zurückkehren. Günstig für die Vermieter wirkt sich das wie am Wohnungsmarkt knappe Angebot aus. Die längerfristigen Pandemie-Folgen sind aber nicht absehbar. Wenn Homeoffice und flexibles Arbeiten spürbar an Bedeutung gewinnen, dürfte die Büroflächennachfrage entsprechend sinken.

Während die Zahl der Wohnungsangebote einbricht, bleiben Preis- und Mietforderungen stabil
Anzahl angebotener Wohnungen, Angebotspreise und -mieten (Indizes in Kalenderwoche 10 = 100)

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