Globaler Handel vorübergehend auf Entzug

Der Corona-bedingte Lockdown hat weltweit zu gravierenden gesamtwirtschaftlichen Einbußen geführt. Das haben die starken Rückgänge des Bruttoinlandsproduktes in vielen Regionen bereits gezeigt. Angesichts dessen fiel der Rückgang im globalen Warenhandel zwischen Januar und März vergleichsweise gedämpft aus. Ein Grund ist auch der regional stark unterschiedliche Verlauf der Pandemie und den damit einhergehenden Lockdown-Maßnahmen.

Aktuelle Daten deuten allerdings daraufhin, dass der Tiefpunkt im Außenhandel noch nicht erreicht wurde. Insbesondere in Ostasien zeigen Zahlen für den Mai, dass sich der Rückgang im Güteraußenhandel offenbar nochmals verstärkt hat. Besonders die Importtätigkeit aus den wichtigen Handelsregionen EU und den USA verringerte sich abermals deutlich.

Ähnlich pessimistische Signale deuten die Auslandsaufträge der globalen Einkaufsmanager (PMI; J.P. Morgan Chase Bank/ IHS Markit) ebenfalls für den Mai an. Demnach haben sich zwei entscheidende Probleme für die Unternehmen bisher nicht auflösen können. Nicht nur die stark eingetrübte Nachfrage bleibt erheblich geschwächt. Viele Betriebe melden auch weiterhin Störungen in den Lieferketten, was die Produktion merklich bremst.

Wann mit einer Verbesserung der globalen Handelstätigkeit zu rechnen ist, hängt zum einen ganz entscheidend von der Intensität der noch bestehenden Beschränkungen des öffentlichen Lebens in den einzelnen Ländern ab. Zum anderen muss die Unsicherheit unter Verbrauchern und Investoren wieder schrittweise abgebaut werden. Erste Maßnahmen in diese Richtung wurden unter anderem mit umfangreichen Konjunkturprogrammen und großzügigen Kreditgarantien in einer Vielzahl von Staaten unternommen. Dies spiegelt sich inzwischen auch in einem weniger pessimistischen Klima bei Unternehmen und Verbrauchern wieder.

Auf Basis der verfügbaren Stimmungsindikatoren rechnen wir ab der zweiten Jahreshälfte 2020 mit einer graduellen Erholung des globalen Warenverkehrs. Mit einem markanten Anstieg in Richtung „Normalisierung“ dürfte aber wohl kaum in den kommenden Monaten zu rechnen sein. Vielmehr sehen wir eine ausgedehnte Erholung, die sich noch weit bis in das kommende Jahr ziehen dürfte. Denn das Corona-Virus wird vorläufig auch weiterhin den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Alltag prägen.

 

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