ifo-Geschäftsklima: „Der stärkste jemals gemessene Anstieg“

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juni weiter stark verbessert. Das zeigt die Umfrage des ifo-Instituts. Der Geschäftsklimaindex ist von 79,7 auf 86,2 Punkte angestiegen, und das ifo-Institut hebt hervor, dass es sich damit um den „stärksten jemals gemessenen Anstieg“ handelt.

Aber heißt das auch, dass sich die reale Lage der deutschen Unternehmen im Juni entsprechend stark verbessert hat? Davon kann man leider nicht ausgehen. Zum einen ist der jüngste Anstieg des Geschäftsklimaindexes stark erwartungsbedingt. Das heißt, dass die Unternehmen davon ausgehen, dass sich ihre Umsätze bzw. ihre Produktion in den nächsten sechs Monaten – verglichen mit dem Status quo – positiv entwickeln werden. Das anzunehmen ist angesichts der in den meisten Branchen immer noch sehr schwierigen Situation sicherlich plausibel.

Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sind die Unternehmen dagegen deutlich vorsichtiger. Die Messzahl für die aktuelle Lage hat sich im Juni von dem Tief im Vormonat nur minimal verbessert. Das zeigt, dass der Weg zurück in die Normalität noch sehr lang sein wird.

Trotzdem waren die vom ifo-Institut vorgelegten Zahlen insgesamt deutlich besser, als das zu erwarten war. Besonders der Einzelhandel sticht hier hervor, wo sich die Stimmung ausweislich der jüngsten Umfragewerte in Mai und Juni enorm verbessert hat. Angesichts der immer noch bestehenden Einschränkungen für die Geschäfte und der Meldungen über Umsatzverluste und in existentiellen Schwierigkeiten steckende Einzelhandelsunternehmen ist das durchaus verblüffend. Eine Erklärung dürfte sein, dass die Segmente im Handel, in denen es trotz oder gerade wegen der Krise richtig gut läuft, die Probleme in anderen Bereichen des Einzelhandels überdecken. So machen etwa der Lebensmitteleinzelhandel und die Baumärkte gute Umsätze und sind auch entsprechend positiv gestimmt. Bei den Kaufhäusern, im Bekleidungshandel oder bei den Autohändlern sich es dagegen nach wie vor recht trübe aus. Das kommt in den aggregierten Zahlen aber nicht richtig zum Ausdruck.

Insgesamt ist es natürlich erfreulich, wenn sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen wieder bessert. Das zeigt, dass sich die Wirtschaft nach dem Tief im April auf dem Weg der Erholung befindet. Man sollte die aktuellen Zahlen jedoch nicht so verstehen, dass der Weg zurück in die Normalität schon zu einem guten Stück bewältigt worden ist. Er dürfte im Gegenteil noch ziemlich lang sein und womöglich auch noch einige vorübergehende Tiefen mit sich bringen.

 

 

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