Der politische Rückenwind für den US-Dollar wird schwächer

Seit Donald Trump vor dreieinhalb Jahren das Amt als US-Präsident übernommen hat, hat er reichlich Anlass zu Diskussionen geboten. In vielen Belangen hat er neue Wege beschritten, gegen diplomatische Konventionen verstoßen und sich regelmäßig an der Grenze des guten Geschmacks entlang gehangelt. Dennoch müssen ihm nicht nur seine Parteifreunde einen bemerkenswerten ökonomischen Erfolg bescheinigen. Alles andere als eine Wiederwahl Trumps schien vor wenigen Monaten undenkbar. Weder der Handelskrieg mit China noch das Amtsenthebungsverfahren konnten dieser Erfolgsgeschichte etwas anhaben.

Und dann kam Covid-19. Trump sieht sich derzeit einem bis dato ungeahnten Gegenwind ausgesetzt. Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden verfügt in Umfragen inzwischen über einen äußerst komfortablen Vorsprung. Bis zur US-Präsidentschaftswahl sind es noch 127 Tage, eine kleine Ewigkeit in so volatilen politischen Zeiten wie den aktuellen. Es wäre töricht, bereits jetzt davon auszugehen, dass der Machtwechsel sicher bevorsteht. Nicht nur, dass Trump wie ein angeschossener Tiger aggressiver denn je um jede Wählerstimme kämpfen wird, auch der Ausgang der US-Wahl vor vier Jahren wurde erst kurz vor dem Urnengang entschieden.

Sollte Trump die Wahl im November tatsächlich verlieren, drohen uns vermutlich keine unmittelbaren Turbulenzen. Dies ist durchaus erwähnenswert, da diese Gefahr noch vor einigen Monaten mit Blick auf die demokratischen Kandidaten eine durchaus ernstzunehmende war. Mit großen Freudensprüngen wird die US-Währung einen neuen US-Präsidenten Biden zwar sicherlich auch nicht empfangen; allerdings stehen die Chancen gut, dass man ihn erstmal als neutral ansieht und sich wieder anderen Themen zuwendet, bis sich Biden ein klareres Profil herausgearbeitet hat. Andererseits sollte der US-Dollar aber auch nicht zu viel Hoffnung in eine zweite Amtszeit Trumps setzen: die euphorischen Vorschusslorbeeren, die er vor vier Jahren von den Märkten erhalten hat, lassen sich so kaum wiederholen, stattdessen würde der Kampf mit den Langzeitfolgen von Covid-19 auch auf seiner nächsten Legislaturperiode lasten.

Insgesamt dürfte der US-Dollar von der kommenden Präsidentschaftswahl in den USA also kaum profitieren. Wenn die Euro-Länder ihre zuletzt gefundene Einigkeit bewahren und die Covid-19 Krise geschlossen gemeistert wird, könnte der Euro dagegen nachhaltig unterstützt sein.

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