USA: Unternehmensgewinne brechen ein

Die Berichtssaison in den USA hat in der vergangenen Woche begonnen. Im zweiten Quartal dürften die Unternehmensgewinne um fast 50% gegenüber dem Vorjahr gesunken sein. Dies wäre der stärkste Einbruch seit der Finanzkrise 2008.

Insbesondere die Unternehmensgewinne in den Sektoren Energie und Konsumgüter dürften deutlich eingebrochen sein. Energieunternehmen litten unter dem niedrigen Preis für Erdöl, während Konsumgüterhersteller den Einbruch der Nachfrage und die unterbrochenen Lieferketten spürten. Dabei traf es die Fluglinien, Automobilhersteller, sowie die Unternehmen der Reise & Freizeit-Industrie (Hotels, Kreuzfahrtschiffe, Casinos) besonders stark. Viele der Konzerne schreiben tiefrote Zahlen. Sie sind teilweise auf Staatshilfen angewiesen.

Analysten rechnen in keinem der elf US-Sektoren mit steigenden Gewinnen. Selbst die konjunkturstabilen Versorgertitel dürften weniger als im Vorjahr verdient haben. Ähnliches gilt für den IT-Sektor, in dem ein Rückgang der Gewinne um zehn Prozent erwartet wird. Überhaupt dürfte nur ein gutes Dutzend Unternehmen ein Gewinnwachstum präsentieren. Zu diesem gehören Unternehmen aus den Bereichen Software, Gesundheitspflege und der Goldförderindustrie.

Trotz der schwachen Entwicklung im zweiten Quartal dürfte der Tiefpunkt der Gewinnentwicklung durchschritten worden sein. Die wirtschaftlichen Restriktionen sind gelockert worden und es zeigt sich eine Belebung der Nachfrage. Dieser Trend sollte anhalten, solange die US-Bundesstaaten die Lockerungen nicht rückgängig machen.

Für das Gesamtjahr 2020 wird derzeit mit einem Gewinnrückgang um 22 Prozent gerechnet. 2021 rechnen Analysten dann mit einer Erholung der Unternehmensgewinne um 30 Prozent. 2022 wird ein weiter Anstieg um 15% erwartet. Diese Prognosen sind aber mit Vorsicht zu genießen. Aktienanalysten konzentrieren sich auf die Schätzungen für das laufende und folgende Quartal, weniger auf Langfristprognosen.

Der langfristige Gewinnausblick hängt ebenfalls wesentlich davon ab, wann die Pandemie medizinisch und wirtschaftlich in den Griff bekommen wird. Bisher haben die USA die Ausweitung der Corona-Infektionen nicht aufhalten können.

Die Bewertung des US-Aktienmarktes ist aus unserer Sicht teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis des Schätzjahres 2021 bei 23,3 und damit 20 Prozent über dem historischen Durchschnitt. Wir sehen daher für den S&P 500 auf Sicht eines knappen Jahres kaum noch Kurspotenzial.

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