„Früh“- und „Spätindikatoren“ in der Krise

Aktienkurse gelten gemeinhin als „Frühindikatoren“ für die Konjunktur. Sie beruhen vor allem auf Erwartungen bezüglich der weiteren Entwicklung der Unternehmensgewinne, sind also in die Zukunft gerichtet. Und da die Unternehmensgewinne üblicherweise eng mit dem konjunkturellen Auf und Ab korreliert sind, sollten die Aktienkurse auch eine gute Prognose für den weiteren Konjunkturverlauf darstellen.

Der Arbeitsmarkt gilt hingegen als typischer „Spätindikator“ für die Konjunktur. Denn die Unternehmen benötigen üblicherweise Zeit, um ihren Personalbestand an die wirtschaftliche Entwicklung anzupassen. Bei Neueinstellungen geht ein Such- und Auswahlprozess voraus, und betriebsbedingte Kündigungen aufgrund von Auftragsmangel oder Geschäftsschließungen benötigen ebenfalls eine Vorlaufzeit.

Derzeit herrscht am Aktienmarkt ein großer Optimismus, trotz der schweren Corona-Krise. Der Arbeitsmarkt hat unterdessen – zumindest in Europa – bislang nur recht verhalten auf die Krise reagiert. Bedeutet das nun, dass die Krise bereits überwunden ist und alles gar nicht so schlimm war? Oder kommt das dicke Ende noch?

Die Aussagekraft der gängigen Konjunkturindikatoren ist derzeit leider erheblich eingeschränkt. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung ist nach wie vor sehr groß, wird am Aktienmarkt aber dank der massiven Liquiditätszufuhr durch die Notenbanken verdrängt. Die Arbeitslosenstatistik offenbart in der aktuellen Krise ebenfalls ihre methodischen Schwächen und zeichnet kein zuverlässiges Bild der Lage am Arbeitsmarkt. Eine verlässliche Einschätzung der wirtschaftlichen Krisenschäden ist derzeit auch aus diesen Gründen noch nicht möglich.

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