Wäre eine Insolvenz der Fed ein Problem?

Die US-Notenbank hat in den letzten Monaten in erheblichem Maße Wertpapiere und Kredite von Unternehmen aufgekauft, die im Gegensatz zu US-Staatsanleihen und hypothekengesicherten Papieren signifikanten Bonitätsrisiken unterliegen. Da die Fed aber wie alle Notenbanken im Vergleich zu ihrer Bilanzgröße über ein nur sehr geringes Eigenkapital verfügt, steigt damit natürlich das Risiko, dass aus dem Portfolio Verluste entstehen, die das Eigenkapital übersteigen. Damit wäre die Fed – technisch gesehen – insolvent.

Bei einer Notenbank spielt das jedoch wirtschaftlich keine große Rolle. Zum einem könnten der Staat und die Anteilseigner der Notenbank Eigenkapital nachschießen, um eine Insolvenz abzuwenden. Aber selbst das ist nicht unbedingt notwendig, da die Fed zur Erfüllung ihrer Aufgaben auch mit negativem Eigenkapital operieren könnte.

Wichtiger ist die Komponente Vertrauen. Einerseits geht es darum, dass die Fed ihre Unabhängigkeit behält und nicht im Moment ihrer wirtschaftlichen Schwäche unter verstärkten Einfluss der Politik gerät. Andererseits geht es um das Vertrauen in die US-Währung, den Dollar. So könnten das Aufblähen der Notenbankbilanz und daraus entstehende Verluste die Inflationserwartungen schüren und so zu einem sinkenden Binnenwert des Dollars führen. Diese Risiko halte ich aber für relativ begrenzt. Außerdem könnte eine technische Insolvenz der Fed das Vertrauen des Auslands in den Dollar beschädigen. Der Greenback würde abwerten, der Dollar könnte sein Rolle als Weltreservewährung verlieren und die Finanzierung des US-Leistungsbilanzdefizits würde erschwert.

Natürlich kann man fragen, ob eine technische Insolvenz das nicht befördert, aber das hängt hauptsächlich vom politischen Umfeld ab. Solange die Unabhängigkeit der Fed gewährleistet ist, sollte das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Notenbank erhalten bleiben. Damit dürfte es ihr gelingen, den Binnen- und den Außenwert des Dollars relativ stabil zu halten und eine technische Insolvenz wäre daher wohl eher eine Randnotiz.

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3 Kommentare

Eine gute Frage, die auch für die anderen Notenbanken zu selten gestellt wird.
Die „rosarote“ Sicht teile ich nicht. Vertrauen kann man nicht verordnen. Es muss erarbeitet sein.
Verspielt ist es ganz schnell – und dieser Prozess läuft immer schneller.

Die „Federal Reverse Bank“ ist eine private Institution und die Anteilseigner sind die Privatbanken Citibank, J.P. Morgan, etc. …

https://www.globalresearch.ca/who-owns-the-federal-reserve/10489

Ändert das die Bewertung etwas? 😉

Stefan Bielmeier

Nein, grundsätzlich nicht.

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