Neue Zielgrößen der Fed

Die gestrige Rede des Fed-Vorsitzenden Powell wurde mit Spannung erwartet, da er Anhaltspunkte über die längerfristige strategische Ausrichtung der US-Geldpolitik gegeben hat. Marktseitig wurde davon ausgegangen, dass die Fed eine Überschreitung des Inflationsziels ausdrücklich zulassen wird.

Inflationsziel wurde in der Vergangenheit verfehlt
Diese Erwartungen hat Powell voll erfüllt. Die Fed wird sich nicht mehr am Erreichen einer konkreten Inflationsrate orientieren, sondern an einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2% im Zeitverlauf. Der Hintergrund dieser Anpassung ist, dass das Erreichen dieses Ziels schon in den zurückliegenden Jahren Probleme bereitet hat und die Inflation niedriger lag. Im Rahmen der schon im November 2018 begonnenen strategischen Überprüfung ihrer Geldpolitik hat die Fed diese Thematik untersucht und als Ergebnis nun ihr Zielsystem angepasst.

Durchschnittliche Inflation – aber kein genauer Zeitpunkt
Powell hat auf dem Notenbank-Symposium in Jackson Hole angekündigt, dass die Fed eine, wie er es nannte, „flexible Form des durchschnittlichen Inflationsziels“ einführen wird. Da Powell jedoch keinen konkreten Zeitraum für die Erreichung der durchschnittlichen Inflation beziehungsweise keine exakte Messmethode angegeben hat, ist die Aussage relativ dehnbar. Die Fed möchte sich auch offensichtlich nicht an eine bestimmte Methode binden, wie die durchschnittliche Inflation zu definieren ist. Auch das Beschäftigungsziel für den Arbeitsmarkt wurde abgeändert. So betonen die Währungshüter, dass die maximale Beschäftigung ein breit gefächertes und umfassendes Ziel sein soll. Es soll demnächst berücksichtigt werden, wie es den Arbeitnehmern mit niedrigen Einkommen und Minderheiten geht.

Es wird schwierig, die neuen Ziele zu erreichen
Das präferierte Inflationsmaß der US-Notenbank, der Kerndeflator der persönlichen Ausgaben (PCE-Kernrate), lag seit 2009 nicht mehr oberhalb von 2%. Im Zehnjahresdurchschnitt lag die PCE-Kernrate lediglich bei 1,60% und damit gut 0,4 Prozentpunkte unterhalb der Zielrate der US-Notenbank. Diese zu niedrige Inflationsrate soll nun wieder „weggebügelt“ werden, indem man Werte oberhalb von 2% zulässt. Das heißt die Vergangenheit spielt für die zukünftige Geldpolitik eine entscheidende Rolle. Doch wie weit und wie lange die Fed in die Vergangenheit zurückschaut, wollte Powell nicht offenlegen. Außerdem ist es unseres Erachtens mehr als fraglich, ob und wie die Fed es schaffen will, nach über zehn Jahren der Zielunterschreitung überhaupt eine Inflationsrate von 2%, geschweige denn dauerhaft oberhalb dieser Marke zu erreichen. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass die Fed aufgrund der strukturell vorhandenen Faktoren für niedrige Inflation, eine expansive Geldpolitik nicht mehr verlassen wird. Mit dem strategischen Arbeitsmarktziel begibt sich die Fed unseres Erachtens auf einen Weg, der nur schwer von ihr mit geldpolitischen Mitteln zu erreichen ist. Powell hat explizit gesagt, dass man den Arbeitsmarkt heiß laufen lassen würde, damit möglichst viele Bevölkerungsgruppen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Wenn man höhere Inflationsraten zulassen kann, während die Phillips-Kurve flach ist, mag das möglich sein. Dies ist aber eigentlich eine Aufgabe der Fiskalpolitik. Der Staat hätte besser als die Fed die Möglichkeit, hier mit Bildungspolitik für mehr Chancengleichheit zu sorgen.

Keine unmittelbaren Auswirkungen auf die künftige Geldpolitik
Das Mandat der Fed bleibt von der Bekanntgabe der neuen Strategie unberücksichtigt, da der US-Kongress der Fed per Gesetz ein duales Mandat erteilt hat, sowohl für Preisniveaustabilität als auch für Vollbeschäftigung zu sorgen. Das neue Regelwerk soll lediglich den vom Kongress vorgegebenen Zielkanon schärfen. Insgesamt gehen wir davon aus, dass die Auswirkungen auf die aktuelle Geldpolitik gering sein werden. Die Marktteilnehmer gehen ohnehin davon aus, dass die Geldpolitik bis auf Weiteres unverändert expansiv bleibt.

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