Zombie-Unternehmen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Die Diskussion um sogenannte „Zombie-Unternehmen“ hat in den letzten Tagen wegen stark rückläufiger Insolvenzmeldungen deutlich an Fahrt aufgenommen. Die aktuelle Entwicklung der Insolvenzmeldungen spiegelt nämlich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise nicht wider. Während die Wirtschaft in eine tiefe Rezession gerutscht ist, sinkt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen und zwar mit zunehmender Dynamik. Im Mai lagen die Insolvenzmeldungen um fast 10% unter ihrem Vorjahreswert, im Juli betrug der Rückgang nach experimentellen Daten des Statistischen Bundesamtes sogar mehr als 29%. Diese Entwicklung ist allein auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zurückzuführen, die vorerst noch bis zum 30. September gilt.

Mit der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sollen Unternehmen geschützt werden, die aufgrund von in der Corona-Krise weggebrochener Einnahmen zahlungsunfähig geworden wären, obwohl sie eigentlich wirtschaftlich überlebensfähig sind. Das wäre grundsätzlich eine hilfreiche Maßnahme. Von der Krise betroffen sind schließlich auch viele junge sowie kleine und mittelständische Unternehmen, die (noch) keine ausreichenden Rücklagen für eine derartige Krise aufgebaut haben, die aber nach Ende der Krise ihr Geschäft erfolgreich fortsetzen könnten.

Die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sollte sich zwar eigentlich auf diesen Unternehmenskreis beschränken. Dadurch werden aber auch sogenannte Zombie-Unternehmen am Leben gehalten. Deren Zahl könnte sogar zunehmen. In der Politik wird zudem mittlerweile eine Verlängerung der Meldepflicht-Aussetzung bis zum Ende des Jahres oder sogar bis Ende März 2021 diskutiert. Eine solche Verlängerung dürfte das Problem noch deutlich verschärfen.

Als Zombie-Unternehmen bezeichnete man ursprünglich Firmen, die nur aufgrund der extrem niedrigen Zinsen der letzten Jahre überleben, bei „Normal-Zinsniveau“ aber nicht in der Lage wären nachhaltig ihren Zins- und Tilgungsverpflichtungen nachzukommen. Obwohl ihre Einnahmen aus dem operativen Geschäft zu gering sind, scheiden sie daher nicht aus dem Markt. Ähnlich wie Niedrigzinsen wirken auch staatliche Corona-Hilfen wie Sonderkredite oder die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht.

Unabhängig vom tatsächlichen Zeitpunkt wird es im Anschluss an das Auslaufen dieser Regelung zu einer Insolvenzantragswelle kommen. Ja länger die Aussetzung dauert, desto stärker dürfte die Zahl der Insolvenzen danach in die Höhe schnellen. Alleine von März bis Juli gab es trotz der Krise über 1.430 Insolvenzmeldungen weniger als im Vorjahr. Das sind immerhin über 17%. In dieser Zahl ist noch nicht einmal ein wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie höchstwahrscheinlicher Anstieg berücksichtigt!

Dies stellt ein beträchtliches Risiko für die deutsche Wirtschaft dar. Schließlich könnten das Auseinanderbrechen von Wertschöpfungsketten durch die Insolvenz von Lieferanten oder der Ausfall von Kundenforderungen auch die Erholung vieler weiterer Unternehmen beeinträchtigen. Außerdem binden Zombie-Unternehmen knappe Ressourcen – wie beispielsweise Fachkräfte – in ineffizienten Strukturen. Diese fehlen dann Unternehmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell. Das bremst nicht nur deren Wachstum, sondern das der gesamten Volkswirtschaft.

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Ein Kommentar

Völlig richtig! Unsere politischen Entscheider machen damit eines sehr deutlich: Dass sie über wenig bis gar keinen wirtschaftlichen Sachverstand verfügen. Leider ein sehr erschreckendes und trauriges Zeugnis.

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