Verspäteter Sommerschlussverkauf drückt Inflationsrate in der EWU unter Null

Die Inflation im Euro-Raum hat sich im August recht deutlich abgeschwächt. Der harmonisierte Verbraucherpreiseindex (HVPI) in der Währungsunion sank von +0,4 auf -0,2 Prozent. Dabei wird die Gesamtinflation weiterhin durch das niedrige Niveau der Energiepreise gedämpft. Das Gros des Rückgangs in zahlreichen Ländern ist jedoch dem verspäteten Sommerschlussverkauf zuzuschreiben, der in Folge der Corona-Pandemie vom Juli auf den August verschoben wurde.

Im Warenkorb der Verbraucher ließ nämlich maßgeblich der Preisauftrieb bei den industriellen Gütern ohne Energie nach. Dies sind typischerweise die Waren des klassischen Einzelhandels. Während beispielsweise in Italien und Frankreich im Vormonat Bekleidung und Schuhe ungewöhnlich teuer waren und damit die gesamte Inflationsrate merklich angeschoben hatten, fiel der Preisauftrieb mit dem Sommerschlussverkauf im August deutlich ab.

Auf Länderebene waren die Korrekturen unter anderem bei den Jahresraten in Frankreich und in Italien zu spüren. In Frankreich ging die Inflationsrate von 0,9 auf 0,2 Prozent zurück, in Italien rutschte sie sogar von zuvor 0,8 auf -0,5 Prozent und damit in den negativen Bereich ab. Aber auch in Belgien und in den Niederlanden gab die Jahresrate überproportional stark nach. Die deutsche Inflationsrate ging hingegen nur leicht von 0,0 auf -0,1 Prozent zurück. Hier wird die Entwicklung allerdings von der Mehrwertsteuersenkung im Juli überlagert.

Mit dem Wegfall des Sondereffekts der verschobenen Sommerschlussverkäufe im Juli und August, sollte sich die Verbraucherpreisentwicklung in den kommenden Monaten wieder auf niedrigem Niveau normalisieren. Auch die Preisrückgänge bei Energie dürften mit einer weiteren Stabilisierung des Ölpreises allmählich nachlassen. Die Inflationsrate bleibt damit allerdings weiter unter dem Ziel der Europäischen Zentralbank.

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