Bauboom stützt die deutsche Wirtschaft

Dass die deutsche Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie nicht noch tiefer in die Rezession gerutscht ist, hat sie neben dem Staatskonsum vor allem der – im Gegensatz zu anderen Ländern wie etwa Großbritannien – erfreulichen Entwicklung der Bauwirtschaft zu verdanken. Zwar gaben auch die Bauinvestitionen in diesem Frühjahr nach. Das lag aber nicht an der Corona-Krise, sondern an der überaus guten Entwicklung im ersten Quartal.

Die Bauinvestitionen nahmen im ersten Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum real um 3,2 Prozent und nominal sogar um 6,3 Prozent zu. Zum Vergleich: Die Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen brachen im gleichen Zeitraum nominal um 18 Prozent und real um über 19 Prozent ein. Damit stieg die Bedeutung der Bauinvestitionen für die deutsche Wirtschaft weiter. Lag der Anteil der Bauinvestitionen am nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Halbjahr 2005 noch bei lediglich 8,7 Prozent, betrug er in der ersten Hälfte dieses Jahres 12,1 Prozent.

Obwohl die Auftragseingänge im Juli hinter dem Rekordniveau vom Juli 2019 sowie hinter dem Vormonat zurückblieben, setzt sich die Erfolgsgeschichte der deutschen Bauindustrie vorerst fort: Im Juni übertrafen die Umsätze des Bauhauptgewerbes das Ergebnis des Vorjahres um 11 Prozent. Für das erste Halbjahr insgesamt steht ein Plus von 6,5 Prozent zu Buche. Dies hatte auch positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Im ersten Halbjahr gab es 1,6 Prozent mehr Beschäftigte im Bauhauptgewerbe als vor einem Jahr. Auch im mittelständisch geprägten Ausbaugewerbe stiegen die Umsätze in den ersten sechs Monaten dieses Jahres (+ 5,4 Prozent). Die Beschäftigtenzahl legte um ein Prozent zu.

Beide großen Bausegmente trotzten damit der Corona-Krise. Allerdings geraten sie nicht zuletzt wegen des Fachkräftemangels an ihre Kapazitätsgrenzen. Das macht sich auch bei den Preisen bemerkbar. So stiegen die Erzeugerpreise im Hoch- und Tiefbau in der ersten Hälfte dieses Jahres um über 3 Prozent, während sie im verarbeitenden Gewerbe leicht nachgaben.

Bei langfristiger Betrachtung ist der Aufschwung im Baugewerbe zwar insbesondere dem Wohnungsbau zuzuschreiben. Seit 2017 konnte aber auch der öffentliche Bau überdurchschnittlich zulegen. Das ist vor allem auf den endlich begonnenen Abbau des Investitionsstaus bei der Infrastruktur zurückzuführen. Auf längere Sicht hin dürfte sich diese Entwicklung aber nicht einfach fortsetzen. Spätestens wenn die staatlichen Haushalte erneuten Sparzwängen unterworfen sind, werden öffentliche Bauinvestitionen wieder auf den Prüfstand kommen. Dies dürfte bei den Kommunen zuerst der Fall sein.

Die Investitionen im Gewerbebau haben sich in den letzten 20 Jahren merklich schwächer entwickelt als im öffentlichen Bau und im Wohnungsbau. Sie bleiben derzeit sogar deutlich unter ihrem Niveau aus dem Jahr 2000. Zudem kann sich der Gewerbebau den Auswirkungen der Corona-Krise nicht ganz entziehen. Eine Ausnahme sollte wegen des Siegeszuges des Online-Handels jedoch die Nachfrage nach Logistikimmobilien darstellen.

 

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