EZB bleibt auf Kurs

Die europäischen Währungshüter stimmen darin überein, dass nach wie vor ein umfangreicher geldpolitischer Stimulus geboten sei. Dies geht aus dem Protokoll der EZB-Ratssitzung vom 9./10. September hervor. Zwar deuten die jüngsten Konjunkturdaten, im Einklang mit den EZB-Projektionen, auf eine kräftige Erholung der wirtschaftlichen Aktivität hin, doch bestehen zugleich erhebliche Abwärtsrisiken. In diesem Zusammenhang wird auf die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie und den zunehmend wahrscheinlichen No-Deal Brexit verwiesen. Die EZB werde daher zunächst eine abwartende Haltung einnehmen und die weiteren Wirtschaftsdaten sehr sorgfältig analysieren.

Zugleich heben die Notenbank-Oberen aber ihre grundsätzliche Handlungsbereitschaft hervor, sollte dies mit Blick auf den zukünftigen Inflationspfad notwendig werden. In diesem Zusammenhang habe man unter anderem auch die weitere Entwicklung des Euro-Außenwerts im Blick. Man sei grundsätzlich bereit, alle zur Verfügung stehenden geldpolitischen Instrumente zu adjustieren. Im Zuge der Beratungen wurde nochmals besonders hervorgehoben, dass man davon ausgehe den PEPP-Verfügungsrahmen (1.350 Mrd. Euro) gänzlich auszuschöpfen. Allerdings könne das monatliche Ankauftempo gedrosselt werden, um sich damit einen Puffer zu verschaffen sollten erneut Verwerfungen am Anleihemarkt auftreten. Nach Einschätzung der EZB-Oberen ist das PEPP derzeit das wichtigste Instrument zur Steuerung der Geldpolitik. Eine Zinssenkung oder eine Adjustierung der TLTRO-Konditionen sind aber auch nach wie vor Bestandteile des EZB-Instrumentenkastens.

Im Zuge der September-Ratssitzung haben die EZB-Vertreter mögliche störende Einflüsse auf den geldpolitischen Transmissionsprozess debattiert. Es wird unter anderem befürchtet, dass aufgrund der anhaltenden Unsicherheit über den weiteren Konjunkturausblick die Kreditvergabe des Bankensektors eingeschränkt werden könnte. Vor diesem Hintergrund würden staatlichen Garantiesystemen besondere Bedeutung zukommen. Die vorliegenden Accounts bestärken uns in unserer Einschätzung, wo-nach die Notenbank grundsätzlich weiter handlungsbereit ist. Wir rechnen zum Ende des Jahres mit einer erneuten Ausweitung des geldpolitischen Stimulus durch eine Verlängerung bzw. Aufstockung des PEPP, die von einer Erhöhung des Tiering-Faktors begleitet werden könnte.

 

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