Deutschland mit Nachholbedarf bei Investitionen in Software und Datenbanken

Der internationale Erfolg der Digitalisierung spiegelt sich vor allem in den Investitionen in Software und Datenbanken, aber auch in den Investitionen für Forschung und Entwicklung (F&E) wider. Seit den neunziger Jahren wuchsen die Investitionen in diesen beiden Segmenten auch in Deutschland überdurchschnittlich und erwiesen sich dabei als relativ krisenresistent, ganz im Gegensatz zu den Ausrüstungsinvestitionen. Im zweiten Quartal 2020, also mitten in der Corona-Krise, konnten sie zusammengenommen sogar gegenüber dem Vorquartal zulegen, als einzige Komponente des deutschen Bruttoinlandsprodukts neben dem Staatskonsum.

Im internationalen Vergleich sind in Deutschland zwar die Investitionen in F&E von überdurchschnittlicher Bedeutung für das Bruttoinlandsprodukt. In vielen anderen Ländern spielen Investitionen in Software und Datenbanken aber eine weitaus größere Rolle als in Deutschland. Gegenüber den Vereinigten Staaten, aber auch etwa gegenüber Großbritannien hat Deutschland hier trotz der durchaus positiven Entwicklung der vergangenen Jahre immer noch einen beträchtlichen Nachholbedarf.

Ein wesentlicher Grund für den starken Nachholbedarf ist die besondere Wirtschaftsstruktur Deutschlands. Während in den USA der Computer-, Software- und Technologie­industrie eine besondere Rolle zukommt, ist Deutschland wesentlich stärker auf das verarbeitende Gewerbe konzentriert. So macht das verarbeitende Gewerbe in Deutschland noch mehr als 20 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung aus. In den Vereinigten Staaten fällt dieser Anteil mit 11 Prozent nur etwa halb so hoch und in Großbritannien sogar noch geringer aus.

Dies zeigt sich auch auf Unternehmensebene. So stammen in Deutschland die vier Unternehmen mit den höchsten Ausgaben für F&E alle aus der Automobil- und Zuliefererindustrie. In den USA sind dagegen fünf der für die Forschung und Entwicklung wichtigsten sechs Unternehmen den Segmenten Software und Computer Services sowie Technologie zuzuordnen.

Die Digitalisierung wird auch in Zukunft ihr dynamisches Entwicklungstempo beibehalten. Trends wie die „Cloud“ und „Industrie 4.0“ müssen mit Inhalten gefüllt werden. Dementsprechend werden die Investitionen in Software und Datenbanken in Deutschland dynamisch zulegen müssen. Zusammen mit den Investitionen in F&E dürften sie ab der Mitte des nächsten Jahrzehnts die Höhe der Investitionen in Maschinen und Geräte (ohne Fahrzeuge) übertreffen. Dies ist auch notwendig, damit Deutschland international wettbewerbsfähig bleibt.

 

 

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