China findet allmählich zu alter Wachstumsstärke zurück

Nach dem tiefen Corona-Absturz zu Jahresbeginn hat die chinesische Wirtschaft ihre kräftige Erholung über die Sommermonate fortgesetzt. Das jährliche Wirtschaftswachstum beschleunigte sich von 3,2 auf 4,9 Prozent im dritten Quartal und ist damit nicht mehr weit von seinem früheren Wachstumspfad entfernt. Bereits mit dem zweiten Quartal konnte China das Vorkrisenniveau seiner Wirtschaftsleistung wiederherstellen. Für das Gesamtjahr zeichnet sich nun ein Wachstum von rund zwei Prozent gegenüber 2019 ab. Damit zählt China zu den ganz wenigen Ländern, die in diesem Jahr überhaupt eine positive Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr erzielen werden und erweist sich einmal mehr als globale Konjunkturlokomotive.

Positiv ist, dass der Schwung der Erholung bis zuletzt angehalten hat. Sowohl die Industrieproduktion als auch der Einzelhandel konnten ihr Wachstum im September deutlich beschleunigen. Das Wirtschaftsklima hat sich zuletzt weiter aufgehellt. Positiv ist auch, dass der Aufschwung zunehmend an Breite gewinnt. Kamen zu Beginn der Erholung noch wesentliche Anschubhilfen von staatlichen Konjunkturstimuli, zeigte sich das Wirtschaftswachstum zuletzt deutlich weniger abhängig von den Impulsen öffentlicher Investitionen. Stattdessen melden sich jetzt die konsumnahen Dienstleistungsbereiche zurück. Sie profitieren davon, dass die Verbraucher ihre lange anhaltenden Corona-Sorgen ablegen und versäumte Käufe und Aktivitäten nachholen. So war beispielsweise die inländische Reisetätigkeit in der ersten Oktoberwoche, der sog. „Goldenen Woche“, ausgesprochen lebhaft. Das sind ermutigende Signale für die Konjunkturentwicklung im Schlussquartal.

Zu den wichtigen Säulen des Aufschwungs gehörten bis zuletzt auch die Exporte, die trotz der tiefen globalen Rezession in den vergangenen Monaten deutlich zulegen konnten. Hier machte sich die weltweit hohe Nachfrage nach medizinischer Schutzausrüstung, Büroausstattung und Unterhaltungselektronik bemerkbar. Zugute kam Chinas Exportindustrie auch, dass sie bereits früher wieder lieferfähig war als die internationale Konkurrenz, wodurch sie auf vielen Absatzmärkten Marktanteile hinzugewinnen konnte. Allerdings ist durch die erneute weltweite Verschärfung der Corona-Restriktionen in den kommenden Monaten mit einigem Gegenwind zu rechnen. In China selbst ist die Epidemie dagegen weiterhin unter Kontrolle. Die strikte „Null-Fälle“-Politik Pekings zahlt sich inzwischen in der Normalisierung des Konsums aus.

Entscheidend für die Weltwirtschaft ist, dass Chinas Importe inzwischen wieder kräftig anziehen. Vor allem Rohstoffexporteure profitieren aktuell von der hohen Nachfrage nach Aluminium, Kupfer oder Stahl. Aus den USA führt China wieder vermehrt Soja, Weizen und Flüssiggas ein, die asiatischen Nachbarstaaten liefern elektronische Bauteile für die Endfertigung zahlreicher Konsumgüter. Nur die Reiseländer werden noch länger auf die zahlungskräftigen chinesischen Touristen verzichten müssen, da China sich zum Infektionsschutz weiterhin massiv abschottet. Das bekommen nicht nur asiatische Reiseziele wie Thailand, Japan oder Korea zu spüren, sondern auch europäische Länder wie Frankreich und Italien. Für China selbst könnte sich dieser Isolationismus längerfristig allerdings ebenfalls als schädlich erweisen.

 

 

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