US-Wirtschaft wächst vor Präsidentschaftswahl kräftig, Ankündigungen der Bewerber müssen Taten folgen

Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl meldet das Bureau of Economic Analysis ein überaus kräftiges Wirtschaftswachstum für das dritte Quartal: Zwischen Juli und September ist das Bruttoinlandsprodukt der USA mit einer annualisierten Rate von mehr als 33 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen! Die starken Nachholeffekte nach der Lockerung von Corona-Restriktionen und die staatlichen Stützungsmaßnahmen haben für einen ordentlichen Schub gesorgt. So trieb vor allem die rege Konsumtätigkeit die Wirtschaft an.

Den enormen Coronabedingen Konjunktureinbruch im ersten Halbjahr hat die Wirtschaft damit zwar noch nicht ausgeglichen. Das BIP liegt noch 3,5 Prozent niedriger als vor der Corona-Rezession – im vierten Quartal 2019. Die jüngsten Wachstumszahlen zeigen aber, dass sich die Wirtschaft eigentlich auf einem sehr guten Weg befindet. Doch der weitere Erholungspfad ist mit vielen Steinen gesät: Zum einen steigen auch in den USA die Corona-Neuinfektionen rasant an und erhöhen das Risiko neuer Eindämmungsmaßnahmen. Wichtige Handelspartner begeben sich bereits wieder in einen Lockdown. Zum anderen lässt die Schubkraft der bisherigen Konjunkturmaßnahmen nach und die Bremswirkung der weiterhin schwierigen Arbeitsmarktlage dürfte zunehmend in den Vordergrund treten. Das hohe Wachstumstempo wird daher nicht zu halten sein, wir rechnen mit einer deutlichen Verlangsamung der Konjunkturdynamik schon im Schlussquartal 2020.

Für die künftige Regierung besteht somit Handlungsbedarf: Den lauten Ankündigungen, die Wirtschaft weiter zu stützen und Millionen Jobs zu schaffen, müssen Taten folgen. Joe Biden hat höhere Staatsausgaben in Aussicht gestellt, Trump Steuersenkungen. Dass die Mehrheitsverhältnisse in den Kammern des Kongresses nach der Wahl größere Reformen in den nächsten Jahren zulassen, ist dabei nicht gesichert. Zu hoffen ist aber, dass nach der Wahl die Verhandlungen über ein neues Konjunkturpaket ernsthaft fortgeführt werden. Das müsste im Interesse aller liegen. Es wird zu den ersten Aufgaben des neuen Präsidenten gehören, dieses voranzutreiben. Andernfalls droht die Wirtschaft wieder stark abzubremsen.

 

 

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