Bitcoin auf der Jagd nach neuen Rekorden?

Die führende Kryptowährung Bitcoin hat sich mit knapp 16.000 USD jüngst in Kurshöhen empor gewagt, die seit Anfang 2018 nicht mehr verzeichnet wurden. Dieses Niveau allein auf das Hin und Her bei der US-Präsidentschaftswahl und eine damit potenziell einhergehende Unsicherheit über die politische Zukunft der größten Volkswirtschaft der Welt zurückzuführen, greift dabei sicherlich zu kurz. Zum einen kann angesichts aufwertender Schwellenländerwährungen und weltweit steigender Aktienkurse von einer großen Verunsicherung nicht die Rede sein. Zum anderen hält die Aufwärtsbewegung der Kryptowährung bereits seit Anfang September an.

Treiber der positiven Dynamik ist vor allem die Hoffnung auf eine langfristig höhere Nachfrage und wachsende allgemeine Akzeptanz. Grundlage dieser Einschätzung mit Blick auf institutionelle Investoren sind Meldungen über die Vermögensverwalter Grayscale und Fidelity. Der Bitcoin-Fonds des erstgenannten verzeichnete zuletzt Rekordzuflüsse, während Fidelity ankündigte, entsprechende Aktivitäten auf Asien auszuweiten. Die Aussicht auf mehr Nachfrage vonseiten privater Haushalte dürften Bitcoin-Anhänger mit Ankündigungen des Zahlungsdienstleisters Paypal in Verbindung bringen. Nicht nur ist es in den USA mittlerweile möglich, über die Plattform Bitcoin zu kaufen, aufzubewahren und zu verkaufen. Darüber hinaus soll es zeitnah die Option geben, bei Händlern mit Kryptowährungen zu bezahlen. Hierin sehen einige Beobachter einen bedeutenden Schritt, um Bürgern die Handhabung sowie den Einsatz von Bitcoin zu vereinfachen und damit den Boden für eine zunehmende Akzeptanz der Kryptowährung zu bereiten.

Als grundlegend für eine langfristig anhaltende Nachfrage von (institutionellen) Investoren und Privatbürgern nach Kryptowährungen gilt ein vorgegebener regulatorischer Rahmen. Einen wesentlichen Schritt in diese Richtung ist die EU-Kommission Ende September mit ihrem Vorschlag für eine Regulierung von Krypto-Werten („Markets in Crypto-Assets“ oder MiCA) gegangen. Ziel ist es, EU-weit für einheitliche Regeln zu sorgen. Ende 2022 könnte die EU-Verordnung in den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. So schnell wird es bei den Bemühungen der Europäischen Zentralbank zugunsten eines „digitalen Euro“, also einer digitalen EUR-Zentralbankwährung, aller Voraussicht nach zwar nicht gehen. Dass die Notenbank diese Thematik verstärkt diskutiert und damit in die öffentliche Aufmerksamkeit trägt, werten einige Kryptowährungs-Befürworter aber bereits als Erfolg (wenngleich unklar ist, ob die Blockchain-Technologie hier überhaupt eine Rolle spielen wird).

Nachvollziehbar sind diese Argumente für den Kursanstieg zwar durchaus. Eine Garantie für eine Fortsetzung der positiven Dynamik oder auch nur eine Seitwärtsbewegung sind diese allerdings nicht. Die (Hoffnung auf eine künftig noch) höhere Nachfrage kann ebenso schnell verschwinden, wie sie aufgekommen ist – das hat die Vergangenheit bereits mehrfach und eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Dies gilt vor allem, solange ein vertrauenswürdiges Konzept, anhand dessen sich ein „fairer Wert“ ableiten lässt, im Gegensatz zu traditionellen Währungen (z.B. die Kaufkraftparität) nicht existiert.

 

 

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