Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Gewerblicher Immobilienmarkt noch unbeeindruckt vom Abschwung

Ohne den Klimawandel wäre der Immobilienmarkt vermutlich das Top-Thema in Deutschland. Fast jede Woche wird über hohe Kaufpreise und kaum noch bezahlbare Wohnungsmieten berichtet. Und die Finanzaufsicht sorgt sich über hohe Bewertungen von Wohn- und Gewerbeimmobilien. Mit Blick auf negative Anleiherenditen wird das Interesse am Immobilienmarkt aber sobald nicht abreißen. Dabei haben sich die Rahmenbedingungen für die gewerblichen Immobilienmärkte an den sieben deutschen Top-Standorten – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – verschlechtert. Internationale Krisen belasten den Export. Die Konjunktur schrammt möglicherweise knapp an einer Rezession vorbei. Dem Handel macht der boomende E-Commerce immer stärker zu schaffen. Die Top-Standorte leiden jedoch weniger unter einer rückläufigen Passantenfrequenz, die den Shopping-Meilen in vielen Städten zusetzt. Hier kann sich der Einzelhandel dank des wachsenden Käuferpotenzials durch steigende Einwohnerzahlen und einen florierenden Tourismus behaupten. Nennenswerte Mietrückgänge sind bislang ausgeblieben. Die rückläufige Flächennachfrage der Textilretailer wird von Gastronomen, Drogerien sowie Supermärkten aufgefangen. Dagegen…

Viel Lärm um nichts? Trump kündigt Teilabkommen im Handelsstreit mit China an

China und die Vereinigten Staaten scheinen auf eine Teillösung im Handelsstreit zuzusteuern. Die in der vergangenen Woche wieder aufgenommenen Gespräche zwischen den beiden Ländern hätten damit zumindest einen ersten Erfolg gebracht. Allerdings: In den vergangenen knapp zwei Jahren, in denen der Konflikt nach und nach immer weiter eskalierte, war ein Abkommen schon häufiger in greifbare Nähe gerückt. Es scheiterte dann aber immer wieder an unannehmbaren oder kaum umsetzbaren Forderungen auf beiden Seiten sowie letztlich auch an der Sprunghaftigkeit Donald Trumps. Dies ist auch dieses Mal nicht auszuschließen. Kernstück des Teilabkommens ist nach Aussage des US-Präsidenten die Bereitschaft der Chinesen, amerikanische Agrarprodukte im Wert von 40 Mrd. bis 50 Mrd. US-Dollar pro Jahr abzunehmen. Auch Teil der Lösung sollen höhere Importe von Boeing-Flugzeugen mit einem Umfang von bis zu 20 Mrd. US-Dollar sein. Darüber hinaus soll es eine erste Verständigung in den kritischen Streitpunkten zu Währungsfragen und zum Schutz geistigen Eigentums…

Erdogans Feldzug in Syrien hat Folgen

Überraschend kommt die vergangene Woche begonnene Offensive der türkischen Armee im Norden Syriens nicht. Seit Monaten hat Präsident Erdogan angekündigt, eine Pufferzone an der türkischen Grenze auf syrischem Gebiet etablieren zu wollen. Bislang wird das Terrain von kurdischen Milizen, den Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) kontrolliert. In den Augen der Türkei handelt es sich bei dieser Gruppierung um eine terroristische Vereinigung. Möglich wurde der Einmarsch türkischer Truppen erst durch den Rückzug des wichtigsten Verbündeten der SDF. So hatte US-Präsident Trump jüngst überraschend den Rückzug der verbliebenen Militärangehörigen seines Landes aus dem Norden Syriens bekanntgegeben. Nicht nur die Kurden werteten diese Ankündigung als Dolchstoß, selbst in den USA wurde viel Kritik gegenüber dem Vorgehen Trumps laut. Für Präsident Erdogan dürften nicht zuletzt innenpolitische Motive eine Rolle für den Feldzug spielen. Nach dem schlechten Abschneiden seiner AKP bei den Kommunalwahlen vom Frühjahr sowie der weiterhin angeschlagenen wirtschaftlichen Situation seines Landes kann das Staatsoberhaupt…

Libra – Großangriff auf die Zentralbanken dieser Welt?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht einer oder mehrere Vertreter vonseiten der Politik, der Finanzaufsicht und von Zentralbanken zu der von einem Konsortium um den Tech-Giganten Facebook geplanten Kryptowährung Libra äußern. Und zumeist sind es lautstarke Kritik oder zumindest mahnende Worte, die zu vernehmen sind. Dies zeigt vor allem eines: Auch wenn sich das Libra-Projekt in einem vorläufigen Stadium befindet, wird die private weltweite Einheitswährung von vielen als ernst zu nehmende Konkurrenz für das etablierte Geld- und Finanzsystem wahrgenommen. Dies gilt nicht zuletzt vor dem Hintergrund der großen Nutzerbasis und der Finanzkraft der beteiligten Unternehmen. Die von den Initiatoren ausgegebenen Ziele sind es sicherlich nicht, die den Kritikern Furcht einflößen. Wer könnte schon etwas dagegen haben, insbesondere denjenigen Menschen auf der Welt einen Zugang zu Finanzdienstleistungen zu eröffnen, die bislang ausgeschlossen sind – sofern sie nur über ein Smartphone und Internetzugriff verfügen? Auch ist die Idee, Finanztransaktionen…

Wachstumsinseln verschwinden

Die Konjunkturdynamik verliert an Schwung. Nicht nur in Deutschland, in allen Ländern kann man diese Entwicklung beobachten. Selbst Wachstumsinseln, wie Polen, können sich hiervon nicht abkoppeln. Die internationale Verflechtung ist viel zu groß geworden, als dass sich Länder nachhaltig diesem globalen Trend entziehen können. Die Synchronisierung der Weltwirtschaft wird durch den gleichzeitigen Einsatz fiskalpolitischer Instrumente weiter verstärkt. So laufen nun Geld- und Fiskalpolitik zunehmend im Gleichschritt. Deutschland spielt hier eine besondere Rolle. In Deutschland überlagern sich zwei Entwicklungen. Zum einen der zyklische Konjunkturabschwung und zum anderen die Strukturkrise in der Automobilindustrie. Hier gilt es nun darauf zu achten, dass die Strukturkrise sich nicht verfestigt und zu einer nachhaltigen Konjunkturkrise führt. Dies erfordert von den Unternehmen nun zum Teil mutige Entscheidungen hinsichtlich der zukünftigen Aufstellung. Das politische Umfeld ist hierfür jedoch wenig hilfreich, da man kaum noch verlässliche Rahmenbedingungen vorfindet. Mit Libra, der digitalen Währung von Facebook, zeigt sich einmal mehr,…

Die Welt in drei Grafiken

Die Wachstumsdynamik lässt nach und der Ausblick verspricht keine schnelle Besserung der wirtschaftlichen Situation. Die Inflation ist dabei in fast allen Ländern relativ niedrig und in einigen Zentralbanken macht man sich zunehmend Sorgen über den mittelfristigen Inflationsausblick und der Verankerung der Inflationserwartungen. Entsprechend sind die Notenbankzinsen bereits jetzt sehr niedrig, sollten aber noch weiter fallen. Zudem werden alternative Zentralbankinstrumente genutzt, um das geldpolitische Umfeld weiter zu lockern.