Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
DAX vor Rekordstand – was nun?

Die weltweit wenig dynamisch verlaufende Konjunktur belastet das heimische Exportgeschäft. Die so wichtige Automobilindustrie befindet sich im langfristigen strukturellen Wandel – mit unklarem Ausgang – und viele Firmen im DAX kämpfen immer noch mit hausgemachten Problemen. Trendthemen aus den Bereichen Technologie, Internet und anderen Sektoren werden in den USA und China vorangetrieben, nicht in Deutschland. Kein Wunder, dass sich der bald höchste Stand der DAX-Geschichte etwas falsch anfühlt. Schließlich sinken die Gewinne der DAX-Unternehmen seit gut drei Jahren. Ohne den Erfolgsgaranten im Index (SAP, Allianz, Adidas oder Siemens), die die Kursverluste der „Minderleister“ überkompensieren konnten, nahetreten zu wollen: Tatsächlich ist ein wesentlicher Teil des DAX-Aufschwungs nicht mit der „Sexyness“ der Indexunternehmen zu begründen, sondern vielmehr mit der Tatsache, dass der DAX ein „Total Return“-Index ist. Hinzu kommt, dass Aktienanlagen, im Gegensatz zu Anleihen, immer noch einen signifikanten Ertrag abwerfen. Gut sieben Prozent beträgt die Gewinnrendite der DAX-Unternehmen, gemessen an der…

In der EZB werden erste Bedenken gegenüber Negativzinspolitik sichtbar

Die Zusammenfassung der letzten Ratssitzung der EZB im Dezember (Accounts) gibt keine Hinweise auf eine baldige Änderung des geldpolitischen Kurses. Die Währungshüter rechnen weiterhin mit einer anhaltend schwachen Wachstumsdynamik im Euroraum, aber zumindest wurden erste Anzeichen für eine konjunkturelle Stabilisierung ausgemacht. In diesem Zusammenhang wird auf die Annäherung im Handelsstreit (China/USA) verwiesen, wodurch eine Eskalation des Konflikts weniger wahrscheinlich geworden sei. Da aber nach wie vor Unsicherheitsfaktoren (u.a. Brexit) bestehen, seien die Konjunkturaussichten weiterhin mit Abwärtsrisiken behaftet. Hinsichtlich der Inflationsentwicklung zeigen sich die Währungshüter überzeugt, dass in den kommenden Monaten mit einem stärkeren Preisauftrieb zu rechnen sei. Das voranschreitende Wirtschaftswachstum und die solide Lohnentwicklung würden diese Tendenz stützen. Im Zuge der Beratungen wurde von einigen Ratsvertretern angeregt, die Ursachen für die auf niedrigem Niveau verharrende Inflationsentwicklung näher zu untersuchen. In diesem Zusammenhang ist unter anderem darüber gesprochen worden, die Kosten für selbst genutzten Wohnraum stärker zu berücksichtigen. Ein weiterer Diskussionspunkt…

Alles ruhig

Der geopolitische Start des Jahres 2020 war mit den Entwicklungen im Iran zeitweise turbulent. Es hat sich aber einmal mehr gezeigt, dass keine Partei den Beginn einer Eskalationsspirale riskieren möchte. Dies war besonders augenfällig und auch überraschend beim Iran der Fall. Die Art und Weise der Provokation und anschließender Deeskalation folgt aber einem gewissen Muster, das man auch schon in den letzten Jahren immer wieder beobachten konnte. Politische Themen dürften in 2020 auch weiterhin bestimmend sein. Allen voran die Wahl des Präsidenten in den USA im November. Hier sprechen viele Gründe für die Wiederwahl von Trump. Das schwelende Impeachment-Verfahren könnte ihm zwar noch die Wiederwahl verhageln. Aber hierfür müssten noch deutlich mehr Beweise und belastendes Material gegen Trump auf den Tisch. Ansonsten sollte sich der US-Präsident auf seine Mehrheit im Senat verlassen können. Für Europa stehen neben dem Brexit unmittelbar keine politischen Großereignisse an, aber bei der Vielzahl der schwachen…

China: Abschwung pausiert, US-Deal ist aber kein Konjunkturprogramm

Der Konjunkturabschwung in China hat Ende 2019 deutlich an Schärfe verloren. Das Wirtschaftswachstum büßte im vierten Quartal nicht weiter an Tempo ein. Mit unveränderten 6,0% (J/J) liegt der aktuelle Wachstumswert nicht nur im Rahmen der Markterwartungen, sondern auch knapp innerhalb der von Peking vorgegebenen Wachstumsspanne – das ist in China immer noch ein Politikum. Sicherlich haben die Deeskalation im Handelsstreit mit den USA und die Hoffnung auf zumindest eine partielle Einigung ihren Teil dazu beigetragen, um den Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft zu mildern. Auch wenn US-Präsident Trump zunächst lediglich weitere Zollerhöhungen von der Agenda nahm, verschaffte dies Chinas Exportindustrie in den vergangenen Monaten eine Atempause. Ganz ohne staatliche Anschubhilfe scheint die Konjunkturstabilisierung jedoch nicht ausgekommen zu sein. Dies legt die deutliche Wachstumsbeschleunigung in der Industrie zum Jahresschluss nahe, welche die Handschrift früherer Kurzzeit-Stimuli Pekings trägt, wie wir sie im vergangenen Jahr mehrfach gesehen haben. Mit der nun erfolgten Unterzeichnung…

Überraschender Regierungswechsel in Moskau lässt Rubel kalt

Der russische Präsident Putin hat gestern im Rahmen seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation eine Reihe von Verfassungsänderungen angekündigt, die sowohl dem Parlament als auch der Regierung mehr Befugnisse geben sollen, die Macht des Präsidenten jedoch beschneiden würden. Putin will die Bürger in einem Referendum über das Gesamtpaket der geplanten Änderungen abstimmen lassen. Unmittelbar nach dieser unerwarteten Bekanntgabe, ist die russische Regierung unter der Führung von Ministerpräsident Medwedew geschlossen zurückgetreten. Dieser sagte, er wolle dem Präsidenten mit diesem Schritt Raum für die geplante Änderung der Verfassung geben. Neuer Regierungschef soll der Chef der Steuerbehörde, Michail Mischustin, werden, während für Medwedew das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Nationalen Sicherheitsrats angedacht ist. Nicht unwahrscheinlich, dass Putin mit der geplanten Verfassungsänderung an seinem politischen Machterhalt für die Zeit nach 2024 arbeitet. So endet doch dann zwar seine zweite und damit letztmögliche Amtszeit als Präsident, sieht die Verfassung doch derzeit nur zwei aufeinanderfolgende…

US-Deal mit China – die „harten Brocken“ kommen erst noch

Rechtzeitig zum Beginn des Wahljahres ist es der US-Regierung gelungen, beim Handelskonflikt mit China ein erstes Zwischenabkommen zu vereinbaren. Die plötzliche Einigung nach monatelangem „Hin und Her“ ist sicher der für Trump am 3. November auf dem Spiel stehenden Wiederwahl geschuldet. Im Grunde handelt es sich aber nur um einen Waffenstillstand mit einer teilweisen Rücknahme der bereits verhängten Strafzölle. Dies wird vor allem daran erkennbar, dass unmittelbar weitere Handelsgespräche aufgenommen werden sollen. Hier geht es dann unter anderem um Themen wie die chinesische Industriepolitik und den Schutz des geistigen Eigentums. Also letztlich die wirklich „harten Brocken“, bei denen kaum mit einem Einlenken Chinas zu rechnen ist. Sollten diese Gespräche stocken und auch die Nachfragesteigerung nicht den zugesagten Mengen entsprechen, ist die Gefahr groß, dass sich der Konflikt wieder verschärft. Der Verlauf des Wahlkampfes dürfte hierbei ebenfalls eine Rolle spielen. Gerade die Exportwirtschaft dürfte sich in Anbetracht dieser Unsicherheit bei Investitionen…