Bielmeiers Blog

Aus Informationen Wissen machen.

Wirtschaftsnachrichten selektieren – analysieren – kommentieren. Das ist das Metier von Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt und Bereichsleiter Research und Volkswirtschaft der DZ BANK, und seinem Analystenteam. In seinem Blog zeigt Bielmeier die konjunkturelle Entwicklung in den weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen auf, befasst sich mit den Trends an den internationalen Finanzmärkten und bezieht Position zum aktuellen Politikgeschehen.

Lesen Sie in Bielmeiers Blog die Essenz aus der täglichen Datenflut – machen Sie sich das Expertenwissen zu Nutze.
Anleihekäufe der EZB lassen Target2-Salden steigen

Der deutsche Target2-Saldo ist in jüngster Vergangenheit wieder merklich angestiegen und summiert sich derzeit auf etwa 916 Mrd. Euro (Stand Mai). Im Gegenzug sind auch die Target2-Verbindlichkeiten der europäischen Peripherie weiter angewachsen. Spitzenreiter ist hier weiterhin Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 517 Mrd. Euro. Der Anstieg der Target2-Salden dürfte vor allem durch das Anleiheankaufprogramm der EZB beeinflusst sein. So geht der Anstieg der positiven Target-Salden in Deutschland, Finnland, Luxemburg, Irland und den Niederlanden vergleichsweise eng mit einem Anwachsen des EZB-Anleiheportfolios einher. Perspektivisch ist allerdings davon auszugehen, dass sich das Auseinanderdriften der Target2-Salden weiter fortsetzt. So haben die europäischen Währungshüter zuletzt den Ankaufrahmen für das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) um 600 Mrd. Euro auf nunmehr 1.350 Mrd. Euro aufgestockt. Eine Trendwende bei der Entwicklung der Target2-Salden erscheint daher bis auf weiteres nicht abzusehen. Die Konstruktion des Target2-Systems legt nahe, dass keine gravierenden Risiken für die Gläubiger bestehen, solange das…

Der Euroraum ist stabil

Der konjunkturelle Tiefpunkt wurde im April/Mai durchschritten, soweit die gute Nachricht. Die Tiefe des konjunkturellen Falls war jedoch ohne jedes Beispiel und Folgen für Investitionen und Beschäftigung werden erst in den kommenden Monaten sichtbar werden. Im Euroraum trafen die größten Belastungen Spanien und Italien. Mit Italien war ein Land betroffen, dass bereits in den letzten Jahren von einer ausgeprägten politischen und wirtschaftlichen Strukturkrise erfasst war. Die Staaten haben reagiert und versuchen, durch eine kräftige Steigerung der Staatsausgaben die negativen Effekte der Corona-Krise abzufedern. Die Staatsverschuldungsquote sollte daher auf etwa 104 Prozent des Bruttoinlandsproduktes in 2020 im Euroraum steigen, wobei Italien mit 160 Prozent heraussticht. Diese Entwicklung führte bislang aber nicht zu einer Diskussion über die Stabilität des Euroraums und einer Neuauflage der Eurokrise. Ausschlaggebend für die gelassene Entwicklung war der Zusammenhalt der Euro-Länder und die Unterstützung der EZB. Die EZB hat durch Staatsanleihekäufe und dauerhaft niedrige Zinsen die Schuldentragfähigkeit der…

US-Wirtschaft zwischen Hoffen und Bangen – zweiter Lockdown aber unwahrscheinlich

Die Nachrichten aus den USA sind derzeit zweigeteilt. Auf der Sonnenseite stehen die jüngsten Meldungen zur konjunkturellen Lage. Ob am Häusermarkt, beim Konsum- und Industrieklima oder bei den Beschäftigungszahlen – überall bewegten sich die Indikatoren zuletzt wieder aufwärts, zum Teil sogar sehr steil. Positiv hervorzuheben ist der Einkaufsmanagerindex des ISM für das verarbeitende Gewerbe, der im Juni sogar den Sprung über die Wachstumsschwelle schaffte. Er steht nun bei 52,6 Punkten. Die Lockerungen der Lockdownmaßnahmen und die umfangreichen Staatshilfen haben der Wirtschaft offensichtlich wieder Schwung gegeben. Sicherlich, an die Werte von vor der Krise kommt man noch nicht wieder heran. Zu nennen ist hier insbesondere die Arbeitslosenquote, die aktuell (Juni) 11,1 Prozent beträgt. Im Jahresdurchschnitt 2019, also „vor Corona“, lag sie mit 3,7 Prozent viel tiefer. Dennoch zeigen die Daten, dass sich die Wirtschaft überraschend schnell erholen kann. Wird die Entwicklung der Gesamtwirtschaft sogar die Form eines V annehmen, folgt also…

Der politische Rückenwind für den US-Dollar wird schwächer

Seit Donald Trump vor dreieinhalb Jahren das Amt als US-Präsident übernommen hat, hat er reichlich Anlass zu Diskussionen geboten. In vielen Belangen hat er neue Wege beschritten, gegen diplomatische Konventionen verstoßen und sich regelmäßig an der Grenze des guten Geschmacks entlang gehangelt. Dennoch müssen ihm nicht nur seine Parteifreunde einen bemerkenswerten ökonomischen Erfolg bescheinigen. Alles andere als eine Wiederwahl Trumps schien vor wenigen Monaten undenkbar. Weder der Handelskrieg mit China noch das Amtsenthebungsverfahren konnten dieser Erfolgsgeschichte etwas anhaben. Und dann kam Covid-19. Trump sieht sich derzeit einem bis dato ungeahnten Gegenwind ausgesetzt. Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden verfügt in Umfragen inzwischen über einen äußerst komfortablen Vorsprung. Bis zur US-Präsidentschaftswahl sind es noch 127 Tage, eine kleine Ewigkeit in so volatilen politischen Zeiten wie den aktuellen. Es wäre töricht, bereits jetzt davon auszugehen, dass der Machtwechsel sicher bevorsteht. Nicht nur, dass Trump wie ein angeschossener Tiger aggressiver denn je um jede…