Anja Euler

EZB stockt QE auf – Marktakteure zeigen sich enttäuscht

Die europäischen Währungshüter haben im Rahmen ihrer heutigen Zinssitzung entschieden, den geldpolitischen Stimulus weiter zu erhöhen. So haben die Notenbank-Oberen den Einlagensatz um zehn Basispunkte auf nunmehr minus 0,30% gesenkt. Darüber hinaus wurde beschlossen, das Anleiheankaufprogramm zumindest bis März 2017 zu verlängern. Des Weiteren wird die EZB zukünftig die ihr aus dem QE-Programm zufließenden Zinserträge und Rückzahlungen wieder für Anleihekäufe verwenden. Zu guter Letzt hat die Notenbank auch den Katalog ankaufbarer Wertpapiere erweitert und will zukünftig Anleihen von regionalen Gebietskörperschaften kaufen. Die Marktteilnehmer zeigten sich, ablesbar an den scharfen Reaktionen, sichtlich enttäuscht – hatte die EZB in den letzten Wochen doch selbst dazu beigetragen, dass sich eine hohe Erwartungshaltung (Erhöhung des monatlichen Kaufvolumens, stärkere Einlagensatzsenkung, zweiteiliger Einlagensatz) aufgebaut hatte, die nun enttäuscht wurde. Stattdessen scheint die EZB nun eine entspanntere Haltung einzunehmen. Nach Einschätzung der europäischen Währungshüter sind die heute beschlossenen Maßnahmen dazu geeignet, die Eurozone widerstandsfähiger gegenüber potenziellen konjunkturellen Abwärtsrisiken…

Kanadische Währung kann gegenüber dem Euro weiter punkten

Angesichts der EZB-Entscheidung am Donnerstag steht vor allem Euro-Dollar im Fokus, aber unserer Meinung nach lohnt sich auch ein Blick auf die kanadische Währung. Der niedrige Ölpreis ging am Kurs vom „Loonie“ zwar nicht spurlos vorüber, aber das Sentiment sollte zukünftig weniger darunter leiden. Dies dürfte zum einen damit zusammenhängen, dass nach dem Wahlsieg der Liberalen eine Abkehr von der bisherigen Sparpolitik angekündigt wurde. Vom schuldenfinanzierten Konjunkturprogramm könnten kurzfristig positive Effekte für die Wirtschaft ausgehen. Andererseits wird immer klarer erkennbar, dass der Rohstoffpreisverfall keine langanhaltenden dramatischen konjunkturellen Folgen hat, da die spürbare wirtschaftliche Erholung beim wichtigsten Handelspartner USA Kanada auf die Sprünge hilft. Vor diesem Hintergrund sollten die morgigen Q3-Daten überzeugend ausfallen. Nach einer technischen Rezession im ersten Halbjahr wird vom Markt ein Wirtschaftswachstum von 2,3% (Q/Q annualisiert) erwartet. Die Bank of Canada hat somit gute Argumente, um bei der Notenbanksitzung am Mittwoch den Leitzins von 0,5%, wie vom Markt…

Warnsignale bei Unternehmen und anstehende Zinswende: Bärenmarkt in den USA dürfte sich fortsetzen

Die Berichtssaison in den USA steht vor dem Finale. Über 90% der S&P-500-Unternehmen haben Zahlen über das abgelaufene Quartal vorgelegt. Die Berichte fielen dabei tatsächlich unerfreulich aus, der Indexgewinn beim S&P 500 dürfte im dritten Quartal laut Datenanbieter Factset um 2,1% gefallen sein. Dies ist zwar nicht ganz so schlimm wie zu Beginn der Berichtssaison erwartet (minus 5%), aber immer noch der stärkste Gewinnrückgang seit der Finanzkrise 2008/09. Der amerikanische Aktienmarkt steckt damit offiziell in der Gewinnrezession, definiert als zwei Quartale in Folge mit Gewinnrückgängen. Der Gewinnrückgang ist zu einem großen Teil auf den Einbruch des Ölpreises zurückzuführen. Dieser hat bei den Energiewerten zu einem Ergebnisrückgang von knapp 60% geführt. Zusätzlich belastete auch erneut der starke US-Dollar, der speziell den exportstarken Unternehmen Umsatz- und Gewinnwachstumseinbußen brachte. Neu hinzugekommen ist in der Berichterstattung der Unternehmen die Warnung vor einer Verschlechterung der Wirtschaftslage im verarbeitenden Gewerbe. Speziell Unternehmen aus den Bereichen Werkstoffe…

Spanien: mit der Keule der Justiz

Nur wenige Stunden nachdem die spanische Regierung Beschwerde gegen die Entscheidung des katalonischen Parlaments, den Prozess der Loslösung der Region von Spanien einzuleiten, eingereicht hatte, stoppte Spaniens oberstes Gericht die Pläne bereits. Es ist Katalonien damit solange untersagt, konkrete auf die Unabhängigkeit ausgerichtete Maßnahmen weiterzuverfolgen, bis das Gericht in der Hauptsache entscheidet. Dies kann bis zu fünf Monate dauern. Die Beschwerde der Zentralregierung zielt darauf, dass die Pläne Kataloniens gegen die Einheit des Landes gerichtet seien und deswegen gegen die „Carta Magna“ (spanische Verfassung) verstießen. Der katalonischen Regierung droht die Suspendierung, sollten sie gegen die Entscheidung des Gerichts verstoßen. Ministerpräsident Rajoy hält an seiner unnachgiebigen Politik der „klaren Kante“ gegenüber Katalonien fest. Im laufenden nationalen Wahlkampf dürfte das Stimmen für das konservative Lager sichern, wenngleich eine Regierungsmehrheit für die spanische Volkspartei in weiter Ferne scheint. Kurzfristig – und damit bis zu den Wahlen im Dezember – könnte die Taktik Rajoys…

CE3-Währungen und Leu: Wachstums- und Inflationsdaten im Fokus

Politische Unsicherheit, ein angeschlagenes EM-Sentiment sowie die Markterwartung einer Ausweitung des EZB-QE-Programms im Dezember haben den kleinen osteuropäischen Währungen in der letzten Zeit das Leben schwer gemacht. Ihre überaus solide konjunkturelle Entwicklung ging in dieser Gemengelage unter und konnte ihnen keinen Support bieten. Ende dieser Woche könnte sich das ändern, werden doch dann die vorläufigen BIP-Daten für das dritte Quartal sowohl für die CE3-Staaten als auch für Rumänien bekannt gegeben. Diese dürften mehrheitlich die robuste konjunkturelle Verfassung dieser Staaten einmal mehr eindrucksvoll bekräftigen. Konkret wird z.B. für Polen mit einem BIP-Plus von 3,6% (J/J) gerechnet. Damit hätte die dortige Wirtschaft gegenüber dem bereits starken zweiten Quartal erneut Fahrt aufgenommen. Aber auch die ungarische und die rumänische Wirtschaft müssen sich mit einem erwarteten Zuwachs von 2,7% (J/J) bzw. 3,3% (J/J) nicht verstecken. Die tschechische Wirtschaft sollte zwar im dritten Quartal an Fahrt eingebüßt haben, mit einem erwarteten BIP-Plus von 3,4% (J/J)…

US-Aktienmarkt: Warum gab es noch keinen Crash?

Es ist ungewöhnlich, dass es am amerikanischen Aktienmarkt noch nicht zu einer kräftigen Korrektur kam. Der Aufschwung an den Börsen läuft bereits seit über sechs Jahren, und Belastungsfaktoren gab es mehr als genug. Auch aktuell droht Ungemach: Bei den US-Industrieunternehmen kommt es zur Gewinnrezession. In den vergangenen 45 Jahren waren derartige Gewinnrückgänge ein verlässlicher Frühindikator für eine gesamtwirtschaftliche Rezession. Jedoch halten wir eine solche aus verschiedenen Gründen aktuell für unwahrscheinlich. Die „Zutaten“ für einen Crash sind nach 15 Jahren Niedrigzinspolitik der Notenbanken hinreichend vorbereitet. Sowohl für Unternehmen als auch für Anleger sind in der Vergangenheit Fehlanreize entstanden. Unternehmen konzentrieren sich zu stark auf Finanzoptimierungen und M&A-Aktivitäten, Investoren sind durch das „Crowding Out“ der Notenbanken zu riskanteren Anlagethemen und –instrumenten gewechselt. Aktien werden zunehmend nicht mehr wegen positiver Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung der Unternehmen gekauft, sondern in Erwartung zusätzlicher Nachfrage wegen fehlender Anlagealternativen. Fehlentwicklungen können bis dato jedoch keine schlagende…

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