Hans Jaeckel

Euro-Konjunktur verliert im zweiten Quartal etwas an Fahrt

Nach vorläufigen Daten zum Wirtschaftswachstum des Euro-Raums hat das zweite Quartal eher enttäuscht. Denn das Wachstumstempo hat sich auf Quartalsbasis nicht etwa beschleunigt, sondern von +0,4 Prozent auf +0,3 Prozent verlangsamt. Dies ist insofern überraschend, da die zurückliegende Euro-Abwertung und niedrige Energiepreisen positiv auf die Konjunktur im Euroland gewirkt haben dürften. Details zur Aufschlüsselung der Wirtschaftsentwicklung liegen mit der Schnellschätzung noch nicht vor. Die Ergebnisse aus den Mitgliedsländern lassen aber darauf schließen, dass niedrigere Ausgaben für Energie den Privaten Konsum erneut angeschoben und der gesunkene Außenwert des Euro die Exporte angetrieben haben dürften. Der Schub beim privaten Verbrauch könnte allerdings weniger kräftig ausgefallen sein als erwartet. In Deutschland hat sich das Wachstumstempo zwischen April und Juni nur leicht beschleunigt. Im ersten Quartal war ein relativ schwacher Zuwachs der Wirtschaftsleistung von +0,3 Prozent zu verzeichnen, für das zweite Quartal 2015 ergab die Schnellschätzung nun ein Plus von +0,4 Prozent. Dabei haben…

Euro-Abwertung wird mit Verzögerung in Preisen sichtbar werden

Die Abwertung  des Euro gegenüber den wichtigsten Handelspartnern hat bisher nur bei wenigen Gütergruppen die Preise beeinflusst. Am deutlichsten ist der Effekt noch bei den Energiepreisen. So ist beispielsweise der Ölpreis in Euro gerechnet weniger stark gefallen als in US-Dollar. Die Industriegüterpreise ohne Energie sind aber weiterhin stabil – im Juli waren sie unverändert auf Vorjahresniveau. Die Euro-Abwertung ist also noch nicht bei den Preisen von Endprodukten – und damit in der Inflationsrate – angekommen. Eine Wechselkursänderung arbeitet sich nur mühsam durch die Wertschöpfungskette. Grob gesagt macht sie sich zunächst bei den Importpreisen bemerkbar, frisst sich mit einigen Monaten weiter bis zu den Erzeugerpreisen und dürfte sich mit erneut einigen Monaten Verzögerung dann auf die Endverbraucher überwälzen – die Preissetzungsspielräume der Unternehmen sollten sich im Zuge der Erholung der Euro-Konjunktur verbessern. Die Zeitspanne für dieses Durchwirken beträgt nach historischer Erfahrung zwischen sechs und zwölf Monaten. Die stärksten preissteigernden Wirkungen der…

Griechenland schon mitten in einer schweren Rezession

Wir haben unsere Prognose für die griechische Konjunktur schon vor vier Wochen deutlich nach unten genommen. Mit Wachstumsaussichten von -2,0 Prozent für 2015 und -3,2 Prozent für 2016 ist das Bild schon sehr düster. Erste Vorboten für die Schwere der Rezession untermauern jetzt unsere Sicht. Der Einkaufsmanagerindex für die griechische Industrie ist im Juli mit einem Rückgang von 46,9 Indexpunkten auf 30,2 Punkte regelrecht kollabiert. Die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes berichteten von einem massiven Rückgang der Auftragseingänge sowie großen Schwierigkeiten bei der Bestellung von Vorleistungen und Rohstoffen. Die Kapitalverkehrskontrollen und erhebliche Unsicherheiten wiegen schwer auf der aktuellen Geschäftstätigkeit. Obwohl der Anteil der Industrie an der gesamten Wertschöpfung Griechenlands mit rund 13 Prozent vergleichsweise gering ist, ist der Kollaps innerhalb des Industriebereichs ein deutlicher Vorbote für die wirtschaftlichen Aussichten Griechenlands in den kommenden Quartalen. Die Einschränkung der Geschäftstätigkeit durch die Kapitalverkehrskontrollen und durch die Beschränkung der Zugriffmöglichkeiten auf Bargeldabhebungen hat gemäß…

EWU vor stärkstem Quartalswachstum seit vier Jahren

Inzwischen sind schon erste Meldungen zum Bruttoinlandsprodukt in einigen EWU-Mitgliedsländern im zweiten Quartal hereingekommen. Diese stützen unsere Erwartung, dass sich die Wachstumsdynamik in der Währungsunion im zweiten Quartal auf mindestens 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal beschleunigt hat. Damit dürfte das beste Quartalsergebnis seit immerhin vier Jahren erzielt werden. Zu Jahresbeginn ist die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Nächste Woche folgen dann weitere Meldungen aus den Mitgliedsländern, bevor das europäische Statistikamt Eurostat am Freitag, den 14. August, seine Erstschätzung für das Euroraum-Aggregat meldet. Unter den vier größten Euro-Ländern hat sich Spanien wie schon im Vorquartal als Wachstumslokomotive erwiesen. Das spanische Statistikamt hat bereits einen Quartalszuwachs von 1,0 Prozent gemeldet. In Deutschland dürfte sich das Wachstum auf 0,7 Prozent beschleunigt haben, während Frankreich nach dem starken Jahreseinstieg wieder zu einem moderateren Wachstum von 0,4 Prozent zurückkehren sollte. Für Italien erwarten wir keine Beschleunigung des mäßigen Wachstums von 0,3 Prozent….

EWU: Inflationsrate bleibt weiter auf niedrigem Niveau

Die harmonisierte Inflationsrate des europäischen Währungsgebiets bleibt nach vorläufigen Berechnungen unverändert. Gegenüber dem Juli 2014 verteuerten sich die Güter und Dienstleistungen im Euro-Raum um 0,2 Prozent. Damit bleibt die Inflationsrate weiter nur knapp über der Nulllinie. Auch in den nächsten Monaten dürfte sich am Bild einer schwachen Inflationsentwicklung kaum etwas ändern, da der dominierende Faktor, die Preisentwicklung von Rohöl an den Weltmärkten, auch in den kommenden Monaten weiterhin abwärts gerichtet sein wird und somit die Preise für Energiegüter weiter belastet. Eine Deflation – im Sinne einer über alle Güter und Dienstleistungen abwärts gerichteten Verbraucherpreisentwicklung – sehen wir aber nicht. Nach den Angaben von Eurostat verhinderte hauptsächlich die Komponente Energie erneut einen stärkeren Anstieg des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für die EWU. Energiegüter kosteten 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Preisrückgang fiel damit größer als im Vormonat (-5,1 Prozent). Hier spiegelt sich die Entwicklung des Rohölpreises wieder, der im abgelaufenen Monat…

Aktienstrategie – Analysten trauen Aufschwung nicht

In früheren Marktphasen war es häufig zu beobachten: Je höher die Kurse steigen, desto positiver werden die Analystenempfehlungen und umgekehrt. Ob dieses Verhalten aus der Verwendung von Trendfolgemodellen oder einfach aus einem allgemeinen Herdentrieb resultiert, spielt eigentlich keine wesentliche Rolle. Entscheidend ist, dass Investoren, wenn sie den optimistischen Analysteneinschätzungen gefolgt sind, über kurz oder lang meist beträchtliche Verluste erlitten haben. Auf der anderen Seite sind den Investoren in Phasen negativer Analysteneinschätzungen meist beträchtliche Gewinne entgangen. Allerdings zeigt sich im aktuellen Bullenmarkt ein deutlich anderes Bild. Seit 2012 hat sich bei den Analysten keine besonders positive Stimmung mehr eingestellt. Und obwohl die Börsen aktuell nahe den Höchstständen notieren, zeigen sich die Analysten mit Ihren Empfehlungen inzwischen sehr zurückhaltend. Die Einschätzungen sind aktuell ähnlich negativ wie in den letzten Rezessionsphasen. Dies ist sowohl in Europa als auch in den USA zu beobachten. Die Gründe für diese Zurückhaltung scheinen vielfältig zu sein. Die…

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