Ines Blaschke

Ausblick 2020 mit einzelnen Aufhellungen

Das Jahr 2019 war geprägt durch rückläufige Wachstumsraten – sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern. Dabei war die Entwicklung in den einzelnen Volkswirtschaften aber sehr heterogen. In den Industrieländern folgte die Stärke der Belastungen vor allem der Bedeutung, die die Industrie und der Exportsektor für die Gesamtwirtschaft im jeweiligen Land haben. Deutschland als führende Exportnation und besonders industrielastige Volkswirtschaft wurde auch sehr stark von den Schwierigkeiten im Welthandel getroffen. Auch die Schwellenländer verzeichneten teilweise sehr empfindliche Wachstumseinbußen. Hier spielte zusätzlich vielfach noch eine fehlende bzw. verfehlte Struktur- und Reformpolitik eine erhebliche Rolle. So kommt etwa die indische Regierung im Kampf gegen die überbordende Bürokratie nicht wirklich voran. In der Türkei leiden die notwendigen Auslandsinvestitionen unter der vom autokratischen Regierungsstil verursachten Unsicherheit. Die chinesische Konjunktur ist durch die US-Zölle unter Druck geraten, auch wenn es hier momentan nach einer Teileinigung aussieht. Eine Beruhigung des Handelskonfliktes wird also nicht…

Deutsche Unternehmen gehen mit Hoffnung ins neue Jahr

Die deutschen Unternehmen hoffen darauf, dass das Jahr 2020 nach zwei Jahren mit kontinuierlich schwächer werdender Konjunktur die Wende zum Besseren bringt. Das zeigt die aktuelle ifo-Umfrage: Das Klima in den deutschen Chefetagen ist zum Jahresende 2019 so gut wie seit den Sommermonaten nicht mehr. Die klarere Perspektive beim Brexit und die Fortschritte in den Handelsgesprächen zwischen den USA und China lassen die deutschen Unternehmen aufatmen und die Zuversicht für 2020 steigen. Vor allem die gebeutelte Exportwirtschaft kann auf eine Erholung der Weltkonjunktur und bessere Geschäfte hoffen. Dennoch sollte man nicht übersehen, dass der Geschäftsklimaindex immer noch nicht weit von seinem mehrjährigen Tief aus dem Herbst entfernt ist. Für ein wirklich dynamischeres Wachstum gibt es noch keine Anzeichen. Immerhin: Die fast zwei Jahre andauernde Talfahrt zumindest dürfte nun beendet sein. Das Wachstum in Deutschland bewegt sich derzeit nur noch knapp über der Nulllinie. Der stabile Dienstleistungssektor und die boomende Baukonjunktur…

UK-Wahlen: die perfekte blaue Welle

Seit einer guten Stunde ist sicher, was sich bereits gestern Abend in den Exit-Polls abgezeichnet hatte: Die Konservative Partei, unter der Führung von Boris Johnson, hat die Parlamentswahlen mit einer großen Mehrheit gewonnen. Der Partei ist es gelungen, 362 Sitze (plus 66) zu gewinnen und sich damit die größte absolute Mehrheit für die Tories seit 1987, damals unter Margaret Thatcher, zu sichern. Die Labour-Partei musste hingegen herbe Verluste einstecken, ebenso wie die Liberaldemokraten. Jeremy Corbyn hat seinen Rücktritt bereits in Aussicht gestellt, während die Parteichefin der LibDems, Jo Swinson, ihren Wahlkreis sogar verloren hat. Der einzige große Gewinner neben den Konservativen ist die schottische SNP, der es gelungen ist, deutlich zuzulegen. Parteichefin Nicola Sturgeon hat bereits angekündigt, diesen Sieg zu nutzen, um ihre Pläne für die schottische Unabhängigkeit voranzutreiben. Das neue Parlament wird radikal anders aussehen. Während die konservative Fraktion wesentlich homogener werden dürfte und die innerparteilichen Querelen vielleicht nicht…

Bewertung der Aktienmärkte klettert immer höher

Das Bewertungsniveau der Aktienmärkte ist deutlich angestiegen. Innerhalb der letzten 15 Jahre lag das Kurs- Gewinn-Verhältnis (KGV) des DAX nur Anfang 2015 höher, als die EZB erstmals Anleihen am Markt kaufte. Hier zeigt sich eine interessante Parallele, da die EZB im November, nach kurzer Pause, das Anleihekaufprogramm reaktivierte. DAX-KGV deutlich angestiegen Gleichzeitig fällt jedoch die Wachstumsdynamik der Unternehmensgewinne weiterhin sehr schwach aus. Die Gewinne der DAX-Konzerne werden das zweite Jahr in Folge sinken. Die Kursentwicklung wird somit vollständig durch eine Bewertungsexpansion gespeist und beruht maßgeblich auf der Hoffnung, dass es im nächsten Jahr besser laufen wird. Ähnliche Muster zeigen auch bei den meisten der großen Indizes.   Zwar kommen sowohl seitens der Einkaufsmanagerindizes als auch der Gewinnrevisionen positive Signale, die Unsicherheiten bleiben jedoch hoch. Weder für den Handelsstreit noch im Falle des Brexits konnte bisher eine finale Lösung präsentiert werden. Insgesamt zeigt sich eine äußerst positive Stimmung an den Kapitalmärkten…

ifo-Umfrage: Endlich wieder Hoffnung

Die Unternehmen in Deutschland schöpfen wieder Hoffnung. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe leiden die Firmen schon seit mehr als einem Jahr unter den internationalen Belastungen. Und bei den wichtigsten Themen – Handelsstreit USA-China und Risiko eines „No-Deal-Brexit“ – gibt es nun endlich Fortschritte zu vermelden. Zwar ist noch keine Einigung in trockenen Tüchern, doch hat das Risiko eines Scheiterns der Verhandlungen bei beiden Themen deutlich abgenommen. Das sind gute Nachrichten für die deutsche Konjunktur. Die Industrie kann sich damit immerhin auf niedrigem Niveau stabilisieren, im Dienstleistungssektor läuft es angesichts der steigenden Einkommen ohnehin noch recht rund. Der Handel erwartet ein gutes Weihnachtsgeschäft. Und die Bauwirtschaft bleibt weiterhin ein wichtiger Stützungspfeiler der heimischen Konjunktur. Die Rezession in Deutschland ist abgewendet, auch im vierten Quartal dürfte die deutsche Wirtschaft zumindest ein leicht positives Wachstum aufweisen. Eine kräftige Erholung ist allerdings noch nicht in Sicht. Notwendig dafür wäre eine durchgreifende Belebung der Weltwirtschaft,…

US-Notenbank macht Pause… bis zur nächsten Krise

Das gestern Abend veröffentlichte Protokoll der US-Notenbanksitzung vom 29. und 30. Oktober zeigt, dass die Währungshüter die Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick weiterhin als hoch einstufen. Vor diesem Hintergrund sei eine Leitzinssenkung angebracht gewesen, wenn die Entscheidung hierfür auch knapp ausgefallen war. Die meisten FOMC-Mitglieder waren jedoch auch der Meinung, dass die geldpolitische Ausrichtung nach dem jüngsten Zinsschritt nun angemessen sei. Damit sind weitere Zinssenkungen erst einmal unwahrscheinlich geworden. Für eine Fortsetzung der Zinssenkungen müsste sich der konjunkturelle Ausblick wieder merklich verschlechtern. Die Risiken, die mit dem nach wie vor schwelenden Handelskonflikt mit China einhergehen, sind groß und können auch schnell zu einem bedeutenden Konjunkturrisiko werden. Über den Stand der Verhandlungen zwischen den USA und China gibt es unterschiedliche Interpretationen. Festzuhalten bleibt aber, dass beide Seiten eine positive Entwicklung begrüßen dürften. Auf chinesischer Seite wären gute Nachrichten eine willkommene Ablenkung vom Konflikt rund um Hongkong. Und US-Präsident Trump hätte in…

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