Ines Roth

Corporates – Pensionsrückstellungen: Erholung der Diskontierungssätze sollte sich fortsetzen

Die Pensionsrückstellungen von Unternehmen standen in der Vergangenheit am Kapitalmarkt über einen längeren Zeitraum nicht sonderlich im Fokus der Anleger. Nachdem in der Finanzkrise 2009 aufgrund des weltweiten Einbruchs der Aktienkurse die Pensionsvermögen signifikant gesunken waren, rückten in der jüngeren Vergangenheit hingegen die Pensionsrückstellungen von Kapitalgesellschaften aufgrund der Zinssensitivität der Pensionsverpflichtungen wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verstärkt in den Fokus. Zur Ermittlung des Barwertes der Pensionsverpflichtungen müssen die nach IFRS bilanzierenden Unternehmen einen Diskontierungszins verwenden, der auf qualitativ hochwertigen, manchmal auch als „erstklassig“ bezeichneten Unternehmensanleihen als Datengrundlage basiert. In der Praxis üblich und von den meisten Unternehmen unseres Research-Universums auch verwendet, sind dabei Anleihen mit einem Doppel-A-Rating (Aa / AA). Die zur Diskontierung verwendeten Renditen langfristiger Unternehmensanleihen waren jedoch im Einklang mit der EZB-Leitzinsentwicklung spürbar rückläufig. Je nach Ausgestaltung der Pensionsverträge, der Zusammensetzung der Belegschaft, der durchschnittlichen gewichteten Laufzeit (Duration) der Pensionsverpflichtungen und weiterer Einflussfaktoren steigt bei einem…

Die geldpolitische Welt hat sich nicht verändert.

Die EZB hat mit ihren gestrigen Entscheidungen ihre Politik nicht grundlegend verändert. Es werden weiterhin Anleihen gekauft. Es werden sogar für einen längeren Zeitraum Anleihen gekauft, so dass das Aufkaufvolumen auf mindestens 1500 Mrd Euro ansteigt. Zudem wurden die Zinsen weiter gesenkt – der Einlagensatz liegt nun bei -0,3%. Wenn sich nicht viel verändert hat und die monetäre Lockerung sogar noch ausgeweitet wurde, warum kam es dann zu dieser heftigen Marktreaktion? Letztendlich war es ein Kommunikationsdesaster. Die EZB hat die ins Kraut schießenden Erwartungen, die sie seit der letzten Ratssitzung im Oktober geschürt hatte, nicht gebremst, sondern immer weiter laufen lassen. Ob dies mit Absicht geschah oder nicht, kann man nicht sagen. Aber die Marktreaktionen zeigen deutlich, wie groß die Enttäuschung der Marktteilnehmer ist. Dennoch: Die Geldpolitik ist mit den gestrigen Entscheidungen noch lockerer geworden. Damit hat sich das Marktumfeld nicht verändert, so dass sich die gestrigen Marktreaktionen auch als…

Griechenland: Syrizas Wandlung

Mit 153 zu 137 Stimmen hat das griechische Parlament gestern Abend das mit den Gläubigern vereinbarte Reformpaket verabschiedet. Zukünftig können Banken auch zum Mittel der Zwangsversteigerungen greifen, wenn Kredite Not leiden. Allerdings sind weitreichende Ausnahmen für Geringverdiener als auch für Immobilien mit eher geringem Marktwert vorgesehen. Trotz der vereinbarten Ausnahmen von Zwangsversteigerungen verlangt Ministerpräsident Tsipras seiner linkssozialistischen Partei Syriza damit einen markanten Wandel in Richtung Realpolitik ab. Zwei der Syriza-Abgeordneten verweigerten daher auch ihre Zustimmung zum Gesetzesvorhaben. Ein Mitglied trat von seinem Mandat zurück, ein anderes lehnte es jedoch ab, das Mandat aufzugeben und wurde daraufhin aus der Partei ausgeschlossen. Da auch ein Vertreter des Koalitionspartners ANEL gegen das Vorhaben votierte, ist die Regierungsmehrheit auf nur noch drei Sitze geschrumpft. Trotz der Abweichler kann es Tsipras als Erfolg verbuchen, dass seine Partei dem umstrittenen Vorhaben folgt. Die Partei durchlebt ohnehin seit dem Sommer bereits eine Wandlung, als sich der linke…

Starkes Signal für US-Zinswende im Dezember

Der Wunsch nach mehr Informationen was die US-Zinswende betrifft, hat sich gestern für viele Marktteilnehmer erfüllt. Gleich drei wichtige FOMC-Mitglieder haben sich zu Wort gemeldet und neue Informationen zum geldpolitischen Ausblick geliefert. Fed Chefin Yellen sieht den Dezember-Termin als „echte Möglichkeit“ für eine Straffung der Leitzinsen. Die wirtschaftliche Entwicklung befinde sich auf einem soliden Pfad, so dass eine graduelle geldpolitische Straffung gerechtfertigt sei. Auch wenn die oberste Währungshüterin betonte, dass noch keine Entscheidung über den konkreten Termin gefällt wurde, sei die Zinswende – laut FOMC-Rat – gegen Endes des Jahres wohl angebracht. In das gleiche Horn blies Vize-Chef Fischer. Er gab zu bedenken, dass die Inflationsrate gar nicht so weit vom Zielwert der US-Notenbank entfernt liege. Die Teuerungsraten werden steigen, wenn sich der Rohölpreis stabilisiert. Zuletzt hat sich noch der Präsident der Federal Reserve Bank von New York zu Wort gemeldet. Er klang nicht ganz so überzeugt wie seine Kollegen…

USA: Zuwanderung – ein wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Vereinigten Staaten sind das mit Abstand beliebteste Einwanderungsland der Welt. Dabei geht eine lange Historie mit einem professionellen Management einher. Allein seit 1990 sind jährlich rund eine Million Menschen eingewandert. Die Hälfte der inzwischen in den USA lebenden Immigranten ist in den vergangenen zwanzig Jahren eingewandert – das sind immerhin 20 Millionen Menschen. Im vergangenen Jahr beruhte immerhin knapp die Hälfte des Bevölkerungswachstums auf der Zuwanderung. Auch auf dem Arbeitsmarkt ist die Bedeutung der Immigranten in der Vergangenheit stetig gestiegen. 2015 dürften die eingewanderten Arbeitskräfte fast 17 Prozent des gesamten Arbeitskräfteangebotes ausmachen. Trotz Zuwanderung wird nach einer Prognose des amerikanischen Statistikamtes das Bevölkerungswachstum bis 2040 auf nur noch 0,5 Prozent sinken, von 0,8 Prozent im Jahr 2014. Das liegt daran, dass aufgrund des steigenden Durchschnittsalters das natürliche Wachstum zurückgeht. Bezüglich Immigration unterstellt das Statistikamt bei seinen Projektionen, dass auch zukünftig das Verhältnis der jährlichen Immigranten zu der bereits vorhandenen…

Hohe Unsicherheit = steigender Goldpreis? Fehlanzeige!

Die Aktienmärkte tendierten in den letzten Monaten deutlich schwächer, was vor allem an der rückläufigen globalen Konjunkturerwartung lag. Insgesamt hat sich das Risiko für die weltweite Konjunktur- und Aktienmarktentwicklung erhöht. Der viel beachtete VIX-Index (Volatilitätsindex basierend auf S&P 500 Optionen), der von Marktteilnehmern oft als Unsicherheitsmaß herangezogen wird, stieg zwischenzeitlich auf einen Stand von 40. Mittlerweile ist der VIX-Index auf rund 25 Zähler zurückgefallen, was aber immer noch einen Aufschlag von 47% gegenüber dem fünfjährigen Durchschnitt bedeutet. Der Goldpreis kann von der erhöhten Unsicherheit nicht wirklich profitieren. Zwar ist die Goldnotiz (-4,8%) in den letzten drei Monaten weniger stark gefallen als die Aktienmärkte (DAX: -13,6%; S&P 500: -6,8%), jedoch halten sich die Investoren unverändert zurück und steuern Gold nicht als sicheren Hafen an. Warum kann Gold von den Aktienmarkturbulenzen nicht profitieren? Im aktuellen Umfeld ist die bevorstehende US-Zinswende der dominierende Faktor. Wir gehen davon aus, dass die Fed in der…

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