Maria Viemann

Corona-Krise beflügelt Kryptowährungen

Kryptowährungen sahen zu Beginn der Corona-Pandemie zwar wie eindeutige Verlierer der Krise aus. Dies hat sich jedoch seit Mitte März nach und nach gewandelt, woran auch der jüngste Kursrückgang bei Bitcoin zurück in den Bereich um 10.000 USD nichts ändert. Einen wesentlichen Beitrag zur positiven Dynamik dürften die weltweit zu beobachtende Ausweitung der expansiven Geldpolitik sowie die Fiskalprogramme historischen Ausmaßes geleistet haben. So hat der Mix aus ausufernden staatlichen Schuldenstandsquoten und einem zumindest perspektivisch erheblich zunehmenden Preisdruck offenbar dazu geführt, dass Investoren vermehrt auf die Suche nach Anlagemöglichkeiten außerhalb von Euro, US-Dollar & Co. gegangen sind. Zahlreiche Kryptowährungs-Befürworter gehen zudem von nachhaltigen, Corona-bedingten Verhaltensänderungen der Menschen aus, die zu einer höheren allgemeinen Akzeptanz von Blockchain-basierten Währungen geführt hätten. Hintergrund ist ein unterstellter Strukturbruch in Form eines Digitalisierungsschubs, der durch zunehmende Web-Konferenzen, Homeoffice und vermehrtes Online-Shopping ausgelöst worden sei. Keineswegs neu oder zwingend Corona-bedingt, aber immer wieder für steigende Bitcoin-Kurse gut,…

USA: Erholung am Arbeitsmarkt setzt sich fort, Dynamik dürfte aber weiter abnehmen

Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt hat sich im August aufgrund der konjunkturellen Erholung weiter gebessert: Zwar wurden etwas weniger Jobs geschaffen als im Juli, dennoch fiel das Plus bei der Beschäftigung mit rund 1,4 Millionen insgesamt recht ordentlich aus. Die Arbeitslosenquote sank infolgedessen überraschend stark von zuvor knapp über 10 Prozent auf 8,4 Prozent, möglicherweise eine Folge der nun deutlich reduzierten Bundesszuschüsse zur Arbeitslosenhilfe. Laut dem Statistikamt kommt es aber auch immer noch zu Fehlern bei der Klassifizierung, sodass die Arbeitslosenquote tatsächlich etwas höher liegen dürfte. Nichtsdestotrotz, die jüngsten Arbeitsmarktzahlen geben ein positives Signal für die US-Konjunktur, das gerade im Wahlkampf viel Beachtung erhält und Donald Trump sicherlich willkommen ist. Der Stellenaufbau fand erneut vor allem im Dienstleistungsbereich statt, wo sich die Beschäftigungssituation weiter „normalisiert“. So wurden besonders im Einzelhandel und im Freizeit- und Beherbergungsgewerbe wieder viele Personen eingestellt, die noch infolge des Lockdowns entlassen wurden. Aber auch der Staat…

Wenn die Realität zu kompliziert wird

Die Corona-Pandemie hat Wirtschaft und Gesellschaft in vielen Ländern auf eine harte Probe gestellt. Nicht alle schaffen es, sich der veränderten Realität anzupassen. Bei den Unternehmen gibt es viele Verlierer, auch in bislang eher vom Zeitgeist begünstigten Branchen wie dem Tourismus und dem Flugverkehr. Sie müssen ums Überleben kämpfen, sind teils auf staatliche Hilfe angewiesen. Auch in der Gesellschaft gibt es Gruppen, die mit der neuen Realität nicht zurechtkommen und sich derzeit lautstark bemerkbar machen. Teilweise wird hier die Existenz des Virus einfach negiert. Einfache Lösungen werden gesucht, um der Komplexität der Welt zu entfliehen. Die Helden dieser Menschen sind häufig Politiker wie Donald Trump oder Wladimir Putin, die den Eindruck vermitteln, dass ein einfaches Weltbild und hartes Durchgreifen zur Problemlösung führen können. In dieser speziellen Welt gibt es ein grundsätzliches Misstrauen gegen alle Institutionen. Dazu gehören auch die Banken und das Finanzsystem. Unter den Anlagemöglichkeiten steht hier traditionell das…

Trump oder Biden – kurzfristig macht das wohl kaum einen Unterschied für die Wirtschaft

Welche Auswirkung hätte eine Wiederwahl Trumps oder ein Wahlsieg Bidens? Beide würden ihren Fokus nach der Wahl wohl darauf richten, die Wirtschaft auf ihrem Erholungskurs zu unterstützen. Vor allem Biden hat sich wiederholt für eine stärkere Rolle des Staates ausgesprochen – die Staatsausgaben würde er kräftig steigern. Finanzieren will er das mit höheren Steuern für Unternehmen und wohlhabende Bürger. Trump dürfte dagegen seinem Kurs treu bleiben: Er will mit Steuersenkungen der Wirtschaft wieder Schwung verleihen. Selbst wenn sich die Herangehensweise an das Thema Fiskalpolitik zwischen Trump und Biden damit unterscheidet, würde das Wahlergebnis zumindest mit Blick auf die kommenden zwei bis drei Jahre wohl kaum einen größeren Effekt für die Wirtschaft bedeuten. Die Maßnahmen, die letztlich umgesetzt werden können, werden maßgeblich von der Zusammensetzung im Kongress abhängen. Nur mit der Rückendeckung beider Kammern könnte der künftige US-Präsident größere Reformen umsetzen. Gerade für Trump scheinen die Chancen dafür derzeit gering. Auch…

Japans Regierungschef Abe zieht sich zurück

Japans Premier Shinzo Abe hat aus gesundheitlichen Gründen seinen vorzeitigen Rücktritt angekündigt. Mit Abe wird ein Politiker gehen, der große Spuren hinterlässt und der in der japanischen Politik vor allem für mehr Stabilität und Berechenbarkeit gesorgt hat. Seine „Abenomics“, also der Mix aus extrem lockerer Geldpolitik und expansiver (schuldenfinanzierter) Fiskalpolitik, verbunden mit zahlreichen Reformversprechen, hat seine knapp achtjährige Regierungszeit geprägt. Und sie dürfte die Grundrichtung der Wirtschaftspolitik bis zur nächsten Parlamentswahl in einem Jahr und wohl darüber hinaus weiter vorgeben. Zwar fällt die Bilanz der Abenomics bestenfalls gemischt aus, denn Japans Wirtschaftswachstum konnte eigentlich nur in der ersten Hälfte von Abes Amtszeit merklich beschleunigt werden. Vor allem nachhaltige Strukturreformen für die Wirtschaft sind in enttäuschender Weise zu kurz gekommen. Aber seine Politik hat Japan aus der Dauerdeflation herausgebracht. Negative Preisänderungsraten gab es dort zuletzt im Sommerhalbjahr 2016. Allerdings hat sich bisher auch noch kein wirklich dynamischer Inflationstrend durchsetzen können, das…

Erhebt da etwa jemand sein hässliches Haupt?

Die Inflation ist das Schreckgespenst der Finanzinvestoren. Insbesondere wer am Anleihemarkt sein Brot verdient, kann sich an frühere Crash-Phasen erinnern, die in kurzer Zeit die Kursgewinne von vielen Jahren ausgelöscht haben. Ausgelöst wurden diese Kurseinbrüche eigentlich immer durch Zinsanhebungen der Notenbanken, die wiederum auf steigende Inflationsraten oder -erwartungen reagiert haben. Wir leben heute in Zeiten extrem niedriger Zinsen, die Geldpolitik ist so expansiv wie nie zuvor. Frische Liquidität, die die Notenbanken zur Kursstützung in die Märkte pumpen, sorgen für ein extremes Umfeld. Anleger sind auf der Suche nach Rendite, und die ist immer schwerer zu finden. Rentenmarkt, Aktienmarkt, Immobilien, Edelmetalle – wohin man schaut sind die Notierungen extrem hoch. Die größte Gefahr wäre ein Ende der expansiven Geldpolitik und ein Umschalten der Notenbanken auf einen restriktiven Kurs. Dies könnte wohl nur durch einen plötzlichen und nachhaltigen Anstieg der Inflationsraten ausgelöst werden. Bis jetzt ist dieser Anstieg nicht in Sicht, auch…

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