Ralph Müller

Der IWF heißt den Renminbi willkommen

Die Entscheidung ist gefallen: ab dem 1. Oktober 2016 wird der Renminbi mit einem Gewicht von 10,92% in den SZR-Korb des IWF aufgenommen. Bei der Prüfung der möglichen Folgen ist zu unterscheiden zwischen dem weichen Faktor Prestigegewinn und den harten Faktoren in Form von Portfolioumschichtungen. Entgegen häufig zu vernehmender Meinung ist die Klassifizierung des Renminbi als Reservewährung NICHT automatisch mit erhöhter RMB-Nachfrage verbunden. Weder fragt der IWF selber aktiv RMB-Anleihen für den SZR-Korb nach, noch müssen Zentralbanken den Renminbi zwingend als Reservewährung halten, nur weil er plötzlich in den SZR-Korb gehört. Uns ist auch kein privates Portfolio bekannt, das seine Allokation an den IWF-Statuten ausrichten würde. Für China selber ändert sich vor allem, dass es seine Verpflichtungen gegenüber dem IWF in Renminbi begleichen kann. Bislang muss China seine Einlagen beim IWF in anderen, „freely usable“ Währungen begleichen. Das würde im Falle einer Devisenknappheit einen relevanten Unterschied machen – aber davon…

Gold wird auch 2016 nicht glänzen

2015 war kein gutes Gold-Jahr. Zwar lässt sich eine gewisse relative Stärke im Vergleich zu den anderen Rohstoffen ausmachen, allerdings bleibt unterm Strich bis dato ein Minus von 10%. Damit ist der Goldpreis das dritte Jahr in Folge gefallen und liegt etwa 45% unter seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2011. Neben der US-Dollar-Stärke, dem rückläufigen Investoreninteresse und der überschaubaren Inflationsentwicklung war zuletzt vor allem die Erwartung steigender US-Zinsen ausschlaggebend für die negative Preisentwicklung. Ein anziehendes Zinsniveau macht Gold im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren uninteressanter. Der unseres Erachtens im Dezember bevorstehende Zinsschritt in den USA findet daher eine hohe Aufmerksamkeit bei Goldanlegern. Wir haben einen Blick in die Vergangenheit geworfen und festgestellt, dass der Goldpreis in den letzten sechs Zinsanstiegszyklen im Durchschnitt leicht anstieg. So zog die Goldnotiz sechs Monate nach vollzogener Leitzinswende um durchschnittlich 3% an. Dennoch sehen wir einige Gründe, die im Jahr 2016 dagegen sprechen, dass der Goldpreis dem…

Weltrekord am M&A-Markt

Der Markt für Fusionen und Übernahmen (englisch Merger & Acquisitions, kurz „M&A“) erreicht dieser Tage einen neuen Rekordstand, wie der Blick auf die aktuellen Statistiken zeigt. Nach der Ankündigung des 180 Mrd. US-Dollar-Deals der Pharmakonzerne Pfizer und Allergan wird der bisherige Höchststand von 2007 eingestellt und dies bereits einen Monat vor Jahresende. Der Zusammenschluss der beiden Pharma-Giganten wäre das zweitgrößte, jemals am M&A-Markt getätigte Geschäft. Nur die Übernahme der Mannesmann AG durch Vodafone im Jahr 1999 fiel noch größer aus. 2015 wurden bisher gemäß Bloomberg-Datenbank Deals im Wert von 4,6 Bio. US-Dollar umgesetzt, davon waren knapp 61 sogenannte „Mega“-Deals mit einem Transaktionsvolumen von 10 Mrd. USD oder mehr. Der niedrige Schuldzins ist nicht der einzige Grund für den Boom am M&A-Markt. Zusätzlich wirkt sich auch die überdurchschnittliche Barmittelbevorratung der Unternehmen aus. Viele Gesellschaften halten Überschussliquidität vor, also Mittel, die nicht zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs benötigt werden und möchten diese investieren….

Ja, aber… – Silva stellt Bedingungen an ein Linksbündnis

Der portugiesische Präsident Silva hat nach einem Treffen mit dem Chef der Sozialisten Costa heute bekannt gegeben, dass er diesen mit der Regierungsbildung beauftragen werde. Der Entscheidung war ein tagelanger Meinungsbildungsprozess des Staatspräsidenten vorweggegangen. Hierzu hatte sich Silva mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft getroffen. Mit diesem Entschluss hat sich Silva zunächst einmal gegen die Alternative einer Übergangsregierung und anschließende Neuwahlen im Frühjahr kommenden Jahres ausgesprochen. Den Auftrag zur Regierungsbildung verknüpft Silva allerdings an Bedingungen, die er an ein politisches Linksbündnis unter Führung der Sozialisten mit Linksblock und Kommunisten als Juniorpartner stellt. Zum einen fordert Silva, dass die zwischen den drei Parteien getroffene Vereinbarung einer Zusammenarbeit für die gesamte Legislaturperiode zu gelten habe. Die aus Sicht des Linksbündnisses härtere Nuss dürfte allerdings Silvas Forderung sein, dass die neue Regierung zum anderen an den mit den EWU-Staaten getroffenen Vereinbarungen hinsichtlich der Haushaltsziele festhalten müsse. Diese Auflage solle nicht nur Silvas…

DAX 2016: Nur wenig Potenzial

Neue geldpolitische Stimuli der EZB könnten dem DAX bis in das Frühjahr 2016 hinein zu einem Anstieg verhelfen, der Index könnte in dieser üblicherweise starken saisonalen Phase durchaus auf 11.500 Punkte oder darüber steigen. Agiert die EZB weniger expansiv, besteht noch im Dezember ein hohes Rückschlagrisiko. Auf mittlere Sicht halten wir es für wahrscheinlich, dass sich die Märkte, ähnlich wie im April 2015 sowie im Frühjahr 2012 nach der ersten Liquiditätsflut, nicht allzu lange von den geldpolitischen Stimuli werden blenden lassen. Steigt die Unsicherheit über den tatsächlichen Zustand der Weltwirtschaft wieder an, drohen DAX & Co. neue Enttäuschungen, weil das erreichte Bewertungsniveau nur bei einem dynamischen Gewinnwachstum zu rechtfertigen ist, nicht aber bei Stagnation auf solidem Niveau. Das Bewertungsniveau von Aktien liegt schon relativ hoch, insbesondere am größten Markt der Welt, den USA. Wir erwarten dementsprechend den DAX zum Jahresende 2016 auch bei nur 11.000 Punkten. Der Euro Stoxx 50…

Das Tüpfelchen auf dem „I“ der Internationalisierung des Renminbi

China ist ein weiterer wichtiger Schritt bei der Internationalisierung seiner Währung geglückt. Der IWF-Stab hat dem Renminbi bescheinigt „frei verwendbar“ zu sein, was eines der beiden Kriterien für die Eignung als Währung im Korb der Sonderziehungsrechte ist. Seine hohe Verbreitung im Außenhandel steht seit Jahren außer Frage, bei der Einordnung der „freien Verwendbarkeit“ gibt es breiten Interpretationsspielraum,den der IWF-Stab jetzt offenkundig zugunsten Chinas genutzt hat. Das abschließende Votum des IWF-Exekutivrates steht zwar noch für den 30. November aus, sollte sich letztlich aber Formalie erweisen. Der Bräutigam hat die Braut schon über die Schwelle getragen, dem Vollzug der Hochzeitsnacht steht damit eigentlich nichts mehr im Wege. Die Einschränkung „eigentlich“ muss erfolgen, da die Entscheidungen des Exekutivrats deutlich stärker politisch geprägt sind als die des IWF-Stabs. US-Finanzminister Lew hat bereits signalisiert, die Aufnahme positiv zu begrüßen, was die Wahrscheinlichkeit eines US-Einspruchs schwinden lässt. Dennoch verbleibt die theoretische Möglichkeit eines Vetos, da sowohl…

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