Ralph Müller

EU-Reform: ein politisches Armageddon für David Cameron?

In einer Rede und einem offenen Brief an Donald Tusk hat der britische Premierminister David Cameron in dieser Woche seine Pläne für eine Reform der EU dargelegt – ein kritischer Meilenstein auf dem Weg zum Referendum. Ob sein Kalkül aufgehen wird, die Briten auf Basis signifikanter Konzessionen seitens Brüssels davon zu überzeugen, für den Verbleib in der EU zu stimmen, ist jedoch zunehmend fraglich. Das Verhältnis der Briten zur EU ist von jeher gespalten, und die Flüchtlingskrise hat den Zwiespalt der Briten noch weiter verschärft. Auf der einen Seite stehen die großen Unternehmer und der Agrarsektor, für die klar die Vorteile eines Verbleibs in der EU überwiegen. Auf der anderen Seite hält sich hartnäckig die Inselmentalität, die dazu neigt, jegliche gefühlte Fremdbestimmung von außen abzulehnen. Daraus ergibt sich ein Dilemma: eigentlich würde man gerne Teil des Clubs sein, gleichzeitig möchte man dann doch lieber selber bestimmen, welche der Vereinsregeln man…

US-Zinsentwicklung ist wichtig für den Goldpreis, aber bitte den indischen Landwirt nicht vergessen!

Die ganze Goldwelt scheint sich aktuell nur um die US-Zinswende zu drehen. Wer denkt da schon an den indischen Landwirt? Keiner! Aber das kann falsch sein! In Indien finden im Herbst sowohl die Hochzeitssaison als auch die „Diwali-Festivitäten“ statt. Währenddessen wird dort viel Gold gekauft. So dient das gelb-glänzende Metall beispielsweise als Hochzeitsmitgift. Das Einkommen von schätzungsweise 800 Millionen Menschen der indischen Bevölkerung hängt von der Landwirtschaft ab. In diesem Jahr hat das El Niño Wetterphänomen zur „trockensten“ Monsoon Saison in den letzten sechs Jahren geführt. Die eingefahrene Ernte fiel daher schwächer als erwartet aus. Dies schmälert die Einkommenssituation der indischen Landwirte und führt dazu, dass sie unter anderem weniger Gold kaufen. Juweliere berichten bereits, dass die Goldkäufe zwar wie gewohnt leicht steigen, aber die positiven Erwartungen lange nicht erfüllen. Wir erwarten daher eine enttäuschende indische Gold-Nachfrageentwicklung im weiteren Verlauf des Jahres. Abschließend (der Vollständigkeit halber) doch noch ein Blick…

Spaniens doppeltes Problem

Das Parlament von Katalonien hat gestern mit 72 zu 63 Stimmen für die Unabhängigkeit der Region von Spanien gestimmt. Diese soll nicht sofort wirksam werden, sondern das Ergebnis eines Trennungsprozesses sein, der bis 2017 andauern könnte. Damit haben die separatistischen Parteien, die in den zurückliegenden Wahlen im Regionalparlament eine Mehrheit der Sitze erringen konnten, ein zentrales Wahlversprechen erfüllt. Die Reaktion seitens der Zentralregierung aus Madrid ließ nicht lange auf sich warten. Ministerpräsident Rajoy kündigte bereits Verfassungsbeschwerde gegen diese Entscheidung an und betonte, eine Unabhängigkeit der wirtschaftlich so starken und bedeutenden Region werde nicht zugelassen. Rajoy stützt sich bei seiner Ablehnung des Vorstoßes nicht nur auf die Verfassung, sondern verweist auch darauf, dass die Separatisten bei den Wahlen Ende September zwar die Mehrheit der Sitze erhielten, die absolute Mehrheit an Stimmen aber verfehlten. Katalonien will nun in Verhandlung mit Spanien über die Unabhängigkeit treten, wobei notfalls auch die einseitige Loslösung der…

Wie lange kann der DAX überschiessen?

Update zum DAX-Kursziel: Jüngste Kurserholung wird von den Fundamentaldaten nicht getragen Im Oktober konnte der DAX einen Großteil der im August und September erlittenen Kursverluste wettmachen. Es bedurfte „nur“ einer neuerlichen Bekräftigung der EZB, alles zu tun wollen, um deflationäre Tendenzen zu bekämpfen, und schon setzten DAX und Bund-Future wieder zur dynamischen Erholung an. Die Kurserholung beim DAX findet dabei vor dem Hintergrund einer unverändert schwachen globalen Konjunktur statt. Die Sorgen um China und eine zunehmende Flaute in den Emerging Markets setzen vielen deutschen Unternehmen zu, entsprechend häufig fielen die Quartalsberichte auch schlechter aus. Aktien werden zunehmend nicht mehr wegen positiver Erwartungen an die zukünftige Geschäftsentwicklung der Unternehmen gekauft, sondern in Erwartung zusätzlicher Nachfrage wegen fehlender Anlagealternativen. Dass sich die Fundamentaldaten für die Unternehmen jüngst verschlechtert haben, bleibt dabei außen vor. Die lockere Geldpolitik scheint in Europa – wie auch in Japan – unverändert der zentrale Kurstreiber bei Aktien zu…

Parlamentswahlen in der Türkei: Lira zeigt sich von Aussicht auf stabile Regierung erfreut

Jüngsten Hochrechnungen zufolge erzielte die islamisch-konservative AKP bei den gestrigen Parlamentswahlen in der Türkei 49,4% der Stimmen und eroberte damit entgegen den allgemeinen Erwartungen die absolute Mehrheit zurück. Die größte Oppositionspartei des Landes, die nationalistische MHP, musste gegenüber den Wahlen im Juni deutliche Kursverluste hinnehmen und erhielt nur noch 12% der Stimmen. Auch die pro-kurdische HDP verzeichnete deutliche Stimmeinbußen und musste mit 10,6% der Stimmen zeitweise um ihren Wiedereinzug ins Parlament bangen. Im Vorfeld der gestrigen Wahl wurde spekuliert, dass die AKP im Sommer bewusst die Koalitionsgespräche platzen ließ und darauf setzte, von vorgezogenen Neuwahlen zu profitieren. Es scheint, als ob dieses Kalkül aufgegangen ist. Zwar ist angesichts der jüngsten Entwicklungen im Land nicht davon auszugehen, dass die Mehrheit der türkischen Bevölkerung der AKP nun aus Überzeugung ihre Stimme gegeben hat. Allerdings dürfte die Furcht vor nachhaltig instabilen politischen und damit auch wirtschaftlichen Verhältnissen durchaus zu dem jüngsten Wahlergebnis beigetragen…

EZB rüstet sich für expansivere Gangart – Dezember im Blick

Ausweitung des QE-Programmes zur Dezember-Sitzung sehr wahrscheinlich Die europäischen Währungshüter haben heute nicht in Frankfurt, sondern auf Malta über die Ausrichtung ihrer Geldpolitik debattiert. Erwartungsgemäß haben die Notenbank-Oberen die Leitzinsen unverändert belassen. Vor dem Hintergrund der sich zuletzt belebenden Spekulationen auf eine Ausweitung des EZB-Anleiheankaufprogrammes lag der Fokus der Marktbeobachter ohnehin auf den Ausführungen Draghis im Rahmen der Pressekonferenz. Dabei hat der Notenbankchef zunächst auf die schwache aber fortgesetzte konjunkturelle Erholung in der Eurozone hingewiesen. Wie bereits zur September-Sitzung hat Draghi allerdings vor bestehenden Abwärtsrisiken für die Konjunkturentwicklung gewarnt. In diesem Zusammenhang sieht der EZB-Rat die Möglichkeit, dass sich die Inflation langsamer aufwärts entwickelt als ursprünglich angenommen. Im Zuge der Dezember-Sitzung werden die Notenbank-Oberen intensiv über die weiteren Aussichten für die Konjunktur- und Inflationsentwicklung beraten. So veröffentlichen die EZB-Stabsmitarbeiter zum Jahresende turnusgemäß ihre neuen Projektionen. Abhängig vom weiteren Konjunktur- und Inflationsausblick werde die Notenbank dann über eine Anpassung der Geldpolitik…

1 2 3 45