Ralph Müller

Portugal: Unklare politische Verhältnisse

Vor mehr als zwei Wochen hat Portugal ein neues Parlament gewählt. Zwar gelang es dem konservativen Wahlbündnis AP unter Premier Coelho, die Position als stärkste Kraft zu verteidigen, die absolute Mehrheit ging jedoch verloren. Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung der Konservativen mit der sozialistischen Volkspartei PS auf eine Koalition oder zumindest eine geduldete Minderheitsregierung ist jedoch immer weiter gesunken, während das vormalige Randszenario eines Dreier-Bündnisses am linken Rand in den Vordergrund rückt. So scheint sich der sozialistische Parteichef Costa mit dem kommunistisch-grünen Wahlbündnis CDU und dem Linksblock BE geeinigt zu haben, was angesichts der ideologischen Differenzen überrascht: So trat BE vor der Wahl für den Austritt aus der Eurozone ein – der Wunsch nach einer Abwahl der Konservativen scheint jedoch auch bei den Randparteien zu einer gewissen Mäßigung geführt zu haben. Es liegt nun in den Händen von Staatspräsident Silva, entweder seinen Parteifreund Coelho oder Sozialistenchef Costa zum Premier zu ernennen….

Franken zeigt sich vom Rechtsruck in der Alpenrepublik wenig beeindruckt

Bei den gestrigen Nationalratswahlen haben die Parteien rechts der Mitte erwartungsgemäß hinzugewonnen. Strahlender Sieger ist die nationalkonservative Schweizer Volkspartei (SVP), die mit 29,4% verglichen mit der Wahl 2011 deutlich zulegen konnte. Profitiert hat die SVP dabei von der derzeitigen Flüchtlingskrise in Europa und der offenbar latent vorhandenen Furcht zahlreicher eidgenössischer Bürger vor einer verstärkten Zuwanderung in die Alpenrepublik. Gestärkt ging auch die FDP, die in der Schweiz zum rechten Parteienspektrum gehört, aus dem Urnengang hervor. Sie wurde mit 16,4% drittstärkste Kraft. Die Sozialdemokraten konnten ihren Stimmenanteil (18,8%) und damit ihre Position als zweitstärkste Partei zwar verteidigen. Dennoch gelten die politische Mitte und das links-orientierte Lager als Verlierer der Wahlen. So verfügen die im Nationalrat vertretenen Parteien rechts der Mitte neuerdings über eine hauchdünne Mehrheit der Abgeordneten. Direkte Konsequenzen könnte dieses Wahlergebnis für die Regierungsbank der Eidgenossen haben. So erhebt die SVP nach ihrem Wahlsieg Anspruch auf einen zweiten Sitz im…

Defensive Dividendenaristokraten bieten hohe Renditen

Im Zuge der Korrektur sind viele Aktien mit ohnehin schon hohen Dividendenrenditen noch günstiger geworden und bieten sich nun für Käufe an. Jedoch sollten unter Umständen Käufe erst nach der Vorlage der Q3-Berichtsdaten erfolgen, um unliebsamen Enttäuschungen, wie jüngst bei einigen MDAX-Werten gesehen, aus dem Weg zu gehen. In der Berichtssaison zum dritten Quartal dürften weitere ernüchternde Nachrichten folgen, die auch den Markt dann kurzzeitig noch tiefer führen könnten. Generell sollten Anleger nicht dem bekannten „Dogs-of-the-Dow“-Ansatz folgen und blind auf die Titel mit der höchsten Dividendenrendite setzen. Bei solchen Unternehmen kann die hohe Dividende von schlecht laufenden Geschäften ablenken, wie man es z.B. aktuell bei vielen Energieunternehmen sieht. Der Fokus sollte dividendenzahlenden Unternehmen gelten, die ein nachhaltiges und möglichst stetiges Umsatz- und Gewinnwachstum erzielen, im besten Fall gespickt mit starken Markennamen oder anderen Wettbewerbsvorteilen. Damit wird erfahrungsgemäß langfristig sehr viel Wert für den Anleger geschaffen. Überzeugende Produkte und Dienstleistungen des…

Italien: Carpe diem

Keynesianische Konjunkturprogramme erfreuen sich inzwischen wieder größerer Beliebtheit – so auch in Italien. Im Rahmen des Haushaltsentwurfs für 2016 hat Ministerpräsident Renzi Steuersenkungen im Umfang von 35 Mrd. Euro bis zum Jahr 2018 angekündigt. So soll der Unternehmenssteuersatz (IRES) ab 2017 von 27,5% auf 24% sinken. Überdies soll die Steuer auf Wohnimmobilien entfallen, Investitionen gefördert und die Anhebung der Mehrwertsteuer ausgesetzt werden. Die Sozialbeiträge, die krisenbedingt temporär gesenkt wurden, sollen vorerst auf niedrigerem Niveau verharren. Ein Großteil des Programms soll kreditfinanziert werden. Die Staatsausgaben werden lediglich um 5 Mrd. Euro gesenkt. Einsparungen werden u.a. im Gesundheitssystem vollzogen. Erwartet wurden im Vorfeld noch Ausgabenkürzungen in Höhe von 10 Mrd. Euro. Unter der Annahme, dass die Senkung der Staatsausgaben tatsächlich vollzogen wird, liegt die Nettoentlastung für Wirtschaft und Bürger bei etwa 1,9% des BIP, was 0,63% des BIP pro Jahr entspricht. Italiens Neuverschuldung dürfte im kommenden Jahr deswegen deutlich höher liegen als…

Die Dynamik am Gewerbeimmobilienmarkt in den Metropolen nimmt allmählich ab

Deutsche Gewerbeimmobilien sind bei Investoren heiß begehrt. Das Investitionsvolumen steigt seit Jahren kontinuierlich an. Vor allem die Top-Standorte, die 7 größten Städte von Berlin bis Stuttgart, stehen hoch im Kurs. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurde hier mit rund 13 Milliarden Euro mehr als die Hälfte des Transaktionsvolumens investiert. Dabei sinken aufgrund der steigenden Kaufpreise seit Jahren die Mietrenditen für hochwertige Einzelhandels- und Büroimmobilien wie auch für Wohnungen. Ein wesentlicher Grund für das Kaufinteresse sind die niedrigen Anleiherenditen, die Investoren in alternative Assetklassen wie Gewerbeimmobilien locken. Doch warum wollen viele Investoren ausgerechnet dort kaufen, wo es schon besonders teurer ist und kaum noch verfügbare Objekte gibt? Schließlich lassen sich in der Provinz viel höhere Renditen als an den Top-Standorten erzielen. Erstens sind diese Märkte international bekannt, relativ groß und liquide, ein wichtiger Aspekt für einen späteren Exit. Zweitens ist die gute Informations- und Datenlage für Investoren ohne ausgewiesene lokale Expertise…

US-Aktienmarkt: Diese Berichtssaison wird unerfreulich

Die in den USA bereits begonnene Bilanzsaison zu den Zahlen zum dritten Quartal dürfte erneut deutliche Enttäuschungen bringen. Der niedrige Rohölpreis und der feste US-Dollar belasten die Gewinne der Unternehmen schon seit geraumer Zeit, dies dürfte sich im abgelaufenen Quartal nicht wesentlich geändert haben. Hinzu kamen jüngst Sorgen um eine stärkere Konjunkturabschwächung in China. Zwar ist der chinesische Markt kein besonders wichtiger Absatzmarkt für die amerikanischen S&P 500-Unternehmen – nur knapp zwei Prozent des Umsatzes wird dort erzielt – bei einzelnen Branchen spielt China aber eine gewichtige Rolle. Hier sind insbesondere die Sektoren Technologie (Umsatzanteil China gemäß Bloomberg-Angaben: 5,5%), Konsumgüter (3,6%), Werkstoffe und Industrie (beide 2,6%) zu nennen. Mit Caterpillar und Yum Brands haben bereits zwei stark China-fokussierte Unternehmen deftige Gewinnwarnungen ausgesprochen. Insbesondere wegen des Einbruchs der Gewinne im Energiesektor dürfte der Indexgewinn beim S&P 500 im dritten Quartal laut des Datenanbieters Factset um 5,2% gefallen sein. Üblicherweise fielen in…

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