Ralph Müller

Die Berg- und Talfahrt hält an

In der vergangenen Woche war es noch Portugal, jetzt steht Italien am Pranger und hat dem Euro böse Kursverluste gegenüber allen wichtigen Währungen beschert. Auch wenn sich der Euro zum US-Dollar wieder etwas erholen konnte, ist davon bei Yen und Franken wenig zu erkennen. Dies verwundert kaum, da die Euro-Erholung nicht etwa Ausdruck eines zurück gewonnenen Vertrauens in Europa ist, sondern nur den Ausbruch eines neuen Krisenherdes (=USA) widerspiegelt.

EWU-Schuldenkrise erfasst Italien

Nach Griechenland, Irland, Portugal und Spanien scheint nun auch Italien von der europäischen Schuldenkrise angesteckt worden zu sein. Auslöser für den massiven Anstieg der Zehnjahres-Anleiherenditen Italiens von etwa 5,0% knapp 6% in den letzten fünf Tagen waren zunehmende politische Unsicherheiten in Verbindung mit dem italienischen Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, der als Garant für die italienische Sparpolitik angesehen wird.

Kurzläufer und Floater

Nach der jüngsten Anhebung dürfte auf Sicht der kommenden zwölf Monate der Leitzins im Euroraum nach unserem Dafürhalten von derzeit 1,50% um weitere 75 Basispunkte auf 2,25% angehoben werden. Die Zinsen am Geldmarkt sollten in diesem Zeitraum um rund 90 Basispunkte ansteigen, die Kapitalmarktrenditen in einer Spanne zwischen 100 und 150 Basispunkten. Bei festverzinslichen Anleihen sollten vor dem Hintergrund unserer Zinsprognose lediglich Kurzläufer gekauft werden.

Portugal rückt in den Fokus

Die Erleichterung über den Zeitgewinn für Griechenland und mit ihr das Kursplus im Euro schwinden dahin. Statt Griechenland erhält jetzt Portugal Prügel und verhagelt dem Euro die Stimmung, was sowohl zum Dollar als auch zum Franken besonders auffällt. Die Euphorie der vergangenen Woche über die Verabschiedung des griechischen Sparpaketes erweist sich als trügerisch, haben die Märkte doch mit tatkräftiger Beihilfe der Ratingagenturen längst Portugal als das nächste Opfer ausgemacht.

Renditeanstiege am heimischen Rentenmarkt

Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone sollte in diesem Jahr relativ solide ausfallen. Angesichts der Schuldenkrise und des deutlichen Anstiegs der Arbeitslosenrate in vielen Mitgliedsländern ist ein Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes um 1,8% passabel. Die Inflation im Euroraum steigt in diesem Jahr auf voraussichtlich 2,6% und überschreitet das 2%-Ziel der EZB damit deutlich. Die EZB dürfte im Juli die Leitzinsen erneut anheben und zwar um 25 Basispunkte auf 1,5%. Gegen Ende des Jahres sehen wir das Leitzinsniveau bei 1,75%. Die Bundesanleihen dürften mittelfristig aufgrund der Inflationssorgen und des anhaltenden Wirtschaftswachstums Kursverluste erleiden. Wir gehen davon aus, dass die zehnjährigen Bundrenditen bis zum Jahresende in einem moderaten Tempo auf 3,80% ansteigen werden. Für das kurze Ende der Kurve rechnen wir hingegen mit einem kräftigeren sowie schnelleren Anstieg der Renditen über die kommenden Monate. Die zweijährigen Renditen werden einen weiteren restriktiven Kurs der Notenbank antizipieren und schon auf kurze Sicht weiter in die Höhe…

US-Dollar und Euro: Chaotische Zustände dies- und jenseits des Atlantiks

Als Beobachter von Euro und Dollar glaubt man derzeit, versehentlich auf die Zeitungsseite über die Dritte Welt gerutscht zu sein: Bürgerkriegsähnliche Zustände und politisches Chaos in Griechenland; ein offener Disput zwischen Regierungen und EZB; das weltweit schlechteste Rating eines Euro-Landes, bei dessen Umschuldung es längst nur noch um das „wie“ und nicht mehr um das „ob“ geht. Eigentlich ein Wunder, dass der Euro nicht bis zur Parität abgerutscht ist.

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