Stefan Bielmeier

Weiter Vollgas, aber nicht noch mehr

Die EZB hat wie von uns erwartet ihr Pressestatement und damit auch die Forward Guidance (bis auf fünf Worte) unverändert gelassen. Die Märkte haben entsprechend eher verhalten reagiert. Die Kaufprogramme und Liquiditätsmaßnahmen laufen weiter mit Vollgas. Eine Lachgaseinspritzung für noch mehr PS war auch nicht nötig. Die Wirtschaftsdaten bewegen sich im Bereich des Basisszenarios der EZB, weshalb noch keine Anpassungen der Geldpolitik erforderlich sind. Diese wird sich die EZB in der Hinterhand behalten, sollte die Pandemie für weitere, unvorhergesehene wirtschaftliche Schäden sorgen. Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass die EZB aber bis Ende des Jahres bei den Kaufprogrammen (PEPP läuft bisher im Sommer 2021 aus) nochmal nachlegen muss, um über den Kreditkanal der auch nächstes Jahr noch schwächelnden Konjunktur weiter unter die Arme zu greifen. Diese Aussicht bestätigte Lagarde auch in der Pressekonferenz, indem sie die Fortsetzung der aktuellen Geldpolitik aufgrund der hohen Unsicherheiten und Schwächen in der Konjunktur betonte….

Trotz Corona gute Stimmung am US-Häusermarkt

Der US-amerikanische Häusermarkt ist bislang weitgehend unbeschadet durch die Corona-Pandemie gekommen, trotz einer explosionsartig ausgeweiteten Arbeitslosigkeit, vielen Corona-Infektionen und den schon recht hohen Immobilienpreisen. Doch die Stimmung am Häusermarkt brach nur kurz ein, um unmittelbar danach ein höheres Niveau zu erreichen. Die Hauspreise stagnieren derzeit und bewegen sich dabei in der Pandemie auf ihrem Allzeit-Hoch. Drei Prozent für eine 30-jährige Standardhypothek – nie zuvor konnten Häuser so günstig finanziert werden. Entsprechend attraktiv ist das Marktumfeld für Käufer mit einem sicheren Job. Die Suche nach dem passenden Eigenheim ist schon schwieriger. Das Immobilienangebot ist so knapp wie selten zuvor. Das Zinstief wird die Nachfrage weiter stützen und den Markt in Verbindung mit dem knappen Immobilienangebot stabilisieren. Die Gefahr einer spürbaren Preiskorrektur nimmt auch mit Blick auf die eingesetzte wirtschaftliche Erholung ab. Demgegenüber spricht die hohe Arbeitslosigkeit gegen merklich anziehende Hauspreise.

Orientiert sich die EZB an der Fed?

Vor dem Hintergrund, dass viele Zentralbanken trotz einer ultra-expansiven Geldpolitik ihre selbstgesteckten Inflationsziele schon seit Jahren verfehlen, kann die Frage nach der Angemessenheit dieser Ziele gestellt werden. Die Fed ist nun vorgeprescht und hat neue Zielgrößen für die Inflationsrate und die Beschäftigungsentwicklung angekündigt. Auch die EZB hat schon vor längerer Zeit angekündigt, ihre geldpolitische Strategie auf den Prüfstand zu stellen und eventuell die angestrebte Inflationsrate von derzeit „auf mittlere Sicht nahe, aber unter 2%“, die sie seit 2003 benutzt, anzupassen. Unseres Erachtens dürfte sich die EZB bei ihrer Strategieüberprüfung, die bis Mitte des kommenden Jahres abgeschlossen sein soll, ebenfalls an einer durchschnittlichen Inflationsrate orientieren. Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass sich die EZB an der Fed orientieren wird und ein flexibleres Inflationsziel anstreben wird. Dabei ist die neue strategische Ausrichtung der Fed nicht ohne Kritik zu sehen. So hat keinen konkreten Zeitraum für die Erreichung der durchschnittlichen Inflation, beziehungsweise…

Türkei auf Kurs – für die nächste Lira-Krise

Die Lira kommt nicht zur Ruhe. Gegenüber dem US-Dollar verzeichnete die türkische Landeswährung jüngst ein neues Allzeittief, und auch im Verhältnis zur europäischen Gemeinschaftswährung sieht es nicht nennenswert besser aus. Erschwerend hinzu kommt, dass staatseigene Geschäftsbanken laut Medienberichten Lira-stützend am Devisenmarkt eingegriffen haben. Ansonsten wäre die Abwertung wohl noch deutlicher ausgefallen. Zwar waren die vergangenen Monate für das Gros der Währungen des Schwellenländersegments von enormen Herausforderungen geprägt. Es gibt jedoch nur wenige Vertreter, die seit Ausbruch der Corona-Krise ähnlich schlecht abgeschnitten haben wie die Lira. Auffällig ist zudem, dass noch nicht einmal die seit Anfang Mai zu beobachtende Aufhellung des globalen Sentiments nachhaltig positive Spuren bei der Lira hinterlassen hat. Der Eindruck, dass es sich bei der Schwäche der Landeswährung vorrangig um hausgemachte Probleme handelt, drängt sich demnach geradezu auf. Im Zentrum der Kritik steht die türkische Zentralbank. Die Währungshüter um Murat Uysal halten stur an ihrem offiziellen Leitzins von…

Verspäteter Sommerschlussverkauf drückt Inflationsrate in der EWU unter Null

Die Inflation im Euro-Raum hat sich im August recht deutlich abgeschwächt. Der harmonisierte Verbraucherpreiseindex (HVPI) in der Währungsunion sank von +0,4 auf -0,2 Prozent. Dabei wird die Gesamtinflation weiterhin durch das niedrige Niveau der Energiepreise gedämpft. Das Gros des Rückgangs in zahlreichen Ländern ist jedoch dem verspäteten Sommerschlussverkauf zuzuschreiben, der in Folge der Corona-Pandemie vom Juli auf den August verschoben wurde. Im Warenkorb der Verbraucher ließ nämlich maßgeblich der Preisauftrieb bei den industriellen Gütern ohne Energie nach. Dies sind typischerweise die Waren des klassischen Einzelhandels. Während beispielsweise in Italien und Frankreich im Vormonat Bekleidung und Schuhe ungewöhnlich teuer waren und damit die gesamte Inflationsrate merklich angeschoben hatten, fiel der Preisauftrieb mit dem Sommerschlussverkauf im August deutlich ab. Auf Länderebene waren die Korrekturen unter anderem bei den Jahresraten in Frankreich und in Italien zu spüren. In Frankreich ging die Inflationsrate von 0,9 auf 0,2 Prozent zurück, in Italien rutschte sie sogar…

Corona update – Virus ist aktiv, Kauflaune ungebrochen

Rund um den Globus steigt die Anzahl bestätigter Virusinfektionen erstmals über die Marke von 20 Millionen – Indien löst die USA ab Die wirtschaftliche Erholung in den USA und der EU halt an, wenngleich sich die Dynamik bereits abflacht – Auslandsnachfrage hinkt hinterher Gesamtmarkt: Die Kauflaune der Investoren ist ungebrochen, insbesondere riskantere Anleihen sind gut nachgefragt. Laut Daten der Johns Hopkins Universität wurde auf globaler Ebene Anfang dieser Woche erstmals die Marke von 20 Millionen bestätigten Virusinfektionen erreicht. Mehr als die Hälfe aller Infizierten konzentriert sich auf nur drei Länder: die USA mit rund 5,1 Millionen, Brasilien mit rund 3,1 Millionen und Indien mit rund 2,3 Millionen. Mit Blick auf die Neuansteckungen hält auf globaler Ebene der Dynamikverlust bislang weiter an. Die jüngst in den Vereinigten Staaten veröffentlichten Konjunkturdaten haben bestätigt, dass sich die Wirtschaft erholt, aber die Dynamik abnimmt. Unseres Erachtens wird der zukünftige Wachstumspfad erheblich von den Verhandlungen…

1 2 35