Tanja Pecher

Saudi-Arabien modifiziert seine „Förderphilosophie“, … vollführt aber KEINE 180°-Drehung!

Seit Mitte Juni ist der Brent-Rohölpreis um 25% gefallen. Gründe für den Preisabsturz waren u.a. das überraschende Comeback der libyschen Produktion, das Ausbleiben (erwarteter) Produktionsausfälle in Russland und dem Irak, die Rallye des US-Dollars sowie insbesondere die (nachfragesenkende) Abkühlung der Weltkonjunktur. Darüber hinaus trug auch der extensive Rückzug der Rohölspekulation an die Seitenlinie des Marktes zur Preisdiät bei. Seit Anfang Oktober haben zudem ins Kraut schießende Mutmaßungen über eine um 180 Grad gedrehte „Produktionsphilosophie“ Saudi-Arabiens den Preisrückgang beschleunigt und Diskussionen über eine „neue Preisnormalität“ von 80-85 USD befeuert. Gemäß der Argumentation der „New-Normal-Anhänger“ kämpft Saudi-Arabien – unter Ausnutzung seiner günstigen Produktionsgrenzkosten und seiner budgetpolitischen Potenz – zukünftig mit harten Preisbandagen um Marktanteile im asiatischen Perspektivmarkt. Nach unserer Lesart hat Saudi-Arabien eine solch harte Gangart aber ungeachtet „der US-Schieferöl-Herausforderung“ – zumindest gegenwärtig – noch gar nicht nötig. Erstens halten wir den viel diskutierten Angebotsüberschuss im Atlantischen Becken – bei steigender Winternachfrage…