Aktienmärkte

Besorgte Notenbanken – sorglose Anleger?

In den Vereinigten Staaten dreht sich die aktuelle geldpolitische Diskussion nicht mehr um die Frage, ob die Zinsen in der nächsten Notenbanksitzung gesenkt werden sollen, sondern nur noch darum, wie stark sie sinken werden. Damit steht die erste Zinssenkung seit zehn Jahren bevor, und das, obwohl sich die US-Konjunktur in einer – von Deutschland aus gesehen – beneidenswert guten Verfassung befindet. Die Arbeitslosenquote steht mit 3,7 Prozent fast auf dem tiefsten Stand der letzten 40 Jahre, und auch andere wichtige Kennzahlen zeigen sich ausgesprochen robust. Es ist daher in Notenbankkreisen viel von einem Zinsschritt zur „Versicherung“ gegen die zahlreichen weltwirtschaftlichen Risiken die Rede. Als Begründung wird auch die sehr moderate Inflationsrate herangezogen. Sie liegt auf einem für die Spätphase eines Konjunkturaufschwungs untypisch niedrigen Niveau. Das wiederum hat mit der verhaltenen Lohndynamik zu tun, die auf den ersten Blick so gar nicht zum leergefegten Arbeitsmarkt passen will. Wenn die Notenbanken die…

ETFs und Co. – Fluch oder Segen für die Finanzmarktstabilität?

Geringere Kosten gegenüber aktiv gemanagten Fonds, eine Kursentwicklung nahe am Index und eine Diversifikation mit geringem Kapitaleinsatz: Es ist nicht verwunderlich, dass weltweit fast 5 Bio. US-Dollar in passiven Fonds (ETFs) verwaltet werden. Die niedrigen Kosten sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Auch der Anlageprozess in einem ETF-Portfolio muss definiert und überwacht werden. Dazu gehören Aspekte wie die Definition der Benchmark, die Aktien- oder Indexauswahl, die Neugewichtung von Positionen sowie die Berücksichtigung von Themeninvestments und andere Besonderheiten. Investoren, die den Anlageprozess nicht selbst bestimmen und überwachen können oder wollen, müssen sich letztlich weiterhin auf externe Anbieter verlassen, was wiederum zu höheren Kosten führt. Allerdings verwalten die beiden weltweit größten ETF-Anbieter zusammen das Äquivalent von 15% des US-BIPs. Das Volumen der verwalteten Fonds ist damit um ein Vielfaches höher als bei anderen Kapitalsammelstellen. Zum Vergleich: Lehman Brothers verwaltete vor seinem Konkurs im Jahr 2008 „nur“ rund 250 Mrd. US-Dollar im…

Zinsfantasie am Aktienmarkt übertrieben

Die Hoffnung auf eine Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank Ende Juli hat die US-Börsen auf neue Höchststände getrieben. So knackte der S&P 500 zuletzt die Marke von 3.000 Punkten und der Dow Jones überschritt erstmals die 27.000 Punkte-Linie. Grundsätzlich sind geringere Zinsen gut für die Aktienmärkte, da diese sowohl die wirtschaftliche Aktivität fördern als auch die relative Attraktivität von Aktien gegenüber Bonds erhöhen. Die langfristigen historischen Daten zeigen, dass der US-Aktienmarkt in den Folgemonaten nach der ersten Leitzinssenkung im Durchschnitt eine positive Aktienkursentwicklung und einen Anstieg des Bewertungsniveaus verzeichnete. Die beiden letzten Wendepunkte 2000 und 2007 zeichnen allerdings ein anderes Bild. Diese Daten deuten darauf hin, dass wenn der Hochpunkt bei den Unternehmensgewinnen im Konjunkturzyklus bereits erreicht wurde, geringere Zinsen die Aktienmärkte nicht mehr längerfristig treiben können. Wir befinden uns aktuell bereits in einer späten Phase des Konjunkturzyklus und die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind in den letzten Monaten…

Hochmut kommt vor dem Knall – Droht ein Ende der Sommerrallye?

Fed-Chef Powell hat US-Aktien in dieser Woche zu Rekordständen getrieben. Die ersten Zinssenkungen der US-Notenbank seit der Finanzkrise stehen an. Diese könnten tatsächlich nötig werden, denn der Handelsstreit zwischen Washington und Peking hinterlässt Spuren im Getriebe der Weltwirtschaft. Sichtbar ist dies weltweit an den volkswirtschaftlichen Frühindikatoren und hierzulande an den Zahlen der börsennotierten Konzerne. Fast täglich veröffentlichen deutsche Unternehmen Gewinnwarnungen, insbesondere Firmen aus den zyklischen Sektoren Halbleiter, Maschinenbau, Chemie und Autos. Der Ausblick auf eine Fortsetzung der weltweit lockeren Geldpolitik dürfte mittelfristig dazu führen, dass der sogenannte „Tina“-Trade (englisch „There is no alternative“) am Aktienmarkt eine Wiederbelebung erfahren wird. Anleger werden weiterhin versuchen, der „Unterwelt“ negativer Zinsen am Anleihemarkt zu entkommen und Einkommen durch Immobilien und Aktien zu erwirtschaften. Dividendenstrategien sollten am Aktienmarkt stark nachgefragt bleiben, ebenso wie Titel aus defensiven Branchen. An dieser Strategie ist per se nicht viel auszusetzen, denn dadurch werden Portfolios meist robuster. Allerdings ist die…

Zinsen – how low can you go?

Vor einigen Tagen ist die Rendite von deutschen Bundesanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit unter die Marke von -0,4 Prozent gefallen. Bei -0,4 Prozent hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzins festgesetzt, also den Satz, zu dem die Banken ihre überschüssige Liquidität bei der EZB parken können. Demnach erschien es Investoren also zumindest vorübergehend attraktiver, ihr Geld in langlaufende Bundesanleihen zu investieren, obwohl sie dafür selbst im Vergleich zur sicheren, flexiblen und kurzfristigen Anlage bei der EZB einen zusätzlichen Strafzins berappen müssen. Zwar hat sich die Bundrendite in den letzten Tagen etwas erholen können, doch drängt sich nach dieser Erfahrung die Frage auf: Wie tief können die Renditen auf sichere Staatsanleihen noch sinken? Wir kommen zu dem Schluss, dass bei der Rendite wohl noch gehörig „Luft nach unten“ ist. Wenn sich die schwelenden ökonomischen und politischen Risiken wie der „harte“ Brexit und eine weitere Eskalation im Handelsstreit materialisieren und die EZB ihr Anleihekaufprogramm…

Japanischer Aktienmarkt: Niedrige Bewertung, Hemmnis Handelskonflikt

Seit dem Jahr 2013 laufen in Japan die „Abenomics“, um die jahrzehntelange Stagnation der Wirtschaft durch Reformen und fiskal- und geldpolitische Impulse zu beenden. Sechs Jahre später haben sich gewisse Erfolge eingestellt. Das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist gestiegen und der Arbeitsmarkt ist mit einer Arbeitslosenquote von 2,5% nahezu leergefegt. Im Gegenzug stieg allerdings die Staatsverschuldung kontinuierlich auf fast 240% der Wirtschaftsleistung an. Der Spielraum für weitere fiskalpolitische Impulse wird daher immer kleiner. Kurzfristig bleibt die Inflation in Japan hartnäckig niedrig und das Wirtschaftswachstum abhängig vom globalen Umfeld. Vor diesem herausfordernden Hintergrund schrumpfte das reale BIP bereits 2018 in zwei von vier Quartalen. Im Jahr 2019 überraschte das Wachstum des ersten Quartals, es besteht aber in der Vorausschau kaum Anlass für Euphorie. Für das exportstarke Japan stellen, ähnlich wie in Deutschland, die anhaltenden Handelsspannungen zwischen den USA und China Risiken dar. Die Hoffnung auf steigende Staatseinnahmen schwinden – somit steht die…

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