Aktienmärkte

Kollateralschäden

In den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Welt aus Sicht der Notenbanken noch in Ordnung. Es gab wirtschaftliche Zyklen und Inflation. Das Bestreben der Notenbanken war, die zeitweise überschäumenden Teuerungsraten zu bändigen und dafür wurden auch Kollateralschäden in Kauf genommen. Sie konnten sogar sehenden Auges eine „Stabilisierungsrezession“ herbeiführen, nur um aus dem Ruder gelaufene Inflationserwartungen wieder einzufangen und die Preissteigerungsraten zu dämpfen. Heute sehen sich die Notenbanken (existenziellen) Krisen und struktureller niedriger Inflation gegenüber. Krisenbewältigung und Schaffung von Inflation sind die Hauptaufgaben geworden. Auch diese Herausforderungen werden von den Notenbanken mit Vehemenz angegangen und Kollateralschäden werden wieder in Kauf genommen. Die Kollateralschäden sind jetzt aber keine Rezession, sondern überbordende Kapital- und Immobilienmärkte sowie eine steigende Verschuldung. Den gordischen Knoten, den die Notenbanken geschaffen haben, könnte eine steigende Inflation zerschlagen. Es ist jedoch offen und unsicher, ob mit niedrigen Zinsen und einer steigenden Geldmenge tatsächlich Inflation geschaffen…

Erhebt da etwa jemand sein hässliches Haupt?

Die Inflation ist das Schreckgespenst der Finanzinvestoren. Insbesondere wer am Anleihemarkt sein Brot verdient, kann sich an frühere Crash-Phasen erinnern, die in kurzer Zeit die Kursgewinne von vielen Jahren ausgelöscht haben. Ausgelöst wurden diese Kurseinbrüche eigentlich immer durch Zinsanhebungen der Notenbanken, die wiederum auf steigende Inflationsraten oder -erwartungen reagiert haben. Wir leben heute in Zeiten extrem niedriger Zinsen, die Geldpolitik ist so expansiv wie nie zuvor. Frische Liquidität, die die Notenbanken zur Kursstützung in die Märkte pumpen, sorgen für ein extremes Umfeld. Anleger sind auf der Suche nach Rendite, und die ist immer schwerer zu finden. Rentenmarkt, Aktienmarkt, Immobilien, Edelmetalle – wohin man schaut sind die Notierungen extrem hoch. Die größte Gefahr wäre ein Ende der expansiven Geldpolitik und ein Umschalten der Notenbanken auf einen restriktiven Kurs. Dies könnte wohl nur durch einen plötzlichen und nachhaltigen Anstieg der Inflationsraten ausgelöst werden. Bis jetzt ist dieser Anstieg nicht in Sicht, auch…

Türkische Lira: Altbekannte Schwächen rücken wieder in den Blick

Nachdem es in den vergangenen Wochen um die türkische Lira vergleichsweise ruhig geworden und USD-TRY stabil um 6,85 TRY gependelt war, ist es mit dieser Ruhe wieder schlagartig vorbei. So hat doch das Währungspaar erstmals seit Mitte Mai wieder die Marke von 7,00 TRY und aktuell sogar die historisch schwachen Notierungen aus dem Mai hinter sich gelassen. Diese Bewegung ist umso bemerkenswerter, als dass der US-Dollar aktuell selber einen schweren Stand hat – gerade im Vergleich zur Situation im Mai – und verdeutlicht den vorherrschenden Druck auf die Lira. Dabei sind die bestehenden heimischen Probleme keineswegs neu. Trotz der relativ stabilen Entwicklung im Juni und Juli hatten wir die Konstellation für die Lira als fragil eingestuft, bietet die Türkei doch grundsätzlich mit einer tief in die Rezession abrutschenden Volkswirtschaft, einem deutlich ansteigenden Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit und einem expansiven geldpolitischen Kurs der türkischen Zentralbank ungeachtet der zu beobachtenden Inflationsentwicklung genügend Angriffsfläche….

Corona-Krise wirft den Euro-Raum zurück in das Jahr 2005!

Der länderübergreifende Corona-Lockdown hat im Euro-Raum im zweiten Quartal zu einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 12,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal geführt. Dieser Einbruch ist nicht nur historisch hoch. Das BIP befindet sich nun sogar nur noch auf dem Niveau des Jahres 2005! 15 Jahre Konjunkturgeschehen wurden innerhalb von nur zwei Quartalen zurückgesetzt. Es wird trotz der zu erwartenden teils kräftigen Erholung dauern, bis dieser Einschnitt wieder aufgeholt sein wird. Auch der Blick auf die großen Mitgliedsländer, für die schon ersten Berechnungen oder Schätzungen vorliegen, zeigt die Dramatik der Corona-Rezession. Alle Länder mussten im zweiten Vierteljahr 2020 jeweils zweistellige Rückgänge bei der Quartalsrate verbuchen. Am besten kam noch die deutsche Volkswirtschaft weg. Hier belief sich das Minus auf 10,1 Prozent, in Italien -12,4 Prozent, in Frankreich waren es -13,8 Prozent und in Spanien sogar -18,5 Prozent. Alles jeweils noch nie dagewesene Rückgänge der Wirtschaftsleistung und dramatische Einschnitte ins Wirtschaftsgeschehen, die…

USA: Unternehmensgewinne brechen ein

Die Berichtssaison in den USA hat in der vergangenen Woche begonnen. Im zweiten Quartal dürften die Unternehmensgewinne um fast 50% gegenüber dem Vorjahr gesunken sein. Dies wäre der stärkste Einbruch seit der Finanzkrise 2008. Insbesondere die Unternehmensgewinne in den Sektoren Energie und Konsumgüter dürften deutlich eingebrochen sein. Energieunternehmen litten unter dem niedrigen Preis für Erdöl, während Konsumgüterhersteller den Einbruch der Nachfrage und die unterbrochenen Lieferketten spürten. Dabei traf es die Fluglinien, Automobilhersteller, sowie die Unternehmen der Reise & Freizeit-Industrie (Hotels, Kreuzfahrtschiffe, Casinos) besonders stark. Viele der Konzerne schreiben tiefrote Zahlen. Sie sind teilweise auf Staatshilfen angewiesen. Analysten rechnen in keinem der elf US-Sektoren mit steigenden Gewinnen. Selbst die konjunkturstabilen Versorgertitel dürften weniger als im Vorjahr verdient haben. Ähnliches gilt für den IT-Sektor, in dem ein Rückgang der Gewinne um zehn Prozent erwartet wird. Überhaupt dürfte nur ein gutes Dutzend Unternehmen ein Gewinnwachstum präsentieren. Zu diesem gehören Unternehmen aus den Bereichen…

1 2 77