Aktienmärkte

Macron drängt, Deutschland bremst: E(W)U auf Reformsuche

Der französische Präsident Macron drängt nicht nur zu Hause mit Hartnäckigkeit auf Reformen, auch in Europa bildet er die Speerspitze der Erneuerer. In Straßburg hat er mit dem Europaparlament einmal mehr die große Bühne gewählt, um für seine Idee eines demokratischen, aber auch solidarischen und ökonomisch ein Stück weit staatsgelenkten Europas zu werben. Vor allem die europäischen Institutionen will der Sozialliberale stärken und sagt ein größeres finanzielles Engagement seines Landes zu – auch um die Folgen der Flüchtlingskrise, die die Gemeinschaft weiterhin vor eine Zerreißprobe stellt, zu bewältigen und autokratischen Tendenzen in Teilen Europas entgegenzuwirken. Die Eurozone soll ebenfalls sowohl institutionell durch die Überführung des ESM in einen europäischen Währungsfonds (EWF) und die Vollendung der Bankenunion als auch finanziell durch einen eigenen Haushalt gestärkt werden. Vor allem die Forderung nach mehr Geld für Brüssel als auch die Beschneidung nationaler Kompetenzen findet vor allem diesseits des Rheins nicht nur Zustimmung –…

Deutsche Sparrekorde

Der deutsche Staat schwimmt geradezu im Geld. Im vergangenen Jahr hat sich der Überschuss in den öffentlichen Kassen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mehr als verdoppelt. Er stieg, in der Abgrenzung der Finanzstatistik, von rund 26 Mrd. Euro im Jahr 2016 auf knapp 62 Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Auch wenn die Rechnung auf Basis der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die für die Maastricht-Kriterien relevant ist, etwas niedriger ausfällt: So gut ging es Bund, Ländern und Gemeinden finanziell schon sehr lange nicht mehr. Das vergangene Jahr markierte bereits das vierte Jahr in Folge mit einem staatlichen Budgetüberschuss. Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich ziemlich alleine da, zumindest unter den größeren Ländern. Dabei kommen dem Staatshaushalt vor allem zwei Faktoren zugute: Die gute Konjunktur lässt die Steuereinnahmen kräftig sprudeln, im Jahr 2017 stiegen die gesamten öffentlichen Einnahmen dadurch um 5,8 Prozent. Gleichzeitig sorgen die niedrigen Zinsen für eine Dämpfung der Aufwendungen für den…

Gekommen, um zu bleiben – Steuerkürzungen sorgen für massiven Gewinnsprung in den USA

Die Analysten für US-Unternehmen dürften dieser Tage gestresst sein. Mit dem Ende 2017 verabschiedeten Steuersenkungsprogramm der Trump-Administration hat sich ein neues Bild für die Schätzungen der Gewinne, Dividenden und Aktienrückkäufe für 2018 und die Jahre danach ergeben. Diese werden nun erstmalig vollumfänglich in den Berichten der Unternehmen ersichtlich sein und die bis dato unsicheren Schätzungen der Analysten ablösen. Vereinzelt ist mit Ergebnissprüngen durch Steuereffekte um bis zu 20% zu rechnen. Dazu kommt die gesunde operative Entwicklung der US-Unternehmen – für den S&P 500 dürften die Gewinne im operativen Geschäft um rund sieben Prozent gewachsen sein. Insgesamt sollten die Gewinne gemäß des Datenanbieters Factset beim S&P 500 im ersten Quartal um 17% anziehen, im Gesamtjahr 2018 gar um 19%. Erwähnenswert ist, dass derzeit alle der großen Branchen in den USA ein Gewinnwachstum verzeichnen, der Aufschwung also auf breiten Schultern verläuft. Taktgeber für den Aufschwung beim Gewinnwachstum bleiben die Unternehmen aus den…

Hohe Diskrepanz zwischen Marktstimmung (schlecht) und Bewertung (attraktiv): DAX bleibt aussichtsreich

Spannung verspricht der Aktienmarkt. Im Zuge der Diskussion verschiedener Makrosorgen (steigende Zinsen/Inflation, US-Zölle etc.) hängt dieser seit Anfang Februar in einem Loch. So hatte der DAX gegenüber seinem Höchststand im Tief bis zu 13% verloren, der Euro Stoxx 50 immerhin elf Prozent – auf Titelebene fielen die Verluste zum Teil noch deutlicher aus. Allerdings gab es zuletzt wenig schlechte Nachrichten seitens Konjunktur oder Unternehmen, es scheint eher „unspezifisch“ verkauft worden zu sein. Eine Vielzahl von Unternehmen dürfte überhaupt nicht nennenswert unter den diskutierten Einflussfaktoren leiden. Auch ist das befürchtete Szenario eines intensivierten Handelskrieges zwischen den USA und China noch nicht Realität geworden. Es gibt noch Zuversicht, dass sich beide Parteien in den anstehenden Verhandlungsrunden annähern können. Schließlich konnten wir in der Vergangenheit oft genug beobachten, dass Präsident Trump gerne zunächst extreme Verhandlungspositionen einnimmt, letztlich aber auf einen „Deal“ aus ist. Außerdem ist bekannt, dass er seine Popularität gerne an steigenden…

Wertorientierte Vergütung im Gesundheitswesen auf dem Vormarsch

Klassische Erstattungskonzepte belasten Gesundheitssysteme stark In klassischen Erstattungssystemen im Gesundheitswesen bezahlen Leistungsträger wie Krankenkassen die erbrachten Leistungen der Gesundheitsdienstleister im Wesentlichen unabhängig vom Behandlungserfolg oder ob die Behandlung auch in kostentechnischer Sicht möglichst effizient durchgeführt wurde. Damit wurden grundsätzlich für die Leistungserbringer Anreize geschaffen, möglichst viele und hochpreisige Behandlungen durchzuführen. In vielen Industrienationen geraten die Gesundheitssysteme auf Basis der Struktur dieser Erstattungssysteme, aber auch durch gesamtwirtschaftliche und demografische Faktoren seit Jahren mehr und mehr an die Grenzen ihrer finanziellen Belastbarkeit. Wertorientierte Vergütung als neues Konzept Deswegen geht der Trend zu neuen Vergütungsformen für Gesundheitsdienstleister. Diese neuen Formen orientieren sich nicht an der Menge der erbrachten Leistungen, sondern vor allem daran, ob diese Behandlung Mehrwert geschaffen hat. Der Mehrwert definiert sich dabei einerseits durch den nachhaltigen Heilungserfolg beim Patienten und andererseits durch eine kosteneffiziente Leistungserbringung, wobei diese beiden Aspekte teilweise in einem Spannungsverhältnis zueinander stehen. Unternehmen für die Umstellung gut gewapnet…

Eskalierender Handelsstreit USA-China und die Folgen

In Sachen Handelsstreit USA-China überschlagen sich derzeit die Ereignisse. Am 03. April hat US-Präsident Trump konkrete US-Strafzölle auf Importe aus China angedroht, China seinerseits hat wenige Stunden später mit vergleichbaren Ankündigungen reagiert. Und nur zwei Tage später hat Trump nun erneut nachgelegt. Betroffen von den am 03.04. konkret avisierten US-Zöllen sind chinesische Lieferungen im Umfang von rund 50 Mrd. USD. Das entspricht rund 10 Prozent aller chinesischen Exporte in die USA und 0,4 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ein Großteil der betroffenen chinesischen Produkte dürfte für die USA nicht leicht zu substituieren sein. Der Effekt der Schutzzölle könnte sich daher stärker in der US-Inflation als in einer sinkenden US-Nachfrage nach diesen Importen niederschlagen. Der Export der Produkte dürfte schätzungsweise um etwa ein Drittel sinken, die chinesischen Gesamtexporte in die USA also um 3 bis 4 Prozent. Der Wachstumseffekt auf das chinesische BIP läge damit rechnerisch unter 0,2 Prozent. Da viele…

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