Aktienmärkte

Neue Aktienkultur in Deutschland?

Die jüngst von der Bundesbank veröffentlichten Zahlen zur Geldvermögensbildung dürften selbst Experten überraschen: So haben die Bundesbürger im ersten Quartal des laufenden Jahres netto 13,8 Mrd. Euro in Aktien und ähnliche Anteilsrechte sowie noch einmal 7,1 Mrd. Euro in Investmentfonds angelegt. Und das, obwohl die Corona-Pandemie historische Kurseinbrüche an den Börsen auslöste. So rauschet beispielsweise der DAX gegen Ende des Winterquartals in nur vier Wochen um fast 39 Prozent in die Tiefe. Dabei gelten Privathaushalte in Deutschland als traditionell eher risikoscheu. Ihr Geldvermögen besteht vorwiegend aus Bankeinlagen sowie Lebensversicherungen. Und in anderen Krisen, wie der zurückliegenden Finanzmarktkrise, haben sie auf Kurseinbrüche teils panisch mit Wertpapierverkäufen reagiert. Dass die Sache diesmal anders aussieht, hat sicherlich mehrere Gründe: So war in der Finanzmarktkrise nicht nur der ökonomische Optimismus abhandengekommen, sondern auch das Vertrauen in die Finanzmärkte und ihre Akteure gestört. Hinzu kommt der gewaltige Geldanlagestau, der sich durch die lange Zeit extrem…

Steigende Schulden sind zurzeit nicht das Problem, können es aber werden

Die Corona-Krise entpuppt sich immer mehr auch als eine schwere Belastungsprobe für die Schuldentragfähigkeit der EWU-Staaten. Nach der Finanz- und der Staatenfinanzkrise der Eurostaaten folgt bereits die dritte Krise innerhalb von nur etwa zwölf Jahren, die spürbaren Einfluss auf die Schuldenstandsquoten der Staaten nimmt. Im Fall von Italien ist bis Ende 2020 mit einer Zunahme des Schuldenstands auf 160% des BIP zu rechnen. Um die Schuldenstandsquote dauerhaft zu stabilisieren, ist der aus Sicht der Staaten zentrale Einflussfaktor der Primärsaldo. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Primärsaldo, den Italien erzielen muss, um die Schuldenstandsquote längerfristig zu stabilisieren, infolge der Krise auf 3% des BIP steigt. In den vergangenen Jahren hatte Italien stets deutlich niedrigere Primärüberschüsse erzielt, was die Befürchtungen nährt, dass ohne gegensteuernde Maßnahmen mit einem weiteren Anstieg der Schuldenstandsquote des Landes zu rechnen wäre und die Schulden-tragfähigkeit in Gefahr geriete. Deutschland könnte sich trotz eines Corona-bedingten Anstiegs der Schuldenstandsquote auch nach…

Die zweite Welle

Die Dynamik der Corona-Pandemie nimmt zu und die Zahlen der Neuinfizierten erreicht auf globaler Ebene neue Höchststände. Insbesondere die USA und Südamerika sind betroffen, während in Europa die Ausbreitung von COVID-19 unter Kontrolle zu sein scheint. Natürlich könnte sich dies bei zunehmender Unachtsamkeit auch schnell ändern. Die politische Reaktionsfunktion hat sich den letzten Wochen verändert. Generell ist die politische Bereitschaft für landesweite Gegenmaßnahmen gesunken. Wenn man politisch auf das Coronavirus reagieren muss, neigt man nun zu regionalen Einschränkungen. Zudem ist die Tragfähigkeit der Gesundheitssysteme insgesamt gestiegen. Ein landesweiter Lockdown ist damit unwahrscheinlich geworden. Zumal die Entscheidung für einen erneuten nationalen Lockdown einen sehr hohen wirtschaftlichen Preis zur Folge hätte. Die erneute Rezession wäre tief und wohl auch relativ zäh, da die Verunsicherung stark ansteigen würde und die Spielräume in der Fiskal- und Geldpolitik zu einem großen Teil bereits ausgeschöpft wurden. Insgesamt sind die stark steigenden Corona-Fälle eine menschliche Tragödie, sollten…

Also doch eine V-förmige Erholung?

Die Indikatoren der Woche: Der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juni so stark angestiegen wie nie zuvor, und die Stimmung unter den Einkaufsmanagern in der Industrie hat sich kräftig erholt und war zuletzt schon wieder besser als im vierten Quartal 2019. Angesichts der immer noch schwierigen Situation von Unternehmen in vielen Branchen überraschen diese Meldungen. Können wir also doch mit einer schnellen V-förmigen Wirtschaftserholung rechnen? Der Anstieg der Geschäftstätigkeit würde ähnlich schnell erfolgen wie der Einbruch in März und April – die schnelle Kurserholung an den Aktienmärkten wäre hierfür ein guter Vorbote gewesen. Doch es gibt einige Gründe, warum sich der rasche Anstieg der Stimmungsindikatoren nicht in eine entsprechende Erholung der Realwirtschaft übersetzen wird. Zum einen bedeutet ein Einkaufsmanagerindex im Bereich von 50 Punkten nicht, dass sich die Wirtschaft wieder im „Normalzustand“ befindet. Er zeigt lediglich an, dass im Vergleich zum Vormonat keine weitere Verschlechterung eingetreten ist. Und der starke Anstieg beim…

ifo-Geschäftsklima: „Der stärkste jemals gemessene Anstieg“

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im Juni weiter stark verbessert. Das zeigt die Umfrage des ifo-Instituts. Der Geschäftsklimaindex ist von 79,7 auf 86,2 Punkte angestiegen, und das ifo-Institut hebt hervor, dass es sich damit um den „stärksten jemals gemessenen Anstieg“ handelt. Aber heißt das auch, dass sich die reale Lage der deutschen Unternehmen im Juni entsprechend stark verbessert hat? Davon kann man leider nicht ausgehen. Zum einen ist der jüngste Anstieg des Geschäftsklimaindexes stark erwartungsbedingt. Das heißt, dass die Unternehmen davon ausgehen, dass sich ihre Umsätze bzw. ihre Produktion in den nächsten sechs Monaten – verglichen mit dem Status quo – positiv entwickeln werden. Das anzunehmen ist angesichts der in den meisten Branchen immer noch sehr schwierigen Situation sicherlich plausibel. Bei der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sind die Unternehmen dagegen deutlich vorsichtiger. Die Messzahl für die aktuelle Lage hat sich im Juni von dem Tief im Vormonat…

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