Aktienmärkte

Mit Schnellbooten sollte man nicht mehr fahren

Fast so alt wie die Börse selbst ist der Streit zwischen „Value“- und „Growth“-Anhängern, wenngleich dies per se keine konträren Anlagestile sind. Der Wert (=Value) eines Unternehmens wird durch Wachstum (=Growth) geschaffen. Value-Titel gelten als langweilige Dickschiffe mit wenig Wachstum und niedriger Bewertung, Growth-Titel als Schnellboote, die sich durch hohes Gewinnwachstum auszeichnen. Was ist Value, was ist Growth, nach Definition der einschlägigen Indexanbieter? – Diese machen es sich einfach und schauen in der Regel nur auf das Verhältnis von Kurs- zu Buchwert (KBV) eines Unternehmens. Dieses gibt an, wie der aktuelle Marktwert eines Unternehmens zum bilanzierten Eigenkapitalwert notiert. Meist „buchen“ die Indexanbieter die nach KBV teurere Hälfte aller Aktien im Index in den „Growth“-Index und die andere Hälfte in den „Value“-Index. Aus unserer Sicht ist das eine unzureichende, fast schon irreführende Vorgehensweise. Seit dem Ende der Finanzkrise 2008/09 haben sich Value-Titel deutlich schlechter entwickelt als Wachstumswerte. Jedoch hat sich zwischenzeitlich…

US-Aktien: Zinskurve sendet Rezessionssignal

In den USA übertrifft die Höhe der Leitzinsen die langfristigen Kapitalmarktzinsen. In einigen anderen Industriestaaten zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Diese „invers“ genannte Zinskurve stellt die üblichen Mechanismen im Kreditgeschäft auf den Kopf. Denn üblicherweise sind die Zinsen für einen Kredit umso höher, je länger die vereinbarte Laufzeit des Kredits ist. Kehrt sich dieser Zusammenhang um, d.h. fällt der Zinssatz mit der längeren Laufzeit unter den der kürzeren, kann dies bei Unternehmen zu wirtschaftlichen Problemen führen. So können Banken unter anderem kein Geld mehr verdienen durch die „Fristentransformation“. In dieser werden kurzfristig angelegte Kundeneinlagen zu einem höheren Zins als Kredit verliehen. Erschwert stellt sich die Situation für die Banken innerhalb Europas dar. Hier ist zwar die Zinskurve in den Einzelländern noch nicht invers, jedoch zahlen die Banken Strafzinsen für Einlagen bei der Europäischen Zentralbanken, welche sie sich in aller Regel nicht von ihren Anlegern zurückholen. Auch ohne diese unmittelbare…

In Deutschland wird mehr gespart

Das Umfeld für die Geldanlage der privaten Haushalte in Deutschland bleibt schwierig. Hatte die Ankündigung der EZB im September letzten Jahres, ihre Netto-Anleihekäufe stufenweise zu beenden, noch Hoffnungen auf ein Abklingen der Niedrigzinsphase geweckt, verflüchtigten sich diese bereits wieder ab der Jahreswende. Mit der Abschwächung des Wirtschaftswachstums in Deutschland und Europa sowie der Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China rückte eine geldpolitische Normalisierung wieder in die Ferne. Die durchschnittliche Umlaufsrendite festverzinslicher Wertpapiere verzeichnet seit Monaten eine sinkende Tendenz – seit Juni mit negativem Vorzeichen. Für die Aktienmärkte ergeben sich gegensätzliche Signale: Während expansive Geldpolitik und niedrige Zinsen die Aktiennachfrage als Anlagealternative anschieben, lasten Handelsstreitigkeiten und eingetrübte Konjunkturaussichten auf den Umsatz- und Gewinnperspektiven börsennotierter Unternehmen. Das begrenzt das Kurspotenzial und verstärkt die Volatilität. Im ersten Quartal des laufenden Jahres legten die privaten Haushalte erneut einen höheren Anteil ihres verfügbaren Einkommens auf die hohe Kante. Damit setzt sich ein seit…

Besorgte Notenbanken – sorglose Anleger?

In den Vereinigten Staaten dreht sich die aktuelle geldpolitische Diskussion nicht mehr um die Frage, ob die Zinsen in der nächsten Notenbanksitzung gesenkt werden sollen, sondern nur noch darum, wie stark sie sinken werden. Damit steht die erste Zinssenkung seit zehn Jahren bevor, und das, obwohl sich die US-Konjunktur in einer – von Deutschland aus gesehen – beneidenswert guten Verfassung befindet. Die Arbeitslosenquote steht mit 3,7 Prozent fast auf dem tiefsten Stand der letzten 40 Jahre, und auch andere wichtige Kennzahlen zeigen sich ausgesprochen robust. Es ist daher in Notenbankkreisen viel von einem Zinsschritt zur „Versicherung“ gegen die zahlreichen weltwirtschaftlichen Risiken die Rede. Als Begründung wird auch die sehr moderate Inflationsrate herangezogen. Sie liegt auf einem für die Spätphase eines Konjunkturaufschwungs untypisch niedrigen Niveau. Das wiederum hat mit der verhaltenen Lohndynamik zu tun, die auf den ersten Blick so gar nicht zum leergefegten Arbeitsmarkt passen will. Wenn die Notenbanken die…

ETFs und Co. – Fluch oder Segen für die Finanzmarktstabilität?

Geringere Kosten gegenüber aktiv gemanagten Fonds, eine Kursentwicklung nahe am Index und eine Diversifikation mit geringem Kapitaleinsatz: Es ist nicht verwunderlich, dass weltweit fast 5 Bio. US-Dollar in passiven Fonds (ETFs) verwaltet werden. Die niedrigen Kosten sind jedoch nur eine Seite der Medaille. Auch der Anlageprozess in einem ETF-Portfolio muss definiert und überwacht werden. Dazu gehören Aspekte wie die Definition der Benchmark, die Aktien- oder Indexauswahl, die Neugewichtung von Positionen sowie die Berücksichtigung von Themeninvestments und andere Besonderheiten. Investoren, die den Anlageprozess nicht selbst bestimmen und überwachen können oder wollen, müssen sich letztlich weiterhin auf externe Anbieter verlassen, was wiederum zu höheren Kosten führt. Allerdings verwalten die beiden weltweit größten ETF-Anbieter zusammen das Äquivalent von 15% des US-BIPs. Das Volumen der verwalteten Fonds ist damit um ein Vielfaches höher als bei anderen Kapitalsammelstellen. Zum Vergleich: Lehman Brothers verwaltete vor seinem Konkurs im Jahr 2008 „nur“ rund 250 Mrd. US-Dollar im…

Zinsfantasie am Aktienmarkt übertrieben

Die Hoffnung auf eine Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank Ende Juli hat die US-Börsen auf neue Höchststände getrieben. So knackte der S&P 500 zuletzt die Marke von 3.000 Punkten und der Dow Jones überschritt erstmals die 27.000 Punkte-Linie. Grundsätzlich sind geringere Zinsen gut für die Aktienmärkte, da diese sowohl die wirtschaftliche Aktivität fördern als auch die relative Attraktivität von Aktien gegenüber Bonds erhöhen. Die langfristigen historischen Daten zeigen, dass der US-Aktienmarkt in den Folgemonaten nach der ersten Leitzinssenkung im Durchschnitt eine positive Aktienkursentwicklung und einen Anstieg des Bewertungsniveaus verzeichnete. Die beiden letzten Wendepunkte 2000 und 2007 zeichnen allerdings ein anderes Bild. Diese Daten deuten darauf hin, dass wenn der Hochpunkt bei den Unternehmensgewinnen im Konjunkturzyklus bereits erreicht wurde, geringere Zinsen die Aktienmärkte nicht mehr längerfristig treiben können. Wir befinden uns aktuell bereits in einer späten Phase des Konjunkturzyklus und die Risiken für die weitere wirtschaftliche Entwicklung sind in den letzten Monaten…

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