Aktienmärkte

Zinsen – how low can you go?

Vor einigen Tagen ist die Rendite von deutschen Bundesanleihen mit 10-jähriger Restlaufzeit unter die Marke von -0,4 Prozent gefallen. Bei -0,4 Prozent hat die Europäische Zentralbank den Einlagenzins festgesetzt, also den Satz, zu dem die Banken ihre überschüssige Liquidität bei der EZB parken können. Demnach erschien es Investoren also zumindest vorübergehend attraktiver, ihr Geld in langlaufende Bundesanleihen zu investieren, obwohl sie dafür selbst im Vergleich zur sicheren, flexiblen und kurzfristigen Anlage bei der EZB einen zusätzlichen Strafzins berappen müssen. Zwar hat sich die Bundrendite in den letzten Tagen etwas erholen können, doch drängt sich nach dieser Erfahrung die Frage auf: Wie tief können die Renditen auf sichere Staatsanleihen noch sinken? Wir kommen zu dem Schluss, dass bei der Rendite wohl noch gehörig „Luft nach unten“ ist. Wenn sich die schwelenden ökonomischen und politischen Risiken wie der „harte“ Brexit und eine weitere Eskalation im Handelsstreit materialisieren und die EZB ihr Anleihekaufprogramm…

Japanischer Aktienmarkt: Niedrige Bewertung, Hemmnis Handelskonflikt

Seit dem Jahr 2013 laufen in Japan die „Abenomics“, um die jahrzehntelange Stagnation der Wirtschaft durch Reformen und fiskal- und geldpolitische Impulse zu beenden. Sechs Jahre später haben sich gewisse Erfolge eingestellt. Das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist gestiegen und der Arbeitsmarkt ist mit einer Arbeitslosenquote von 2,5% nahezu leergefegt. Im Gegenzug stieg allerdings die Staatsverschuldung kontinuierlich auf fast 240% der Wirtschaftsleistung an. Der Spielraum für weitere fiskalpolitische Impulse wird daher immer kleiner. Kurzfristig bleibt die Inflation in Japan hartnäckig niedrig und das Wirtschaftswachstum abhängig vom globalen Umfeld. Vor diesem herausfordernden Hintergrund schrumpfte das reale BIP bereits 2018 in zwei von vier Quartalen. Im Jahr 2019 überraschte das Wachstum des ersten Quartals, es besteht aber in der Vorausschau kaum Anlass für Euphorie. Für das exportstarke Japan stellen, ähnlich wie in Deutschland, die anhaltenden Handelsspannungen zwischen den USA und China Risiken dar. Die Hoffnung auf steigende Staatseinnahmen schwinden – somit steht die…

US-Arbeitsmarkt: Eine solide Halbjahresbilanz, aber wenig Druck bei den Löhnen

Der Beschäftigungsaufbau in den USA ist nicht zum Erliegen gekommen, dies zeigt der jüngste Arbeitsmarktbericht. Ein überraschend schwacher Vormonat hatte teilweise zu sehr pessimistischen Spekulationen über die US-Konjunktur geführt. Tatsächlich ist im Juni aber die Zahl der Beschäftigten um 224.000 Personen gestiegen. Auch in der Industrie entstanden 17.000 neue Arbeitsplätze, obwohl der schwelende Handelsstreit inzwischen sichtbar auf dem Industrieklima lastet. Es ist kein Warnsignal, dass das durchschnittliche monatliche Stellenplus im ersten Halbjahr „nur“ bei 172.000 Personen lag und damit sichtbar hinter dem des Vorjahreszeitraums zurückbleibt. Denn zum einen erfordert das Bevölkerungswachstum nur eine Steigerung um 100.000 Beschäftigte und zum anderen hatte 2018 die Senkung der Unternehmenssteuer für einen Extra-Schub beim Beschäftigungsaufbau gesorgt. Eine weitere Erklärung für den sich etwas langsamer drehenden Jobmotor ist die historisch niedrige Arbeitslosigkeit, durch die qualifizierte Arbeitskräfte kaum noch verfügbar sind. Der jüngste leichte Anstieg von 3,6 auf 3,7 Prozent ist übrigens einem deutlichen Zustrom beim…

Warum brechen in einer Rezession die Unternehmensgewinne und Aktienkurse so stark ein?

Ein Zyklus ist gemäß einer Definition der Universität Oxford definiert als „eine Gruppe von Ereignissen, die in einer bestimmten Reihenfolge hintereinander stattfinden und oft wiederholt werden“. In den Naturwissenschaften folgen Zyklen bestimmten Mustern. Zeitpunkt, Amplitude und der Schwankungspfad wiederholen sich. Volkswirtschaften, Unternehmen, Märkte und das Verhalten der Anleger weisen diese festen Regelmäßigkeiten nicht auf. Die Bewegungen sind komplexer und nicht vorhersehbar. Sie greifen ineinander: So gibt es neben dem Konjunkturzyklus noch den Gewinnzyklus der Unternehmen, den Zyklus im Immobilienmarkt, die generelle Einstellung der Marktteilnehmer gegenüber Risiko und andere Aspekte. Diese liefern die fundamentalen und stimmungsgetriebenen Rahmendaten für Investitionen am Kapitalmarkt. In Rezessionen werden fallende Unternehmensgewinne als Grund für die Schwäche von Konjunktur und Aktienkursen festgemacht. Aber warum fallen in einer Rezession die Gewinne der börsennotierten Unternehmen überproportional stark, wenn das volkswirtschaftliche Wachstum nur für eine vorübergehende Phase um einige Prozentpunkte von seinem langfristigen Trendwachstum abweicht? Die Antwort liegt auf der…

Die Welt nach G20

Auf dem G20-Gipfel haben uns US-Präsident Trump und seine Kollegen wieder einmal durch ihr heldenhaftes Verhalten vor einer Katastrophe bewahrt. So wird es seit Wochen, insbesondere von den USA, pressetechnisch sehr geschickt und effektiv vorbereitet. Die Probleme, die gelöst werden mussten, sind von den Regierungschefs vorher selbst aufgebaut worden – aber der G20-Gipfel gilt als Erfolg. Positiv ist sicherlich, dass es zu keinem Eklat auf dem G20-Meeting kam und die Länder eine Abschlusserklärung fanden – man wird bescheiden. Auch das Bekenntnis zu den Umweltzielen ist gut und auch sehr erforderlich, zu letzterem war die USA aber leider nicht bereit. Die Übereinkunft von USA und China, die Verhandlungen über die wirtschaftliche Zusammenarbeit wieder aufzunehmen, und die Ankündigung von US-Präsident Trump, die Zölle nicht weiter zu erhöhen und Huawei von der Blacklist zu nehmen, sind sehr begrüßenswert und verringern die Risiken für die Weltkonjunktur. Aber die Lage wird sich auch nicht nachhaltig bessern….

Deutsche Top-Konzerne rutschen weiter ab

Die deutsche Wirtschaft ist bekannt für die vielen mittelständischen Unternehmen, die ihr Rückgrat bilden. Im Mittelstand sind Weltmarktführer in oft sehr spezifischen Marktsegmenten zu finden. Bei den großen deutschen Unternehmen hingegen hat sich die Wettbewerbssituation offensichtlich verschärft. In unserer Analyse der 500 weltweit größten Unternehmen nach Börsenwert, Umsatz, Reingewinn und Mitarbeiterzahl finden sich jedenfalls nur wenige deutsche Gesellschaften. In der Marktwertrangliste zum Ende des ersten Halbjahres dominieren Firmen aus den Sektoren Finanzen, Technologie, Konsumgüter und Gesundheit. In diesen Bereichen gibt es in Deutschland zu wenige Top-Unternehmen, die eine bedeutende internationale Rolle spielen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die zyklischen Sektoren derzeit an der Börse sehr niedrig bewertet sind, was eine bessere Positionierung der deutschen Automobil- und Chemiekonzerne verhindert. Auf Länderebene machen die USA 45% der größten 500 Unternehmen aus, obwohl die Zahl der börsennotierten Unternehmen dort seit einiger Zeit zurückgegangen ist. China (9%) und Japan (8%) folgen weit dahinter. Nur…

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