Aktienmärkte

Der Rubel lässt die Muskeln spielen

Der russische Rubel bewegt sich nach wie vor auf der Sonnenseite des Währungslebens. Er kletterte gegenüber dem Euro jüngst auf den höchsten Stand seit März 2018. Aber auch gegenüber dem robusten Greenback muss er sich nicht verstecken. Hier kann er momentan, verglichen mit Werten vom Jahresbeginn, ein Kursplus von rund 8,5% verbuchen. Rückenwind erfährt er derzeit einerseits von dem wieder etwas aufgehellten globalen Emerging-Markets-Sentiment. Dass der Markt Schwellenländerwährungen wieder zuversichtlicher gegenübersteht, ist mehreren Dingen zuzuschreiben: der grundsätzlichen Suche der Investoren nach Rendite sowie der expansiveren geldpolitischen Gangart der Fed – besonders den sich im US-chinesischen Handelsstreit abzeichnenden Entspannungstendenzen – sowie der marktseitig nachgelassenen Furcht vor einem Hard-Brexit. Andererseits ist dem Rubel zuletzt auch der sprunghafte Anstieg der weltweiten Ölpreise infolge eines Drohnenangriffs auf saudi-arabische Ölanlagen zugutegekommen. Unserer Ansicht nach dürfte sich der Rubel zum Ende des Jahres hin nach wie vor wacker schlagen. Anlass zu dieser Einschätzung gibt uns zum…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Tristesse im September

Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex für den Euro-Raum hat gemäß der Septemberumfrage 1,5 Zähler verloren und liegt mit 50,4 Punkten (75-Monats-Tief) nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Indexpunkten. Ausschlaggebend sind deutliche Nachfragerückgänge bei den Dienstleistern und in der Industrie. Gerade die Talfahrt der Industrie hat sich wieder beschleunigt, und es scheint immer mehr der Fall zu sein, dass der bislang robuste Dienstleistungsbereich mit nach unten gezogen wird. Nach Angaben von IHS Markit fielen die Stimmungsbarometer im gesamten Währungsgebiet so niedrig aus wie seit 2013 nicht mehr. Im Zentrum der wirtschaftlichen Schwäche scheint immer mehr die deutsche Volkswirtschaft und dabei insbesondere die deutsche Industrie zu stehen. Und gemäß den Geschäftserwartungen ist hier keine Wende zum Besseren in Sicht. Zum Ende des dritten Quartals trüben sich die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum auf Basis der Umfrageergebnisse ein. Der deutsche Composite-Index verlor 2,6 Zähler und rutschte mit 49,1 Punkten nicht nur unter die neutrale…

EZB drängt Investoren aus dem Markt

Anleihekaufprogramme von Zentralbanken stellen massive Markteingriffe dar, die sich nachhaltig auf Angebot und Nachfrage auswirken. So hatte auch die ersten QE-Programms der EZB, das im Frühjahr 2015 startete spürbare Auswirkungen auf die Kapitalbilanz der EWU. Im Jahr 2014 hatten ausländische Investoren 114 Mrd. EUR an EWU-Anleihen gekauft. 2015 reduzierte sich diese Summe dann aber auf 30 Mrd. EUR. In den darauffolgenden drei Jahren drehte sich die Situation um und ausländische Investoren verkauften stolze 470 Mrd. Euro an EWU-Anleihen. Auch inländische Investoren blieben nicht unberührt von der massiven Intervention der EZB: sie flüchteten sich en masse in ausländische Anleihen und Aktien (1.500 Mrd. EUR in den Jahren 2015-2018). Mit der Beendigung des Programms im Dezember 2018 wendete sich das Blatt jedoch wieder. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres beliefen sich die Käufe von EWU-Anleihen aus den Ausland auf durchaus beachtliche 213 Mrd. EUR. Vor allem französische, italienische und deutsche Anleihen…

Hoffnung – mal wieder

Die letzten Tage haben in Bezug auf die größten politischen Risiken für die Weltwirtschaft eine leichte Entspannung gebracht. In Großbritannien scheint die unmittelbare Gefahr eines No-Deal-Brexit zum 31.10.2019 fürs Erste abgewendet. In Italien wurde eine Zusammenarbeit zwischen den Sozialdemokraten und der 5-Sterne-Bewegung vereinbart und damit schnelle Neuwahlen und ein möglicher Durchmarsch von Salvinis Lega bis auf Weiteres ausgeschlossen. Und schließlich werden zwischen den USA und China zumindest wieder Gesprächstermine vereinbart, auch das ist angesichts des Zerwürfnisses der letzten Wochen schon ein Fortschritt. An den Finanzmärkten wurden diese Entwicklungen bereits mit großer Erleichterung aufgenommen. Die Renditen der Bundesanleihen konnten sich von ihrem Tiefststand wieder etwas erholen, auch an den Aktienmärkten haben die Notierungen zugelegt. Deutlich profitiert haben auch die italienischen Staatsanleihen. Doch könnte die Erleichterung verfrüht sein und schon bald wieder einer Enttäuschung Platz machen. In Bezug auf den Brexit scheint uns die „harte“ Variante keineswegs ausgeschlossen zu sein. Sie könnte…

Mit Schnellbooten sollte man nicht mehr fahren

Fast so alt wie die Börse selbst ist der Streit zwischen „Value“- und „Growth“-Anhängern, wenngleich dies per se keine konträren Anlagestile sind. Der Wert (=Value) eines Unternehmens wird durch Wachstum (=Growth) geschaffen. Value-Titel gelten als langweilige Dickschiffe mit wenig Wachstum und niedriger Bewertung, Growth-Titel als Schnellboote, die sich durch hohes Gewinnwachstum auszeichnen. Was ist Value, was ist Growth, nach Definition der einschlägigen Indexanbieter? – Diese machen es sich einfach und schauen in der Regel nur auf das Verhältnis von Kurs- zu Buchwert (KBV) eines Unternehmens. Dieses gibt an, wie der aktuelle Marktwert eines Unternehmens zum bilanzierten Eigenkapitalwert notiert. Meist „buchen“ die Indexanbieter die nach KBV teurere Hälfte aller Aktien im Index in den „Growth“-Index und die andere Hälfte in den „Value“-Index. Aus unserer Sicht ist das eine unzureichende, fast schon irreführende Vorgehensweise. Seit dem Ende der Finanzkrise 2008/09 haben sich Value-Titel deutlich schlechter entwickelt als Wachstumswerte. Jedoch hat sich zwischenzeitlich…

US-Aktien: Zinskurve sendet Rezessionssignal

In den USA übertrifft die Höhe der Leitzinsen die langfristigen Kapitalmarktzinsen. In einigen anderen Industriestaaten zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Diese „invers“ genannte Zinskurve stellt die üblichen Mechanismen im Kreditgeschäft auf den Kopf. Denn üblicherweise sind die Zinsen für einen Kredit umso höher, je länger die vereinbarte Laufzeit des Kredits ist. Kehrt sich dieser Zusammenhang um, d.h. fällt der Zinssatz mit der längeren Laufzeit unter den der kürzeren, kann dies bei Unternehmen zu wirtschaftlichen Problemen führen. So können Banken unter anderem kein Geld mehr verdienen durch die „Fristentransformation“. In dieser werden kurzfristig angelegte Kundeneinlagen zu einem höheren Zins als Kredit verliehen. Erschwert stellt sich die Situation für die Banken innerhalb Europas dar. Hier ist zwar die Zinskurve in den Einzelländern noch nicht invers, jedoch zahlen die Banken Strafzinsen für Einlagen bei der Europäischen Zentralbanken, welche sie sich in aller Regel nicht von ihren Anlegern zurückholen. Auch ohne diese unmittelbare…

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