Aktienmärkte

In welchem Ausmaß ist eine Rezession am deutschen Aktienmarkt eingepreist?

Wir haben untersucht, wie sich die aktuelle Bewertung der deutschen Branchenindizes im Vergleich zu den Kurs- und Bewertungstiefs während der Rezessionen in den Jahren 2003 und 2009 darstellt. Als maßgebliche Bewertungsgröße für den Vergleich haben wir auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zurückgegriffen. In einer Rezession – also einer Phase rückläufiger Gewinne – ist das KBV als Bewertungsindikator zuverlässiger als das Kurs-Gewinn-Verhältnis, welches stark von der Profitabilität des Unternehmens abhängt.

Erholungsbewegung mit Enttäuschungspotenzial

Die von der Schuldenkrise gebeutelten Aktienmärkte starteten in dieser Woche eine Erholungsbewegung. Herrschte noch in der Vorwoche ein großes Maß an Skepsis des Kapitalmarktes bezüglich der Fähigkeit und des Willens der politisch Verantwortlichen, die Krise sachorientiert und geschlossen anzugehen, so wandelte sich dies nach Tagung von IWF und Weltbank in Washington. Investoren schöpfen ganz offensichtlich Hoffnung, dass die Zusammenkunft in der US-amerikanischen Hauptstadt vielen Entscheidungsträgern die Dringlichkeit des Handelns beziehungsweise die möglichen Folgen eines fortgesetzten Zögerns vor Augen geführt hat. So gehörten insbesondere Finanztitel, die besonders unter den erneut aufgetretenen und an die Post-Lehman-Zeit erinnernden Friktionen an den Geldmärkten leiden, zu den größten Wochengewinnern.

TecDAX – niedrige Bewertung, aber noch nicht günstig genug

Die globale Wachstumsverlangsamung ist kein Vorbote für den Beginn einer anhaltenden Stagnation. Bremseffekte entstehen aber durch hohe Rohstoffpreise und dem akuten Sparzwang in einigen europäischen Staaten. Auch der Kompromiss zur US-Schuldengrenze ist mit Konsolidierungsvorgaben verknüpft. Wir sind mit unseren Wachstumsprognosen für die USA, EU, Deutschland, Großbritannien, Japan und China negativer gestimmt als der Konsens. Die Risiken liegen im ungleich verlaufenden Aufschwung und dem begrenzten Aktionsfeld für Politiker und Notenbanker.

Verlustpotenziale am Aktienmarkt

In den letzten Wochen haben sich die Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft insgesamt, aber auch insbesondere für die USA und Deutschland eingetrübt. Zeitgleich sind die Aktienmärkte sehr stark gefallen und haben eine merkliche Wachstumsabkühlung in den wichtigen Volkswirtschaften bereits vorweggenommen. Für 2012 rechnen wir in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8% gegenüber dem Vorjahr. Nach den jüngsten Kursrückgängen ist der DAX damit bereits nahe an günstigen Einstiegniveaus. Ein anders Bild ergibt sich, wenn man in Deutschland und den USA mit einem deutlich schwächeren Wachstumsumfeld in 2012 rechnet.

Politik, Vertrauen und Finanzmärkte

Die hohe Volatilität an den Finanzmärkten in der letzten Woche, hauptsächlich sichtbar an den Aktienmärkten, deutet auf einen massiven Vertrauensverlust der Investoren in die Politik. Zwar wurden im Vorfeld Wachstumssorgen durch die schwachen US-Wirtschaftsdaten verstärkt, aber der Downgrade der USA durch die Ratingagentur S&P hat vor allem die europäische Schuldenkrise wieder in den Brennpunkt des Interesses gestellt. Die europäische Reaktion ist seit den Beschlüssen vom 21. Juli bekannt, aber eine Vielzahl von darauf folgenden Kommentaren ließ offensichtlich werden, dass der europäischen Politik eine klare Vision fehlt. Insbesondere der Eindruck, dass die Währungsunion in Richtung einer ungesteuerten Transferunion stolpert, anstatt an den dafür notwendigen Regeln zu arbeiten, scheint zu dem Vertrauensverlust beizutragen.

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