Aktienmärkte

Defensive Branchenaufstellung für erwartete Korrektur

Aufgrund der massiven Liquiditätszufuhr durch die EZB haben die Aktienmärkte das Jahr 2012 mit einem Traumstart begonnen. Während allerdings DAX (+17%) und Euro Stoxx 50 (+10%) an Wert zulegten, konnten die zugrunde liegenden Gewinnschätzungen noch keine Trendwende verzeichnen. Im Euro Stoxx 50 wurden sie weiter kräftig reduziert (-4% seit Jahresbeginn), im DAX stagnierten sie zumindest. Die Bewertung der Indizes ist in der Folge spürbar angestiegen. Nach der Liquiditätsrallye rechnen wir angesichts der konjunkturellen Aussichten (Stagnation in Kerneuropa mit Ausnahme Deutschlands, Rezession in der Peripherie) nicht mit ausreichend positivem Newsflow, um das erreichte Kursniveau zu halten beziehungsweise weiter ansteigen zu lassen. Wir rechnen damit, dass die Quartalszahlen der Unternehmen zum ersten und zweiten Quartal 2012 die Fortsetzung der deutlichen Wachstumsverlangsamung, die schon in Q4 2011 abzulesen ist, hervorbringen werden. Zum Jahresende 2012 erwarten wir den Euro Stoxx 50 bei 2.550 und den DAX bei 6.600 Indexpunkten. Auf Sektorebene bleiben wir insgesamt…

DAX-Unternehmen mit enttäuschendem Wachstum im 4. Quartal

Weil in dieser Woche die Märkte nur den neuen EZB-Tender als Thema kannten, trat die laufende Berichtssaison in den Hintergrund. Zwischenzeitlich haben bereits 23 der 30 DAX-Unternehmen das Zahlenwerk zum 4. Quartal vorgelegt. Dabei konnten acht Unternehmen die Erwartungen übertreffen, während die übrigen Ergebnisse im Rahmen der Schätzungen oder leicht darunter lagen. Sämtliche vorgelegten Zahlen zeigen eine deutliche Wachstumsverlangsamung bei den Gesellschaften an. So stiegen die aggregierten Umsätze der DAX-Unternehmen im 4. Quartal nur noch um 3,1% gegenüber dem Vorjahresquartal an. Dies ist ein deutlich geringerer Zuwachs als in den beiden Quartalen zuvor, in denen die Umsätze noch jeweils um die 10% gewachsen waren.

Liquidität treibt die Aktienmärkte

Mit einem Plus von 12% verzeichnete der DAX den stärksten Jahresstart seit Einführung (1988) und sogar seit der simulierten Rückrechnung (1973). Ob allein ein guter Jahresauftakt schon eine Gewissheit für eine gute Jahresperformance darstellt, darf jedoch bezweifelt werden. Nach der deutlichen Revision der Konsensgewinnschätzungen, der verminderten Gefahr eines Rückfalls in die Rezession in den USA und den verbesserten Aussichten für die deutsche Konjunktur erscheinen uns die aktuellen Gewinnschätzungen für 2012 als zunehmend realistisch.Weil zudem der kurzfristige Nachrichtenfluss positiv bleiben dürfte, rechnen wir nicht mehr mit Erreichen eines Indexstands von 6.250 Punkten zur Jahresmitte. Vielmehr halten wir das aktuell erreichte Kursniveau aus fundamentaler Sicht für fair. Insofern verändern wir unsere Prognose für diesen Zeitpunkt auf 6.500 Punkte.

Aktienmärkte laufen bereits im Januar heiß – Vorsicht vor enttäuschenden Berichtsdaten im Februar

Angeführt von den zyklischen Titeln haben sich im Januar die Kurse an den europäischen Leitindizes deutlich erhöht. Der DAX hat mit einem Kursplus von 8,2% den besten Jahresauftakt der letzten zehn Jahre verzeichnet. Auch der Euro Stoxx 50 (+4,7%) legte im Vergleich zu früheren Jahren überdurchschnittlich zu. Unter den kleineren Titeln legen insbesondere die frühzyklischen Titel wie Software- und Technologieaktien überproportional zu. Unter den großen Werten verzeichneten Finanz- und Automobilwerte die größten Kurssprünge.

Automobile: Durchwachsene Aussichten nach Rekordfahrt in 2011

Der weltweite Absatzmarkt hat, getrieben durch die hohe Nachfrage in den Wachstumsmärkten, 2011 neue Rekordwerte erreicht. Hiervon profitierte in erster Linie die deutsche Autoindustrie. Somit werden die meisten Unternehmen für 2011 neue Bestmarken bei Absatz, Umsatz und Ergebnis berichten. Bei den Aussagen der Unternehmen zu 2012 erwarten wir jedoch wegen der unsicheren wirtschaftlichen Lage nur verhaltenen Optimismus. Die Schuldenkrise dürfte den europäischen Markt, insbesondere in den südeuropäischen Ländern belasten. Die USA konnten mit einer guten Entwicklung zum Jahresende überraschen und dürfte in den ersten Monaten von der sich zuletzt erholten Konsumneigung profitieren. In den Wachstumsregionen hat die Wachstumsdynamik an Schwung verloren, was sich unserer Meinung nach in 2012 fortsetzen dürfte. Den größten Unsicherheitsfaktor sehen wir dabei in China, welches durch zuletzt staatliche Maßnahmen versucht, die Position der eigenen Industrie zu stärken.

Defensive Branchenaufstellung auch 2012 empfohlen

Die Schuldenkrise hat den globalen Wachstumsausblick gedämpft. Parallel dazu sanken auch die Gewinnschätzungen signifikant. Durch den Kursrückgang gleichen Ausmaßes haben sich die Bewertungsparameter europäischer Aktien kaum verändert. Sie zeigen insofern weiterhin eine günstige Bewertung europäischer Standardwerte an. Andererseits erwarten wir eine Stagnation der Wirtschaft in der Eurozone im Winterhalbjahr und ein allenfalls schwaches Wachstum im Gesamtjahr 2012. Entsprechend dürften sich Indizes wie der Euro Stoxx 50 2012 zum Teil deutlich schwächer bewegen, als es der fundamentale Wachstumspfad zuließe. Im erwarteten Umfeld geringer Wachstumsraten entschädigen substanz- bzw. dividendenstarke Sektoren für unterdurchschnittliche Kursgewinne und sind zugleich gegen eine rezessive Entwicklung, welche wir zwar nicht erwarten, jedoch auch nicht ausschließen können, besser geschützt als zyklische Branchen.

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