Aktienmärkte

TecDAX – niedrige Bewertung, aber noch nicht günstig genug

Die globale Wachstumsverlangsamung ist kein Vorbote für den Beginn einer anhaltenden Stagnation. Bremseffekte entstehen aber durch hohe Rohstoffpreise und dem akuten Sparzwang in einigen europäischen Staaten. Auch der Kompromiss zur US-Schuldengrenze ist mit Konsolidierungsvorgaben verknüpft. Wir sind mit unseren Wachstumsprognosen für die USA, EU, Deutschland, Großbritannien, Japan und China negativer gestimmt als der Konsens. Die Risiken liegen im ungleich verlaufenden Aufschwung und dem begrenzten Aktionsfeld für Politiker und Notenbanker.

Verlustpotenziale am Aktienmarkt

In den letzten Wochen haben sich die Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft insgesamt, aber auch insbesondere für die USA und Deutschland eingetrübt. Zeitgleich sind die Aktienmärkte sehr stark gefallen und haben eine merkliche Wachstumsabkühlung in den wichtigen Volkswirtschaften bereits vorweggenommen. Für 2012 rechnen wir in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von 1,8% gegenüber dem Vorjahr. Nach den jüngsten Kursrückgängen ist der DAX damit bereits nahe an günstigen Einstiegniveaus. Ein anders Bild ergibt sich, wenn man in Deutschland und den USA mit einem deutlich schwächeren Wachstumsumfeld in 2012 rechnet.

Politik, Vertrauen und Finanzmärkte

Die hohe Volatilität an den Finanzmärkten in der letzten Woche, hauptsächlich sichtbar an den Aktienmärkten, deutet auf einen massiven Vertrauensverlust der Investoren in die Politik. Zwar wurden im Vorfeld Wachstumssorgen durch die schwachen US-Wirtschaftsdaten verstärkt, aber der Downgrade der USA durch die Ratingagentur S&P hat vor allem die europäische Schuldenkrise wieder in den Brennpunkt des Interesses gestellt. Die europäische Reaktion ist seit den Beschlüssen vom 21. Juli bekannt, aber eine Vielzahl von darauf folgenden Kommentaren ließ offensichtlich werden, dass der europäischen Politik eine klare Vision fehlt. Insbesondere der Eindruck, dass die Währungsunion in Richtung einer ungesteuerten Transferunion stolpert, anstatt an den dafür notwendigen Regeln zu arbeiten, scheint zu dem Vertrauensverlust beizutragen.

Schuldenkrise drückt Aktienmarktaussichten nun doch

Die jüngsten Kursverluste fanden vor dem Hintergrund der Einigung der USA auf ein Sparpaket, der Implementierung eines neuen italienischen Sparpakets sowie massiver Interventionen der EZB statt. Abweichend zu früheren Beobachtungen führten diese Maßnahmen jedoch nicht zu einem Vertrauensgewinn bei den Investoren – eine Entwicklung, die uns große Sorgen bereitet.

Start der Berichtssaison in Europa dürfte kurzfristig zu Kursgewinnen führen

Nachdem sich entsprechende politische Beschlüsse dies- und jenseits des Atlantiks in den letzten Tagen angedeutet haben, spricht einiges dafür, dass es in nächster Zeit zunächst zu einer Beruhigung rund um das Thema Schuldenkrise in Europa und den USA kommen wird. Dies könnte in Verbindung mit einer verbesserten Anlegerstimmung den Aktienmärkten kurzfristig zu Kursgewinnen verhelfen.

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