Aktienmärkte

DAX vor Wiederanstieg auf 6.250 Punkte

Das Geschehen am Aktienmarkt wird seit längerem maßgeblich von den Ereignissen rund um das Thema Schuldenkrise bestimmt. Am Anfang kam es nur zu temporären Stimmungs- und Kursschwankungen, aber inzwischen wirkt sich die Krise massiv auf die Aussichten der Unternehmen aus. Die Gewinnschätzungen sind zunehmend in den Sinkflug übergegangen. Wir erwarten, dass dieser Negativtrend anhalten wird. Zwar wird die Weltwirtschaft 2012 um 3,5% wachsen, und die international ausgerichteten DAX-Unternehmen sollten von dieser Entwicklung profitieren. Jedoch zeigt sich in Europa, dass in der Schuldenkrise insbesondere der Politikfaktor unberechenbar bleibt. Zudem befindet sich Europa bereits am Rande der Rezession.

Verbesserte Aussichten am US-Aktienmarkt

Die US-Aktienkurse legten in dieser Woche weiter zu. Die Unsicherheiten, die noch immer von der EU-Schuldenkrise ausgingen, setzten den Markt im Wochenverlauf nur temporär unter Druck. Es belasteten schlechte Unternehmensergebnisse, darunter der Gewinneinbruch bei Amazon. Mit Erleichterung wurde schließlich der Rettungsplan der europäischen Staaten aufgenommen, auf den die Wall Street mit Kursanstiegen reagierte. Der S&P 500-Leitindex hat seit dem Tief am Monatsanfang wieder gut 15% an Boden gut gemacht. Unserer Meinung nach stehen auch die Chancen für eine Jahresendrallye jetzt sehr gut.

In welchem Ausmaß ist eine Rezession am deutschen Aktienmarkt eingepreist?

Wir haben untersucht, wie sich die aktuelle Bewertung der deutschen Branchenindizes im Vergleich zu den Kurs- und Bewertungstiefs während der Rezessionen in den Jahren 2003 und 2009 darstellt. Als maßgebliche Bewertungsgröße für den Vergleich haben wir auf das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zurückgegriffen. In einer Rezession – also einer Phase rückläufiger Gewinne – ist das KBV als Bewertungsindikator zuverlässiger als das Kurs-Gewinn-Verhältnis, welches stark von der Profitabilität des Unternehmens abhängt.

Erholungsbewegung mit Enttäuschungspotenzial

Die von der Schuldenkrise gebeutelten Aktienmärkte starteten in dieser Woche eine Erholungsbewegung. Herrschte noch in der Vorwoche ein großes Maß an Skepsis des Kapitalmarktes bezüglich der Fähigkeit und des Willens der politisch Verantwortlichen, die Krise sachorientiert und geschlossen anzugehen, so wandelte sich dies nach Tagung von IWF und Weltbank in Washington. Investoren schöpfen ganz offensichtlich Hoffnung, dass die Zusammenkunft in der US-amerikanischen Hauptstadt vielen Entscheidungsträgern die Dringlichkeit des Handelns beziehungsweise die möglichen Folgen eines fortgesetzten Zögerns vor Augen geführt hat. So gehörten insbesondere Finanztitel, die besonders unter den erneut aufgetretenen und an die Post-Lehman-Zeit erinnernden Friktionen an den Geldmärkten leiden, zu den größten Wochengewinnern.

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