Arbeitsmarkt

Deutsche Unternehmen: Geschäftsklima so schlecht wie noch nie

Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich im April in bisher nie dagewesenem Ausmaß verschlechtert. Wie das ifo-Institut in seiner monatlichen Umfrage festgestellt hat, sind sowohl die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen im April in einem Rekordtempo eingebrochen. Im Unterschied zur Wirtschafts- und Finanzkrise vor gut zehn Jahren sind dieses Mal der Dienstleistungssektor und der Einzelhandel besonders hart getroffen. Der Lockdown hat viele Unternehmen gezwungen, ihren Geschäftsbetrieb komplett einzustellen. Daher war der Stimmungseinbruch in diesen Sektoren besonders krass. Doch auch in der Bauwirtschaft und vor allem im verarbeitenden Gewerbe gingen die Stimmungsmesszahlen nochmal deutlich nach unten. Das Geschäftsklima im verarbeitenden Gewerbe ist aktuell ähnlich schlecht wie zu den Hochzeiten der Finanzkrise. Anders als etwa bei den ZEW-Konjunkturerwartungen ist in der ifo-Umfrage neben der Lageeinschätzung auch die Erwartungskomponente sehr stark eingebrochen. Dabei ist sicherlich zu berücksichtigen, dass das ifo Institut nach der Perspektive für die kommenden sechs…

Auf Deutschland blicken viele mit Neid

Es wird langsam deutlich, dass uns die Folgen der Coronakrise einige Zeit beschäftigen werden. Weltweit schwindet bei Unternehmen und Konsumenten das Vertrauen in die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Die großen Fiskalpakete konnten zwar den ersten Schock mildern, aber es scheint sich langsam ein gewisser Realismus durchzusetzen. Deutschland ist weiterhin sowohl vom Verlauf der Covid-19 Welle, der Sterberate und der finanziellen Möglichkeiten die konjunkturelle Krise abzufedern „the place to be“. Dies ist ein starkes Zeichen der strukturellen Stärke Deutschlands, weckt natürlich aber auch Begehrlichkeiten bei unseren europäischen Nachbarn. Die europäische Einheit und ein stabiler Euro-Raum sind für alle beteiligten Länder ein großer Gewinn. Dies sollte man nicht aufs Spiel setzten in den kommenden Verhandlungen. Jedoch sollten auch alle Länder an die jeweils andere Belastungsfähigkeit und politische Durchsetzbarkeit der angedachten Maßnahmen denken. Ansonsten kann ein jetzt gefundener Kompromiss, der den stark getroffenen Ländern einen Großteil ihrer Wünsche erfüllt, sich mittelfristig als Spaltpilz für…

Corona-Krise trifft deutsche Autoindustrie hart, ist eine neue Abwrackprämie nötig?

Die Corona-Krise belastet die Autoindustrie in Deutschland schwer. Temporäre Werksschließungen und geschlossene Autohändler bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Branche und alle großen Absatzmärkte zeigten zuletzt eine dramatische Abwärtsbewegung. In Deutschland ist die Nachfrage nach Benzinern und Dieselfahrzeugen fast zum Erliegen gekommen: Im März wurden 48,3 Prozent weniger Benziner und 39,3 Prozent weniger Diesel-Pkw zugelassen als ein Jahr zuvor. Besser schneiden nur alternative Antriebe ab. Selbst nach dem Hochfahren erster Werke und der Öffnung der Autohäuser dürfte sich die Lage vorerst nicht entspannen. Voraussichtlich geht die Produktion in diesem Jahr sogar noch stärker zurück als während der Finanzmarktkrise, als die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen in Deutschland trotz der erfolgreichen Abwrackprämie um fast 22 Prozent sank. Angesichts der auf den ersten Blick mit der Situation von 2008/09 vergleichbaren Lage mehren sich mittlerweile die Rufe nach einer Neuauflage der Umweltprämie. Die damalige Krise traf die deutsche Automobilindustrie sogar in einer Boom-Phase, während die…

Geldgeschenke vom Staat sichern die Existenz

In den Vereinigten Staaten und in Japan möchte die Regierung den privaten Haushalten Geldgeschenke in Form von Helikoptergeld überreichen. Eigentlich wird unter Helikoptergeld die direkte Bereitstellung von Zentralbankliquidität an die Verbraucher verstanden, um die Inflation zu erhöhen. In diesem Fall würden die Gelder jedoch direkt vom Staat kommen und damit über eine Erhöhung der Staatsverschuldung finanziert werden. Da kein frisches Geld von der Notenbank in Umlauf gebracht wird, sind die Effekte auf die Inflation geringer. Es kommt zu einer Umverteilung von Staatsverschuldung an die privaten Haushalte. Im Vordergrund steht die Konsumtätigkeit, die mit dieser Maßnahme unterstützt werden soll. Die Quarantäne-Maßnahmen sowie die Reise- und Ausgehverbote führen zu starken Einschränkungen des sozialen Wirtschafslebens und damit zu einem Einbruch des Konsums. Helikoptergeld kann daher helfen, den Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage zu lindern. Zwar besteht die Gefahr, dass nicht alle privaten Haushalte das Geld für Konsum verwenden. Den Personen, die ihren Job verlieren…

Deutsche Industrie: Bis Februar auf Erholungsspur

Die „harten“ Konjunkturdaten aus der deutschen Industrie, die in den letzten Tagen veröffentlicht worden sind, sind ein Beleg für die Erholungsphase bis zum Corona-Ausbruch. Demnach sind die Auftragseingänge im Februar im Vergleich zum Vormonat zwar leicht zurückgegangen. Zusammengenommen lagen sie aber in den ersten beiden Monaten dieses Jahres deutlich höher als im schwachen Schlussquartal 2019. Die Produktionsergebnisse fielen sogar noch etwas besser aus: Der Output im gesamten Produzierenden Gewerbe legte in Januar und Februar merklich zu, wobei das Plus in der Industrie bei gut zwei Prozent und im Baugewerbe bei fast fünf Prozent liegt. Diese Zahlen zeigen eine Stabilisierung der Industriekonjunktur, die im März abrupt geendet hat. Für den abgelaufenen Monat werden sowohl bei den Auftragseingängen als auch in der Produktionsstatistik tiefrote Zahlen zu Buche stehen. Zwar sind die Geschäfte im Industriesektor nicht ganz so dramatisch eingeschränkt worden wie in vielen Bereichen der Dienstleistungen. Das zeigen die Umfrageergebnisse, die im…

Einkaufsmanagerindizes fallen – Wo ist der Boden?

Die finalen Ergebnisse der Umfrage unter den europäischen Einkaufsmanagern für den März sind nochmal ein Stück niedriger ausgefallen als die ohnehin schon katastrophalen Ergebnisse der Vorabveröffentlichung von vor gut einer Woche. Der umfassende Composite Index verzeichnete nicht nur den größten monatlichen Indexrückgang seit Beginn der Umfrage. Er fiel auch um 1,7 Punkte niedriger aus als in der Erstschätzung und notiert aktuell auf einem neuen Allzeittief von 29,7 Zählern. In beiden von der Umfrage erfassten Bereichen kam es zu einem drastischen Einbruch des Sentiments aufgrund der Corona-Pandemie. Dabei ist der Servicesektor von dem länderübergreifenden Shutdown aktuell noch stärker betroffen. Auch hier verzeichnete der Index einen Rekordrückgang. Kein Wunder angesichts der Schließung von Gastronomie und weiten Teilen des Einzelhandels und Stillstand im Tourismusgeschäft. Der Dienstleistungsindex fiel von 52,6 auf 26,4 Punkte. Der Index für das verarbeitende Gewerbe im Euro-Raum scheint mit aktuell bei 44,5 nach 49,2 Punkten im Februar dagegen noch vergleichsweise…

1 2 3 5