BREXIT

Britische Wirtschaft trotzt dem Brexit – noch…

Nein, schwungvoll entwickelt sich die britische Wirtschaft momentan sicherlich nicht. Hält man sich aber vor Augen, dass Großbritannien in nur noch sieben Monaten aus der EU austreten wird und immer noch keine Verhandlungslösung mit Brüssel absehbar ist, ist das moderate Wirtschaftswachstum des Landes durchaus beachtlich. Im zweiten Quartal hat das Wachstum gegenüber dem Vorquartal sogar noch etwas an Tempo zulegen können. Um 0,4 Prozent ist die Wirtschaft während der Frühjahrsmonate gewachsen – zum Jahresauftakt wurden nur 0,2 Prozent erreicht. Damit hat Großbritannien zuletzt sogar wieder die EWU in puncto Wachstum leicht überholt. Der Blick auf die Nachfragedetails vom vergangenen Quartal ist allerdings weniger vielversprechend. Der private Konsum, der die Konjunktur im vergangenen Jahr maßgeblich gebremst hat, blieb auch zuletzt verhalten, obwohl die Einzelhandelsumsätze dank der wieder etwas moderateren Inflation in den letzten Monaten deutlich zugelegt hatten. Die Investitionstätigkeit ist zwar ins Plus zurückgekehrt, wobei vor allem die Bauproduktion kräftig expandierte….

Bank von England erhöht die Zinsen, eine Fortsetzung des Zinsanhebungen ist aber unwahrscheinlich

Die britische Zentralbank hat auf ihrer jüngsten Sitzung den Leitzins zum zweiten Mal seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 um 25 Bp auf nun 0,75% angehoben. Zwar kam diese Entscheidung nicht gerade überraschend, wurde der Schritt im Vorfeld an den Geldmärkten doch zu über 90% eingepreist. Allerdings war die Einigkeit, mit der sich die neun Mitglieder des Entscheidungskomitees für die Leitzinserhöhung aussprachen, eher unerwartet. Selbst der als geldpolitische Taube angesehene Jon Cunliffe hielt eine restriktivere Ausrichtung offensichtlich für angemessen. Positiv gestimmt durch die Einstimmigkeit konnte das Pfund zwar kurzzeitig gegenüber dem Euro aufwerten. Besonders lange hielt diese Stimmungsaufhellung jedoch nicht an. Offenbar hatten Marktteilnehmer mehrheitlich darauf gehofft, dass sich der Notenbankvorsitzende klarer zugunsten einer weiteren Leitzinsanhebung auf absehbare Zeit aussprechen würde. Stattdessen hielt die Bank of England an ihrer Vorgabe fest, wonach weitere, schrittweise Zinserhöhung in begrenztem Umfang angezeigt seien. Erneut klargestellt hat die Bank of England, dass ihre…

Das Brexit „White Paper“: Eine Sackgasse

Das lang erwartete Brexit „White Paper“ wurde am gestrigen Nachmittag veröffentlicht und in der anschließenden Parlamentsdebatte prompt in der Luft zerrissen. Der Regierung ist es weder gelungen, die Brexit-Hardliner zufriedenzustellen, noch die Befürworter eines „soft Brexits“ für ihren Vorschlag zu gewinnen. Aus Sicht der Hardliner ist der Deal zu „soft“, aus Sicht der Remainer ist er zu „hart“. Nachdem es am Anfang der Woche noch Hoffnung gab, dass der Rücktritt der Brexit-Hardliner Davis und Johnson sowie der neue Vorstoß der Regierung endlich die langersehnte Einigung innerhalb der britischen Regierung herbeiführen könnte, ist von Einigkeit heute nichts mehr zu spüren. Die EU hat sich bislang nicht zu dem Vorschlag der Regierung geäußert, wir vermuten jedoch, dass auch sie viele (kritische) Fragen haben wird. Zwar ist der grundsätzliche Ansatz der Regierung, zumindest so wie er vergangenen Freitag in Chequers angedeutet wurde, aus unserer Sicht nicht verkehrt. So wie er nun umgesetzt wurde,…

May gewinnt die Schlacht, aber nicht den Krieg

Wie gerne hätte man am vergangenen Freitag Mäuschen gespielt und dem Treffen des britischen Kabinetts auf dem Landsitz Chequers gelauscht. Es ist ohne Zweifel hoch hergegangen, doch am Ende gelang es der Premierministerin, den Sieg davon zu tragen. Gegen den Widerstand der Brexit Hardliner konnte sie sich mit ihrem Vorschlag durchsetzen. Dieser sieht ein Freihandelsabkommen mit der EU vor, in dem sich die Briten den Produktstandards der EU unterwerfen und die EU im Gegenzug die Notwendigkeit von Grenzkontrollen unter den Tisch fallen lässt. Bereits wenige Tage später kommt Mays Plan jedoch unter Beschuss: die Brexit-Befürworter in Großbritannien fühlen sich verraten, und auch die EU gibt sich betont zurückhaltend. May steht also auch weiterhin ein Krieg an zwei Fronten bevor. Innenpolitisch muss sie zunächst den Scherbenhaufen, den der Rücktritt ihres Brexit-Ministers Davis und des Außenministers Boris Johnson angerichtet hat, beseitigen. Es überschlagen sich bereits Spekulationen, dass die Premierministerin nun doch noch…

Brexit-Belastungen für die britische Wirtschaft immer deutlicher

Schlechte Nachrichten aus der britischen Industrie: Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe ist im April gegenüber dem Vormonat so stark gesunken, wie seit fünf Jahren nicht mehr – minus 1,4 Prozent stehen zu Buche. Es ist bereits der dritte Rückgang in Folge. In der Gesamtindustrie war das Minus nicht ganz so verheerend, weil die Ölförderung deutlich zulegen konnte. Ebenfalls schwach sind die Exportzahlen ausgefallen. Die Warenausfuhren sanken um fast 6 Prozent gegenüber dem Vormonat und liegen nun mehr als 7 Prozent unter dem Niveau vom April letzten Jahres. Damit reihen sich auch die britischen Angaben in die Serie schwacher Industrie- und Außenhandelsdaten ein, die momentan aus vielen Ländern der EU für den Start des zweiten Quartals gemeldet werden. Die Exportkonjunktur in ganz Europa stockt. Für die Briten ist dieser Rückschlag jedoch besonders herb. Dank der lebhaften Nachfrage aus dem Ausland, die zudem durch das schwache Pfund befeuert wurde, waren die Belastungen…

Brexit: Am Modell „Zollunion“ scheiden sich die Geister

Nach wie vor ist völlig unklar, wie die künftigen Handelsbeziehungen Großbritanniens mit der EU nach dem Brexit aussehen werden und wie lang der Weg noch sein wird, bis ein endgültiger Rahmen steht. Die von uns favorisierte „Vernunftlösung“ eines Verbleibs in der Zollunion war in den zurückliegenden Wochen zunehmend unwahrscheinlicher geworden: Nicht nur, weil Premierministerin May kompromisslos an ihrem Credo festhält, dass Großbritannien mit dem Brexit auch Binnenmarkt und Zollunion den Rücken kehren wird. Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk hatte Anfang März resigniert festgestellt, dass die Brexit-Verhandlungen dann wohl „nur“ noch auf ein Freihandelsabkommen hinauslaufen werden. Allerdings ist der britischen Regierungschefin ihr striktes „Nein“ zur Zollunion nun gehörig auf die Füße gefallen: Das Oberhaus fordert von der Regierung, die Option einer Zollunion explizit in die Brexit-Verhandlungen mit aufzunehmen. Zahlreiche Unterhausabgeordnete stehen diesem Vorschlag sehr wohlwollend gegenüber und könnten May eine neue Abstimmungsschlappe verpassen. Die oppositionelle Labour-Partei hat sich schon vor Monaten für…

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