BREXIT

Hoffnung – mal wieder

Die letzten Tage haben in Bezug auf die größten politischen Risiken für die Weltwirtschaft eine leichte Entspannung gebracht. In Großbritannien scheint die unmittelbare Gefahr eines No-Deal-Brexit zum 31.10.2019 fürs Erste abgewendet. In Italien wurde eine Zusammenarbeit zwischen den Sozialdemokraten und der 5-Sterne-Bewegung vereinbart und damit schnelle Neuwahlen und ein möglicher Durchmarsch von Salvinis Lega bis auf Weiteres ausgeschlossen. Und schließlich werden zwischen den USA und China zumindest wieder Gesprächstermine vereinbart, auch das ist angesichts des Zerwürfnisses der letzten Wochen schon ein Fortschritt. An den Finanzmärkten wurden diese Entwicklungen bereits mit großer Erleichterung aufgenommen. Die Renditen der Bundesanleihen konnten sich von ihrem Tiefststand wieder etwas erholen, auch an den Aktienmärkten haben die Notierungen zugelegt. Deutlich profitiert haben auch die italienischen Staatsanleihen. Doch könnte die Erleichterung verfrüht sein und schon bald wieder einer Enttäuschung Platz machen. In Bezug auf den Brexit scheint uns die „harte“ Variante keineswegs ausgeschlossen zu sein. Sie könnte…

Brexit – ein Lehrstück für die Spieltheorie

Der Verlauf des Brexits und die Frage, ob er nun mit oder ohne Vertrag erfolgt, haben sich seit Längerem von rationalen Überlegungen verabschiedet. Eigentlich geht es nur noch um Überzeugungen und den Willen, die eigene Überzeugung durchzusetzen. Der jüngste Schachzug von Premier Boris Johnson ist hier keine Ausnahme. Mit der auferlegten Zwangspause des Parlaments geht Johnson sicherlich an seine verfassungsmäßigen Grenzen, vielleicht sogar etwas darüber hinaus. Verhandlungstaktisch ist es jedoch ein guter Schachzug. Denn seine Drohung gegenüber der EU, tatsächlich einen No-Deal-Brexit umzusetzen, hat damit deutlich an Glaubwürdigkeit gewonnen. Somit sind der Handlungsspielraum und die Möglichkeiten des britischen Parlaments, die Pläne von Premier Johnson zu durchkreuzen, kleiner geworden. Für Johnson ist in den letzten Tagen der Druck, eine Einigung mit der EU zu finden, eigentlich größer geworden. So gaben regierungseigene Analysen klare Warnungen vor bevorstehenden Versorgungsengpässen bei Nahrungsmitteln und medizinischen Produkten im Falle eines ungeregelten Brexits. Dies dürfte aber nur…

Brexit-Effekte führen zum erste Wachstums-Minus in Großbritannien seit sechs Jahren

Der Brexit ist immer noch nicht vollzogen, hinterlässt aber bereits deutliche Spuren in der britischen Wirtschaft. Im zweiten Quartal dieses Jahres ist die Wirtschaftsleistung in Großbritannien um 0,2% gegenüber dem ersten Vierteljahr geschrumpft – das erste Minus seit Ende 2012. Wesentliche Bremseffekte kamen dabei vom Verarbeitenden Gewerbe, dessen Produktion um fast 2,5% sank und damit so stark einbrach wie seit der Finanzkrise 2008/09 nicht mehr. Der für die britische Wirtschaft wichtige Service-Sektor trat während der drei Frühjahrsmonate nur auf der Stelle, die Finanzindustrie setzte ihren Schrumpfkurs fort. Noch sind es nicht die Handelshemmnisse selbst, die das britische Wachstum belasten. Sie wären im Falle eines ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens zu erwarten – der seit Amtsantritt von Boris Johnson wieder wahrscheinlicher geworden ist – und würden die britische Wirtschaft aus unserer Sicht in eine tiefe Rezession stürzen. Aktuell sind es „nur“ Verzerrungen: Rückschläge nach den deutlichen Vorzieheffekten im ersten Quartal, als die Briten…

Schafft Boris Johnson den Brexit?

Der Brexit-Hardliner Boris Johnson wird neuer Premierminister Großbritanniens, und er will das Land aus der EU führen – koste es was es wolle. Zunächst wird er versuchen, die EU zu einer Wiederaufnahme der Vertragsverhandlungen zu bewegen. Denn der ausgehandelte Vertragsentwurf ist aus seiner Sicht unannehmbar für Großbritannien. Der Entwurf hat im britischen Unterhaus ohnehin keine Chance auf eine Mehrheit, wie Amtsvorgängerin Theresa May bitter erfahren musste. Doch wird die EU neuen Verhandlungen überhaupt zustimmen? Es sieht nicht so aus. Johnson wird sicherlich versuchen, mit neuen Angeboten und allerlei Drohungen die Gegenseite zum Nachgeben zu zwingen. Allein, die Erfolgsaussichten sind mager. Wenn er damit scheitert, will er den harten Brexit vollziehen. Die entscheidende Frage ist, ob das britische Parlament ihn daran hindern kann. Es bleibt zu hoffen, doch das „Hard-Brexit”-Risiko ist mit Johnsons Ernennung zweifellos gestiegen. Das Risiko eines verunglückten Brexit ist für die globale Wirtschaft derzeit nur eines unter vielen,…

Premierminister(in) verzweifelt gesucht

Kaum hat Theresa May ihren (von vielen lang ersehnten) offiziellen Rücktritt angekündigt, geht der Kampf um ihre Nachfolge los. Am Wochenende werden die Kandidaten unweigerlich beginnen, sich in Position zu bringen. Allen voran sicherlich der streitbare Boris Johnson, der als einer der aussichtsreichsten Kandidaten gilt. Doch die Liste der möglichen Nachfolger Mays ist lang und der Ausgang des Wahlprozesses ungewiss. Schätzungen zufolge gab es zeitweise mehr als 30 potenzielle Kandidaten für den Posten des konservativen Parteichefs. Am einen Ende des Spektrums sind Hardliner wie Boris Johnson und Steve Baker anzutreffen, ebenso wie die moderateren, jedoch ebenfalls Brexit-orientierten Ester McVey, Dominic Raab und Michael Gove. Am anderen Ende des Spektrums steht Amber Rudd als einzige Vertreterin des Remain-Lagers allein auf weiter Flur. Die Wahrscheinlichkeit ist also extrem hoch, dass Mays Nachfolger(in) entweder einen ähnlichen Kurs wie die geschiedene Premierministerin verfolgt oder sich etwas deutlicher in Richtung des Hard-Brexit-Lagers orientiert. Letzteres wäre…

Politik bestimmt weiterhin das Geschehen an den Devisenmärkten

Die politische Lage in Europa ist insgesamt weiterhin relativ unübersichtlich und im Vergleich zu den USA ein komparativer Nachteil. Zudem macht sich die sehr nach innen gerichtete und auf den Vorteil der USA bedachte Politik von Trump zunehmend an den Devisenmärkten bemerkbar. Eine nachhaltige Aufwertung des US Dollars ist die Folge. Auch der eskalierende Handelsstreit dürfe kurzfristig die US Wirtschaft weit weniger belasten als die restliche Welt, was sich auch hier wieder günstig auswirken sollte. Insgesamt hat US Präsident Trump weiterhin die Trümp(F)e in der Hand, was ihm letztlich auch seinen Politikstil ermöglicht. In den zurückliegenden Wochen prägten in erster Linie geo- und handelspolitische Entwicklungen das Geschehen an den weltweiten Devisenmärkten. Hierbei haben nicht nur wohlbekannte Konflikte wie z.B. der wieder an Schärfe gewonnene bilaterale Handelsstreit zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt für Verunsicherung gesorgt. Vielmehr sind u.a. mit der Kriegsgefahr am Persischen Golf auch neue Krisenherde mit ungewissem…

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