BREXIT

UK: Historisches Wirtschaftswachstum nur eine Momentaufnahme

„Historisch“ ist der kräftige Anstieg der britischen Wirtschaft mit 15,5 Prozent im dritten Quartal sicherlich allemal. Noch nie in der Nachkriegszeit des Landes ist die Wirtschaftsleistung in einem Vierteljahr so stark gestiegen. Das Vereinigte Königreich reiht sich damit in die Gruppe zahlreicher europäischer Volkswirtschaften ein, die im Sommerquartal ebenfalls ein zweistelliges Wirtschaftswachstum erzielen konnten. Im Kontext des genauso „historischen“ Einbruchs der Wirtschaft im Frühjahr, der Großbritannien über 20 Prozent seiner Wirtschaftsleistung kostete, stellt sich das aktuelle Ergebnis jedoch weitaus weniger beeindruckend dar. Nur etwas mehr als die Hälfte der Verluste, die durch den strengen und langen Corona-Lockdown entstanden, konnte die britische Wirtschaft über den Sommer wieder aufholen. Noch immer ist die Wirtschaftsleistung fast zehn Prozent niedriger als im Schlussquartal des vergangenen Jahres. So hart hat es in Europa nur noch Spanien getroffen. Und in die Zukunft fortschreiben lässt sich der starke Rebound ebenfalls nicht – im Gegenteil: Auch in Großbritannien…

Herbst 2020 – die Sorgen nehmen zu

Über die Sommermonate lieferten niedrige COVID19-Infektionszahlen und eine zügige wirtschaftliche Erholung in Europa ausreichend Gründe für Zuversicht. Doch der Sommer ist vorüber, die Temperaturen sinken wieder. Die Zahl der Neuinfektionen steigt in den meisten europäischen Ländern schon seit einigen Wochen rapide an. Obwohl die Regierungen und die zuständigen Behörden rund ein halbes Jahr Zeit hatten, sich auf dieses Szenario vorzubereiten, wird ein Rezept, wie die Ausbreitung des Virus ohne einen generellen Lockdown in Grenzen gehalten werden kann, aller Orten noch verzweifelt gesucht. Denn ein neuer Lockdown würde unweigerlich in eine weitere Rezession führen. Und deren Konsequenzen könnten gravierender sein als die bisher absehbaren Folgen der Frühjahrskrise. Auch bei den Brexit-Verhandlungen gab es ausreichend Gelegenheit, zu einer Einigung zu kommen. Allein, es fehlte bislang offensichtlich auf beiden Seiten der Wille dazu. Während man sich auf EU-Seite wohl am längeren Hebel wähnt und auf Maximalforderungen besteht, scheint auf britischer Seite eine grundsätzliche…

Brexit: Vorteile eines Handelsabkommens müssen deutlich werden

In den Freihandelsgesprächen zwischen Großbritannien und der EU herrscht schon seit Monaten Stillstand, seit letzter Woche haben sie aber einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das Brexit-Drama ist zurück. Erneut scheint wieder alles auf einen No-deal Brexit hinauszulaufen, der die britischen Handelsbeziehungen mit der EU ungeregelt auf WTO-Niveau zurückwerfen würde. Die wirtschaftlichen Verluste, die dann für Großbritannien zu erwarten wären, scheinen in der politischen Kalkulation von Boris Johnson keine große Rolle zu spielen. Oder sind sie nur nicht hoch genug im Vergleich zu den Wohlstandseinbußen, die auch beim erfolgreichen Abschluss eines Freihandelsabkommens zu befürchten wären? Tatsache ist: Durch den Binnenmarktaustritt Großbritanniens werden im Handel mit der EU wieder zahlreiche Barrieren entstehen, die lange beseitigt waren. Einige dieser Handelshürden könnten mit einem Freihandelsabkommen vermieden werden, vor allem die Wiedereinführung von Importzöllen. Viele nicht-tarifäre Handelshemmnisse dürften dagegen auch unter einem Freihandelsabkommen auftreten, Grenzkontrollen beispielsweise zur Überprüfung von Qualitätsstandards oder Marktzugangsbeschränkungen für Dienstleistungsbetriebe, wie für…

Brexit: Johnson auf Kollisionskurs mit der EU

Die 8. Verhandlungsrunde zwischen der EU und Großbritannien über das geplante Freihandelsabkommen (FTA) wird morgen zu Ende gehen. Seit Ende Februar wird bereits verhandelt, bislang aber ohne Erfolg. Und auch diese Verhandlungsrunde dürfte nicht anders verlaufen. Anstatt sich aufeinander zuzubewegen, scheinen die Verhandlungsparteien immer weiter auseinander zu driften. Premierminister Boris Johnson hat nun auch eine harte Frist für den EU-Gipfel am 15. Oktober gesetzt. Sollte die Grundstruktur eines Abkommens bis dahin nicht stehen, will er sein Land auf einen harten Brexit vorbereiten. Potenziell noch problematischer als diese Frist ist ein neuer Gesetzesentwurf, der gestern im Parlament vorgestellt wurde. Das Binnenmarktgesetz (Internal Market Bill) legt die Pläne der Regierung für einen reibungslosen Handel innerhalb Großbritanniens nach dem Brexit bzw. nach dem Ablauf der Übergangsfrist Ende dieses Jahres dar. Entscheidend ist, dass der Gesetzentwurf Bestimmungen enthält, die direkt gegen die Grundlagen des „irischen Protokolls“ verstoßen. Letzteres war Teil des zu Beginn des…

Britische Wirtschaft ächzt unter Lockdown

Die britische Wirtschaft hat sich im Mai kaum von dem vorangegangenen scharfen Einbruch erholen können. Rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung war im März und April durch die Corona-Einschränkungen verloren gegangen. Mit einem Mini-Plus von 1,8 Prozent konnte im Mai lediglich ein Bruchteil der Verluste wieder aufgeholt werden – trotz erster Lockerungen, die seit Mitte des Monats galten. Damit zählt Großbritannien neben Italien und Spanien weiter zu den europäischen Ländern, die die höchsten wirtschaftlichen Einbußen durch die Corona-Krise verkraften müssen. Industrie und Baugewerbe konnten noch am stärksten davon profitieren, dass die Bevölkerung ab Mitte Mai nicht länger aufgerufen war, zu Hause zu bleiben. Die Bauwirtschaft legte im Monatsvergleich um 8,2 Prozent zu, hatte sich in den beiden vorangegangenen Monaten allerdings auch fast halbiert. Die Industrie steigerte die Produktion zeitgleich um immerhin sechs Prozent. Für die Gastronomie wirkte sich die Möglichkeit, Take-Away-Service anzubieten, leicht positiv aus. Allerdings war der Sektor zuvor fast…

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