BREXIT

Großbritannien geht, die Probleme bleiben

Heute Abend ist es so weit: Um Mitternacht britischer Zeit tritt Großbritannien offiziell aus der EU aus. Größere Feierlichkeiten wird es nicht geben. Viel wird sich zunächst auch nicht ändern, dies stellt die bis Ende des Jahres dauernde Übergangsphase sicher. Unterdessen bleibt die Ausgestaltung der künftigen Handelsbeziehungen weiterhin offen und damit auch die Frage, ob dieser Brexit ein „harter Brexit“ wird oder nicht. Die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen (FTA) werden am 3. März 2020 beginnen, so zumindest sieht es der Zeitplan der EU vor. Die Zeit ist also knapp und man wird in den Verhandlungen auf beiden Seiten sehr taktisch agieren. In diese Kategorie sind auch die jüngsten Drohungen von Boris Johnsons Replik einzuordnen: Vor Kurzem drohte er mit hohen Zöllen auf deutsche Autos und französischen Käse. Überhaupt seien die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU nicht seine oberste Priorität; hier stünden zunächst die Verhandlungen mit den USA, aber…

UK-Wahlen: die perfekte blaue Welle

Seit einer guten Stunde ist sicher, was sich bereits gestern Abend in den Exit-Polls abgezeichnet hatte: Die Konservative Partei, unter der Führung von Boris Johnson, hat die Parlamentswahlen mit einer großen Mehrheit gewonnen. Der Partei ist es gelungen, 362 Sitze (plus 66) zu gewinnen und sich damit die größte absolute Mehrheit für die Tories seit 1987, damals unter Margaret Thatcher, zu sichern. Die Labour-Partei musste hingegen herbe Verluste einstecken, ebenso wie die Liberaldemokraten. Jeremy Corbyn hat seinen Rücktritt bereits in Aussicht gestellt, während die Parteichefin der LibDems, Jo Swinson, ihren Wahlkreis sogar verloren hat. Der einzige große Gewinner neben den Konservativen ist die schottische SNP, der es gelungen ist, deutlich zuzulegen. Parteichefin Nicola Sturgeon hat bereits angekündigt, diesen Sieg zu nutzen, um ihre Pläne für die schottische Unabhängigkeit voranzutreiben. Das neue Parlament wird radikal anders aussehen. Während die konservative Fraktion wesentlich homogener werden dürfte und die innerparteilichen Querelen vielleicht nicht…

Großbritannien wählt – Belastungen bleiben

Großbritannien steht heute vor einer Richtungswahl. Sowohl in der Brexit-Frage als auch in der Wirtschaftspolitik klaffen die Vorstellungen der wichtigsten Parteien weit auseinander. Die Konservativen unter Premierminister Boris Johnson wollen Großbritannien Anfang nächsten Jahres zu relativ einschneidenden Konditionen aus der EU führen. Jeremy Corbyns Labour-Partei wirbt stattdessen mit einem zweiten Referendum über einen weicheren Brexit. Gleichzeitig stellt die Partei aber auch radikale wirtschaftliche Umbrüche in Aussicht, einschließlich der Verstaatlichung ganzer Industriezweige. Kleinere Parteien, wie die Liberaldemokraten (LibDems) oder die schottischen Nationalisten (SNP) lehnen den Brexit ganz ab. Aktuelle Umfragen sehen die Konservativen zwar vorn, die absolute Mehrheit wird jedoch zur Zitterpartie. Wird sie erreicht, kann Boris Johnson „durchregieren“, und dem EU-Austritt Großbritanniens Ende Januar 2020 dürfte kaum noch etwas im Wege stehen. Dann allerdings wartet bereits die nächste Hürde im Brexit-Prozess – der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit der EU nach einer denkbar kurzen Verhandlungsfrist von lediglich elf Monaten. Ohne Freihandelsabkommen…

Großbritannien und der Brexit

Das Hin und Her im Brexit-Prozess hat in den vergangenen Monaten für große Unsicherheit in Großbritannien gesorgt. Dafür hat die britische Wirtschaft im zurückliegenden Quartal immer noch ein ordentliches Wachstum erzielt. Mit einem Plus von 0,3% gegenüber dem Vorquartal hat das Land nicht nur eine Rezession souverän vermieden. Das BIP-Wachstum im dritten Quartal hat auch das Quartalsergebnis der EWU leicht und das aus Deutschland voraussichtlich sogar recht deutlich übertroffen. Und das, obwohl das Vorjahreswachstum mit 1,0% zuletzt so niedrig ausgefallen ist, wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr: Im Kreis der G7-Staaten ist Großbritannien trotz des drohenden Brexit damit längst nicht das Schlusslicht. Bei näherer Betrachtung zeigen sich jedoch die Bremsspuren, die die Brexit-Unsicherheit inzwischen hinterlassen hat. Im August und September ist die Wirtschaft geschrumpft, und zwar über nahezu alle Sektoren hinweg. Das relativ gute Ergebnis vom Sommerquartal geht also hauptsächlich auf ein kräftiges Wachstum im Juli zurück, das wiederum…

Noch kein Ende der Unsicherheit

Unsicherheit bleibt der bestimmende Faktor für Wirtschaft und Finanzmärkte. Zwar könnten mit dem Brexit und dem US-chinesischen Handelsstreit zwei der wichtigsten politischen Belastungsthemen in den letzten Tagen einer Lösung nähergekommen sein. Doch noch herrscht keine Klarheit, wohin die Reise geht. In der kommenden Woche stehen dies- und jenseits des Atlantiks wichtige Wirtschaftsdaten zur Veröffentlichung an. Sowohl im Euro-Raum als auch in den Vereinigten Staaten dürfte sich das Wirtschaftswachstum im abgelaufenen dritten Quartal nochmals abgeschwächt haben. Vor allem die Investitionen leiden unter der fortgesetzten Unsicherheit, die Unternehmen bleiben zurückhaltend angesichts der fehlenden Klarheit in Bezug auf die weiteren Perspektiven. Dabei dürfte das Wachstum im Euro-Raum erheblich schwächer als in den USA ausgefallen sein und zwischen Juli und September nur noch ganz knapp über der Nulllinie gelegen haben. Besonders die Industrie leidet unter den internationalen Belastungen. Das zeigt vor allem der Blick auf Deutschland, wo das verarbeitende Gewerbe eine überdurchschnittlich hohe Bedeutung…

Auch ein „weicher“ Brexit lässt die Konjunktur nicht durchstarten

Die Weltwirtschaft befindet sich in schwierigem Fahrwasser. Das Wachstum ist so schwach wie seit der Finanzkrise 2008/2009 nicht mehr. Der Internationale Währungsfonds veranschlagt es in seiner aktuellen Analyse für das laufende Jahr nur noch auf 3,0 Prozent, mehr als einen halben Prozentpunkt weniger als noch im vergangenen Jahr. Dabei besteht durchaus das Risiko, dass es noch schlechter kommt. Nämlich dann, wenn eines der Risiken, die bereits seit einiger Zeit auf dem globalen Wirtschaftsklima und vor allem auf der Investitionsbereitschaft der Unternehmen lasten, sich noch weiter verschärfen sollte. Bei den beiden wichtigsten Themen sah es in den letzten Tagen glücklicherweise nicht danach aus. Die Vereinigten Staaten und China scheinen sich im Handelskonflikt eher in Richtung von (Teil-) Kompromissen zu bewegen. Es wird immer deutlicher, dass die gegenseitigen protektionistischen Maßnahmen nicht nur dem Exportweltmeister China schaden, sondern auch der amerikanischen Industrie. Auch dort hat sich die Stimmungslage zuletzt erheblich eingetrübt, die Produktion…

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