Deutschland

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Tristesse im September

Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex für den Euro-Raum hat gemäß der Septemberumfrage 1,5 Zähler verloren und liegt mit 50,4 Punkten (75-Monats-Tief) nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Indexpunkten. Ausschlaggebend sind deutliche Nachfragerückgänge bei den Dienstleistern und in der Industrie. Gerade die Talfahrt der Industrie hat sich wieder beschleunigt, und es scheint immer mehr der Fall zu sein, dass der bislang robuste Dienstleistungsbereich mit nach unten gezogen wird. Nach Angaben von IHS Markit fielen die Stimmungsbarometer im gesamten Währungsgebiet so niedrig aus wie seit 2013 nicht mehr. Im Zentrum der wirtschaftlichen Schwäche scheint immer mehr die deutsche Volkswirtschaft und dabei insbesondere die deutsche Industrie zu stehen. Und gemäß den Geschäftserwartungen ist hier keine Wende zum Besseren in Sicht. Zum Ende des dritten Quartals trüben sich die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum auf Basis der Umfrageergebnisse ein. Der deutsche Composite-Index verlor 2,6 Zähler und rutschte mit 49,1 Punkten nicht nur unter die neutrale…

Unternehmensgewinne folgen der Konjunkturdynamik

Die Konjunktur im Euro-Raum hat sich in den letzten Monaten spürbar abgekühlt. Die Verlangsamung der Wachstumsdynamik verläuft dabei nicht gleichmäßig in den einzelnen Ländern. Vielmehr werden die unterschiedlichen Wachstumsmodelle der Länder hier klar sichtbar. Die schwächere Konjunkturdynamik wird maßgeblich von einem niedrigeren Wachstum des Welthandels getrieben, was sich hauptsächlich in nachlassenden Außenhandelsüberschüssen widerspiegelt, insbesondere sichtbar ist eine schwächere Nachfrage nach Investitionsgütern. Die binnenwirtschaftliche Entwicklung ist dagegen noch relativ stabil. Dies ist sicherlich auch einer weiterhin hohen Beschäftigung und stabilen verfügbaren Einkommen zu verdanken. Die Folge dieser Entwicklung ist eine fallende Kapazitätsauslastung und fallende Produktivität. Letzteres sollte die internationale Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig schwächen. Die Inflationsraten bleiben dabei relativ niedrig. Damit sind die Preisüberwälzungsspielräume für die Unternehmen limitiert. Kostensteigerungen können also nur sehr schwer weitergegeben werden. Diese für die Unternehmen ungünstige Entwicklung macht sich nun auch langsam bei den Gewinnerwartungen der börsengehandelten Unternehmen bemerkbar. Die Gewinnerwartungen fallen nun schon seit einiger Zeit und…

Steigender Ölpreis – Kommt jetzt der Inflationsdruck?

Nach den Angriffen auf die Produktionsanlagen für Erdöl in Saudi-Arabien hat sich der Ölpreis deutlich verteuert. Die Preisnotierung für die Nordseesorte Brent stieg sehr abrupt von knapp 60 US-Dollar auf etwas über 65 US-Dollar. Binnen Tagesfrist entspricht das einem historisch kräftigen Anstieg von mehr als acht Prozent. In längerer Perspektive ist der Anstieg und das aktuelle Niveau des Ölpreises jedoch weniger bedenklich. In den letzten Jahren gab es wesentlich stärkere Ölpreisbewegungen. So ist der Ölpreis zwischen Sommer 2017 und Herbst 2018 um mehr als 70 Prozent auf über 80 US-Dollar angestiegen. Das hat die deutsche Inflationsrate zwar kurzzeitig über die 2-Prozentmarke ansteigen lassen, doch die Teuerungsrate hat sich danach recht schnell wieder normalisiert. Ist aufgrund der Verteuerung nun mit einer spürbaren Erhöhung der Inflationsrate im Euro-Raum und in Deutschland zu rechnen? Eher nicht. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Ölpreis bei rund 78 US-Dollar lag, ergeben sich für Benzin und…

Handeln im Grenzbereich

Die Reaktivierung des Anleihekaufprogramms in Kombination steigender Staatsschulden kann schnell zu steigenden Renditen führen. Die EZB wird das Anleihekaufprogramm wieder reaktivieren, das damit nun vollends als zur Zinspolitik gleichwertiges geldpolitisches Instrument anzusehen ist. Dem Kaufprogramm wurde diesmal aber kein Enddatum gegeben, was schnell zu Problemen führen kann. Staatsanleihen beanspruchen den größten Teil des geplanten Ankaufvolumens von 20 Milliarden Euro pro Monat für sich, was Schätzungen zufolge der EZB die Möglichkeit gibt, Staatsanleihen bis Ende 2020 zu kaufen. Gleichzeitig ist ein Ende der EZB-Käufe mit einer Inflation nahe des Zielwertes von knapp zwei Prozent verbunden, den selbst die EZB-Prognostiker bis einschließlich 2021 nicht vorhersehen. Änderungen am Emittentenlimit oder dem Kapitalschlüssel könnten die Staatsanleihekäufe verlängern, sind aber mit rechtlichen Hürden verbunden und entsprechend unsicher, was eine Ausweitung der APP-Käufe um neue Vermögensklassen wahrscheinlich macht. Angesichts der Tatsache, dass die Geldpolitik langsam am Rande ihrer Möglichkeiten angelangt ist, appellierte Draghi auf der Pressekonferenz…

Money for nothing…

Wer kennt nicht den Song der Dire Straits „Money For Nothing“. Die Realität hat uns sogar noch eingeholt. Für Schulden gibt es heute sogar noch Geld zurück. In dieser Logik sind Schulden also ein Vermögensgegenstand geworden und keine Belastung mehr. Damit drehen sich natürlich viele Gesetzmäßigkeiten in der realen Wirtschaft und an den Finanzmärkten um. In den USA kaufen Unternehmen mit neuen Schulden Aktien zurück, da sie sich angesichts der niedrigen Zinsen für Unternehmensanleihen Finanzierungsvorteile versprechen. In Deutschland kann man Immobilienkredite bald zum Nulltarif bekommen. Die niedrigen Zinsen sind natürlich auch ein Grund für die steigenden Hauspreise. Das günstige Zinsumfeld bedeutet jedoch nicht, dass der Weg ins Eigenheim prinzipiell einfacher und erschwinglicher geworden ist. Vielmehr haben sich die Herausforderungen verändert. Die Hürde, die die Haushalte beim Erwerb vom Wohneigentum heute überspringen müssen, ist nicht mehr die tragfähige monatliche Belastung. Da die Eigenkapitalanforderungen der Banken mit den steigenden Immobilienpreisen zugenommen haben,…

Trotz Konjunkturabkühlung: Handwerk in Deutschland entwickelt sich blendend

Auch wenn die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal leicht geschrumpft ist und insbesondere das verarbeitende Gewerbe unter der schwachen Nachfrage leidet: Dem Handwerk in Deutschland mit rund einer Million Betrieben geht es hervorragend. Verantwortlich dafür sind keineswegs nur Bauhaupt- und Ausbaugewerbe, deren Umsätze im Frühjahr um 6,4% beziehungsweise 4,0% zulegen konnten. Zwar geben diese beiden großen Segmente des Handwerks zusammen mit dem Gesundheitsgewerbe und den Handwerken für den privaten Bedarf das Wachstumstempo vor. Gegenüber dem Vorjahr sind die Umsätze im zweiten Quartal jedoch in allen sieben Gewerbezweigen gewachsen, selbst bei den merklich von der Industrie abhängigen Handwerken für den gewerblichen Bedarf. Insgesamt verfehlen die Handwerksbetriebe zwar die überaus hohe Wachstumsdynamik vom ersten Quartal. Dennoch stiegen im zweiten Quartal die Umsätze im zulassungspflichtigen Handwerk insgesamt um 3,3% und im zulassungsfreien um 3,0%. Angesichts der guten Nachfrage wurde im zulassungspflichtigen Handwerk zudem die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem zweiten Quartal 2018 leicht…

1 2 98