Deutschland

Werkzeugmaschinenbau unter Druck

Angesichts der Schwäche des Welthandels sind die Werkzeugmaschinenbauer in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck geraten. Die Auftragseingänge gaben 2019 preisbereinigt im Jahresvergleich um 19 Prozent nach. Der etwa im März verstärkt einsetzende Rückgang der Auftragseingänge machte sich zwar zunächst nur relativ wenig bei der Produktion bemerkbar. Nach und nach wurden die Auftragsbestände jedoch immer mehr abgearbeitet, so dass die Kapazitätsauslastung deutlich unter ihren langjährigen Mittelwert fiel. Zu Beginn des vergangenen Jahres betrug die Zeit für die Abarbeitung der Auftragsbestände noch über fünf Monate. Anfang 2020 waren es nur noch 3,9 Monate. Auch Produktion und Ausfuhren gaben zuletzt überdurchschnittlich nach. Der Werkzeugmaschinenbau zählt mit seinen kaum standardisierten Produkten nicht zuletzt wegen der benötigten Dauer zwischen Auftragseingang und Fertigstellung zu den der Konjunktur nachlaufenden Branchen. Analog zum Maschinenbau insgesamt sind die Werkzeugmaschinenbauer zudem überdurchschnittlich von der Nachfrage im Ausland abhängig. So erzielt die Branche rund 63 Prozent ihres Umsatzes außerhalb der deutschen…

Deutscher Wohnungsmarkt: Die Stimmung heizt sich auf, die Anspannung lässt nach

Deckel drauf: Mit dem Ende Januar vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossenen Mietendeckel macht die Bundeshauptstadt Ernst. Weil die Mietpreisbremse nicht den erwünschten Erfolg brachte, reagierte der Senat so auf den wachsenden Unmut der Berliner über den „Mietenwahnsinn“. In der aufgeheizten Stimmung geht jedoch unter, dass sich das Wachstum von Mieten und Kaufpreisen schon sichtbar verlangsamt hat. Das zeigen die gerade vom Verband deutscher Pfandbriefbanken veröffentlichten Marktindizes für das vierte Quartal 2019. Landesweit erreichte der Anstieg der Wohnungspreise und -mieten den Peak schon Ende 2018. In den sieben größten deutschen Städten war das sogar noch früher der Fall. Außerhalb der Metropolen steigen die Kaufpreise von Wohnungen und Eigenheimen allerdings nach wie vor kräftig. Im Jahresdurchschnitt verteuerten sie sich 2019 deutschlandweit um 6,8 Prozent und damit etwas langsamer als 2018. In den Metropolen ist der Bremseffekt ausgeprägter. Hier hat sich der Anstieg der Kaufpreise 2019 mit 4,0 Prozent seit 2017 fast gedrittelt. Bei…

Deutsche Industrie: Wirklich so schwach?

Die „harten“ Konjunkturdaten aus der deutschen Industrie, die in den letzten Tagen veröffentlicht worden sind, waren schon fast schockierend schwach. Demnach sind die Auftragseingänge im Dezember letzten Jahres im Vergleich zum Vormonat nochmals um mehr als zwei Prozent zurückgegangen. Sie lagen damit zum Jahresende 2019 um fast neun Prozent niedriger als Ende 2018. Die Produktionsergebnisse fielen sogar noch schlechter aus: Zum Jahresschluss sank der Output im gesamten Produzierenden Gewerbe im Vormonatsvergleich um 3,5 Prozent, wobei das Minus in der Industrie bei 2,5 Prozent und im Baugewerbe bei fast neun Prozent gelegen hat. Diese Zahlen haben auch deswegen so enttäuscht, weil die Stimmungsindikatoren der letzten Wochen eigentlich den Eindruck einer Stabilisierung der Industriekonjunktur erweckt hatten. So hatte das Geschäftsklima unter den Einkaufsmanagern bereits im September letzten Jahres seinen Tiefpunkt erreicht und sich seitdem wieder etwas gefangen, und auch die von ifo-Institut ermittelten Exporterwartungen des verarbeitenden Gewerbes schienen sich zumindest stabilisiert zu…

Deutsche Landwirtschaft im Umbruch

  Die Bundesregierung hat auf die anhaltenden Bauernproteste reagiert und Vertreter aus Ernährungsgewerbe und Handel zu Gesprächen über die Lebensmittelpreise eingeladen. Greifbare Ergebnissen waren nicht zu erwarten. Die angespannte Lage verdeutlicht jedoch den hohen Druck, unter dem die Branche steht und der den landwirtschaftlichen Strukturwandel beschleunigen dürfte. Auslöser für die Zukunftsängste der Landwirte ist aber nicht nur ein starker internationaler Preiswettbewerb. Auch Umweltschutzauflagen, Klimawandel, technischer Fortschritt und demographische Probleme spielen eine Rolle. So zählt die Landwirtschaft zu den Wirtschaftszweigen, in denen Digitalisierung eine deutlich effizientere Produktion verspricht. Allerdings sind die neuen Techniken, die allmählich Einzug im Agrarsektor halten, mit hohen Investitionen verbunden. Das verstärkt den Druck zur Bildung größerer Betriebseinheiten. Hinzu kommt die sich verschärfende Nachfolgeproblematik. Spätestens wenn die geburtenstarken Jahrgänge unter den Landwirten in den Ruhestand gehen, ist mit einem neuen Schub beim „Höfesterben“ in Deutschland zu rechnen. Bis 2040 dürfte die Zahl der Betriebe von derzeit 266.700 (2018)…

EWU-Konjunktur: Bodenbildung ja – Erholung nein

Seit rund einem halben Jahr geht es mit der Konjunktur im Euro-Raum mehr oder weniger nur noch seitwärts: Zwar ist der Abwärtstrend, der Anfang 2018 einsetzte, ganz offensichtlich ausgelaufen. Eine durchgreifende Erholung zeichnet sich allerdings auch nicht ab. Das verdeutlicht die jüngste Entwicklung des Euro-Indikators der DZ BANK. Seit Juni 2019 hat sich der Indikator, der konjunkturelle Wendepunkte frühzeitig anzeigen kann, kaum von der Stelle bewegt. Im Januar 2020 stieg die Messzahl im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozent an, im Dezember hatte noch ein entsprechendes Minus zu Buche gestanden. Die Vorjahresrate bleibt zu Jahresbeginn fast unverändert bei -0,5 Prozent. Erfreulich ist zumindest, dass sich die Lage im gebeutelten Industriesektor allmählich stabilisiert. Die Stimmungsindikatoren haben offensichtlich im Herbst letzten Jahren ihren Tiefpunkt durchschritten. So hat sich gemäß dem Einkaufsmanagerindex von IHS Markit die Talfahrt der Euro-Raum-Industrie im Januar verlangsamt. Die entsprechende Messzahl stieg immerhin auf den höchsten Wert seit letztem…

Brexit bereitet Mittelstand Sorgen

Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum tritt Großbritannien heute aus der Europäischen Union aus. Politisch ändert sich damit in den Beziehungen zwischen der EU und dem ehemaligen Mitglied einiges, ökonomisch bleibt für den Rest des Jahres aber erst einmal alles beim Alten. Solange gelten EU-Binnenmarkt und Zollunion noch. In den kommenden Monaten wird darüber verhandelt, wie die Wirtschaftsbeziehungen nach Ende der Übergangsfrist aussehen werden. Vom Tisch ist selbst ein Austritt ohne Freihandelsabkommen nicht. Eine neue EU-Außengrenze im Ärmelkanal würde die Wiedereinführung von Zöllen, Grenzkontrollen und aufwändigen Grenzformalitäten mit sich bringen und den Warenaustausch verteuern und verzögern. Dies würde auch viele deutsche Mittelständler treffen. In unserer aktuellen Mittelstandsumfrage gaben lediglich 39 Prozent der Befragten an, dass sie von einem solchen Brexit nicht betroffen wären. Jeweils rund ein Drittel der mittelständischen Unternehmen rechnet damit, dass die Nachfrage aus Großbritannien sinkt, die Importkosten steigen und Zölle Großbritannien als Absatzmarkt uninteressant machen. Sogar…

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