Deutschland

Der Staat ist kein guter Unternehmer

Das Kabinett hat diese Woche das Kurzarbeitergeld verlängert. Damit möchte die Bundesregierung an den bislang erfolgreichen Einsatz dieser Maßnahme anknüpfen und im Wahljahr hiervon profitieren. Das Kurzarbeitergeld hat sich sicherlich in früheren, relativ kurzen Rezessionen als sehr probates Krisenbewältigungsinstrument bewährt. Jedoch werden die Nebenwirkungen mit der Dauer der Anwendung größer, dies gilt aktuell in Kombination mit Insolvenzschutz und wachsenden Staatsbeteiligungen umso mehr. Das Kurzarbeitergeld bewahrt Strukturen und verhindert notwendige Anpassungen. Dringend gesuchte Fachkräfte bleiben in Unternehmen, deren Geschäftsmodelle vielfach nicht mehr existieren oder stark angeschlagen sind. Damit werden die notwendigen Erneuerungsprozesse zunehmend außer Kraft gesetzt. Und es wächst die Gefahr, dass die deutsche Wirtschaft im Zuge der Corona-Krise weiter an Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit verliert. Die Bundesregierung hat zu Beginn der Krise vieles richtiggemacht und konnte damit die deutsche Wirtschaft vor einer tiefen und langen Krise bewahren. Jedoch hat sich die Lage im Zeitablauf verändert. Es wird immer offensichtlicher, dass wir…

Zombie-Unternehmen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht

Die Diskussion um sogenannte „Zombie-Unternehmen“ hat in den letzten Tagen wegen stark rückläufiger Insolvenzmeldungen deutlich an Fahrt aufgenommen. Die aktuelle Entwicklung der Insolvenzmeldungen spiegelt nämlich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise nicht wider. Während die Wirtschaft in eine tiefe Rezession gerutscht ist, sinkt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen und zwar mit zunehmender Dynamik. Im Mai lagen die Insolvenzmeldungen um fast 10% unter ihrem Vorjahreswert, im Juli betrug der Rückgang nach experimentellen Daten des Statistischen Bundesamtes sogar mehr als 29%. Diese Entwicklung ist allein auf die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zurückzuführen, die vorerst noch bis zum 30. September gilt. Mit der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sollen Unternehmen geschützt werden, die aufgrund von in der Corona-Krise weggebrochener Einnahmen zahlungsunfähig geworden wären, obwohl sie eigentlich wirtschaftlich überlebensfähig sind. Das wäre grundsätzlich eine hilfreiche Maßnahme. Von der Krise betroffen sind schließlich auch viele junge sowie kleine und mittelständische Unternehmen, die (noch) keine ausreichenden Rücklagen für eine derartige Krise…

ifo-Geschäftsklima: Breite Erholung bei deutschen Unternehmen

Die wirtschaftliche Erholung, die mit den ersten Lockerungen im Mai begonnen hat, setzt sich auch in den Sommermonaten fort. Die deutschen Unternehmen schätzen ihre Lage im August im Durchschnitt besser ein als in den Vormonaten, und auch ihre Geschäftserwartungen sind gemäß aktueller ifo-Umfrage bereits zum vierten Mal in Folge angestiegen. Besonders auffällig ist, dass die Erwartungen insgesamt so positiv sind wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. In den meisten Branchen macht sich also wieder Optimismus breit, sogar in der zuletzt heftig gebeutelten Industrie. Nur im Handel bleiben die Erwartungen der ifo-Umfrage zu Folge weiter pessimistisch. Hier dürfte die Angst vor einer zweiten Corona-Welle und neuen Einschränkungen in den letzten Wochen stärker geworden sein. Auch in der Bauwirtschaft bleibt der Ausblick eher verhalten. Hier allerdings – anders als beim Handel – ausgehend von einem sehr hohen Produktionsniveau. Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen immer noch schwach ein, auch wenn sich…

Euro-Raum PMIs: Von Euphorie keine Spur (mehr)

Was hoch fliegt, kann auch schnell wieder fallen. Diese Erfahrung machten nun die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den Euro-Raum. Der gesamtwirtschaftliche „Composite“-PMI, der im Juli noch einen Höhenflug hinlegte, notierte im August bei 51,6 Zählern. Das ist ein deutlicher Abschlag von 3,3 Punkten. Die Messzahl für den Industriesektor von 51,7 Punkten hat sich kaum verändert, trotz einer zuletzt merklich verbesserten Auftragslage. Angesichts steigender Infektionszahlen und der Diskussion über eine mögliche „zweite Welle“ kommt die Verunsicherung im Dienstleistungssektor nicht überraschend. Hier ging der entsprechende Index um kräftige 4,4 auf 50,1 Zähler zurück. Immerhin hielt sich das PMI-Stimmungsbarometer oberhalb der Marke von 50 Zählern, womit eine gewisse Zuversicht in der Privatwirtschaft des Euro-Raums weiterhin vorherrscht. Bei den bisher veröffentlichten Länderergebnissen für Deutschland und Frankreich fällt die Auswertung der PMIs ein Stück weit gespalten aus. In beiden Ländern hat insbesondere der Dienstleistungssektor das Monatsergebnis stark beeinträchtigt. Erneute Reisebeschränkungen, die Angst vor einer zweiten Infektionswelle…

Alles hat seinen Preis

Die sozialen Folgen der konjunkturellen Vollbremsung durch die Corona-Pandemie und anschließenden Lockdown wurden durch Ausgaben der Staaten abgefedert. Bislang hat man die finanziellen Folgen noch nicht richtig realisiert, aber dies dürfte sich nun ändern. In Deutschland hat die Bundesagentur für Arbeit in der ersten Hälfte des Jahres ein Defizit von gut 10 Mrd. Euro angehäuft, dies wird sich in den kommenden Monaten weiter vergrößern und bis zum Jahresende auf rund 30 Mrd. Euro hochlaufen. Damit sind die eigentlich hohen Rücklagen von 26 Mrd. Euro aufgebraucht und der Staat muss einspringen. Treiber für diese Entwicklung war das Kurzarbeitergeld und natürlich der dennoch unvermeidliche Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dies dürfte erst der Anfang sein; fallende Steuereinnahmen und steigende Sozialausgaben dürften auch in den kommenden Monaten tiefe Spuren in den staatlichen Haushalten hinterlassen. Vor dem Hintergrund der kommenden Bundestagswahl in 2021 ist es zudem unwahrscheinlich, dass sich bei den Ausgaben Änderungen ergeben. Daher kann…

Sommerloch

Wir sind mitten im Sommerloch. Wirtschaftlich wie politisch gibt es kaum Neuigkeiten. Zumal in den letzten Monaten auf alle eine Vielzahl von Beschlüssen eingeprasselt ist, die jetzt nach und nach auch erst noch verdaut werden muss. Es rückt immer stärker in das Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit, dass wir lernen müssen, mit Corona zu leben. Das Virus ist auch in den Sommermonaten hoch aktiv und sobald man in der Bevölkerung die notwendige Disziplin schleifen lässt, steigt die Zahl der Neuinfektionen. Zwischenzeitlich gibt es zumindest einige Behandlungsmöglichkeiten, was die theoretischen Kapazitäten der Gesundheitssysteme erhöht. Die Sorge vor einer massiven zweiten Welle ist zwar da, zeigt sich aber nicht in den Stimmungsindikatoren. Hier überwiegt weiterhin die Hoffnung auf eine Normalisierung. Zumal sich einen weiteren nationalen Lockdown aus meiner Sicht eigentlich kein Land mehr erlauben kann, da die wirtschaftlichen Folgekosten zu hoch wären. Was bleibt, ist der Appell an die Menschen achtsam zu sein,…

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