Deutschland

Deutschland: Konjunktureintrübung schlägt sich zunehmend im Kreditgeschäft nieder

Die konjunkturelle Eintrübung, von der vor allem auch die exportorientierte deutsche Industrie betroffen ist, schlägt sich zunehmend im Geschäft der Banken in Deutschland nieder. Wie aus der Juli-Umfrage der EZB zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) hervorgeht, haben die befragten Banken zum zweiten Mal in Folge über Verschärfungen ihrer Kreditrichtlinien für Unternehmen berichtet. So wurden vermehrt Kreditanträge abgelehnt und die Margen für risikoreichere Kredite ausgeweitet. Betroffen waren stärker große Unternehmen. Gründe sind eine verschlechterte Lage verschiedener Firmen bzw. Branchen mit der Folge einer sinkenden Kreditwürdigkeit. Die Umfrageergebnisse stützen unsere Einschätzung, dass sich das äußerst dynamische Wachstum der Kreditmärkte in Deutschland in diesem Jahr spürbar abschwächt. Zuletzt stiegen die Firmenkundenkreditbestände um 6,1 Prozent (Ende Q1/2019) und die privaten Wohnungsbaukredite um 4,9 Prozent. Im Firmenkundenkreditgeschäft sind für die nächsten drei Monate zunächst keine weiteren Verschärfungen der Kreditrichtlinien geplant. Allerdings erwarten die Banken mehrheitlich eine sinkende Kreditnachfrage der Großunternehmen. Stütze des Kreditgeschäfts bleiben die…

Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe geben Anlass zur Sorge

Bei den Unternehmen im deutschen verarbeitenden Gewerbe gehen immer weniger Aufträge ein. Im Mai gaben die Auftragseingänge preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,2% gegenüber April nach. Im Vergleich zum Mai 2018 waren es sogar 8,6%. Der aktuelle Rückgang ist dabei auf eine schwächere Nachfrage aus dem Ausland zurückzuführen. Die Aufträge aus Deutschland entwickelten sich dagegen zuletzt wieder etwas positiver. Die schwachen Auftragseingänge sind eine weitere Folge der Abkühlung der Weltwirtschaft und der Auswirkungen des Handelsstreits zwischen China und den USA. Längerfristig zeigt sich dies sowohl an einem Nachfragerückgang aus den Ländern außerhalb des Euroraums, aber auch an einem deutlich gesunkenen Interesse der europäischen Nachbarn an deutschen Industrieerzeugnissen. Besonders betroffen sind die exportabhängigen Industrieunternehmen. Im bisherigen Jahresverlauf gingen die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe um über 5% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zurück. Betroffen von dieser negativen Entwicklung waren dabei alle größeren deutschen Industriebranchen, auch wenn manche Segmente des verarbeitenden Gewerbes in einzelnen…

Warum brechen in einer Rezession die Unternehmensgewinne und Aktienkurse so stark ein?

Ein Zyklus ist gemäß einer Definition der Universität Oxford definiert als „eine Gruppe von Ereignissen, die in einer bestimmten Reihenfolge hintereinander stattfinden und oft wiederholt werden“. In den Naturwissenschaften folgen Zyklen bestimmten Mustern. Zeitpunkt, Amplitude und der Schwankungspfad wiederholen sich. Volkswirtschaften, Unternehmen, Märkte und das Verhalten der Anleger weisen diese festen Regelmäßigkeiten nicht auf. Die Bewegungen sind komplexer und nicht vorhersehbar. Sie greifen ineinander: So gibt es neben dem Konjunkturzyklus noch den Gewinnzyklus der Unternehmen, den Zyklus im Immobilienmarkt, die generelle Einstellung der Marktteilnehmer gegenüber Risiko und andere Aspekte. Diese liefern die fundamentalen und stimmungsgetriebenen Rahmendaten für Investitionen am Kapitalmarkt. In Rezessionen werden fallende Unternehmensgewinne als Grund für die Schwäche von Konjunktur und Aktienkursen festgemacht. Aber warum fallen in einer Rezession die Gewinne der börsennotierten Unternehmen überproportional stark, wenn das volkswirtschaftliche Wachstum nur für eine vorübergehende Phase um einige Prozentpunkte von seinem langfristigen Trendwachstum abweicht? Die Antwort liegt auf der…

Inflationsrate im Euro-Raum ohne große Bewegung – EZB steht unter hohem Erwartungsdruck

Im Juni hat sich die Inflationsrate im Euro-Raum nicht bewegt. So lag die jährliche Teuerungsrate der Verbraucherpreise mit 1,2% genauso hoch wie im Vormonat. Dabei haben zwei gegensätzliche Effekte auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex eingewirkt: Auf der einen Seite hat der geringere Preisauftrieb bei den Energiepreisen die Inflationsrate gesenkt. Auf der anderen Seite stiegen die Dienstleistungspreise nach dem Auf und Ab in den Vormonaten aufgrund des späten Osterfests in diesem Jahr wieder etwas stärker und erreichten das gewohnte Maß. Auf Länderebene zeigte sich in den Volkswirtschaften, die ebenfalls schon erste Schätzungen zur Preisentwicklung abgegeben haben, eine unterschiedliche Preisdynamik. In Deutschland blieb der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) unverändert bei 1,3%, in Frankreich stieg er von 1,1 auf 1,4%. In Spanien ermäßigte sich der Preisauftrieb von 0,9 auf 0,6%. Die italienische Inflationsrate ging von 0,9 auf 0,8% zurück. Einheitlich schwächte sich in allen Ländern der Preisauftrieb für den Bereich Energie ab, während die Dienstleistungspreise…

Deutsche Top-Konzerne rutschen weiter ab

Die deutsche Wirtschaft ist bekannt für die vielen mittelständischen Unternehmen, die ihr Rückgrat bilden. Im Mittelstand sind Weltmarktführer in oft sehr spezifischen Marktsegmenten zu finden. Bei den großen deutschen Unternehmen hingegen hat sich die Wettbewerbssituation offensichtlich verschärft. In unserer Analyse der 500 weltweit größten Unternehmen nach Börsenwert, Umsatz, Reingewinn und Mitarbeiterzahl finden sich jedenfalls nur wenige deutsche Gesellschaften. In der Marktwertrangliste zum Ende des ersten Halbjahres dominieren Firmen aus den Sektoren Finanzen, Technologie, Konsumgüter und Gesundheit. In diesen Bereichen gibt es in Deutschland zu wenige Top-Unternehmen, die eine bedeutende internationale Rolle spielen können. Erschwerend kommt hinzu, dass die zyklischen Sektoren derzeit an der Börse sehr niedrig bewertet sind, was eine bessere Positionierung der deutschen Automobil- und Chemiekonzerne verhindert. Auf Länderebene machen die USA 45% der größten 500 Unternehmen aus, obwohl die Zahl der börsennotierten Unternehmen dort seit einiger Zeit zurückgegangen ist. China (9%) und Japan (8%) folgen weit dahinter. Nur…

Demographischer Wandel: Nachhaltige Lösungen eine Frage der Generationengerechtigkeit

Das Statistische Bundesamt hat eine neue Bevölkerungsprognose vorgelegt. Zwar haben sich die Ausgangsbedingungen in den letzten Jahren durch die Zuwanderung junger Menschen sowie steigende Geburtenzahlen etwas verbessert. Das Grundproblem einer alternden Gesellschaft bleibt jedoch bestehen. Nach einer mittleren Variante der inzwischen 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung dürften die Einwohner Deutschlands bis 2060 um rund 5 Mio. Personen auf 78,2 Mio. sinken. Kommen heute noch fast 34 Menschen im Rentenalter auf 100 Menschen im Erwerbstätigenalter, werden es 2060 ungefähr 53 sein. Den stärksten Schub erfährt der Altersstrukturwandel bereits in rund zehn Jahren, wenn die Babyboomer in Rente gehen. Die alternde Bevölkerung stellt die Arbeitsmärkte und sozialen Sicherungssysteme vor gewaltige Herausforderungen. Dazu zählen der Fachkräftemangel, ein sinkendes gesetzliches Rentenniveau sowie ein wachsender Pflegenotstand. Der Einwohnerschwund dürfte zudem die bereits heute beobachtbare Wanderung vom Land in die Städte verstärken. Eine Entlastung der Wohnungs- und Immobilienmärkte ist daher kaum zu erwarten. Vielmehr ist eine weitere Spaltung…

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