Deutschland

Deutsche Konjunktur: Runter von der Überholspur

Das Wachstumstempo in Deutschland hat sich normalisiert. Die Wirtschaftsleistung ist im 2. Quartal um 0,5 Prozent gewachsen, nach 0,4 Prozent im 1. Quartal. Die deutsche Konjunktur hat damit nach dem sehr dynamischen Jahr 2017 die Überholspur wieder verlassen, läuft aber weiter robust. Die Verlangsamung im Vergleich zum letzten Jahr geht auf die Eintrübung des internationalen Umfelds zurück. Die Exporte haben zwar im Vergleich zum schwachen Vorquartal wieder in die Wachstumsspur zurückgefunden, doch der Schwung des Vorjahres ist beim Außenhandel in Anbetracht der schwelenden Handelskonflikte definitiv vorbei. Die Unternehmen stellen sich darauf ein und passen auch ihre Investitionsplanung entsprechend an. Angetrieben wird das Wachstum weiterhin durch die robuste Binnenkonjunktur. Der Arbeitsmarkt ist in sehr guter Verfassung, die Arbeitslosenzahl sinkt und die Beschäftigung steigt kräftig. Damit sind die Voraussetzungen für einen weiterhin lebhaften privaten Konsum gegeben. Die ausgesprochen dynamische Baukonjunktur ist ein weiterer Stützpfeiler der Konjunktur. Für das Gesamtjahr 2018 gehen wir von…

Deutscher Wohnungsmarkt: Im 2. Quartal 2018 sind die Preise erneut dynamisch gestiegen, die Metropolen haben aber an Tempo eingebüßt

Berichte zum deutschen Wohnungsmarkt sind mittlerweile fast schon langweilig: Die Preise steigen dank guter wirtschaftlicher Rahmenbedingen, niedriger Zinsen und einem knappen Angebot mit hohem Tempo. Auch das zweite Quartal 2018 fällt hierbei nicht aus dem Rahmen. Die gerade vom Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp) veröffentlichten Preisdaten zum Wohnungsmarkt weisen erneut ein kräftiges Plus aus. Beim Wohneigentum waren es 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, bei den von Investoren gesuchten Mehrfamilienhäusern erreichte die Jahresrate fast 10 Prozent. Und in den Metropolen, den sieben größten deutschen Städten, sind die Preise noch stärker gestiegen. Wohneigentum hat sich hier um 9 Prozent verteuert, bei Mehrfamilienhäusern fiel das Preisplus noch 2 Prozentpunkte höher aus. Aus den Zahlen des vdp lassen sich aber durchaus interessante Entwicklungen extrahieren. Denn während die Wohnungspreise landesweit ihr hohes Tempo beibehalten konnten, hat die Preisdynamik der Top-7 Städte – Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart – an Schwung verloren. Zeitweilig verteuerten…

Es bleibt dabei: Hohe Netto-Zinseinbußen der privaten Haushalte in Deutschland

In ihrem Wirtschaftsbericht vom August berechnet die Europäische Zentralbank die Veränderung der Netto-Zinseinkommen privater Haushalte im Euroraum für den Zeitraum von 2008 bis 2017. Für Deutschland kommt sie zu dem Ergebnis, dass der Rückgang der Zinserträge nur marginal größer ausfiel als der Rückgang der Zinsbelastungen durch Kredite. Die extrem niedrigen Zinsen hätten damit nur geringen Einfluss auf die Nettozinseinkommen der privaten Haushalte. Die EZB reagiert damit auf die – vor allem auch von uns – geäußerte Kritik zu den Auswirkungen ihrer Geldpolitik. Allerdings bezieht sie in die Berechnung der Zinseinnahmen im wesentlichen nur Einlagen und Anleihen ein und lässt Lebens- und Pensionsversicherung außen vor. Die machen in Deutschland jedoch über 30 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens aus. Obwohl der Garantiezins den Anlegern einen gewissen Schutz vor Zinsrückgängen bietet, hat die langanhaltende Niedrigzinsphase auch stark an der Durchschnittsrendite von Lebensversicherungen geknabbert. Das liegt daran, dass der Garantiezins für Neuverträge im Laufe…

Target2-Salden: Falsche Diskussion über ein brisantes Euro-Thema

Eine atemberaubende Summe: Die Deutsche Bundesbank weist in ihrem Target2-Saldo eine fast eine Billion Euro schwere Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) aus. Doch was sagt diese Zahl tatsächlich aus? Müssen wir uns Sorgen machen? Seit der Finanzmarktkrise dienen Target2-Salden als eine Art Fieberkurve für die strukturellen Ungleichgewichte im Euroraum. In den vergangenen Monaten sind nun die Target2-Salden der verschiedenen Länder der Eurozone immer stärker auseinandergedriftet. Seit Anfang dieses Jahres haben sich die Forderungen der Bundesbank gegenüber der EZB als zentralem Counterpart des Target2-Systems um etwa 70 Mrd. Euro auf gegenwärtig rund 976 Mrd. Euro (Stand Juni) erhöht. Neben Deutschland weisen, wenn auch in deutlich geringerem, aber dennoch bedeutendem Umfang derzeit, Luxemburg, Finnland und die Niederlande positive Target-Salden aus. Im Gegenzug haben insbesondere die Notenbanken der europäischen Peripherie in erheblichem Umfang Verbindlichkeiten gegenüber dem Eurosystem angehäuft. Spitzenreiter im ist derzeit Italien mit Verbindlichkeiten im Volumen von 464 Mrd. Euro. Dicht…

Konjunkturmotor in Deutschland läuft langsamer

Der deutsche Konjunkturmotor läuft noch, aber nicht mehr so schnell wie im letzten Jahr. Die Belastungen aus dem internationalen Umfeld haben nicht nur zu einer Eintrübung des Geschäftsklimas geführt, sondern sich auch in den „harten“ Daten niedergeschlagen. Das zeigen auch die teilweise etwas enttäuschenden Juni-Daten zur Industrieproduktion und zum Außenhandel. Immerhin hat das abgelaufene zweite Quartal aber gegenüber dem Jahresbeginn wieder eine leichte Verbesserung gebracht. Die Produktion in der Industrie hat im Quartalsvergleich etwas zugelegt, nach der Stagnation im ersten Vierteljahr. Der Auftragsbestand ist immer noch hoch, auch wenn nun merklich weniger Neuaufträge eingehen. Ein Abschwung ist in der Industrie also noch nicht in Sicht, eine gemäßigtere Gangart aber festzustellen. Das liegt vor allem am gedämpften Exportausblick. Die Ausfuhren legten zwischen April und Juni wieder zu, nachdem sie zu Jahresbeginn noch nachgegeben hatten. Die Importe stiegen im Frühjahr allerdings noch stärker als die Exporte, so dass der Außenhandel insgesamt die…

Zeitenwende am deutschen Arbeitsmarkt

Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch: Lange Zeit stand die Bekämpfung einer hohen Arbeitslosigkeit im Zentrum der Bemühungen. Galt es in den 80er und 90er Jahren, die geburtenstarken Jahrgänge in Lohn und Brot zu bringen, sorgen niedrige Geburtenziffern heute für einen Mangel an qualifiziertem Nachwuchs. Das Thema Fachkräftemangel rückt immer stärker in den Vordergrund. Spätestens wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen, droht ein drastischer Rückgang des Arbeitsangebots. Ohne Gegenmaßnahmen wird sich der heute bereits in technischen Berufen, bestimmten Handwerkssparten und der Pflege beobachtbare Fachkräftemangel auf immer mehr Branchen ausdehnen und an Intensität gewinnen. Der Altersstrukturwandel unserer Gesellschaft bietet zwar die Chance, das Problem der Arbeitslosigkeit nachhaltig in den Griff zu bekommen. Eine Verschärfung des Fachkräftemangels ist jedoch nicht weniger problematisch: Bereits heute müssen Betriebe immer öfter Aufträge schieben oder ganz ablehnen, weil qualifizierte Kräfte fehlen. Wenn Unternehmen trotz guter Absatzperspektiven gar vor Investitionen zurückschrecken, bremst das das…

1 2 81