Deutschland

Institute stützen den fiskalpolitischen Kurs Berlins: „Kein Anlass für konjunkturpolitischen Aktionismus“

Die führenden wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute Deutschlands haben in ihrem heute vorgestellten Herbstgutachten dem wirtschaftspolitischen Kurs der Bundesregierung keineswegs fundamental widersprochen. In ersten Kommentaren zum Gutachten wurde immer wieder der Eindruck erweckt, die Institute hätten grundlegende Einwände gegen die geltende Schuldenbremse und die „schwarze Null“ vorgebracht und würden sich dem internationalen Chor derjenigen anschließen, die von Berlin eine defizitfinanzierte Fiskalpolitik fordern. Das ist allerdings eine eindeutige Fehlinterpretation des Gutachtens. Es wird nämlich an mehreren Stellen klar gemacht, dass eine stärkere fiskalpolitische Reaktion auf die konjunkturelle Abschwächung auch auf Kosten eines Budgetdefizits nur im Falle einer sich verschärfenden Wirtschaftskrise angebracht wäre. Genau das ist von der Bundesregierung auch bereits zugesagt worden und entspricht im Übrigen ja durchaus auch der Intention der Schuldenbremse. Nach den Berechnungen der Wirtschaftsforscher ist die aktuelle fiskalpolitische Ausrichtung bereits expansiv: Im laufenden Jahr und in den beiden Folgejahren wird die Konjunktur jeweils mit einem fiskalpolitischen Impuls in Höhe von…

Inflationsrate im Euro-Raum sinkt unter die 1,0 Prozent-Marke

Der Preisauftrieb bei den Verbraucherpreisen im Euro-Raum hat im September nachgelassen. Gemäß der Schnellschätzung belief sich die Jahresrate der Inflation im Währungsgebiet auf 0,9 Prozent. Im Vormonat lag sie noch bei 1,0 Prozent. Auf Länderebene zeigte sich einheitlich eine rückläufige Preisentwicklung. In Deutschland ging der der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) von 1,0 auf 0,9 Prozent zurück, in Frankreich sank er von 1,3 auf 1,1 Prozent. Deutlich niedriger liegt die Inflationsrate in Italien und Spanien. Die spanischen Verbraucherpreise stiegen im Jahresvergleich nur noch um 0,2 Prozent nach 0,4 Prozent im Vormonat. In Italien sank die Jahresrate von 0,5 auf 0,3 Prozent. Der Preisauftrieb ging bei den unverarbeiteten Lebensmitteln sehr deutlich zurück und für Energiegüter mussten die europäischen Verbraucher erneut weniger bezahlen als von einem Jahr. Dass im September unverarbeitete Nahrungsmittel vergleichsweise billig waren, mag daran liegen, dass im Vorjahresmonat die Ernten nach dem Dürresommer 2018 schlecht ausgefallen waren und die Lebensmittelpreise daher…

Deutschland – ein Risiko für den Euro-Raum

Die deutsche Industrie leidet sichtbar, obwohl sich die Exporte nach China weiterhin sehr robust entwickeln. Der PMI für die deutsche Industrie ist im September auf 41,4 Punkte gefallen, der niedrigste Werte seit mehr als 10 Jahren. Im Dienstleistungssektor gibt es zudem erste Anzeichen dafür, dass sich die konjunkturelle Abschwächung auch hier stärker bemerkbar machen wird. Bislang rechnen wir mit einem BIP-Wachstum in Deutschland von 0,6 Prozent in 2019 gegenüber dem Vorjahr. Jedoch steigen die Abwärtsrisiken für die Konjunktur in Deutschland und eine milde Rezession kann nicht mehr ausgeschlossen werden. Entsprechend werden die Rufe nach fiskalpolitischen Konjunkturhilfen immer lauter. Wenn sich diese auf Anreize für öffentliche Investitionen beschränken, werden solche Maßnahme aber kaum Wirkung entfalten können. Denn für eine mögliche Umsetzung fehlen hier die Kapazitäten. Bereits jetzt können nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Eine schnelle und effiziente Unterstützung der Konjunktur wäre möglich, wenn die Regierung die privaten Haushalte entlasten würde. Dies…

ifo-Umfrage: Dienstleistungssektor hält die Konjunktur in Deutschland über Wasser

Der Ausblick für die deutsche Konjunktur hat sich im September nicht gebessert, dennoch hat der Druck auf die Unternehmen etwas nachgelassen. Das gilt zumindest im Branchendurchschnitt, wie die aktuelle Umfrage des ifo-Instituts zeigt. Demnach hat sich das Geschäftsklima im September nach fünf Rückgängen in Folge erstmals wieder leicht gebessert. Die Unternehmen schätzen ihre aktuelle Geschäftslage etwas besser ein als im Vormonat, die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich jedoch weiter eingetrübt. Die leichte Aufhellung im Gesamtbild ist dem robusten Dienstleistungssektor zu verdanken, der von der immer noch guten Binnenkonjunktur profitiert und wo sich die Stimmung aktuell wieder gebessert hat. Auch auf dem Bau läuft es weiterhin sehr gut, hier geht der Boom weiter. Bei der Industrie gibt es allerdings noch keine Entspannung, alle Indikatoren weisen nach wie vor nach unten. Für die deutsche Konjunktur kann daher keine Entwarnung gegeben werden. Die aktuellen Umfragedaten zeigen aber, dass der Weg in…

Einkaufsmanagerindizes im Euro-Raum: Tristesse im September

Der umfassende Composite-Einkaufsmanagerindex für den Euro-Raum hat gemäß der Septemberumfrage 1,5 Zähler verloren und liegt mit 50,4 Punkten (75-Monats-Tief) nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Indexpunkten. Ausschlaggebend sind deutliche Nachfragerückgänge bei den Dienstleistern und in der Industrie. Gerade die Talfahrt der Industrie hat sich wieder beschleunigt, und es scheint immer mehr der Fall zu sein, dass der bislang robuste Dienstleistungsbereich mit nach unten gezogen wird. Nach Angaben von IHS Markit fielen die Stimmungsbarometer im gesamten Währungsgebiet so niedrig aus wie seit 2013 nicht mehr. Im Zentrum der wirtschaftlichen Schwäche scheint immer mehr die deutsche Volkswirtschaft und dabei insbesondere die deutsche Industrie zu stehen. Und gemäß den Geschäftserwartungen ist hier keine Wende zum Besseren in Sicht. Zum Ende des dritten Quartals trüben sich die Wachstumsaussichten für den Euro-Raum auf Basis der Umfrageergebnisse ein. Der deutsche Composite-Index verlor 2,6 Zähler und rutschte mit 49,1 Punkten nicht nur unter die neutrale…

Unternehmensgewinne folgen der Konjunkturdynamik

Die Konjunktur im Euro-Raum hat sich in den letzten Monaten spürbar abgekühlt. Die Verlangsamung der Wachstumsdynamik verläuft dabei nicht gleichmäßig in den einzelnen Ländern. Vielmehr werden die unterschiedlichen Wachstumsmodelle der Länder hier klar sichtbar. Die schwächere Konjunkturdynamik wird maßgeblich von einem niedrigeren Wachstum des Welthandels getrieben, was sich hauptsächlich in nachlassenden Außenhandelsüberschüssen widerspiegelt, insbesondere sichtbar ist eine schwächere Nachfrage nach Investitionsgütern. Die binnenwirtschaftliche Entwicklung ist dagegen noch relativ stabil. Dies ist sicherlich auch einer weiterhin hohen Beschäftigung und stabilen verfügbaren Einkommen zu verdanken. Die Folge dieser Entwicklung ist eine fallende Kapazitätsauslastung und fallende Produktivität. Letzteres sollte die internationale Wettbewerbsfähigkeit mittelfristig schwächen. Die Inflationsraten bleiben dabei relativ niedrig. Damit sind die Preisüberwälzungsspielräume für die Unternehmen limitiert. Kostensteigerungen können also nur sehr schwer weitergegeben werden. Diese für die Unternehmen ungünstige Entwicklung macht sich nun auch langsam bei den Gewinnerwartungen der börsengehandelten Unternehmen bemerkbar. Die Gewinnerwartungen fallen nun schon seit einiger Zeit und…

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