Deutschland

Teil-Lockdown setzt Wirtschaft unter Druck

Am Mittwoch haben sich Bundesregierung und Ministerpräsidenten unter dem Eindruck der rapide ansteigenden Corona-Neuinfektionen für die Verhängung eines „Teil-Lockdowns“ ab dem 2. November entschieden. Gaststätten und etliche Dienstleistungsbranchen müssen erneut für vier Wochen schließen, Ladengeschäfte dürfen dieses Mal aber – unter Auflagen – geöffnet bleiben. Auch Schulen und Kindertagesstätten bleiben offen. Für viele Betriebe in der Gastronomie ist das natürlich der „worst case“, selbst wenn großzügige Ausgleichszahlungen in Aussicht gestellt wurden. Auch für den Einzelhandel brechen harte Wochen an. Es besteht zwar die Hoffnung, dass das Weihnachtsgeschäft nicht gänzlich verloren geht. Aber die schwierigen Umstände dürften viele Kunden vom gewohnten Einkaufsbummel abhalten und noch mehr Umsätze zu den Onlinehändlern verschieben. Der gewünschte Effekt der Mehrwertsteuersenkung wird dem stationären Einzelhandel also nur sehr begrenzt zugutekommen. Wie stark die Industrie in Mitleidenschaft gezogen wird, hängt nicht zuletzt davon ab, in welchem Maße auch die Konjunktur bei den wichtigsten Handelspartnern im laufenden Quartal…

Trends im deutschen Einzelhandel

  Im August stand für den deutschen Einzelhandel ein Plus in Höhe von 3,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu Buche. Sicherlich hat der seit Juni geltende niedrigere Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent seinen Anteil an dieser Entwicklung, aber auch schon in der ersten Jahreshälfte konnte der Sektor wachsen. Der Internethandel profitierte dabei bisher mit weitem Abstand am meisten von der Corona-Krise. Aber auch die Umsätze im Lebensmittelhandel und in Apotheken legten zu, ebenso wie in Baumärkten und zuletzt auch wieder in Möbelhäusern. Warenhäuser und Bekleidungshandel sehen sich dagegen mit starken Umsatzeinbußen konfrontiert.    

EWU-Einkaufsmanager: Zweite Welle drückt auf die Stimmung der Dienstleister – Industrie zeigt sich robust

Bei den europäischen Dienstleistern steigt angesichts zunehmender Infektionszahlen im Oktober die Unsicherheit. Die Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen lässt den Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungsbereich deutlich sinken. In einigen Ländern sind die Gastronomie und der Beherbergungsbereich spürbar eingeschränkt. Zudem gibt es teilweise nächtliche Ausgangsperren. Mit Irland und den Niederlanden befinden sich zwei Länder sogar schon wieder in einer Art Lockdown. Dies hinterlässt Spuren und drückt die bei den Dienstleistern auf das Sentiment. In der Industrie können die Stimmungsmesszahlen dagegen sogar noch zulegen und für die Gesamtbetrachtung Schlimmeres verhindern. Der umfassende Composite-Index aus beiden Bereichen geht im Oktober gemäß IHS Markit von 50,4 auf 49,4 Punkte zurück. Zu Beginn des vierten Quartals verschlechtern sich damit die Wachstumsaussichten des Euro-Raums. Da bei den steigenden Infektionszahlen derzeit noch kein Ende in Sicht ist, sind weitere Verschärfungen bei der Virus-Bekämpfung nicht auszuschließen. Die Stimmungslage der deutschen Einkaufsmanager ist im Oktober zweigeteilt. Die Messzahl für die Industrie kann…

Die zweite Welle schwappt hoch

Das Infektionsgeschehen verschlimmert sich aktuell in den meisten europäischen Ländern von Tag zu Tag. In kleineren Ländern wie Belgien und Tschechien ist die Entwicklung besonders dramatisch, aber auch die großen Länder geraten in immer größere Schwierigkeiten. In Deutschland steht man zwar – verglichen mit Frankreich oder Spanien – noch etwas besser da, doch auch hierzulande weist der Trend in eine besorgniserregende Richtung. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie werden in den meisten Ländern sukzessive verschärft. In Frankreich und Spanien gibt es bereits regionale Lockdowns, und Irland ist das erste EU-Land, das einen zweiten landesweiten Lockdown ausgerufen hat. Ob es den Regierungen gelingt, den Trend im Infektionsgeschehen zu brechen, bevor es wie im Frühjahr zu einer Überforderung im Gesundheitswesen kommt, ist ungewiss. Bereits die aktuellen Einschränkungen der wirtschaftlichen Aktivität werden die Dynamik der Erholung sichtlich dämpfen. Wir haben unsere Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Schlussquartal 2020 in den vergangenen Tagen für…

Jungendarbeitslosigkeit wird zu einem Problem im Euroraum

Das Corona-Virus hat im ersten Halbjahr harte konjunkturelle Rückschläge in den Volkswirtschaften rund um den Globus bewirkt. Im Euro-Raum konnte mithilfe umfangreicher Maßnahmen immerhin der Arbeitsmarkt vor schwereren Verwerfungen bewahrt werden. Doch läuft es längst nicht in allen Altersgruppen gleichermaßen gut. Insbesondere in der Gruppe der unter 25-jährigen wurde seit den Lockdownmaßnahmen ab März ein recht zügiger Anstieg in der EWU-Arbeitslosenquote verzeichnet. Einer der Gründe für die rapide Verschlechterung der Jugendarbeitslosigkeit ist der Umstand, dass Unternehmen in Corona-Zeiten aufgrund erhöhter Unsicherheit deutlich weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Das stellt insbesondere all jene vor eine Herausforderung, die nach ihrem Abschluss im Corona-Sommer die Schule verlassen haben und nur schwer oder gar keine Ausbildung finden. Zudem werden befristete Arbeitsverhältnisse in den unsicheren Zeiten kaum verlängert. Die Gefahr dabei ist, dass diese Personen dauerhaft in die Arbeitslosigkeit abrutschen. Je länger sich eine Person in Arbeitslosigkeit befindet, desto schwierig wird die Integration in den…

Deutschland mit Nachholbedarf bei Investitionen in Software und Datenbanken

Der internationale Erfolg der Digitalisierung spiegelt sich vor allem in den Investitionen in Software und Datenbanken, aber auch in den Investitionen für Forschung und Entwicklung (F&E) wider. Seit den neunziger Jahren wuchsen die Investitionen in diesen beiden Segmenten auch in Deutschland überdurchschnittlich und erwiesen sich dabei als relativ krisenresistent, ganz im Gegensatz zu den Ausrüstungsinvestitionen. Im zweiten Quartal 2020, also mitten in der Corona-Krise, konnten sie zusammengenommen sogar gegenüber dem Vorquartal zulegen, als einzige Komponente des deutschen Bruttoinlandsprodukts neben dem Staatskonsum. Im internationalen Vergleich sind in Deutschland zwar die Investitionen in F&E von überdurchschnittlicher Bedeutung für das Bruttoinlandsprodukt. In vielen anderen Ländern spielen Investitionen in Software und Datenbanken aber eine weitaus größere Rolle als in Deutschland. Gegenüber den Vereinigten Staaten, aber auch etwa gegenüber Großbritannien hat Deutschland hier trotz der durchaus positiven Entwicklung der vergangenen Jahre immer noch einen beträchtlichen Nachholbedarf. Ein wesentlicher Grund für den starken Nachholbedarf ist die…

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