Deutschland

Der Euroraum ist in Champagnerlaune

Die Konjunktur im Euroraum läuft weiterhin sehr gut. Dies zeigen die heute veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes. Der umfassende Composite-Index blieb im Mai mit 56,8 Zählern unverändert auf dem Langzeithoch des Vormonats. Während der Index der Dienstleister leicht nachgab, verbesserte sich das Stimmungsbarometer in der Industrie. Dabei hellte sich das Klima maßgeblich in Deutschland und Frankreich auf, während nach Angaben des Umfrageinstituts Markit in den übrigen EWU-Ländern die Stimmungslage auf sehr hohem Niveau leicht nachgab. Die gute Entwicklung in Deutschland wurde auch durch eine positive Entwicklung des Ifo- Index unterstrichen. In Deutschland bleibt gemäß der befragten Einkaufsmanager die Industrie der maßgebliche konjunkturelle Taktgeber. Die Bewertung der Industrieproduktion zeigte in der Umfrage den stärksten Anstieg seit 2011. Aber auch die Bewertung der Auftragseingänge und der -bestände befinden sich auf einem Langzeithoch. Da fiel es kaum ins Gewicht, dass das Stimmungsbarometer für den Dienstleistungsbereich leicht nachgab. Es bleibt aber trotzdem deutlich im Expansionsbereich oberhalb der…

Weiter wachsende Zinseinbußen privater Haushalte in Deutschland

Zu den gravierendsten Folgen der anhaltenden Niedrigzinsphase zählt der Einbruch der Zinseinkünfte bei der Geldanlage. Nach unseren neuesten Berechnungen summieren sich die entsprechenden Einkommenseinbußen der Bürger im Vergleich zum „Normalzinsniveau“ in den Jahren 2010 bis 2017 auf fast 436 Mrd. Euro. Selbst wenn man die Einsparungen durch günstigere Kreditzinsen gegenrechnet, verbleiben Netto-Zinseinbußen von fast 250 Mrd. Euro. Auch 2017 werden die Zinseinbußen der Bürger weiter wachsen. Zudem ist mit einer „Rückkehr“ der Inflation zu rechnen. Dadurch dürfte der durchschnittliche Realzins für Einlagen, Rentenwerte und Versicherungen in diesem Jahr auf -0,8 Prozent sinken. Das verursacht einen Wertverlust des privaten Geldvermögens von über 37 Mrd. Euro. Nicht nur aus diesem Grund, sondern vor allem auch weil fundamentale Daten wie Wirtschaftswachstum und Inflation die aktuelle Geldpolitik der EZB nicht mehr rechtfertigen, wird es Zeit für den geldpolitischen Kurswechsel.

Was haben die Nachbesserungen an der Wohnimmobilienkreditrichtlinie gebracht?

Im März 2016 wurde die EU-Richtlinie zu Immobilienfinanzierung, die Wohnimmobilienkreditrichtlinie (WIKR) – auch in Deutschland umgesetzt. Seitdem gilt, dass bei privaten Immobilienkrediten nicht mehr ausschließlich auf die Besicherung abgestellt werden darf, sondern die Rückzahlungsfähigkeit durch den Kreditnehmer im Vordergrund steht. Das klingt plausibel, behinderte aber die Kreditvergabe an bestimmte Kreditnehmergruppen wie junge Familien wegen eines temporär zu niedrigen Einkommens oder Senioren wegen der begrenzten Lebenserwartung. Das war vor allem deshalb der Fall, weil die in der EU-Vorgabe vorgesehene Ausnahme, dass bei Neubauten oder Renovierungen weiterhin auf den Immobilienwert abgestellt werden darf, in Deutschland nicht umgesetzt wurde. Sichtbare Bremsspuren in der Hypothekenvergabe waren die Folge. Die heftige Kritik an der Umsetzung der Richtlinie bezog sich aber nicht nur auf diesen Aspekt, sondern auch auf die mit der Einführung der WIKR verbundene rechtliche Unsicherheit. Diese könnte zur Ablehnung von Kreditanträgen führen, um beispielsweise mögliche Haftungsrisiken in der Zukunft zu vermeiden. Weitere Kritikpunkte…

Rückläufige Wohnungsbaugenehmigungen in Deutschland – eine gesunde Entwicklung

Wie das Statistische Bundesamt mitgeteilt hat, sind die Wohnungsbaugenehmigungen in Deutschland im ersten Quartal dieses Jahres um 6,6 Prozent auf 79.200 Wohnungen gesunken. Das ist der erste Rückgang seit dem ersten Quartal 2012. Betroffen sind vor allem Einfamilienhäuser. Hier sind die neu ausgestellten Genehmigungen um 15,3 Prozent eingebrochen. Das immer noch hohe Niveau der Baugenehmigungen und die Engpässe in der Bauindustrie sprechen dafür, dass zunächst weiterhin mit einer leicht steigenden Zahl an Baufertigstellungen zu rechnen ist und dass die Immobilienkreditnachfrage hoch bleibt. Selbst wenn sich der aktuelle Rückgang als neuer Trend herauskristallisiert, besteht kein Grund zu Panik. Mit einem Einbruch des Wohnungsbaus ist nicht zu rechnen, sondern langfristig eher mit einem abgefederten Rückgang von dem inzwischen erreichten hohen Niveau.  

Gute Haushaltssituation für Steuersenkungen nutzen!

Die aktuelle Steuerschätzung hat für die kommenden  5 Jahre Steuermehreinnahmen von über 50 Mrd. Euro errechnet. Die hohen Steuereinnahmen sind der guten konjunkturellen Lage und der hohen Beschäftigung zu verdanken.  Diese Entwicklung ist nicht neu und war auch bereits in den vergangenen Jahren zu beobachten. Entsprechend ist die Neuverschuldung Deutschlands auf 0% gefallen und ein leichter Schuldenabbau konnte realisiert werden. Die auf dem ersten Blick günstige Entwicklung der Fiskalbilanz Deutschlands trügt jedoch. Die steigenden Steuereinnahmen der letzten Jahre hätte ein viel ambitionierteres Schuldenabbauprogramm erlaubt. Stattdessen wurden viele sozialpolitische Maßnahmen beschlossen, deren Nutzen sich oft  nicht erschließt. Dies zeigt sehr deutlich, dass im politischen Prozess ein nachhaltiger Abbau der Staatsverschuldung nicht oder kaum vorgesehen ist. Wenn die Bundesregierung den reichhaltigen Geldsegen schon nicht zum Schuldenabbau nutzt, sollte man zumindest erwarten, dass die im internationalen Vergleich hohe Steuerbelastung der privaten Haushalte und Unternehmen gesenkt wird. Aber dies wird bereits jetzt im Bundestagswahlkampf…

Deutsche Wirtschaft mit starkem Jahresauftakt

Die deutsche Wirtschaft wächst wieder schneller, und das trotz der außenpolitischen Risiken. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 0,6 Prozent zum Vorquartal zu, das ist der größte Zuwachs seit einem Jahr. Höhere Investitionen, steigende Konsumausgaben und mehr Exporte ließen die Wirtschaftsleistung zwischen Januar und März steigen. Im vierten Quartal 2016 war das Plus mit 0,4 Prozent noch merklich kleiner ausgefallen. Damit trotzte die deutsche Konjunktur der Unsicherheit nach dem Amtsantritt von US-Präsident Trump und dem näher rückenden EU-Austritt Großbritanniens. Impulse kamen zu Jahresbeginn nach Angaben der Statistiker, die noch keine Details veröffentlichten,  sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. Besonders erfreulich dabei: Die Investitionen legten wieder kräftig zu. Sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen wie Maschinen sei „deutlich mehr“ gesteckt worden, wozu die niedrigen Zinsen sicherlich beigetragen haben. Die Ausrüstungsinvestitionen waren zuletzt dreimal in Folge gesunken, trotz der eigentlich gut laufenden Konjunktur und ausgelasteter Kapazitäten. Auch Verbraucher und Staat…

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