Deutschland

Die Babyboomer kommen

In Deutschland gibt es schon seit geraumer Zeit zwei große Erklärungsnotstände. Der eine ist Europa und warum Deutschland den Euro braucht, der andere dreht sich um die Folgen der Demographie für die Gesellschaft und den Sozialstaat. Um letzteres geht es hier. Die Folgen der demographischen Entwicklung lassen sich abmildern durch mehr Zuwanderung und einem sinnvollen Zuwanderungsgesetzt, höhere Investitionen und steigende Produktivität. Dazu braucht es noch eine spürbar höhere Aktienquote in den privaten Portfolios und eine bedarfsgerechte Wohnbauförderung. Auch wenn die neue Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes etwas optimistischer ausfällt. Das Grundproblem einer alternden Gesellschaft mit zu wenig Kindern bleibt. Bereits in rund zehn Jahren, wenn die Babyboomer allmählich in Ruhestand gehen, beschleunigt sich der Altersstrukturwandel dramatisch. Die geburtenstarken Jahrgänge, die heute noch als Fachkräfte zur Produktion von Waren und Dienstleistungen beitragen, in die Sozialsysteme einzahlen und mit ihren Kindern in einem Haushalt leben, wechseln dann aus der Erwerbstätigkeit in die Rente….

ifo-Umfrage: Abschwung der deutschen Wirtschaft findet noch keinen Halt

Die deutsche Wirtschaft kommt immer mehr unter Druck, vor allem in der Industrie wird die Lage immer ungemütlicher. Brexit, Handelsstreit und allgemein unsichere Aussichten belasten die deutschen Industrieunternehmen immer mehr. Und auch die Binnenwirtschaft leidet mit. Der bislang sehr stabile Dienstleistungssektor spürt die konjunkturelle Verlangsamung mittlerweile auch. Nur der Bausektor kann sich weitgehend unbeeinflusst von den Schwierigkeiten der anderen Wirtschaftsbereiche am anhaltenden Boom erfreuen. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juli von 97,5 auf 95,7 Punkte gefallen. Die Unternehmen waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage, und sie blicken zudem auch noch skeptischer auf ihre zukünftige Geschäftsentwicklung. Die Geschäftserwartungen für die kommenden drei Monate sind im laufenden Monat sogar auf den niedrigsten Wert seit über zehn Jahren gesunken. Doch noch stehen die Zeichen in Deutschland nicht auf Krise, auch wenn sich das Wachstum empfindlich abgekühlt hat. Aber wenn sich die vor allem die politische Großwetterlage noch weiter eintrüben sollte, ist die…

Industrie zieht Privatwirtschaft im Euro-Raum nach unten

Die Stimmungslage der europäischen Einkaufsmanager hat sich im Juli gemäß der Umfrage von IHS Markit weiter eingetrübt. Während die Messzahl für die Industrie nachgab und auf den niedrigsten Wert seit mehr als sechs Jahren rutschte (46,4 Punkte), hält sich die Stimmung der Dienstleister trotz eines leichten Rückgangs auf einem komfortablen Niveau (53,3 Punkte). Der umfassende Composite Index notiert damit bei 51,5 Punkte nach 52,2 Zählern im Vormonat. Die ausgeprägte Schwäche in der Industrie ist vor allem auf die schlechte Stimmungslage in Deutschland zurückzuführen. Angesichts dessen ist zu Beginn des dritten Quartals auf Basis der Umfrageergebnisse nicht mit einer konjunkturellen Erholung zu rechnen. In Deutschland bleibt die Zweiteilung der Stimmungslage zwischen Industrie und Dienstleistern bestehen, denn der Index für die Industrie sank mit 43,1 Punkten auf den niedrigsten Wert seit Juli 2012. Das Stimmungsbarometer für den Service-Bereich gab auch nach, es bleibt aber mit 55,4 Punkten noch komfortabel im Expansionsbereich. Der…

Deutschland: Konjunktureintrübung schlägt sich zunehmend im Kreditgeschäft nieder

Die konjunkturelle Eintrübung, von der vor allem auch die exportorientierte deutsche Industrie betroffen ist, schlägt sich zunehmend im Geschäft der Banken in Deutschland nieder. Wie aus der Juli-Umfrage der EZB zum Kreditgeschäft (Bank Lending Survey) hervorgeht, haben die befragten Banken zum zweiten Mal in Folge über Verschärfungen ihrer Kreditrichtlinien für Unternehmen berichtet. So wurden vermehrt Kreditanträge abgelehnt und die Margen für risikoreichere Kredite ausgeweitet. Betroffen waren stärker große Unternehmen. Gründe sind eine verschlechterte Lage verschiedener Firmen bzw. Branchen mit der Folge einer sinkenden Kreditwürdigkeit. Die Umfrageergebnisse stützen unsere Einschätzung, dass sich das äußerst dynamische Wachstum der Kreditmärkte in Deutschland in diesem Jahr spürbar abschwächt. Zuletzt stiegen die Firmenkundenkreditbestände um 6,1 Prozent (Ende Q1/2019) und die privaten Wohnungsbaukredite um 4,9 Prozent. Im Firmenkundenkreditgeschäft sind für die nächsten drei Monate zunächst keine weiteren Verschärfungen der Kreditrichtlinien geplant. Allerdings erwarten die Banken mehrheitlich eine sinkende Kreditnachfrage der Großunternehmen. Stütze des Kreditgeschäfts bleiben die…

Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe geben Anlass zur Sorge

Bei den Unternehmen im deutschen verarbeitenden Gewerbe gehen immer weniger Aufträge ein. Im Mai gaben die Auftragseingänge preis-, kalender- und saisonbereinigt um 2,2% gegenüber April nach. Im Vergleich zum Mai 2018 waren es sogar 8,6%. Der aktuelle Rückgang ist dabei auf eine schwächere Nachfrage aus dem Ausland zurückzuführen. Die Aufträge aus Deutschland entwickelten sich dagegen zuletzt wieder etwas positiver. Die schwachen Auftragseingänge sind eine weitere Folge der Abkühlung der Weltwirtschaft und der Auswirkungen des Handelsstreits zwischen China und den USA. Längerfristig zeigt sich dies sowohl an einem Nachfragerückgang aus den Ländern außerhalb des Euroraums, aber auch an einem deutlich gesunkenen Interesse der europäischen Nachbarn an deutschen Industrieerzeugnissen. Besonders betroffen sind die exportabhängigen Industrieunternehmen. Im bisherigen Jahresverlauf gingen die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe um über 5% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zurück. Betroffen von dieser negativen Entwicklung waren dabei alle größeren deutschen Industriebranchen, auch wenn manche Segmente des verarbeitenden Gewerbes in einzelnen…

Warum brechen in einer Rezession die Unternehmensgewinne und Aktienkurse so stark ein?

Ein Zyklus ist gemäß einer Definition der Universität Oxford definiert als „eine Gruppe von Ereignissen, die in einer bestimmten Reihenfolge hintereinander stattfinden und oft wiederholt werden“. In den Naturwissenschaften folgen Zyklen bestimmten Mustern. Zeitpunkt, Amplitude und der Schwankungspfad wiederholen sich. Volkswirtschaften, Unternehmen, Märkte und das Verhalten der Anleger weisen diese festen Regelmäßigkeiten nicht auf. Die Bewegungen sind komplexer und nicht vorhersehbar. Sie greifen ineinander: So gibt es neben dem Konjunkturzyklus noch den Gewinnzyklus der Unternehmen, den Zyklus im Immobilienmarkt, die generelle Einstellung der Marktteilnehmer gegenüber Risiko und andere Aspekte. Diese liefern die fundamentalen und stimmungsgetriebenen Rahmendaten für Investitionen am Kapitalmarkt. In Rezessionen werden fallende Unternehmensgewinne als Grund für die Schwäche von Konjunktur und Aktienkursen festgemacht. Aber warum fallen in einer Rezession die Gewinne der börsennotierten Unternehmen überproportional stark, wenn das volkswirtschaftliche Wachstum nur für eine vorübergehende Phase um einige Prozentpunkte von seinem langfristigen Trendwachstum abweicht? Die Antwort liegt auf der…

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