Deutschland

Veränderungen zulassen

Die aktuellen Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung lassen einem den kalten Schauer über den Rücken laufen. In vielen Ländern ist die Produktion im April um rund 20 Prozent eingebrochen. Zur Beruhigung kann man sich sagen, dass im April damit wohl der Tiefpunkt des wirtschaftlichen Einbruchs durchschritten wurde und die Daten sich im Mai schon wieder merklich verbessern werden. Richtig beruhigen kann das aber nicht. Die mittelfristigen Folgen des Lockdowns und der Hilfsmaßnahmen von Regierungen und Zentralbanken für die wirtschaftlichen Strukturen sind nicht im vollem Umfang abschätzbar. Die einfachste Annahme wäre, dass sich nichts ändert, da die Rezession zwar tief aber nur kurz war. Dies erscheint mir aber zu einfach. Bereits vor Corona ist die Weltwirtschaft in eine Phase der stagnierenden Globalisierung eingetreten. Zusammen mit COVID-19 dürfte dies in der Zukunft zu Veränderungen in Präferenzen und Verhalten führen. Welche Geschäftsmodelle wie von der Veränderung betroffen sein werden ist kaum vorherzusagen. Die auf…

Corona-Pandemie verschont weitgehend den Wohnungsmarkt, verursacht aber hohe Mietausfälle im Handel

Bei der Eindämmung der Corona-Pandemie ist Deutschland gut vorangekommen, sodass die wirtschaftliche Aktivität nach einer vergleichsweise kurzen Unterbrechung wieder anlief. Dennoch ist der wirtschaftliche Schaden gewaltig. Nach und nach werden auch die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt sichtbar. Danach hat der Wohnungsmarkt kaum gelitten. Zwar sank die Zahl der Kauf- und Mietofferten nach den von F+B wöchentlich ausgewerteten Immobilienangeboten bis Ende April um ein Viertel. Aber bereits im Mai wurde wieder das März-Niveau erreicht. Die geforderten Preise und Mieten gingen dagegen nicht zurück, sie stiegen sogar etwas. Eine Stütze für den Markt ist das knappe Angebot. Der Neubau, der 2019 mit 293.000 fertiggestellten Wohnungen den höchsten Wert seit 2001 erreichte, reicht für den Wohnbedarf nicht aus. Und 2020 dürfte sich der Neubau abschwächen, weil die Arbeit auf den Baustellen ins Stocken geraten ist. Die Vermieter kommen trotz der Belastungen am Arbeitsmarkt offenbar glimpflich durch die Krise. Dank des guten sozialen Netzes…

Deutsche Konjunktur: Nach dem Tiefpunkt, wie geht es weiter?

  Die deutschen Konjunkturdaten für den Monat April, die in den vergangenen Tagen veröffentlicht worden sind, machen die ganze Schwere der aktuellen Krise deutlich. Vor allem der Industriebereich ist extrem hart getroffen. Das zeigen auch die letzten Außenhandelsdaten. Im Vergleich zum März sind die deutschen Exporte im April um fast ein Viertel eingebrochen. In saisonbereinigter Rechnung entspricht das einem Ausfall von fast 25 Mrd. Euro. Dabei gab es die stärksten Rückgänge im Handel mit denjenigen Ländern, die am härtesten von der Corona-Pandemie betroffen wurden. Die Ausfuhren nach Frankreich und Italien, wo man sich im April fast im totalen wirtschaftlichen Lockdown befand, sanken zwischen 40 und 50 Prozent. Auch in die USA wurden fast 36 Prozent weniger Waren ausgeführt. Umgekehrt haben die deutschen Unternehmen im April auch deutlich weniger Güter aus dem Ausland eingeführt. Das liegt vor allem daran, dass auch hierzulande die Produktion im April stark zurückgefahren werden musste. Im…

Konjunkturpakt in Deutschland setzt die richtigen Akzente

Das neue Konjunkturpaket der großen Koalition stellt angesichts der unterschiedlichen Positionen sowohl zwischen und auch innerhalb der einzelnen Parteien alles in allem einen guten Kompromiss dar. Dass man sich nicht auf die „Abwrackprämie 2.0“ eingelassen hat und stattdessen auf eine befristete Mehrwertsteuersenkung setzt, ist die richtige Entscheidung. Nicht der Lobbyismus hat sich hier durchgesetzt, sondern die ökonomische Vernunft. Mit dieser Maßnahme werden sämtliche größeren Anschaffungen unterstützt, natürlich auch der Kauf von Autos. Aber es wird eben nicht eine Branche bevorzugt behandelt. Es ist eine einfache und schnell wirkende Maßnahme, die zudem noch einen gewünschten Verteilungseffekt hat. Denn die Belastung durch die Verbrauchssteuern ist für die Haushalte mit niedrigeren Einkommen am höchsten. Auch die verschiedenen steuerlichen Maßnahmen zugunsten der Unternehmen sind zu begrüßen. Unter anderem wurden die Möglichkeiten des steuerlichen Verlustrücktrags und die Abschreibungsmöglichkeiten erweitert. Die Senkung der EEG-Umlage auf den Strompreis ab 2021 hilft Unternehmen und Haushalten. Auch das ist…

Konjunkturpaket: Manchmal hilft langes Verhandeln auch…

Viele haben mitdiskutiert, die Wunschliste war lang. Die Interessen der Verhandlungsteilnehmer lagen ziemlich weit auseinander. Daher haben die Gespräche der Koalitionspartner deutlich länger gedauert als geplant und man musste befürchten, dass ein schlechter Kompromiss dabei herauskommt. Aber es ist alles in allem ein ziemlich guter Kompromiss geworden. Dass man sich nicht auf die „Abwrackprämie 2.0“ eingelassen hat und stattdessen auf eine befristete Mehrwertsteuersenkung setzt, ist ein gutes Zeichen. Nicht der Lobbyismus hat sich hier durchgesetzt, sondern die ökonomische Vernunft. Mit dieser Maßnahme werden sämtliche größeren Anschaffungen unterstützt, natürlich auch der Kauf von Autos. Aber es wird eben nicht eine Branche bevorzugt behandelt. Es ist eine einfache und schnell wirkende Maßnahme, die zudem noch einen gewünschten Verteilungseffekt hat. Denn die Belastung durch die Verbrauchssteuern ist für die Haushalte mit niedrigeren Einkommen am höchsten. Auch die verschiedenen steuerlichen Maßnahmen zugunsten der Unternehmen sind zu begrüßen. Unter anderem wurden die Möglichkeiten des steuerlichen…

Konjunkturpaket: Mehr ist nicht immer besser

Die Spitzen der Koalition sitzen im Kanzleramt zusammen und diskutieren über das neue Konjunkturpaket der Bundesregierung. Dass es kommen wird, ist klar. Auch dass es ein Volumen von 80 bis 100 Mrd. Euro haben wird, ist wohl nicht mehr strittig. Denn viel hilft viel, darüber ist man sich einig. Aber offenbar noch nicht über das „Kleingedruckte“, also wofür das viele Geld ausgegeben werden soll. Im Vorfeld des Treffens sind die Positionen schon abgesteckt worden. Der Bundesfinanzminister hat seine Präferenzen ebenso publik gemacht wie der Wirtschaftsminister, eine Reihe von Ministerpräsidenten, die SPD-Parteispitze sowie zahlreiche Abgeordnete aus der SPD- und der Unionsfraktion. Die Wunschliste ist also so lang, dass eine Einigung noch heute unwahrscheinlich geworden ist. Sie reicht von Familienzuschlägen, einem verlängerten und aufgestockten Kurzarbeitergeld über verschiedene Steuersenkungen und Abschreibungserleichterungen sowie Investitionsprogramme und Entschuldung für finanzschwache Kommunen bis hin zur Abwrackprämie 2.0. Aus früheren konjunkturpolitischen Notmaßnahmen lassen sich immerhin einige Lehren für…

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