Deutschland

Deutsche Industrie kommt unter Druck

Die Juni-Daten zu den Auftragseingängen und der Produktionsentwicklung in der deutschen Industrie sind enttäuschend ausgefallen. Während die Aufträge gegenüber dem schon schwachen Vormonat noch einmal um 3,2 % gesunken sind, legte die Industrieproduktion immerhin leicht um 0,3 % zu. Allerdings war auch hier ein wesentlich kräftigeres Plus erwartet worden. Insgesamt liegt die Produktion (ohne Bau) im zweiten Quartal nunmehr um 1% niedriger als zwischen Januar und März. Beim Bau fällt das Minus mit rund 6% noch wesentlich gravierender aus. Sicherlich sind die jüngsten Meldungen zumindest teilweise auf Sondereffekte zurückzuführen und sind nicht unmittelbar als Zeichen für eine Konjunkturabschwächung zu interpretieren. Vor allem beim Bau ist zu konstatieren, dass der Vergleich mit dem Vorquartal hinkt, da das milde Winterwetter zu Jahresbeginn einen starken positiven Einfluss gehabt hat. Auch wurde vom Wirtschaftsministerium darauf hingewiesen, dass der Auftragsrückgang im Juni zu einem starken Maße auf ausbleibende Großaufträge zurückzuführen ist, und unter Ausschluss dieser…

Verschärfte EU-Sanktionen schaden der russischen Wirtschaft

Unter dem Eindruck der Flugzeugkatastrophe im Osten der Ukraine und der fortgesetzten Behinderungen bei deren Aufklärung haben sich die 28 EU-Regierungen Anfang der Woche auf den Einstieg in Sanktionsmaßnahmen der „Stufe III“ verständigt. Demnach soll russischen Banken, die mehrheitlich in Staatsbesitz sind, der Zugang zu längerfristiger Finanzierung an den westlichen Kapitalmärkten versperrt werden. Zudem dürfen zukünftig keine Rüstungsgüter mehr zwischen Russland und der EU gehandelt werden; das gilt auch für Produkte, die sich sowohl zur zivilen als auch zur militärischen Verwendung eignen. Darüber hinaus gilt ein Exportstopp für Hochtechnologie-Geräte, besonders für die Ölförderung – nicht jedoch für Produkte für die Erdgasförderung. Die neuen Sanktionen zielen darauf ab, die russische Wirtschaft dort zu treffen, wo es besonders weh tut – und gleichzeitig in den EU-Ländern möglichst wenig Schaden anzurichten. Der Außenhandel mit Russland ist allerdings bereits vor der Verhängung der neuen Sanktionen deutlich zurückgegangen: zum einen, weil Ausfuhrgenehmigungen bereits seit einige…

Euro-Raum: Energiepreise drücken Inflation näher an die Nullgrenze

Die Inflationsrate im Euroraum ist im Juli nach vorläufigen Angaben auf 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, im Vormonat lag sie noch bei 0,5 Prozent. Damit rutscht die Teuerungsrate wieder ein Stück näher an die Nullgrenze. Für Diskussionsstoff dürfte also nächste Woche bei der EZB-Ratssitzung gesorgt sein. Maßgeblich für den leichten Rückgang war der Teilbereich Energie. Hier fielen die Preise gegenüber dem Vorjahr um 1,0 Prozent. Zum einen haben auf dem Weltmarkt die Rohölpreise in US-Dollar gegenüber Juli 2013 um 0,6 Prozent nachgegeben. Noch wichtiger aber: Der Wechselkurs des Euro zum US-Dollar steht aktuell trotz der jüngsten Kursverluste um 3,6 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Daher sanken die Rohölpreise in Euro gerechnet um rund 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies dürfte einen Großteil der geringeren Energiepreise für die EWU-Verbraucher erklären. Eine ähnliche Tendenz zeigen auch die vorliegenden Daten aus einzelnen Euro-Mitgliedsländern. In Spanien sank die für europäische Zwecke…

Fragwürdiger Schwenk der Bundesbank

In den letzten Tagen haben sich die Chefvolkswirte sowohl der Bundesbank als auch der Europäischen Zentralbank für stärkere Lohnsteigerungen in Deutschland ausgesprochen. Die vergleichsweise gute Konjunktur und der feste Arbeitsmarkt hierzulande erlaubten es demnach, dass die Phase der Lohnzurückhaltung für beendet erklärt wird und die Arbeitseinkommen stärker steigen als in den anderen EWU-Ländern. Bundesbank und EZB stimmen damit einer Forderung des Internationalen Währungsfonds zu, dessen Chefin Christine Lagarde schon seit Längerem mit Ratschlägen zu einer expansiveren Lohnpolitik in Deutschland auffällt. Von der Bundesbank war dies allerdings nicht unbedingt zu erwarten. Sie war in der Vergangenheit oft als Warner aufgetreten, nicht mit überzogenen Tarifsteigerungen die Preisstabilität zu gefährden und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu belasten. Die Argumentation war dabei stets eher angebotsorientiert: Zurückhaltung bei den Arbeitskosten unterstützt die Beschäftigungsentwicklung und damit auch das Wachstum in Deutschland. Als langjähriger Bundesbank-Beobachter reibt man sich die Augen: Werden nun bewährte Grundsätze über…

Ifo-Umfrage: Unsicherheit ist immer schlecht fürs Geschäft(sklima)

Auch wenn die wirtschaftlichen Auswirkungen der geopolitischen Krisen noch unklar sind, befürchten die deutschen Industrieunternehmen, dass ihr Auslandsgeschäft merklich leiden wird. Das zeigt die aktuelle Umfrage des ifo-Instituts. Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im Juli noch etwas stärker eingetrübt als vor dem Hintergrund der krisenhaften Eskalation in der Ukraine, in Israel und im Irak ohnehin zu erwarten war. Besonders im exportabhängigen Industriebereich hat sich die Stimmung verschlechtert. Die Exporterwartungen der Unternehmen sind nach ifo-Angaben sogar auf den niedrigsten Stand seit mehr als einem Jahr gefallen. Nach der gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerumfrage, die sowohl in der Industrie als auch im Servicebereich von einer verbesserten Stimmung im Juli berichtete, enttäuschen die Ergebnisse des deutlich breiteren ifo-Surveys (ifo: 7000 Befragte ggü. 1000 bei Markit). Die Daten zeigen, dass nach dem schwachen zweiten Quartal auch in den Sommermonaten noch nicht mit einem Durchstarten der deutschen Konjunktur gerechnet werden kann. Die Unsicherheiten, die von den…

Euro-Kurs und Exporte: Gegen- oder Rückenwind?

Die europäische Exportwirtschaft dürfte den leichten Rückgang des Euro-US-Dollar Wechselkurses in den letzten Tagen sicherlich begrüßen. Denn schließlich war der mühsam begonnene Aufstieg aus der Rezession in der zweiten Jahreshälfte 2013 maßgeblich auf die positiven Wachstumsbeiträge der Exporte in Kern- und Krisenländern zurückzuführen. Zuletzt mehrten sich die Stimmen derer, die sich zu den negativen Auswirkungen eines starken oder gar überbewerteten Euro äußerten. Die Befürchtungen sind nicht unberechtigt. Um eine Aussage über die Größenordnung des Wechselkurseffekts auf die Exporte machen zu können, haben wir die Abhängigkeit der Exporte von den Wechselkursbewegungen näher beleuchtet. Unsere Berechnungen für die EWU zeigen eine deutliche negative Abhängigkeit der Exporte vom Euro-Wechselkurs. Eine Aufwertung des Euro bremst also die Exporte, ein niedriger Wechselkurs würde die Exporte im Umkehrschluss stützen. Am stärksten ist der Effekt für Frankreich, hier reagieren die Exporte sehr deutlich auf Wechselkursänderungen, gefolgt von Italien. Die deutschen Exporte zeigen von den analysierten Ländern die…

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