Deutschland

Bundestag beschließt Mindestlohn

Nachdem die Regierungskoalition sich zu Wochenbeginn auf letzte Übergangsregelungen für den Mindestlohn (Zeitungszusteller, Erntehelfer und freiwillige Praktika) geeinigt hatte, hat der Bundestag den Weg für das Gesetz zur allgemeinen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro frei gemacht. Damit dürften ab dem 1.1.2015 laut Regierungsangaben rund 3,7 Mio. Beschäftigte in Deutschland von einer Lohnanhebung auf 8,50 Euro profitieren. Andere Untersuchungen kommen auf eine Größenordnung von 4 bis 4,5 Mio. Besonders starke Auswirkungen wird die Einführung des Mindestlohns in Ostdeutschland und in Kleinstunternehmen haben: Einerseits verdienen in den ostdeutschen Bundesländern rund 30 Prozent der Beschäftigten weniger als 8,50 Euro, andererseits rund 40 Prozent der Beschäftigten in Unternehmen mit weniger als fünf Beschäftigten. Welche Auswirkungen sind nun gesamtwirtschaftlich zu erwarten? Zunächst einmal verteuert die Einführung eines Mindestlohns den Faktor Arbeit im geringfügigen Beschäftigungsbereich. Inwieweit die Unternehmen diesen Kostenanstieg über höhere Preise an die Verbraucher weitergeben können oder Arbeitsplätze streichen müssen, hängt auch von der konjunkturellen Lage…

Abschlagsfreie Rente mit 63 verschärft Fachkräftemangel

Viele Unternehmen in Deutschland klagen seit Jahren über fehlende Fachkräfte. Monat für Monat bleiben zahlreiche offene Stellen unbesetzt. Dadurch entstehen den betroffenen Unternehmen beträchtliche Wertschöpfungsverluste, die die Wirtschaftskraft dämpfen. Die abschlagsfreie Rente mit 63, die zum 1. Juli in Kraft tritt, wird den Fachkräftemangel zusätzlich verschärfen. Durch die neue Rentenreform haben allein in diesem Jahr etwa 200.000 Personen Anspruch auf eine Frühverrentung. Die Regierung geht jedoch davon aus, dass nur ein Viertel der Berechtigten früher in Rente geht. Das Interesse ist aber bereits vor der Einführung am Dienstag groß. Der erste Andrang auf die Rentenversicherungen – über 12.000 Anträge liegen bereits vor – könnte den Anfang einer Frühverrentungswelle darstellen, die dem Arbeitsmarkt weitere händeringend gesuchte Fachkräfte entzieht. Besonders prekär wäre der Verlust für die MINT-Berufe – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik – wo heute schon der Bedarf an Fachkräften das Angebot deutlich übersteigt. Diese technisch geprägten Berufe stehen ganz besonders für…

Die Überhitzung am Aktienmarkt hat begonnen

Die letzten Jahre waren geprägt von einem globalen geldpolitischen Stimulus in bisher unbekanntem Ausmaß. Die Auswirkung auf die volkswirtschaftliche Entwicklung ist in den allermeisten Teilen der Welt positiv, aber schwächer als angesichts des massiven Rückenwindes, den die Notenbanken verbreiten, möglich wäre. Die Finanzmärkte hingegen verzeichneten in überdurchschnittlichem Ausmaß Kursgewinne, denen bislang die fundamentale Rechtfertigung weitgehend fehlt. Durch die massive Alimentierung des volkswirtschaftlichen Wachstums mit Geld und niedrigen Zinsen verhindern die Notenbanken in vielen Ländern der Welt stärkere Rezessionen, die allerdings, langfristig betrachtet, gesünder gewesen wären. Auf diese Weise wird einer massiven Reformverschleppung Vorschub geleistet. Hierdurch kommt es zu einer Umverteilung von Wachstum in die Gegenwart zu Lasten eines ansonsten höheren Wachstumspotenzials in der Zukunft. Dieser Raubbau am künftigen Wachstumspotenzial ist mittelfristig gefährlich, weil die derzeit vorherrschenden Bewertungsniveaus an den Aktienmärkten nur vor dem Hintergrund der Aussicht auf ein kräftiges zukünftiges Wachstum zu rechtfertigen sind. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch,…

Konsumlaune der Deutschen steigt weiter

Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und bei den Löhnen, anhaltend niedrige Zinsen und die geringe Inflation sorgen dafür, dass sich die Konsumenten in Deutschland aktuell so optimistisch äußern wie schon lange nicht mehr. Das GfK Konsumklima stieg im Juni sogar auf seinen höchsten Stand seit Dezember 2006. Vor allem die gute Entwicklung beim Einzelindikator „Konjunkturerwartung“ sorgt in diesem Monat für das positive Ergebnis beim Konsumklima. Optimistischer für die deutsche Wirtschaft waren die Verbraucher zuletzt vor drei Jahren. Im Gegensatz zu den Unternehmen haben die Konsumenten damit zumindest derzeit noch keine Angst vor negativen Auswirkungen der Krisen im Irak und in der Ukraine. Sparen lohnt sich angesichts des Zinsniveaus kaum noch, die Anschaffungsneigung der privaten Haushalte legt weiter zu. Die Sparneigung der Konsumenten ist angesichts der zuletzt von der Europäischen Zentralbank weiter gesenkten Zinsen im Juni nochmals zurückgegangen. Die Kauflaune der privaten Haushalte erklärt auch die gute Stimmung im deutschen…

Ifo-Umfrage: Deutsche Industrie mit skeptischerem Ausblick

Die deutschen Industrieunternehmen befürchten, dass ihr Auslandsgeschäft unter den Krisen in der Ukraine und im Irak wohl doch stärker leiden wird. Das zeigt die aktuelle Umfrage des ifo-Instituts. Das Geschäftsklima in Deutschland hat sich im Juni demnach weiter leicht eingetrübt, und zwar vor allem, weil sich die Stimmung im exportabhängigen Industriebereich verschlechtert hat. Die stärker binnenorientierten Sektoren Einzelhandel und Bauwirtschaft verzeichneten im abgelaufenen Monat dagegen einen Anstieg des Geschäftsklimas. Daraus lässt sich ablesen, dass die Konjunkturdynamik in Deutschland nach dem sehr starken ersten Quartal etwas nachlassen wird. Dennoch ist nicht mit einem Abbrechen der wirtschaftlichen Erholung zu rechnen, vor allem die heimische Nachfrage wird in diesem Jahr für ein Wachstum von etwas über zwei Prozent sorgen. Für das kommende Jahr gehen wir dann von einer etwas schwächeren Wachstumsrate aus, denn das außenwirtschaftliche Umfeld bleibt für die deutschen Unternehmen schwierig. Risiken drohen im Euro-Raum vor allem durch ausbleibende Reformen in Frankreich…

Maschinenbauer spüren Russland-Krise

Russland ist für den Maschinenbau als Wirtschaftspartner von deutlich größerer Bedeutung als für die deutsche Wirtschaft insgesamt. So liegt Russland beim gesamten Güterexport aus Deutschland lediglich an elfter Stelle aller Zielländer, während es bei den Maschinenausfuhren dagegen bereits die vierte Position nach China, den USA und Frankreich belegt. Maschinen waren im letzten Jahr immerhin verantwortlich für mehr als ein Fünftel aller Güterexporte nach Russland. Damit übertrafen sie sogar die Ausfuhren von „Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen“ und sind somit das wichtigste deutsche Exportgut für Russland. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der Maschinenbau aktuell die Schwäche der russischen Wirtschaft zu spüren bekommt. Die Maschinenexporte von Deutschland nach Russland sind in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 17,6 Prozent zurückgegangen. Die Einbußen der Maschinenbauer im Russlandgeschäft fielen damit größer aus als bei der gesamten Ausfuhr nach Russland (-14,0 Prozent). Nach einer Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) bemerken…

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