Deutschland

Ein EWU-Austritt käme Deutschland teuer zu stehen

In den kommenden Wochen steht eine ganze Reihe von wichtigen Entscheidungen an, die für die Zukunft der Europäischen Währungsunion prägend sein könnten: Am 12. September das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu ESM und Fiskalpakt; schon Anfang September reist die Troika wieder nach Athen, um die wirtschaftliche Situation zu bewerten und die Fortschritte bei der Umsetzung des griechischen Sparprogramms zu überprüfen; Spanien dürfte wohl in Kürze einen offiziellen Antrag auf direkte Unterstützung durch den EFSF bzw. ESM stellen – über das bereits zugesagte Hilfspaket von 100 Mrd. Euro für die spanischen Banken hinaus; und schließlich wird sich die Europäische Zentralbank bereits am 06. September erneut mit den in Aussicht gestellten neuen Stützungsmaßnahmen (Ankauf von kurzlaufenden Staatsanleihen in größerem Umfang durch die EZB) für Länder, die einen Hilfsantrag gestellt haben, befassen und detaillierte Pläne vorstellen. Jedes dieser Ereignisse hat das Potential, die Diskussion über die Zukunft und den Fortbestand der Währungsunion noch weiter…

Immobilien: Preisblase in Deutschland?

Die Diskussion über steigende Preise für Häuser und Wohnungen in Deutschland wird intensiver, oft sogar mit dem Tenor einer sich abzeichnenden Immobilienpreisblase. Als „Beweis“ werden die zum Teil zweistelligen Preissteigerungsraten in Großstädten wie Berlin und Hamburg oder fünfstellige Quadratmeterpreise in den besten Lagen der bayerischen Landeshauptstadt angeführt. Auch wenn sich diese dynamischen Entwicklungen lokaler Teilmärkte sicherlich gut als anschauliche Beispiele eignen, eine landesweite Preisblase lässt sich daraus schwerlich ableiten. So steigen die Preise vielerorts deutlich langsamer; in eher ländlichen Regionen, nicht nur im Osten Deutschlands, reicht die abwanderungsbedingt geringere Nachfrage zuweilen nicht einmal, um das Preisniveau stabil zu halten. Bundesweite Immobilienmarktdaten zeichnen daher auch ein anderes Bild. So gibt die Bundesbank eine Preissteigerung von derzeit rund fünf Prozent pro Jahr an, die aber etwas überzeichnet sein dürfte, weil sie auf den 125 Marktstädten von BulwienGesa basiert und damit den ländlichen Raum nicht berücksichtigt. Die breitflächige Erfassung von Preisdaten aus dem…

Spiel mit dem Feuer

Nachdem sich vor kurzem schon einige Politiker der Regierungskoalition in Deutschland zu einem möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum geäußert haben, kommen auch aus anderen vermeintlich stabilen Mitgliedsländern weitere düstere Stimmen. Zuletzt hat sich der finnische Außenminister zu Wort gemeldet. Er fordert die Gemeinschaft auf, „sich offen der Möglichkeit eines Auseinanderbrechens des Euro zu stellen“ und sich darauf vorzubereiten. Demnach erarbeitet Finnland einen Handlungsplan für alle Eventualitäten für ein Ende des Euro. Die Auflösung der Währungsunion würde jedoch – wie auch die Euro-Einführung vor mehr als 13 Jahren – ein Experiment darstellen, welches in dieser Dimension noch nie durchgeführt wurde. Niemand kann heute sagen, wie ein Ende des Euro aussieht und was die Folgen wären. Kehrt man zurück zu nationalen Währungen oder gibt es Währungsblöcke wie einen Nord- oder Südeuro? Einigermaßen sicher erscheint aus heutiger Sicht, dass die neuen Währungen der heutigen Problemländer in einem wie auch immer gearteten neuen…

Deutsche Konjunktur im Frühjahr solide, Ausblick aber schwächer

Die deutsche Wirtschaft bleibt nach dem kräftigen Jahresauftakt auch im zweiten Quartal auf Wachstumskurs. Allerdings hat sich die Konjunktur im Frühjahr doch merklich verlangsamt. Die heute für das zweite Vierteljahr gemeldete Wachstumsrate von 0,3% im Vergleich zum Vorquartal liegt etwas niedriger als in Q1 (+0,5%). Nach Angaben des Statistischen Bundesamts haben vor allem die Kauffreude der Verbraucher und der immer noch gute Außenhandel zum insgesamt positiven Ergebnis im Frühjahr beigetragen. Trotz der Krise in einigen europäischen Ländern haben die deutschen Unternehmen auch im abgelaufenen Quartal ihre Exporte steigern können. Die Industrieproduktion hat allerdings im Frühjahr im Vergleich zum kräftigen Jahresbeginn leicht nachgegeben. Mit Blick auf die zweite Jahreshälfte gehen wir von einer zwar weiterhin aufwärts gerichteten, aber doch gebremsten Wirtschaftsdynamik in Deutschland aus. Das schwächere internationale Umfeld macht sich auch hierzulande bemerkbar. In den vergangenen Monaten haben sich vor allem die Frühindikatoren merklich abgeschwächt. Die Auswirkungen der Euro-Krise schlagen sich…

Deutsche Konjunktur im Sommer schwächer

In den aktuellen Wirtschaftsdaten zeigen sich die Belastungen durch die Krise im Euro-Raum immer deutlicher. Nach den empfindlichen Rückgängen bei den Stimmungsindikatoren liefern nun auch schwächere, „harte“ Daten Anhaltspunkte für eine gedrosselte Konjunkturdynamik. So sind die Auftragseingänge der Industrieunternehmen im Juni deutlich zurückgefallen, auch die Produktion wurde im Vergleich zum Mai etwas nach unten gefahren. Die schwächere Nachfrage aus den Krisenländern schlägt sich auch bei den deutschen Exporten nieder, die aber andererseits noch von lebhaften Geschäften in den Märkten außerhalb der EU profitieren. Das verarbeitende Gewerbe in Deutschland ist von der Krise besonders betroffen, im zweiten Quartal 2012 gingen insgesamt rund fünf Prozent weniger Bestellungen ein als im Vorjahr. Aus den Ländern des Euro-Raums kamen zwischen April und Juni fast 13 Prozent weniger Orders, während die Kunden aus Nicht-EWU-Ländern ihre Aufträge um knapp zwei Prozent erhöhten. Im Investitionsgüterbereich ist die Nachfrage aus den EWU-Ländern sogar um mehr als 20 Prozent…

Stimmung im Sommerloch

In der deutschen Industrie hat sich das Geschäftsklima im Juli weiter verschlechtert. Gemäß vorläufiger Daten ist der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im laufenden Monat mit nur noch 43,3 Punkten sogar auf ein 3-Jahres-Tief gefallen. Im Juni stand der Index noch bei 45 Punkten, der neutrale Wert liegt indes bei 50. Damit hat sich die Stimmungseintrübung im Industriebereich in den vergangenen Wochen ungebremst fortgesetzt, die Messzahl für Deutschland liegt nun sogar unterhalb des Durchschnittswerts für das verarbeitende Gewerbe im Euro-Raum. Offenbar spüren immer mehr deutsche Industriebetriebe die negativen Auswirkungen der Krise in der Eurozone, der Optimismus, der noch in den ersten Monaten des Jahres vorherrschte, ist verflogen. Immerhin hält sich das Umfrageergebnis für den Dienstleistungssektor in Deutschland mit 49,7 Punkten noch im neutralen Bereich, und in der Bauwirtschaft laufen die Geschäfte weiterhin gut. Dennoch wächst das Risiko, dass die deutsche Konjunktur mehr und mehr unter der Krise in Südeuropa und…

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