Devisenmärkte

Harter Brexit oder doch ein Kompromiss? Schwierige Gespräche voraus

Lebt die britische Premierministerin, wie von EU-Kommissionspräsident Juncker Medienberichten zufolge unterstellt, in einer anderen Galaxie? Kann Theresa May in den Verhandlungen zu einer (frei übersetzt) „verdammt schwierigen Verhandlungspartnerin“ werden? Und wie ist das jüngste Treffen zwischen Juncker und May nun im Detail verlaufen? Die Antworten auf diese Fragen kennen wir zwar nicht. Klar ist jedoch, dass sich die Fronten mit Blick auf den anstehenden EU-Austritt Großbritanniens zuletzt verhärtet haben. In dieses Bild passt auch das Gipfeltreffen vom vergangenen Wochenende, auf dem die Vertreter der Europäischen Union ohne Großbritannien ein Signal der Geschlossenheit nach London übersandt haben. Ohne größere Diskussion wurden die eigenen Leitlinien für die anstehenden Verhandlungen mit der britischen Regierung über die Austrittsmodalitäten und eine mögliche künftige Partnerschaft einstimmig verabschiedet. Ab Anfang Juni, im Nachgang zu den Unterhauswahlen in Großbritannien, werden die entsprechenden Gespräche beginnen. Spätestens im Herbst 2018 sollen sie abgeschlossen sein, um den notwendigen Ratifizierungsprozess rechtzeitig bis…

CNB gibt die Krone frei: Aufwärtspotenzial moderat

Heute hat die tschechische Notenbank (CNB) die seit November 2013 bestehende Wechselkursuntergrenze in Euro-Krone aufgehoben. Gänzlich überraschend dürfte dieser Schritt für die Marktteilnehmer nicht gekommen sein, hat die Zentralbank doch das Ende dieser einseitigen Wechselkursbindung bereits seit Längerem für das zweite Quartal in Aussicht gestellt. Dass sich die Marktreaktionen in vergleichsweise engen Grenzen gehalten haben – Euro-Krone schwankte unmittelbar nach dieser Bekanntgabe nur um rund +0,6% bzw. -1,3% um die Marke von 27,00 CZK – dürfte in erster Linie auf das beherzte Eingreifen der CNB zurückzuführen sein. Wenngleich sie kein konkretes Wechselkursniveau anstrebt, hat sie doch bereits im Vorfeld dieses Schrittes zuletzt immer wieder betont, übermäßigen Kursbewegungen im Nachgang der Freigabe der Krone entschieden entgegenzutreten. Als Gründe für die Aufgabe der Wechselkursuntergrenze zum jetzigen Zeitpunkt nannte die tschechische Notenbank die solide fundamentale Entwicklung des Landes. In diesem Zusammenhang hob sie nicht nur die seit der Einführung der Wechselkursuntergrenze Ende 2013…

Ein Gedankenspiel: Protektionismus „light“ als Wachstumsstütze für die USA

Der wesentliche Wachstumsträger in den Vereinigten Staaten ist seit jeher die Binnennachfrage. In den vergangenen Jahren hat sich das Bevölkerungswachstum allerdings sichtbar verlangsamt. Damit ist auch der zukünftig mögliche positive Impuls vom natürlichen Wachstum kleiner geworden. Um weiterhin kräftiges Wirtschaftswachstum zu generieren, wie es ja die Pläne des neuen Präsidenten vorsehen, wäre deshalb ein positiver Beitrag vom Außenhandel hilfreich. In den vergangenen 20 Jahren bremste der Außenhandel jedoch in der Regel das Wachstum der US-Wirtschaft. Und dies, obwohl die Exporte in Länder, mit denen ein Freihandelsabkommen besteht, in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen sind. Der deutlich stärkere Impuls durch das Inkrafttreten der Handelsabkommen wurde nämlich auf der Importseite sichtbar. Letztendlich ist durch diese Entwicklung in den 90er Jahren das große Defizit im US-Außenhandel manifestiert worden. In dieser Zeit ist die Importquote, die das Verhältnis der Importe zum Bruttoinlandsprodukt abbildet, sichtbar von 10 auf 14 Prozent angestiegen und lag auch…

Devisenmärkte von globalen Renationalisierungstendenzen unbeeindruckt – noch!

Ein US-Präsident, dessen Wahlkampf auf nationalistischen Slogans beruhte, der EU-Austritt Großbritanniens, hohe Beliebtheitswerte rechtspopulistischer Parteien und deren Vertreter in Frankreich, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und zum Teil auch in Deutschland – der Nationalismus hat derzeit weltweit Hochkonjunktur. An den Devisenmärkten hat das bislang noch keine großen, nachhaltigen Spuren hinterlassen. Vielmehr bewegt sich die Volatilität als Maß für die vorhandene Unsicherheit auf einem historisch unauffälligen Niveau. Auch Trends, die sich auf zunehmend nationalistische Tendenzen zurückführen ließen, sind nicht zu beobachten. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Entwicklung an den Devisenmärkten vorrangig von der Ausrichtung der Zentralbanken in den jeweiligen Währungsräumen dominiert wird. Die politische Gemengelage und die nationalistischen Tendenzen sind demnach vorrangig dann für die Wechselkursentwicklung von Bedeutung, wenn sie die Geldpolitik beeinflussen. Eine direkte Einflussnahme könnte beispielsweise über Stellenbesetzungen im Entscheidungsgremium der Notenbank oder eine Änderung des geldpolitischen Mandats erfolgen. Indirekt würden Maßnahmen wirken, die für die fundamentalen…

Weg zum Referendum über Verfassungsreform in der Türkei frei

Die Türkische Lira hat einen äußerst schwachen Start in das Jahr 2017 hingelegt und verzeichnete mit einem Minus von gut 9% gegenüber dem Euro unter allen weltweit etablierten Währungen die deutlichsten Kursverluste. Sowohl gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung als auch gegenüber dem US-Dollar bewegt sich die Lira momentan auf historischen Tiefstständen. Die Aussicht auf eine restriktiver agierende US-Zentralbank hat der türkischen Landeswährung zwar nicht gerade geholfen. Getrieben ist die aktuelle Schwäche jedoch vor allem von inländischen Faktoren. So geht nicht nur Präsident Erdogan seit dem Putschversuch im vergangenen Sommer mit harter Hand gegen seine politischen Gegner vor. Die Maßnahmen der Staatsführung, die damit einhergehende Unsicherheit sowie immer wieder aufflammende Konflikte mit radikalen Gruppierungen im Inland haben mittlerweile auch greifbare Spuren in der wirtschaftlichen Situation und im Konjunkturausblick hinterlassen. Hinzu kommt eine Zentralbank, die sich bislang nur zögerlich gegen einen steigenden Preisdruck und die Schwäche der Landeswährung zur Wehr setzt. Präsident Erdogan…

Britisches Parlament darf mitreden

Für Premierministerin Theresa May und ihre Gefolgsleute dürfte das jüngste Urteil des Supreme Court nicht überraschend gekommen sein. Das Oberste Gericht folgt in seinem Urteil mit acht zu drei Stimmen der Argumentation der Gegenseite und hält es für angebracht, dass die Regierung die Zustimmung des Parlaments einholt, bevor der offizielle Antrag auf Austritt aus der Europäischen Union nach Brüssel übersandt wird. Der Rückzug aus der EU bedeute eine fundamentale Veränderung der Rechtsgrundlage, die vom Parlament autorisiert werden müsse, befanden die Richter. Erleichtert dürfte die Premierministerin hingegen den zweiten Teil des Urteils aufgenommen haben. So erhalten die Regionalparlamente in dieser Frage kein Mitspracherecht. Die britische Regierung hatte sich auf diesen Ausgang zwar eingestellt und eine Gesetzesvorlage vorbereitet. Die nächsten Wochen sollten für Theresa May dennoch alles andere als einfach werden. Die Opposition dürfte versuchen, den Gesetzgebungsprozess zu nutzen, um eigene Vorstellungen im Gesetz bzw. entsprechenden Zusätzen unterzubringen. So hat die Labour…

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