Devisenmärkte

Die Zollschraube dreht sich munter weiter

Die USA dreht munter weiter an der Zollschraube und bringt damit zusehends das weltweite Wachstumsmodell einer arbeitsteiligen Wirtschaft in Gefahr. Die US Wirtschaft dürfte hiervon zunächst am wenigsten betroffen sein. Deutschland und Europa dürften dagegen am stärksten die Folgen dieser Handelspolitik spüren. Anbei die Faktenlage in ein paar Grafiken dargestellt.      

SNB hakt Kapitel „EUR-CHF-Wechselkursuntergrenze“ ab

Drei Jahre, drei Monate und vier Tage nachdem die Schweizerische Nationalbank ihre Untergrenze in Euro-Franken aufgegeben hat, ist es passiert. Erstmals seit dem 15. Januar 2015 ist das Währungspaar gestern Abend wieder über die Marke von 1,2000 CHF geklettert. Selbst die für ihre Zurückhaltung bekannten Schweizer dürften dieses Ereignis mit einer gewissen Euphorie aufgenommen haben, können sie doch damit das schwierige und umstrittene Kapitel „Wechselkursuntergrenze“ als endgültig abgehakt ansehen. Interessanterweise waren es vorrangig Faktoren außerhalb der Schweiz, die zu der Euro-Franken-Bewegung seit dem zweiten Quartal 2017 beigetragen haben. (Zur Erinnerung: vor rund einem Jahr lag das Währungspaar noch bei Kursen um 1,0650 CHF.) Insbesondere der mit dem Sieg von Emmanuel Macron aus EWU-Sicht erfreuliche Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen und die Aussicht auf ein Ende der ultra-expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gaben dem Euro gegenüber dem Franken Auftrieb. Auslöser des jüngsten Anstiegs des Währungspaares dürften hingegen die von den USA erlassenen…

US(D)-Politik auf Irrwegen

Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin sorgte am Mittwoch für größere Marktturbulenzen, als er verkündete, dass ein „schwächerer Dollar“ positiv für den US-Exportsektor wäre. Dabei war es sicherlich nicht der Inhalt seines Statements an sich, der die Märkte überraschte (dass eine schwächere Währung den Export tendenziell beflügelt, ist schließlich unbestreitbar), sondern die Tatsache, dass sich ein hochrangiges Mitglied der US-Regierung überhaupt zum Außenwert des Dollars äußert. Der Markt reagierte prompt und wenngleich sich der Dollar heute wieder in besserer Verfassung präsentiert, ist die Verunsicherung über die offizielle Dollar-Politik der Trump-Administration groß. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass die Politik des starken Dollars in Frage gestellt wird. Eingeführt wurde sie im Jahr 1995 von dem damaligen Finanzminister Robert Rubin und wurde seither von all seinen Nachfolgern weitergetragen, wenngleich nicht immer mit derselben Überzeugung. Tatsächlich lässt sich die Einstellung der US-Regierung gegenüber dem US-Dollar bestenfalls als „ambivalent“ bezeichnen. Zwar haben alle…

Einkaufsmanagerindex im Euro-Raum: Die Wachstumsparty kann auch 2018 weitergehen

Der Jahreswechsel 2017/2018 hat der ausgesprochen optimistischen Stimmungslage im Euro-Raum nichts anhaben können. Die Vorabveröffentlichung der Ergebnisse der Einkaufsmanagerbefragung in der EWU zeigt weiterhin ein sehr optimistisches Stimmungsbild. Ein leichter Rückgang des Index für das Verarbeitenden Gewerbe wurde durch bessere Ergebnisse bei den Dienstleistern ausgeglichen. Der Composite-Index, der die Einschätzungen aus beiden Bereichen komprimiert stieg deshalb von 58,1 auf 58,6 Punkte. Das ist der höchste Wert seit 139 Monaten! Insgesamt deuten die Bewertungen der Auftragseingänge, der Beschäftigungsabsichten und der Auftragspolster weiter auf Wachstum hin. Dieses könnte jedoch im laufenden Jahr von einer kräftigeren Inflationsentwicklung begleitet werden, denn die Einkaufsmanager berichteten von deutlich gestiegen Preisen auf der Einkaufsseite, die laut Umfrage zu der stärksten Anhebung der Verkaufspreise seit 2011 geführt haben. Die Länderangaben von IHS Markit zeigen, dass die Composite-Indikatoren in Deutschland und Frankreich auf hohem Niveau sich nur wenig bewegten. Demnach dürfte es im Rest des Euro-Raums nochmal ein Stück…

Richter entscheiden Wahl in Brasilien

„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Ganz so schicksalsergeben werden sich Ex-Präsident Lula und seine Anwälte der Verhandlung eines Berufungsgerichts in Porto Allegre am Mittwoch wohl nicht stellen. Nachdem im Juli letzten Jahres der in den Umfragen zur Präsidentschaftswahl im Oktober deutlich führende Lula zu einer Freiheitsstrafe von 9½ Jahren wegen Korruption und Geldwäsche verurteilt wurde, könnten die drei Berufungsrichter ihn mit einem Freispruch aller Sorgen entledigen und den erneuten Weg in den Präsidentenpalast ebnen. Mit einem solchen Ausgang wird in Finanzmarktkreisen allerdings nicht gerechnet, so dass hier das Überraschungspotenzial umso größer ist. Lula hatte bereits angedeutet einige der Reformen der aktuellen Regierung rückgängig machen zu wollen, so dass der Real verschnupft auf eine solche Entscheidung reagieren dürfte. Aber auch bei einer Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils sind die Ambitionen Lulas noch nicht begraben. Aus dem Lager von Lula wurde bereits angedeutet, den weiteren Instanzenweg zu…

Euro im Höhenrausch – zu viel, zu früh!

Halb zog sie ihn, halb sank er hin“, so hieß es schon bei Goethe. Das lässt sich vortrefflich auch zur aktuellen EUR-USD-Bewegung sagen, die eine Mischung aus EZB-inspirierter Euro-Stärke und einer sich aus mehreren Quellen nährenden USD-Schwäche ist. Auffälligstes Symptom der gegenwärtigen Stimmungslage ist der Kursanstieg im EUR-USD-Kassakurs, der uns jüngst ein Drei-Jahreshoch beschert hat. Doch auch andere Kennziffern sprechen Bände: Die spekulative Marktpositionierung zeigt einen Anstieg des EUR-Long-Überhangs auf ein neues Rekordhoch. Auch die Risk Reversals am Optionsmarkt signalisieren, dass der Markt mehrheitlich auf eine weitere (leichte) Euro-Aufwertung setzt. Ganz ohne Frage: wir gönnen dem Euro seinen Erfolg und trauen ihm bis Ende 2018 auch noch Einiges zu. Dennoch halten wir die aktuelle Bewegung für „zu viel, zu früh“. Mindestens zwei Ereignisrisiken könnten dem Euro schon in Kürze einen bösen Kater Rausch bescheren: ein nicht gänzlich auszuschließender Rückschlag bei den deutschen Regierungsverhandlungen (z.B. ein GroKo-Nein beim SPD-Parteitag) oder ein…

1 2 53