Devisenmärkte

Politische Spannungen lassen Lira weiter einbrechen

Das Währungspaar Dollar-Lira ist gestern Abend erstmals überhaupt über die Marke von 5,00 TRY geklettert – Tendenz heute Morgen weiter steigend. Auch gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung verzeichnet die Lira aktuell neue Rekordtiefs. Seit Jahresbeginn hat die Landeswährung über 22% gegenüber dem Euro verloren, verglichen mit dem Greenback waren es sogar fast 25%. Unter den nennenswerten Währungen weltweit schnitt nur der argentinische Peso schlechter ab. Zentral für die Schwäche der Landeswährung ist zwar weiterhin der Mangel an Entschlossenheit auf Seiten der türkischen Zentralbank und die damit einhergehenden, berechtigten Zweifel an der politischen Unabhängigkeit der Währungshüter. Ausschlaggebend für den jüngsten Kurseinbruch war jedoch die Eskalation der zwischen der Türkei und den USA vorherrschenden diplomatischen Differenzen. Die US-Administration fordert die sofortige Freilassung des seit Monaten festgehaltenen US-Pastors Brunson und hat gestern Sanktionen gegen zwei türkische Minister erlassen, die bei dessen Festsetzung eine führende Rolle gespielt haben sollen. Die Türkei hat die US-Strafmaßnahmen als…

Handelsstreitigkeiten: Sicherer Hafen vs. Ökonomie

Die Reaktion, die an den Devisenmärkten bei einer Verschärfung der handelspolitischen Auseinandersetzung zwischen den beiden wirtschaftlichen Großmächten zu beobachten war, folgte in den vergangenen Monaten einem bekannten Muster. Die als Sichere Häfen geltenden Währungen US-Dollar, Japanischer Yen und Schweizer Franken konnten zulegen, Schwellenländerwährungen gerieten überwiegend unter Abgabedruck. Seit Mitte Juli gibt es jedoch Zweifel daran, dass dieses Muster auch in Zukunft uneingeschränkt gelten muss, zumindest mit Blick auf den Franken und den Yen. Eine Zunahme der politischen Unsicherheit im Euroraum lässt den Franken gegenüber der Gemeinschaftswährung aufwerten. Dies haben jüngst die Irrungen und Wirrungen um die Bildung einer neuen Regierung in Italien einmal mehr vor Augen geführt. Spätestens seit vorletzter Woche ist klar, dass dieses „Gesetz“ für eine Eskalation der Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China nicht zwingend gelten muss. So hat die US-Administration zuletzt Vorbereitungen für neue, umfangreiche Zölle auf Importe aus der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft öffentlich gemacht und…

Die Zollschraube dreht sich munter weiter

Die USA dreht munter weiter an der Zollschraube und bringt damit zusehends das weltweite Wachstumsmodell einer arbeitsteiligen Wirtschaft in Gefahr. Die US Wirtschaft dürfte hiervon zunächst am wenigsten betroffen sein. Deutschland und Europa dürften dagegen am stärksten die Folgen dieser Handelspolitik spüren. Anbei die Faktenlage in ein paar Grafiken dargestellt.      

SNB hakt Kapitel „EUR-CHF-Wechselkursuntergrenze“ ab

Drei Jahre, drei Monate und vier Tage nachdem die Schweizerische Nationalbank ihre Untergrenze in Euro-Franken aufgegeben hat, ist es passiert. Erstmals seit dem 15. Januar 2015 ist das Währungspaar gestern Abend wieder über die Marke von 1,2000 CHF geklettert. Selbst die für ihre Zurückhaltung bekannten Schweizer dürften dieses Ereignis mit einer gewissen Euphorie aufgenommen haben, können sie doch damit das schwierige und umstrittene Kapitel „Wechselkursuntergrenze“ als endgültig abgehakt ansehen. Interessanterweise waren es vorrangig Faktoren außerhalb der Schweiz, die zu der Euro-Franken-Bewegung seit dem zweiten Quartal 2017 beigetragen haben. (Zur Erinnerung: vor rund einem Jahr lag das Währungspaar noch bei Kursen um 1,0650 CHF.) Insbesondere der mit dem Sieg von Emmanuel Macron aus EWU-Sicht erfreuliche Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen und die Aussicht auf ein Ende der ultra-expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gaben dem Euro gegenüber dem Franken Auftrieb. Auslöser des jüngsten Anstiegs des Währungspaares dürften hingegen die von den USA erlassenen…

US(D)-Politik auf Irrwegen

Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin sorgte am Mittwoch für größere Marktturbulenzen, als er verkündete, dass ein „schwächerer Dollar“ positiv für den US-Exportsektor wäre. Dabei war es sicherlich nicht der Inhalt seines Statements an sich, der die Märkte überraschte (dass eine schwächere Währung den Export tendenziell beflügelt, ist schließlich unbestreitbar), sondern die Tatsache, dass sich ein hochrangiges Mitglied der US-Regierung überhaupt zum Außenwert des Dollars äußert. Der Markt reagierte prompt und wenngleich sich der Dollar heute wieder in besserer Verfassung präsentiert, ist die Verunsicherung über die offizielle Dollar-Politik der Trump-Administration groß. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass die Politik des starken Dollars in Frage gestellt wird. Eingeführt wurde sie im Jahr 1995 von dem damaligen Finanzminister Robert Rubin und wurde seither von all seinen Nachfolgern weitergetragen, wenngleich nicht immer mit derselben Überzeugung. Tatsächlich lässt sich die Einstellung der US-Regierung gegenüber dem US-Dollar bestenfalls als „ambivalent“ bezeichnen. Zwar haben alle…

Einkaufsmanagerindex im Euro-Raum: Die Wachstumsparty kann auch 2018 weitergehen

Der Jahreswechsel 2017/2018 hat der ausgesprochen optimistischen Stimmungslage im Euro-Raum nichts anhaben können. Die Vorabveröffentlichung der Ergebnisse der Einkaufsmanagerbefragung in der EWU zeigt weiterhin ein sehr optimistisches Stimmungsbild. Ein leichter Rückgang des Index für das Verarbeitenden Gewerbe wurde durch bessere Ergebnisse bei den Dienstleistern ausgeglichen. Der Composite-Index, der die Einschätzungen aus beiden Bereichen komprimiert stieg deshalb von 58,1 auf 58,6 Punkte. Das ist der höchste Wert seit 139 Monaten! Insgesamt deuten die Bewertungen der Auftragseingänge, der Beschäftigungsabsichten und der Auftragspolster weiter auf Wachstum hin. Dieses könnte jedoch im laufenden Jahr von einer kräftigeren Inflationsentwicklung begleitet werden, denn die Einkaufsmanager berichteten von deutlich gestiegen Preisen auf der Einkaufsseite, die laut Umfrage zu der stärksten Anhebung der Verkaufspreise seit 2011 geführt haben. Die Länderangaben von IHS Markit zeigen, dass die Composite-Indikatoren in Deutschland und Frankreich auf hohem Niveau sich nur wenig bewegten. Demnach dürfte es im Rest des Euro-Raums nochmal ein Stück…

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