Devisenmärkte

US(D)-Politik auf Irrwegen

Der amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin sorgte am Mittwoch für größere Marktturbulenzen, als er verkündete, dass ein „schwächerer Dollar“ positiv für den US-Exportsektor wäre. Dabei war es sicherlich nicht der Inhalt seines Statements an sich, der die Märkte überraschte (dass eine schwächere Währung den Export tendenziell beflügelt, ist schließlich unbestreitbar), sondern die Tatsache, dass sich ein hochrangiges Mitglied der US-Regierung überhaupt zum Außenwert des Dollars äußert. Der Markt reagierte prompt und wenngleich sich der Dollar heute wieder in besserer Verfassung präsentiert, ist die Verunsicherung über die offizielle Dollar-Politik der Trump-Administration groß. Dabei ist es nicht das erste Mal, dass die Politik des starken Dollars in Frage gestellt wird. Eingeführt wurde sie im Jahr 1995 von dem damaligen Finanzminister Robert Rubin und wurde seither von all seinen Nachfolgern weitergetragen, wenngleich nicht immer mit derselben Überzeugung. Tatsächlich lässt sich die Einstellung der US-Regierung gegenüber dem US-Dollar bestenfalls als „ambivalent“ bezeichnen. Zwar haben alle…

Einkaufsmanagerindex im Euro-Raum: Die Wachstumsparty kann auch 2018 weitergehen

Der Jahreswechsel 2017/2018 hat der ausgesprochen optimistischen Stimmungslage im Euro-Raum nichts anhaben können. Die Vorabveröffentlichung der Ergebnisse der Einkaufsmanagerbefragung in der EWU zeigt weiterhin ein sehr optimistisches Stimmungsbild. Ein leichter Rückgang des Index für das Verarbeitenden Gewerbe wurde durch bessere Ergebnisse bei den Dienstleistern ausgeglichen. Der Composite-Index, der die Einschätzungen aus beiden Bereichen komprimiert stieg deshalb von 58,1 auf 58,6 Punkte. Das ist der höchste Wert seit 139 Monaten! Insgesamt deuten die Bewertungen der Auftragseingänge, der Beschäftigungsabsichten und der Auftragspolster weiter auf Wachstum hin. Dieses könnte jedoch im laufenden Jahr von einer kräftigeren Inflationsentwicklung begleitet werden, denn die Einkaufsmanager berichteten von deutlich gestiegen Preisen auf der Einkaufsseite, die laut Umfrage zu der stärksten Anhebung der Verkaufspreise seit 2011 geführt haben. Die Länderangaben von IHS Markit zeigen, dass die Composite-Indikatoren in Deutschland und Frankreich auf hohem Niveau sich nur wenig bewegten. Demnach dürfte es im Rest des Euro-Raums nochmal ein Stück…

Richter entscheiden Wahl in Brasilien

„Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand.“ Ganz so schicksalsergeben werden sich Ex-Präsident Lula und seine Anwälte der Verhandlung eines Berufungsgerichts in Porto Allegre am Mittwoch wohl nicht stellen. Nachdem im Juli letzten Jahres der in den Umfragen zur Präsidentschaftswahl im Oktober deutlich führende Lula zu einer Freiheitsstrafe von 9½ Jahren wegen Korruption und Geldwäsche verurteilt wurde, könnten die drei Berufungsrichter ihn mit einem Freispruch aller Sorgen entledigen und den erneuten Weg in den Präsidentenpalast ebnen. Mit einem solchen Ausgang wird in Finanzmarktkreisen allerdings nicht gerechnet, so dass hier das Überraschungspotenzial umso größer ist. Lula hatte bereits angedeutet einige der Reformen der aktuellen Regierung rückgängig machen zu wollen, so dass der Real verschnupft auf eine solche Entscheidung reagieren dürfte. Aber auch bei einer Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils sind die Ambitionen Lulas noch nicht begraben. Aus dem Lager von Lula wurde bereits angedeutet, den weiteren Instanzenweg zu…

Euro im Höhenrausch – zu viel, zu früh!

Halb zog sie ihn, halb sank er hin“, so hieß es schon bei Goethe. Das lässt sich vortrefflich auch zur aktuellen EUR-USD-Bewegung sagen, die eine Mischung aus EZB-inspirierter Euro-Stärke und einer sich aus mehreren Quellen nährenden USD-Schwäche ist. Auffälligstes Symptom der gegenwärtigen Stimmungslage ist der Kursanstieg im EUR-USD-Kassakurs, der uns jüngst ein Drei-Jahreshoch beschert hat. Doch auch andere Kennziffern sprechen Bände: Die spekulative Marktpositionierung zeigt einen Anstieg des EUR-Long-Überhangs auf ein neues Rekordhoch. Auch die Risk Reversals am Optionsmarkt signalisieren, dass der Markt mehrheitlich auf eine weitere (leichte) Euro-Aufwertung setzt. Ganz ohne Frage: wir gönnen dem Euro seinen Erfolg und trauen ihm bis Ende 2018 auch noch Einiges zu. Dennoch halten wir die aktuelle Bewegung für „zu viel, zu früh“. Mindestens zwei Ereignisrisiken könnten dem Euro schon in Kürze einen bösen Kater Rausch bescheren: ein nicht gänzlich auszuschließender Rückschlag bei den deutschen Regierungsverhandlungen (z.B. ein GroKo-Nein beim SPD-Parteitag) oder ein…

Diskussion um neues Brexit-Referendum – eine zweite Chance?

Die Briten sind weiterhin auf der Suche nach einer einheitlichen, belastbaren Verhandlungsposition. Mehr als Floskeln, von wegen „fantasievoll und erfinderisch auf eine maßgeschneiderte Lösung hinarbeiten“ oder „CETA Plus Plus Plus“, sind nicht zu vernehmen. Darunter mischen sich Vorwürfe, wonach die Europäische Union doch bitte Vorschläge zum künftigen Verhältnis mit Großbritannien machen solle, und unverhohlene Kritik. Nach Ansicht des eigentlich als europafreundlich eingestuften Finanzministers Hammond ist die EU ein „schlecht geführter Club“ mit dem Hang zur Paranoia. Und um das britische Wirrwarr komplett zu machen, hat in den vergangenen Tagen auch noch die Diskussion über ein zweites Referendum über den EU-Austritt Fahrt aufgenommen. Jüngster Auslöser waren Äußerungen von Nigel Farage, dem ehemaligen Chef der britischen Unabhängigkeitspartei UKIP und leidenschaftlichen Brexit-Befürworter. Seiner Einschätzung zufolge könne eine neue Volksbefragung sinnvoll sein, um dem Jammern, Heulen und Klagen EU-freundlicher Kräfte ein Ende zu bereiten und einen weichen Austritt aus der Union zu unterbinden. Farage…

Entwarnung bei Chinas Reserven

Sorgen um eine harte Landung bei Chinas Wirtschaft, Angst vor einem kapitalfluchtbedingt kollabierenden Wechselkurs und im Zuge dessen Befürchtungen eines Ausverkaufs bei den Währungsreserven – das waren die Zutaten, die noch vor Jahresfrist so manchen China-Ausblick geprägt hatten. Wir hatten uns glücklicherweise schon immer etwas bedeckter gegeben und insbesondere die Reserveentwicklung entspannter betrachtet. Die Kombination aus Konjunkturstabilisierung, globaler USD-Schwäche, Kapitalverkehrskontrollen und anderen Drohgebärden der chinesischen Offiziellen in Richtung Finanzmärkte hat den Abbau der Reserven nicht nur zum Stillstand gebracht, sondern inzwischen sogar zu einer überzeugenden Trendwende geführt. Seit ihrem historischen Hoch im Juli 2014 (bei knapp 4.000 Mrd. USD) waren Chinas Währungsreserven bis Anfang 2017 um fast 1.000 Mrd. USD gefallen. Im letzten Januar wurde sogar temporär die psychologische Schwelle von 3.000 Mrd. USD unterschritten, was hitzige Diskussionen darüber ausgelöst hatte, wie lange Chinas Reserven noch ausreichen würden. Das abgelaufene Jahr 2017 war in dieser Hinsicht ein weitaus erfolgreicheres für…

1 2 53