Devisenmärkte

Währungskrieg – Ausdruck der geldpolitischen Ausweglosigkeit

Die Hemmungen für eine politische Beeinflussung der Geldpolitik sind offenbar nicht nur in Ländern mit entsprechend schlechtem Ruf gefallen. Der Schritt zur nächsten Grenzübertretung liegt nahe: die Aktivierung der Währungspolitik; nicht mehr nur unterschwellig durch den politischen Versuch, die Geldpolitik von der Notwendigkeit einer noch stärkeren Expansion zu überzeugen, sondern durch eine gezielte Abwertungspolitik der heimischen Währung. Nicht umsonst überschlagen sich seit einigen Monaten nicht nur die Zinssenkungsspekulationen. Auch die leidliche Debatte über einen globalen Währungskrieg nimmt wieder an Fahrt auf. Auch wenn die Diskussion vertraut klingen mag, hat sie aktuell eine neue Komponente. Die Finanzmärkte erkennen die Grenzen der klassischen Geldpolitik und die (gefühlte) Ausweglosigkeit der Notenbanken inzwischen so sehr an, dass sie sogar Spekulationen über Devisenmarktinterventionen Raum geben. Und dies nicht nur bei den üblichen Verdächtigen (China, Schweiz), sondern erstmals seit weit über zwei Jahrzehnten auch wieder in den USA. Ebenso bereitwillig unterstellt man den anderen Währungsoffiziellen weltweit,…

Treibt Erdogan die Türkei in die nächste Krise?

Präsident Erdogan hat in den letzten Tagen demonstriert, dass er immer wieder für eine negative Überraschung gut ist. Mit der unerwarteten Entlassung des Zentralbankvorsitzenden Cetinkaya und der Ankündigung, die Notenbank vollständig umzubauen, hat das Staatsoberhaupt verdeutlicht, dass er künftig die Geldpolitik als Teil seiner Wirtschaftspolitik ansieht. Und als ob der Frontalangriff auf die Zentralbankunabhängigkeit nicht schon schlimm genug wäre, spitzt sich der diplomatische Konflikt mit den USA um den Kauf eines russischen Luftabwehrsystems weiter zu. Unabhängigkeit der Notenbank in Gefahr, politische Querelen zwischen Ankara und Washington – die Parallelen zu den Treibern der Lira-Krise des vergangenen Jahres sind offensichtlich. Dennoch bleibt die Reaktion an den Finanzmärkten bislang sehr verhalten. Klare Anzeichen für eine vorhandene oder zu erwartende Krise der Türkei sind nicht auszumachen. Dass sich dieses Bild rasch drehen kann, liegt vor allem an der kurzfristig fälligen Auslandsverschuldung der türkischen Volkswirtschaft. Diese beläuft sich derzeit auf rund 120 Mrd. USD…

Erneute Niederlage in Istanbul erhöht Druck auf Erdogan

Der neue Bürgermeister von Istanbul heißt Ekrem Imamoglu – dieses Mal wirklich. Gegenkandidat Yildirim von der AKP hat seine Niederlage bereits eingeräumt, Präsident Erdogan gratulierte Imamoglu zu seinem Erfolg. Für die AKP und vor allem für das Staatsoberhaupt ist der Verlust der Wirtschaftsmetropole an die Opposition ein Problem. Kein geringerer als Erdogan persönlich soll einmal gesagt haben: „Wer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei“. Hiervon ist Imamoglu zwar sicherlich noch weit entfernt, allerdings verliert die AKP mit der größten Stadt des Landes eine wichtige Geldquelle, um Günstlinge und solche, die es werden sollen, mit lukrativen Posten und Verträgen zu versorgen. Hinzu kommt, dass die AKP in keiner der drei größten Städte des Landes die Zügel in der Hand hält. Auch wenn viele Beobachter den Sieg Imamoglus – durchaus zu Recht – für einen Sieg der Demokratie in der Türkei halten, sollte sich die Opposition nicht zu sehr auf der Siegerstraße wähnen….

Türkische Lira in schwierigem Fahrwasser

Die Türkische Lira war in diesem Jahr bislang nicht erfolgreich – im Gegenteil. Gut 10% hat die Landeswährung seit Jahresanfang gegenüber dem Euro an Wert verloren. Die Liste der Belastungsfaktoren ist dabei alles andere als kurz. Globale Entwicklungen spielen zwar eine Rolle. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größten Herausforderungen für die Lira im eigenen Land liegen, die Widrigkeiten ähnlich wie im vergangen Sommer folglich „hausgemacht“ sind. Vor dem Hintergrund der annullierten Kommunalwahl in Istanbul haben die Sorgen der Investoren zugenommen, dass sich die Türkei unter Erdogan (noch) weiter von demokratischen Grundsätzen verabschiedet. Gerade diese Befürchtungen sind es, die der Reputation der Zentralbank zusetzen. Hinzu kommt das angespannte diplomatische Verhältnis zu den USA. Washington droht dem NATO-Partner mit Konsequenzen, sollte die Türkei nicht vom Kauf eines russischen Luftabwehrsystems zurücktreten. Die Türkische Lira dürfte sich den 23. Juni rot im Kalender markieren. Dann finden die Neuwahlen in Istanbul statt….

China, die USA und die „Potemkinschen Dörfer“ der FX-Stabilität

Die USA und China stehen kurz vor dem Durchbruch zu einem neuen Handelsabkommen. Das Thema „Währung“ soll angeblich eine zentrale Rolle spielen und es soll „genau definierte strukturelle Zusagen“ geben – wir sind gespannt, wie das aussehen soll. Bislang wird spekuliert, dass China verspricht, seine Eingriffe am Devisenmarkt offenzulegen. Es geht also nicht etwa um den Verzicht auf Interventionen und auch nicht um eine ex-ante-Information oder gar eine US-Erlaubnis, sondern nur darum, die Eingriffe nachträglich transparenter zu machen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass China den Yuan schon lange nicht mehr nur mit dem währungspolitischen Einsteigermodell in Form simpler Kassa-Interventionen auf den gewünschten Kurs bringt. Die Konstruktion ist deutlich komplexer und eine Mischung von Outright-, Termin- und Swap-Geschäften, Liquiditätssteuerung am Interbankenmarkt sowie einer Vielzahl anderer feiner Nadelstiche (zum Beispiel Anforderungen an die zu hinterlegenden Sicherheiten bei Fremdwährungsgeschäften der Geschäftsbanken). Ob China sich tatsächlich bereit erklärt, den USA die gesamte Bandbreite…

Stimmungsumschwung: Devisenmärkte reagieren gelassen, Rentenmärkte nicht

Der Blick der Finanzmarktteilnehmer auf das weltweite fundamentale Umfeld hat sich in den vergangenen Monaten erheblich verändert. Während die konjunkturelle Dynamik im Euroraum bereits im Jahresverlauf 2018 spürbar nachgelassen hat, trübte sich in den letzten Wochen insbesondere die Einschätzung gegenüber den Wachstumsperspektiven der US-Ökonomie sowie der Weltwirtschaft ein. Potenzielle Ursachen lassen sich ohne Weiteres identifizieren: unter anderem die Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden global bedeutendsten Wirtschaftsnationen, der längste Government Shutdown in der US-Geschichte und der ungewisse Ausgang des britischen EU-Austritts. Zahlreiche Zentralbanken haben auf das neue geldpolitische Umfeld reagiert. Zu nennen sind hierbei zum einen nach unten revidierte Wachstumsprognosen und Warnungen vor zunehmenden Risiken für den bislang vorherrschenden wirtschaftlichen Ausblick. Zum anderen haben Notenbanken wie die Federal Reserve und die Reserve Bank of Australia bislang in Aussicht gestellten Leitzinserhöhungen eine Absage erteilt und eine neutrale Position bezogen. An den Rentenmärkten haben sich die veränderten Rahmenbedingungen erheblich ausgewirkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen…

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