Devisenmärkte

Schwacher Euro-Raum setzt Euro sichtbar zu

Eigentlich hatte der Euro die jüngste Sitzung seiner Zentralbank und das damit einhergehende, expansive Maßnahmenpaket Mitte September gut überstanden. Kurzzeitig wagte die Gemeinschaftswährung in den Tagen danach sogar wieder einen Blick über die Marke von 1,1100 USD. Auch vom Treffen der US-Währungshüter in der Folgewoche ließ sich das Währungspaar nicht nachhaltig beeindrucken. Dies hat sich mittlerweile geändert. Seit gut einer Woche kennt Euro-Dollar eigentlich nur noch eine Richtung – abwärts. Dabei ließ die Gemeinschaftswährung nicht nur mühelos die Marke von 1,1000 USD hinter sich, sondern rutschte gestern zudem auch unter die Schwelle von 1,0900 USD. Mehr als eine Stabilisierung auf diesem Niveau zeichnet sich aktuell nicht ab. Während bei den politischen Unwägbarkeiten für den Euro, vor allem Italiens Schuldenberg, dem Brexit sowie dem US-chinesischen Handelsstreit, zuletzt eher Erleichterung aufkam, sorgte die EWU-Konjunkturseite für Unmut. Die Stimmungsindikatoren präsentieren sich gerade in Deutschland in anhaltend schlechter Verfassung, die bis vor einigen Wochen…

Am US-Dollar führt kein Weg vorbei

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat ihre alle drei Jahre erscheinende Statistik zu den Umsätzen am Devisenmarkt veröffentlicht, die als Nonplusultra für den weltweiten Devisenhandel gilt. Die wichtigste Erkenntnis für uns ist die überragende Dominanz des US-Dollars. Trotz der Zweifel an der Verlässlichkeit der US-Politik und des häufig unterstellten globalen Wunsches nach einem alternativen Zahlungsmittel kann die US-Währung ihre Spitzenposition am Devisenmarkt sogar noch leicht ausbauen. Weitere wesentliche Ergebnisse der Statistik sind: » Insgesamt wieder steigende Umsätze: Die täglichen Devisenumsätze lagen im April 2019 bei 6,6 Bio. US-Dollar (2016: 5,1 Bio.). Der zwischen 2013 und 2016 zu beobachtende Trend sinkender Volumina ist somit gebrochen. » US-Dollar bleibt liquideste Währung: Bei 88,3% aller Devisengeschäfte ist der US-Dollar beteiligt (2016: 87,6%). Auch der Euro kann mit 32,3% seinen zweiten Platz behaupten (31,4% im Jahr 2016); es lässt sich aber nicht leugnen, dass seine Rolle gegenüber dem vorigen Jahrzehnt strukturell abgenommen hat (2010:…

Währungskrieg – Ausdruck der geldpolitischen Ausweglosigkeit

Die Hemmungen für eine politische Beeinflussung der Geldpolitik sind offenbar nicht nur in Ländern mit entsprechend schlechtem Ruf gefallen. Der Schritt zur nächsten Grenzübertretung liegt nahe: die Aktivierung der Währungspolitik; nicht mehr nur unterschwellig durch den politischen Versuch, die Geldpolitik von der Notwendigkeit einer noch stärkeren Expansion zu überzeugen, sondern durch eine gezielte Abwertungspolitik der heimischen Währung. Nicht umsonst überschlagen sich seit einigen Monaten nicht nur die Zinssenkungsspekulationen. Auch die leidliche Debatte über einen globalen Währungskrieg nimmt wieder an Fahrt auf. Auch wenn die Diskussion vertraut klingen mag, hat sie aktuell eine neue Komponente. Die Finanzmärkte erkennen die Grenzen der klassischen Geldpolitik und die (gefühlte) Ausweglosigkeit der Notenbanken inzwischen so sehr an, dass sie sogar Spekulationen über Devisenmarktinterventionen Raum geben. Und dies nicht nur bei den üblichen Verdächtigen (China, Schweiz), sondern erstmals seit weit über zwei Jahrzehnten auch wieder in den USA. Ebenso bereitwillig unterstellt man den anderen Währungsoffiziellen weltweit,…

Treibt Erdogan die Türkei in die nächste Krise?

Präsident Erdogan hat in den letzten Tagen demonstriert, dass er immer wieder für eine negative Überraschung gut ist. Mit der unerwarteten Entlassung des Zentralbankvorsitzenden Cetinkaya und der Ankündigung, die Notenbank vollständig umzubauen, hat das Staatsoberhaupt verdeutlicht, dass er künftig die Geldpolitik als Teil seiner Wirtschaftspolitik ansieht. Und als ob der Frontalangriff auf die Zentralbankunabhängigkeit nicht schon schlimm genug wäre, spitzt sich der diplomatische Konflikt mit den USA um den Kauf eines russischen Luftabwehrsystems weiter zu. Unabhängigkeit der Notenbank in Gefahr, politische Querelen zwischen Ankara und Washington – die Parallelen zu den Treibern der Lira-Krise des vergangenen Jahres sind offensichtlich. Dennoch bleibt die Reaktion an den Finanzmärkten bislang sehr verhalten. Klare Anzeichen für eine vorhandene oder zu erwartende Krise der Türkei sind nicht auszumachen. Dass sich dieses Bild rasch drehen kann, liegt vor allem an der kurzfristig fälligen Auslandsverschuldung der türkischen Volkswirtschaft. Diese beläuft sich derzeit auf rund 120 Mrd. USD…

Erneute Niederlage in Istanbul erhöht Druck auf Erdogan

Der neue Bürgermeister von Istanbul heißt Ekrem Imamoglu – dieses Mal wirklich. Gegenkandidat Yildirim von der AKP hat seine Niederlage bereits eingeräumt, Präsident Erdogan gratulierte Imamoglu zu seinem Erfolg. Für die AKP und vor allem für das Staatsoberhaupt ist der Verlust der Wirtschaftsmetropole an die Opposition ein Problem. Kein geringerer als Erdogan persönlich soll einmal gesagt haben: „Wer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei“. Hiervon ist Imamoglu zwar sicherlich noch weit entfernt, allerdings verliert die AKP mit der größten Stadt des Landes eine wichtige Geldquelle, um Günstlinge und solche, die es werden sollen, mit lukrativen Posten und Verträgen zu versorgen. Hinzu kommt, dass die AKP in keiner der drei größten Städte des Landes die Zügel in der Hand hält. Auch wenn viele Beobachter den Sieg Imamoglus – durchaus zu Recht – für einen Sieg der Demokratie in der Türkei halten, sollte sich die Opposition nicht zu sehr auf der Siegerstraße wähnen….

Türkische Lira in schwierigem Fahrwasser

Die Türkische Lira war in diesem Jahr bislang nicht erfolgreich – im Gegenteil. Gut 10% hat die Landeswährung seit Jahresanfang gegenüber dem Euro an Wert verloren. Die Liste der Belastungsfaktoren ist dabei alles andere als kurz. Globale Entwicklungen spielen zwar eine Rolle. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die größten Herausforderungen für die Lira im eigenen Land liegen, die Widrigkeiten ähnlich wie im vergangen Sommer folglich „hausgemacht“ sind. Vor dem Hintergrund der annullierten Kommunalwahl in Istanbul haben die Sorgen der Investoren zugenommen, dass sich die Türkei unter Erdogan (noch) weiter von demokratischen Grundsätzen verabschiedet. Gerade diese Befürchtungen sind es, die der Reputation der Zentralbank zusetzen. Hinzu kommt das angespannte diplomatische Verhältnis zu den USA. Washington droht dem NATO-Partner mit Konsequenzen, sollte die Türkei nicht vom Kauf eines russischen Luftabwehrsystems zurücktreten. Die Türkische Lira dürfte sich den 23. Juni rot im Kalender markieren. Dann finden die Neuwahlen in Istanbul statt….

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