Devisenmärkte

Internationale Rolle des Euro auf dem Prüfstand

Die Entwicklung der letzten beiden Jahre war geprägt von diversen Gegenwinden, denen sich der Euro vor allem von politischer Seite ausgesetzt sah, angefangen beim EU-Austrittsvotum der Briten über die neue US-Administration bis hin zu den Herausforderungen der Wahlen in wichtigen EU-Ländern. Doch auch die strukturellen Folgen der Anleihekaufprogramme der EZB haben sich als Herausforderung für die Reputation des Euro erwiesen. Die EZB hat jüngst ihre jährliche Bestandsaufnahme für die „Internationale Rolle des Euro“ veröffentlicht und prüft die Auswirklungen besagter Entwicklungen für die Akzeptanz des Euro außerhalb des eigenen Währungsraums. Die internationale Verbreitung des Euro wird dazu an mehreren ausgewählten Funktionen einer Währung festgemacht. Lediglich als Reservewährung konnte sich der Euro auf niedrigem Niveau behaupten, in den anderen Bereichen lässt seine internationale Verbreitung im Trend nach, während der US-Dollar unbestreitbar die Weltwährung Nummer Eins bleibt. Unmissverständlich fällt das Votum in Sachen Investitionswährung für den Euro aus – oder vielmehr gegen ihn….

Bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland

In Schleswig-Holstein hat sich die neue Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP darauf geeinigt, neue soziale Absicherungsmodelle zu untersuchen, darunter auch das Grundeinkommen. Besonders die Grünen favorisieren schon länger ein bedingungsloses Grundeinkommen, das in seiner Grundidee jedem Bürger, unabhängig von seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und seinem Alter, eine feste und in der Höhe gleiche staatliche Zuwendung zukommen lässt. Der Transfer, der andere Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Rente oder Kindergeld ersetzen soll, ist dabei an keine Bedingungen oder Gegenleistungen geknüpft. Während für die einen Ziele wie Entbürokratisierung, Verschlankung und Modernisierung des Sozialstaats im Vordergrund stehen, geht es anderen vor allem um die finanzielle Freiheit durch die Grundabsicherung, die Freiraum für berufliche Selbstverwirklichung, Selbstständigkeit und Innovationen schaffen soll. Ob es nun um ein bedingungsloses Grundeinkommen oder um das von der FDP vorgeschlagene Bürgergeld geht, die Diskussion wird in den kommenden Jahren sicherlich an Intensität gewinnen. Denn mit der fortschreitenden Digitalisierung wächst die Gefahr,…

Harter Brexit oder doch ein Kompromiss? Schwierige Gespräche voraus

Lebt die britische Premierministerin, wie von EU-Kommissionspräsident Juncker Medienberichten zufolge unterstellt, in einer anderen Galaxie? Kann Theresa May in den Verhandlungen zu einer (frei übersetzt) „verdammt schwierigen Verhandlungspartnerin“ werden? Und wie ist das jüngste Treffen zwischen Juncker und May nun im Detail verlaufen? Die Antworten auf diese Fragen kennen wir zwar nicht. Klar ist jedoch, dass sich die Fronten mit Blick auf den anstehenden EU-Austritt Großbritanniens zuletzt verhärtet haben. In dieses Bild passt auch das Gipfeltreffen vom vergangenen Wochenende, auf dem die Vertreter der Europäischen Union ohne Großbritannien ein Signal der Geschlossenheit nach London übersandt haben. Ohne größere Diskussion wurden die eigenen Leitlinien für die anstehenden Verhandlungen mit der britischen Regierung über die Austrittsmodalitäten und eine mögliche künftige Partnerschaft einstimmig verabschiedet. Ab Anfang Juni, im Nachgang zu den Unterhauswahlen in Großbritannien, werden die entsprechenden Gespräche beginnen. Spätestens im Herbst 2018 sollen sie abgeschlossen sein, um den notwendigen Ratifizierungsprozess rechtzeitig bis…

CNB gibt die Krone frei: Aufwärtspotenzial moderat

Heute hat die tschechische Notenbank (CNB) die seit November 2013 bestehende Wechselkursuntergrenze in Euro-Krone aufgehoben. Gänzlich überraschend dürfte dieser Schritt für die Marktteilnehmer nicht gekommen sein, hat die Zentralbank doch das Ende dieser einseitigen Wechselkursbindung bereits seit Längerem für das zweite Quartal in Aussicht gestellt. Dass sich die Marktreaktionen in vergleichsweise engen Grenzen gehalten haben – Euro-Krone schwankte unmittelbar nach dieser Bekanntgabe nur um rund +0,6% bzw. -1,3% um die Marke von 27,00 CZK – dürfte in erster Linie auf das beherzte Eingreifen der CNB zurückzuführen sein. Wenngleich sie kein konkretes Wechselkursniveau anstrebt, hat sie doch bereits im Vorfeld dieses Schrittes zuletzt immer wieder betont, übermäßigen Kursbewegungen im Nachgang der Freigabe der Krone entschieden entgegenzutreten. Als Gründe für die Aufgabe der Wechselkursuntergrenze zum jetzigen Zeitpunkt nannte die tschechische Notenbank die solide fundamentale Entwicklung des Landes. In diesem Zusammenhang hob sie nicht nur die seit der Einführung der Wechselkursuntergrenze Ende 2013…

Ein Gedankenspiel: Protektionismus „light“ als Wachstumsstütze für die USA

Der wesentliche Wachstumsträger in den Vereinigten Staaten ist seit jeher die Binnennachfrage. In den vergangenen Jahren hat sich das Bevölkerungswachstum allerdings sichtbar verlangsamt. Damit ist auch der zukünftig mögliche positive Impuls vom natürlichen Wachstum kleiner geworden. Um weiterhin kräftiges Wirtschaftswachstum zu generieren, wie es ja die Pläne des neuen Präsidenten vorsehen, wäre deshalb ein positiver Beitrag vom Außenhandel hilfreich. In den vergangenen 20 Jahren bremste der Außenhandel jedoch in der Regel das Wachstum der US-Wirtschaft. Und dies, obwohl die Exporte in Länder, mit denen ein Freihandelsabkommen besteht, in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen sind. Der deutlich stärkere Impuls durch das Inkrafttreten der Handelsabkommen wurde nämlich auf der Importseite sichtbar. Letztendlich ist durch diese Entwicklung in den 90er Jahren das große Defizit im US-Außenhandel manifestiert worden. In dieser Zeit ist die Importquote, die das Verhältnis der Importe zum Bruttoinlandsprodukt abbildet, sichtbar von 10 auf 14 Prozent angestiegen und lag auch…

Devisenmärkte von globalen Renationalisierungstendenzen unbeeindruckt – noch!

Ein US-Präsident, dessen Wahlkampf auf nationalistischen Slogans beruhte, der EU-Austritt Großbritanniens, hohe Beliebtheitswerte rechtspopulistischer Parteien und deren Vertreter in Frankreich, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und zum Teil auch in Deutschland – der Nationalismus hat derzeit weltweit Hochkonjunktur. An den Devisenmärkten hat das bislang noch keine großen, nachhaltigen Spuren hinterlassen. Vielmehr bewegt sich die Volatilität als Maß für die vorhandene Unsicherheit auf einem historisch unauffälligen Niveau. Auch Trends, die sich auf zunehmend nationalistische Tendenzen zurückführen ließen, sind nicht zu beobachten. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass die Entwicklung an den Devisenmärkten vorrangig von der Ausrichtung der Zentralbanken in den jeweiligen Währungsräumen dominiert wird. Die politische Gemengelage und die nationalistischen Tendenzen sind demnach vorrangig dann für die Wechselkursentwicklung von Bedeutung, wenn sie die Geldpolitik beeinflussen. Eine direkte Einflussnahme könnte beispielsweise über Stellenbesetzungen im Entscheidungsgremium der Notenbank oder eine Änderung des geldpolitischen Mandats erfolgen. Indirekt würden Maßnahmen wirken, die für die fundamentalen…

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