Devisenmärkte

Brexit-Verhandlungen: Druck auf May wächst

Der EU-Gipfel im Oktober, der laut dem ursprünglichen Zeitplan den großen Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen bringen sollte, endet zwar erst am heutigen Nachmittag, aber bereits gestern Abend wurde klar, dass sich Hoffnungen auf signifikante Fortschritte zerschlagen würden. Theresa Mays 15-minütige Ansprache brachte keine neuen Erkenntnisse; stattdessen rief die Premierministerin die EU auf, kreative und innovative Ideen zu liefern. Was vor einigen Monaten oder sogar Wochen vielleicht noch als Verhandlungspoker hätte durchgehen können, ist nun bitterer Ernst. Die Zeit rennt davon, und nach wie vor ist eine konstruktive Lösung des Irland-Problems nicht in Sicht. Zankapfel bleibt die sogenannte „backstop solution“: sollten die Briten keiner Zollunion mit der EU zustimmen und keine andere „technische“ Lösung gefunden werden, würde die EU Nordirland weiterhin als Teil des Binnenmarktes behandeln. Der damit unweigerlich einhergehende Sonderstatus Nordirlands ist aber weder für die britische Regierung noch für die nordirische DUP akzeptabel. Mays jüngster Vorstoß, die Briten zumindest…

Währungsmanipulation in Theorie und Praxis

In Kürze stellt das US-Finanzministerium seinen halbjährlichen Bericht zur Währungsmanipulation vor. Darin wird geprüft, inwiefern sich die wichtigsten Handelspartner der USA durch unlautere Beeinflussung ihrer Währungen einen Vorteil verschafft haben. Dieser Bericht erfährt angesichts des aktuellen Handelsstreits eine noch höhere Aufmerksamkeit als sonst. Wenn bereits die unspezifische Angst vor einer weiteren Eskalation am letzten Mittwoch für starke Kurseinbußen an den US-Börsen gesorgt hat, welche Sprengkraft hätte dann denn wohl die ultimative Kampfansage gegen China in Sachen Währung? Präsident Trump macht keinen Hehl aus seiner Haltung gegenüber China; ginge es alleine nach ihm, wäre die offizielle Brandmarkung längst erfolgt. Allerdings liegt die Hoheit über FX-Fragen, und somit dieser Bericht, in den Händen des Finanzministeriums, das einen klar definierten, quantitativen Kriterienkatalog hat, bei dem es nicht um „gefühlte“ Benachteiligung geht, sondern um eindeutig messbare Aspekte. Geprüft wird, ob ein Land: » einen „signifikanten“ bilateralen Handelsbilanzüberschuss mit den USA hat, wobei „signifikant“ als…

Bolsonaro: nur noch ein Schritt zu Brasiliens Präsidentenamt

In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Brasilien erreichte Jair Bolsonaro 46,0% der gültigen Stimmen und verpasste damit die absolute Mehrheit. Als zweitplatzierter ging der Kandidat der Arbeiterpartei PT Haddad mit 29,3% über die Ziellinie. Beide müssen damit am 28. Oktober in einer Stichwahl um das Amt antreten. Zwar dürfte Haddad in der zweiten Runde einen großen Teil der Stimmen des drittplatzierten Gomes (12,5%) zu sich ziehen, der Rückstand zu Bolsonaro erscheint aber zu groß, als dass er noch aufgeholt werden könnte. Bei der Wahl zwischen einer harten Sicherheitspolitik mit einem eher wirtschaftsfreundlichen Kurs und einer Rückkehr der in Korruptionsskandale verstrickten PT mit ihrem Kandidaten Haddad, fiel die Wahl zugunsten Bolsonaros aus. In großen Teilen des bürgerlichen Lagers konnten damit die offen rassistischen und frauenfeindlichen Aussagen Bolsonaros sowie seine Unterstützung für die Militärdiktatur in Brasilien (1962 bis 1985) nicht abschrecken. Neben den Präsidentschaftswahlen fanden auch Wahlen für das Abgeordnetenhaus statt…

Brexit: Ein zweites Referendum als Notlösung?

Die Staats- und Regierungschefs der EU treffen sich derzeit in Salzburg und unternehmen einen erneuten Versuch, eine Einigung über den Austrittsvertag herbeizuführen. Nach wie vor gestalten sich die Verhandlungen jedoch schwierig. Vor allem die irische Grenzfrage stellt ein schier unüberwindbares Hindernis dar. Auf der Suche nach Lösungen scheint eine Mehrheit der EU-Staatsoberhäupter nun ein zweites EU-Referendums zu favorisieren. Dabei geht man offensichtlich davon aus, dass ein erneuter Volksentscheid im Sinne der EU ausfallen würde und der Brexit abgesagt werden könnte. So verlockend dies jedoch auch erscheinen mag, aus rein praktischen Gesichtspunkten dürfte es fast unmöglich sein, ein solches Referendum abzuhalten – schon gar nicht vor dem offiziellen Austritt der Briten am 29. März 2019. So kann ein Referendum nur mit Zustimmung des Parlaments abgehalten werden, wofür ein Gesetz, eine sogenannte „Referendum Bill“, verabschiedet werden muss. Die letzte „Referendum Bill“ brauchte geschlagene sieben Monate, um den dafür notwendigen und äußerst komplizierten…

Investoren weiterhin am Tropf der Geldpolitik

Potenzielle Krisenherde gibt es derzeit reichlich. Ob Italien, Trump, die Türkei, der rapide nahende Brexit oder der schwellende Handelskonflikt, Investoren müssen nicht lange suchen, um gute Gründe zu finden, sich defensiv zu verhalten. Dennoch bleibt die tatsächlich gemessene Risikoaversion am Markt niedrig. Die globalen Aktienmärkte laufen nach wie vor gut, die Bundrendite ist wieder gestiegen, während Peripherie-Spreads zuletzt reingelaufen sind und auch an den Devisenmärkten ist von erhöhter Risikoaversion nichts zu sehen. Aller Krisenherde zum Trotz scheinen die Finanzmärkte tiefenentspannt zu sein. Ausnahmen bilden sicherlich einige der Schwellenländerwährungen, die ihre Abwertung jedoch vorrangig lokalen Faktoren zu verdanken haben (die Tatsache, dass sich dies nicht deutlicher im breiteren EM-Spektrum widerspiegelt, größere Ansteckungseffekte also ausgeblieben sind, bestätigt sogar, wie gelassen der Markt derzeit ist). Sucht man nach Gründen für die Widerstandsfähigkeit des Marktes, ist zum einen das weiterhin als robust zu bezeichnende volkswirtschaftliche Umfeld zu nennen. Die USA dürften in diesem Jahr…

Türkische Zentralbank macht Schritt in die richtige Richtung

Die türkische Zentralbank hat mit ihrer jüngsten Entscheidung einen Schritt in die richtige Richtung gemacht. So hat sie den Leitzins um 6,25%-Punkte auf 24,00% angehoben. Dies ist nicht nur deutlich mehr, als Marktteilnehmer sich im Vorfeld der Notenbanksitzung ausgerechnet hatten. Das Leitzinsniveau liegt darüber hinaus – zumindest momentan – deutlich oberhalb der vorherrschenden Inflationsrate. Damit ist eine zentrale Forderung von internationalen Beobachtern an die Zentralbank, wonach sie einen eindeutig restriktiven Impuls an die türkische Wirtschaft aussenden müsse, umgesetzt worden. Wohl noch wichtiger dürfte die Einschätzung sein, dass sich die Währungshüter mit ihrem heutigen Entschluss eindeutig gegen die Ansagen des Staatspräsidenten gestellt haben. Erdogan hatte noch am Vormittag gefordert, „diese hohen Zinssätze zu reduzieren“. Die Hoffnung, dass die Zentralbank am Bosporus doch unabhängiger sein könnte, als es in den vergangenen Monaten den Anschein hatte, erfuhr vor diesem Hintergrund ungewohnten Auftrieb. Es verbleiben weiterhin große Herausforderungen für die Türkei und die Lira…

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