Devisenmärkte

Zurzeit gibt es keine sicheren Häfen

Die anhaltende Corona-Krise hat die Finanzmärkte hart getroffen. Die Aktienmärkte wurden besonders hart getroffen, und obwohl die letzten Tage ermutigend waren, befürchten wir, dass das Schlimmste noch nicht hinter uns liegt. Während die Aktienmärkte eingebrochen sind und die Kreditspreads sich ausgeweitet haben, hatten die Devisenmärkte zeitweise Schwierigkeiten, klare Richtung zu finden. Dies ist kaum überraschend: Währungen sind per Definition ein relativer Handel. Die ziemlich einfache „Sell, sell, sell“-Mentalität des Aktienmarktes lässt sich hier nicht übersetzen. Es geht darum, sowohl Gewinner als auch Verlierer zu identifizieren. Letzteres ist ziemlich einfach, Ersteres deutlich schwieriger. Selbst die traditionellen sicheren Häfen haben sich nicht so verhalten, wie wir es in einer „normalen“ Krise erwartet hätten. Während der Schweizer Franken unter einem ziemlich beständigen Aufwärtsdruck stand (dem durch die Intervention der Schweitzer Notenbank entgegengewirkt wurde), hat sich der japanische Yen und der US Dollar eher erratisch bewegt. Ähnliches gilt auch für die entsprechenden Anleihemärkte. Kurzgesagt,…

EM-Währungen bieten den geopolitischen Risiken die Stirn

Das Segment der Schwellenländer-Währungen ist der Zuspitzung des US-Iran-Konflikts mit einer auf den ersten Blick unerwarteten Resilienz begegnet. So verzeichneten doch die als risikosensitiv geltenden Währungen selbst in den Tagen, als die Ungewissheit über den weiteren Verlauf der Golf-Krise am größten war, nur leichte Kursverluste. Auffällig ist hierbei die Entwicklung des russischen Rubels, der auf breiter Front sogar moderat zulegen konnte. Ursächlich hierfür sind zum einen die zeitweise deutlich gestiegenen Ölpreise. Zum anderen dürften heimische Faktoren eine Rolle für die Sonderstellung des Rubels spielen. Denn während sich beispielsweise die türkische Lira und der südafrikanische Rand mit heimischen Problemen auseinandersetzen müssen, kann der Rubel –was die nationalen fundamentalen und politischen Vorgaben betrifft – vergleichsweise sorgenfrei agieren. Dass die Gruppe der EM-Währungen auf die zeitweise massiv zugenommenen geopolitischen Risiken besonnen reagiert hat, ist unserer Ansicht nach jedoch in erster Linie dem sich zuletzt wieder aufgehellten globalen Sentiment gegenüber Schwellenländer-Währungen geschuldet. Hierzu haben…

Für den Yen hat sich einiges verändert

Die niedrigen Zinsen und die global steigende Geldmenge und Verschuldung haben Effekte auf alle Teile des Finanzmarktes. So hat der japanische Yen seine Funktion als sicherer Hafen in Zeiten von erhöhten Risiken fast gänzlich eingebüßt. So ist der Zusammenhang zwischen Aktienmarktentwicklung und der japanischen Währung sehr schwach geworden. Aber auch der Vorteil als Finanzierungswährung ist dahingeschmolzen in Zeiten von global niedrigen Zinsen. Wenn die Unsicherheit an den Finanzmärkten wieder deutlich zunehmen sollte, dürfte der japanische Yen zwar wieder stärker profierten. Aber als Finanzierungswährung dürfte der Yen zunächst ausgedient haben. Plötzliche Aufwertungen des Yen können also weiterhin möglich sein. Jedoch müssen die Schocks wohl sehr ausgeprägt sein. Die Aufwertung sollte aber weniger ausgeprägt sein als in der Vergangenheit, da die Funktion als Finanzierungswährung weitestgehend weggefallen ist und damit die quasi der Turbo für eine Aufwärtsbewegung jetzt fehlt.

Schwacher Euro-Raum setzt Euro sichtbar zu

Eigentlich hatte der Euro die jüngste Sitzung seiner Zentralbank und das damit einhergehende, expansive Maßnahmenpaket Mitte September gut überstanden. Kurzzeitig wagte die Gemeinschaftswährung in den Tagen danach sogar wieder einen Blick über die Marke von 1,1100 USD. Auch vom Treffen der US-Währungshüter in der Folgewoche ließ sich das Währungspaar nicht nachhaltig beeindrucken. Dies hat sich mittlerweile geändert. Seit gut einer Woche kennt Euro-Dollar eigentlich nur noch eine Richtung – abwärts. Dabei ließ die Gemeinschaftswährung nicht nur mühelos die Marke von 1,1000 USD hinter sich, sondern rutschte gestern zudem auch unter die Schwelle von 1,0900 USD. Mehr als eine Stabilisierung auf diesem Niveau zeichnet sich aktuell nicht ab. Während bei den politischen Unwägbarkeiten für den Euro, vor allem Italiens Schuldenberg, dem Brexit sowie dem US-chinesischen Handelsstreit, zuletzt eher Erleichterung aufkam, sorgte die EWU-Konjunkturseite für Unmut. Die Stimmungsindikatoren präsentieren sich gerade in Deutschland in anhaltend schlechter Verfassung, die bis vor einigen Wochen…

Am US-Dollar führt kein Weg vorbei

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat ihre alle drei Jahre erscheinende Statistik zu den Umsätzen am Devisenmarkt veröffentlicht, die als Nonplusultra für den weltweiten Devisenhandel gilt. Die wichtigste Erkenntnis für uns ist die überragende Dominanz des US-Dollars. Trotz der Zweifel an der Verlässlichkeit der US-Politik und des häufig unterstellten globalen Wunsches nach einem alternativen Zahlungsmittel kann die US-Währung ihre Spitzenposition am Devisenmarkt sogar noch leicht ausbauen. Weitere wesentliche Ergebnisse der Statistik sind: » Insgesamt wieder steigende Umsätze: Die täglichen Devisenumsätze lagen im April 2019 bei 6,6 Bio. US-Dollar (2016: 5,1 Bio.). Der zwischen 2013 und 2016 zu beobachtende Trend sinkender Volumina ist somit gebrochen. » US-Dollar bleibt liquideste Währung: Bei 88,3% aller Devisengeschäfte ist der US-Dollar beteiligt (2016: 87,6%). Auch der Euro kann mit 32,3% seinen zweiten Platz behaupten (31,4% im Jahr 2016); es lässt sich aber nicht leugnen, dass seine Rolle gegenüber dem vorigen Jahrzehnt strukturell abgenommen hat (2010:…

Währungskrieg – Ausdruck der geldpolitischen Ausweglosigkeit

Die Hemmungen für eine politische Beeinflussung der Geldpolitik sind offenbar nicht nur in Ländern mit entsprechend schlechtem Ruf gefallen. Der Schritt zur nächsten Grenzübertretung liegt nahe: die Aktivierung der Währungspolitik; nicht mehr nur unterschwellig durch den politischen Versuch, die Geldpolitik von der Notwendigkeit einer noch stärkeren Expansion zu überzeugen, sondern durch eine gezielte Abwertungspolitik der heimischen Währung. Nicht umsonst überschlagen sich seit einigen Monaten nicht nur die Zinssenkungsspekulationen. Auch die leidliche Debatte über einen globalen Währungskrieg nimmt wieder an Fahrt auf. Auch wenn die Diskussion vertraut klingen mag, hat sie aktuell eine neue Komponente. Die Finanzmärkte erkennen die Grenzen der klassischen Geldpolitik und die (gefühlte) Ausweglosigkeit der Notenbanken inzwischen so sehr an, dass sie sogar Spekulationen über Devisenmarktinterventionen Raum geben. Und dies nicht nur bei den üblichen Verdächtigen (China, Schweiz), sondern erstmals seit weit über zwei Jahrzehnten auch wieder in den USA. Ebenso bereitwillig unterstellt man den anderen Währungsoffiziellen weltweit,…

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