Devisenmärkte

China, die USA und die „Potemkinschen Dörfer“ der FX-Stabilität

Die USA und China stehen kurz vor dem Durchbruch zu einem neuen Handelsabkommen. Das Thema „Währung“ soll angeblich eine zentrale Rolle spielen und es soll „genau definierte strukturelle Zusagen“ geben – wir sind gespannt, wie das aussehen soll. Bislang wird spekuliert, dass China verspricht, seine Eingriffe am Devisenmarkt offenzulegen. Es geht also nicht etwa um den Verzicht auf Interventionen und auch nicht um eine ex-ante-Information oder gar eine US-Erlaubnis, sondern nur darum, die Eingriffe nachträglich transparenter zu machen. Wir sollten aber nicht vergessen, dass China den Yuan schon lange nicht mehr nur mit dem währungspolitischen Einsteigermodell in Form simpler Kassa-Interventionen auf den gewünschten Kurs bringt. Die Konstruktion ist deutlich komplexer und eine Mischung von Outright-, Termin- und Swap-Geschäften, Liquiditätssteuerung am Interbankenmarkt sowie einer Vielzahl anderer feiner Nadelstiche (zum Beispiel Anforderungen an die zu hinterlegenden Sicherheiten bei Fremdwährungsgeschäften der Geschäftsbanken). Ob China sich tatsächlich bereit erklärt, den USA die gesamte Bandbreite…

Stimmungsumschwung: Devisenmärkte reagieren gelassen, Rentenmärkte nicht

Der Blick der Finanzmarktteilnehmer auf das weltweite fundamentale Umfeld hat sich in den vergangenen Monaten erheblich verändert. Während die konjunkturelle Dynamik im Euroraum bereits im Jahresverlauf 2018 spürbar nachgelassen hat, trübte sich in den letzten Wochen insbesondere die Einschätzung gegenüber den Wachstumsperspektiven der US-Ökonomie sowie der Weltwirtschaft ein. Potenzielle Ursachen lassen sich ohne Weiteres identifizieren: unter anderem die Handelsstreitigkeiten zwischen den beiden global bedeutendsten Wirtschaftsnationen, der längste Government Shutdown in der US-Geschichte und der ungewisse Ausgang des britischen EU-Austritts. Zahlreiche Zentralbanken haben auf das neue geldpolitische Umfeld reagiert. Zu nennen sind hierbei zum einen nach unten revidierte Wachstumsprognosen und Warnungen vor zunehmenden Risiken für den bislang vorherrschenden wirtschaftlichen Ausblick. Zum anderen haben Notenbanken wie die Federal Reserve und die Reserve Bank of Australia bislang in Aussicht gestellten Leitzinserhöhungen eine Absage erteilt und eine neutrale Position bezogen. An den Rentenmärkten haben sich die veränderten Rahmenbedingungen erheblich ausgewirkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen…

Eurozone gewinnt an Boden: EZB-Verdrängungseffekte lassen nach

Nachdem wir uns kürzlich mit den neusten Portfolioflowdaten aus den USA beschäftigt hatten, werfen wir nun den Blick auf die Eurozone. Ebenso wie in den USA, liegen auch für hier „nur“ die Daten einschließlich November 2018 vor – die Trends des Jahres sind dennoch bereits deutlich erkennbar. Während die USA in den vergangenen Jahren von massiven Repatriierungen profitierten, überwogen in der Eurozone Kapitalabflüsse, sowohl seitens ausländischer, aber vor allem auch heimischer Investoren. In den Jahren 2015 bis 2017 bescherte dies der EWU einen Kapitalabzug von insgesamt 940 Mrd. Euro, wobei sich die Kapitalexporte heimischer Investoren auf 1,4 Bio. Euro beliefen. Im Jahr 2018 zeichnete sich endlich eine Erholung ab. Inländische Investoren entsendeten zwar nach wie vor Kapital ins Ausland, mit 155 Mrd. Euro blieben diese Investitionen aber deutlich hinter den vergangenen Jahren zurück, und zuletzt waren sogar erste Repatriierungen zu beobachten. Besonders deutlich war diese Entwicklung bei den Aktienkäufen. Doch…

Trostloses geldpolitisches Umfeld in der Schweiz

Das einzige, das die geldpolitischen Rahmenbedingungen in der Schweiz derzeit mit der in der Alpenrepublik vielerorts traumhaften Winterlandschaft gemeinsam haben, sind die frostigen Temperaturen. Nicht nur, dass die wirtschaftliche Dynamik im Herbst 2018 einen empfindlichen Dämpfer erfahren hat. Mittlerweile ist darüber hinaus die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den robusten Wachstumsraten, die zwischen Frühjahr 2017 und Mitte 2018 zu beobachten waren, verflogen. Selbiges gilt für die zarten Pflänzchen der Zuversicht, die eine auf absehbare Zeit bevorstehende spürbare Annäherung der Inflationsrate an das Zielniveau der Schweizer Zentralbank nahegelegt hatten: Selbst die Ökonomen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) rechnen mittlerweile frühestens für die zweite Jahreshälfte 2021 mit einem Erreichen der 2%-Schwelle. Kalte Füße mit Blick auf eine – bis vor Kurzem noch für möglich gehaltene – Leitzinswende gegen Ende dieses Jahres sollten die Schweizer Währungshüter nicht nur aufgrund der Vorgaben aus der Heimat bekommen haben. Vielmehr hat sich auch das globale Umfeld für…

Bank von Japan – die Tauben fliegen wieder

Die Herausforderungen, denen sich die Bank von Japan (BoJ) bei ihrer Geldpolitik ausgesetzt sieht, haben sich in den letzten Monaten spürbar gewandelt. Nachdem es zunächst die globalen Vorgaben in Form des steilen US-Renditeanstiegs waren, die zu einem unerwünschten Aufwärtsdruck bei den Zinsen japanischer Staatsanleihen (JGB – Japanese Government Bond) geführt hatten, geht es seit November 2018 eher um einen geldpolitisch nicht induzierten übermäßigen Abwärtssog. Dass die Zehnjährigen über den Jahreswechsel temporär sogar ins Negative gerutscht waren, war zwar ein „Betriebsunfall“ in dünnem Handel vergleichbar mit dem „Flash Crash“ am Devisenmarkt. Aber auch nach der jüngsten Korrektur vermögen es die JGB-Renditen nicht, sich nachhaltig von der 0,00%-Marke nach oben abzusetzen. Die jüngste Entwicklung am JGB-Markt mag zu den inländischen Entwicklungen in Japan, insbesondere dem Rückschlag bei der Inflation und den wachsenden Konjunktursorgen passen. Wir sollten uns aber nicht vormachen, dass sie ursächlich für die niedrigeren JGB-Zinsen sind; es handelt sich eher…

CE3-Staaten gespalten über tiefere europäische Integration

Die Europäische Union (EU) hat Ende November 2018 ihr jüngstes „Standard-Eurobarometer“ veröffentlicht. Diese Umfrage gibt u.a. einen Einblick in die Haltung der Bevölkerung der kleinen CE3-Staaten (Polen, Tschechien und Ungarn) gegenüber der EU sowie weiterer europäischer Integrationsschritte. Festzuhalten bleibt, dass die Bevölkerung in allen drei kleinen osteuropäischen Staaten ihr Land mehrheitlich innerhalb der EU besser für die Zukunft gerüstet sieht als außerhalb der Staatengemeinschaft. Als Gründe hierfür sind sicherlich zunächst finanzielle Aspekte und damit verbunden, der Wunsch nach wirtschaftlichem Wohlstand zu nennen. So ist doch Polen seit 2009 der größte Netto-Empfänger von EU-Mitteln und auch Ungarn sowie Tschechien rangieren den entsprechenden Zahlen von 2017 zufolge mit Platz vier und fünf weiterhin auf den vorderen Rängen der Netto-Empfänger. Allerdings hat die jüngste EU-Umfrage auch deutlich gemacht, dass die Anreize für eine EU-Mitgliedschaft über diesen pekuniären Punkt hinausgehen und der Wunsch nach Frieden sowie Demokratieaspekte und damit wesentliche europäische Grundwerte ebenfalls eine…

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