Devisenmärkte

Brexit: Ein Schritt nach vorne, zwei Schritte nach hinten

Fünf Stunden hat es gedauert, bis Premierministerin May den Vollzug vermelden konnte. Nach einer „emotionalen“ Debatte konnte sie ihr Kabinett gestern Abend auf eine gemeinsame Linie vereinen und sich der Zustimmung ihrer Minister für die Backstop-Lösung sichern. Erneut, so schien es zumindest gestern Abend, hatte May ihre Fähigkeit unter Beweis gestellt, auch im größten Sturm Ruhe zu bewahren und sich von dem Getöse um sie herum nicht verunsichern zu lassen. Am heutigen Morgen droht jedoch bereits neues Ungemach: Mays Brexit-Minister Dominic Raab und Arbeitsministerin Esther McVey haben ihren Rücktritt angekündigt, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass im Tagesverlauf weitere Minister ihrem Beispiel folgen werden. Alles hängt nun davon ab, ob es May gelingt, ihre Regierung vor dem Kollaps zu bewahren und selbst im Amt bleiben zu können. Zunächst wird May ihr Kabinett neu sortieren und die vakanten Plätze neu besetzen müssen. Im Idealfall wird sie sich dadurch neue Rückendeckung sichern…

Bitcoin in „stabiler Seitenlage“, aber noch lange nicht tot

Ende Oktober 2008 erlebte Bitcoin offiziell seine Geburtsstunde, und trotz der seither zweifelsfrei geschriebenen Erfolgsschichte dürfte sich das Urgestein der Kryptowährungen seinen zehnten Geburtstag sicherlich etwas anders vorgestellt haben – gerade vor dem Hintergrund der Euphorie, die in der zweiten Hälfte letzten Jahres aufgekommen war. Ausgehend von knapp 20.000 USD Mitte Dezember 2017 erreichte der Bitcoin-Kurs Ende Juni sein bisheriges Jahrestief knapp unter 5.800 USD. Nicht nur für Bitcoin, sondern für das gesamte Segment war das Jahr 2018 bislang eher eine Enttäuschung. Ursachen für den Einbruch der Kurse von Bitcoin & Co. gibt es einige. Zunächst dürfte die vorübergehend aufgekeimte Erwartung eines zeitnah bevorstehenden Siegeszuges von Kryptowährungen gegenüber traditionellem Geld übertrieben gewesen sein. Selbiges gilt für die Hoffnung, dass etablierte Investoren und Finanzhäuser in großem Stil in das Segment einsteigen würden. Das derzeitige, von diversen globalen Unruhequellen und einer restriktiver werdenden US-Geldpolitik geprägte Finanzmarktumfeld macht es den Kryptowährungen darüber hinaus…

Der Brexit-Adventskalender

Es ist ein Hauen und Stechen. Egal wie oft die eine oder andere Seite bereits verlauten lies, dass eine Einigung kurz bevorstehe: was die kritischen Fragen betrifft, sind sich die Unterhändler in Brüssel weiterhin uneins. Erschwert wird ihre Aufgabe durch die andauernden innenpolitischen Querelen in Westminster, wo sich Brexit-Hardliner und Befürworter eines moderateren Kurses unversöhnlich gegenüberstehen. Trotz langwieriger Sitzungen ist es der Premierministerin bislang noch nicht einmal gelungen, ihr Kabinett auf eine Linie zu bringen – ganz zu schweigen vom Parlament. Der Brexit-Zeitplan sieht vor diesem Hintergrund zunehmend ambitioniert aus. Nachdem der ursprünglich angedachte November-Sondergipfel nun wohl endgültig vom Tisch zu sein scheint, steht der Dezember-Gipfel (13/14.) im Fokus. Spätestens dann muss eine Einigung erreicht werden und bereits wenige Tage später, so plant es die Premierministerin, soll das britische Parlament den Vertrag vorgelegt bekommen. Gelingt es May die Mehrheit zu erreichen, würde der Ratifizierungsprozess dann ab Anfang Januar weiterlaufen: das…

US-Midterm-Wahlen als Zwischenzeugnis für Trump

Zwei Jahre ist es jetzt her, dass Präsident Trump zum wichtigsten Staatsoberhaupt der Welt gewählt wurde. Und seit zwei Jahren ist die Antwort der Devisenmärkte auf die Ausrichtung der US-Politik unmissverständlich: „America First“ heißt auch „US-Dollar First“. Es mag einige Zeit gedauert haben, bis sich die Finanzmärkte mit Trumps erratischem Führungsstil angefreundet haben, inzwischen haben sie damit aber ihren Frieden geschlossen, da (zumindest die kurzfristigen) Erfolge seiner Wirtschaftspolitik außer Frage stehen. Derzeit verfügen Trump und seine republikanische Partei über die bestmögliche Machtkonstellation: Die Republikaner haben in beiden Häusern des Kongresses eine Mehrheit, so dass sie die Legislative de facto kontrollieren. Aus dieser Position der Stärke nährt sich auch die Durchschlagskraft des US-Dollars. Mit den Zwischenwahlen am 6. November steht diese Konstellation nun zur Disposition. Als wahrscheinlichstes Ergebnis gelten derzeit ein demokratisch kontrolliertes Repräsentantenhaus und ein republikanischer Senat. Für den US-Präsidenten würde dies eine Änderung seiner bisherigen politischen Rahmenbedingungen bedeuten. Er…

Anlagen in Südafrika und der Türkei riskant, aber attraktiv

Der Wind hat gedreht. Wurden Finanzmärkte in Schwellenländern im Sommer dieses Jahres von internationalen Investoren noch gemieden und Engagements in größerem Umfang zurückgefahren, konnten sich Emerging-Market-Währungen in den vergangenen Wochen spürbar erholen. Immerhin gut 4% bzw. fast 19% konnten der Südafrikanische Rand und die Türkische Lira seit Anfang September gegenüber dem Euro zulegen. Die Türkei stand neben Argentinien im Zentrum der Emerging-Market-Turbulenzen in den Sommermonaten. Zunehmende Zweifel an der Unabhängigkeit der Zentralbank sowie die Furcht vor weiteren Sanktionen aus den USA, die den Zugang des Landes zu den internationalen Kapitalmärkten einschränken würden, haben zu einer erheblichen Verunsicherung der Investoren geführt. Eine Eskalation bis hin zur Zahlungsunfähigkeit vieler türkischer Unternehmen oder gar des Staates wurde an den Finanzmärkten mehr und mehr eingepreist. Mittlerweile haben die Vorzeichen dieser beiden zentralen Krisentreiber gedreht. Die türkische Zentralbank hat den Leitzins Mitte September unerwartet deutlich angehoben. Hinzu kommt, dass der in der Türkei festgesetzte US-Pastor…

Brexit-Verhandlungen: Druck auf May wächst

Der EU-Gipfel im Oktober, der laut dem ursprünglichen Zeitplan den großen Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen bringen sollte, endet zwar erst am heutigen Nachmittag, aber bereits gestern Abend wurde klar, dass sich Hoffnungen auf signifikante Fortschritte zerschlagen würden. Theresa Mays 15-minütige Ansprache brachte keine neuen Erkenntnisse; stattdessen rief die Premierministerin die EU auf, kreative und innovative Ideen zu liefern. Was vor einigen Monaten oder sogar Wochen vielleicht noch als Verhandlungspoker hätte durchgehen können, ist nun bitterer Ernst. Die Zeit rennt davon, und nach wie vor ist eine konstruktive Lösung des Irland-Problems nicht in Sicht. Zankapfel bleibt die sogenannte „backstop solution“: sollten die Briten keiner Zollunion mit der EU zustimmen und keine andere „technische“ Lösung gefunden werden, würde die EU Nordirland weiterhin als Teil des Binnenmarktes behandeln. Der damit unweigerlich einhergehende Sonderstatus Nordirlands ist aber weder für die britische Regierung noch für die nordirische DUP akzeptabel. Mays jüngster Vorstoß, die Briten zumindest…

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