Devisenmärkte

Es war einmal… der Dollar als sicherer Hafen

Die Fronten in der US-Politik sind derzeit so verhärtet, dass es schwer fällt, sich eine dauerhafte und langfristig tragbare Einigung im Schuldenstreit vorzustellen. Wir hoffen weiterhin auf eine Last-Minute-Lösung für die Schuldengrenze, aber der langfristige Schaden ist so oder so eingetreten. Das Investorenvertrauen in den einst unantastbaren Dollar ist schwer beschädigt, und die Wahrscheinlichkeit einer Ratingherabstufung nimmt täglich zu. Dennoch rechnen wir nicht mit einem panikartigen Dollar-Ausverkauf oder gar einer Zahlungsbilanzkrise.

Schuldenkrisen halten den Devisenmarkt auf Trab

Da das Wohl und Wehe des Euro zunächst weiter eng mit der EWU-Schuldenkrise verknüpft sein dürfte und hier nach wie vor weitere Hiobsbotschaften nicht auszuschließen sind, bestehen für den Euro ungeachtet der jüngsten Erholung noch weiter Abwärtsrisiken. Bedenkt man jedoch, dass die Schuldenkrise diesseits des Atlantiks gewissermaßen das Konstrukt der europäischen Währungsunion auf eine sehr harte Probe, bzw. dieses sogar immer mehr in Frage stellt, so muss man dem Euro doch eine gewisse Robustheit attestieren, bewegt er sich doch nach wie vor, ungeachtet aller Widrigkeiten, deutlich oberhalb seines langfristigen Durchschnitts (-10J), welcher bei rund 1,2550 USD verläuft. Doch woran könnte es liegen, dass sich der Euro so wacker schlägt?

Die Berg- und Talfahrt hält an

In der vergangenen Woche war es noch Portugal, jetzt steht Italien am Pranger und hat dem Euro böse Kursverluste gegenüber allen wichtigen Währungen beschert. Auch wenn sich der Euro zum US-Dollar wieder etwas erholen konnte, ist davon bei Yen und Franken wenig zu erkennen. Dies verwundert kaum, da die Euro-Erholung nicht etwa Ausdruck eines zurück gewonnenen Vertrauens in Europa ist, sondern nur den Ausbruch eines neuen Krisenherdes (=USA) widerspiegelt.

Portugal rückt in den Fokus

Die Erleichterung über den Zeitgewinn für Griechenland und mit ihr das Kursplus im Euro schwinden dahin. Statt Griechenland erhält jetzt Portugal Prügel und verhagelt dem Euro die Stimmung, was sowohl zum Dollar als auch zum Franken besonders auffällt. Die Euphorie der vergangenen Woche über die Verabschiedung des griechischen Sparpaketes erweist sich als trügerisch, haben die Märkte doch mit tatkräftiger Beihilfe der Ratingagenturen längst Portugal als das nächste Opfer ausgemacht.

China als Retter der Eurozone?

In diesen Tagen wird viel über den Hintergrund des Besuchs von Wen Jiabao in der Eurozone spekuliert. Viele hoffen, dass sein offizieller Besuch die Bereitschaft der Chinesen signalisiert, sich stärker in der Eurozone zu engagieren – ein dringend benötigter Vertrauensbeweis seitens des größten Anlegers der Welt.

Der Schweizer ZEW-Index deckt die Wahrheit über die Franken-Stärke auf

Längst sind wir es gewohnt, die Richtung des Schweizer Franken aus dem Hin und Her in der Schulden- (und diversen anderen) Krisen abzuleiten. Wie heikel es noch immer um das Thema Griechenland steht, ist bereits im Beitrag zum US-Dollar ausgeführt worden. Von dieser Seite spricht also vieles für eine fortgesetzte Frankenstärke. Doch wir haben einen kleinen Hoffnungsschimmer für den Euro entdeckt, und dies in Form weiterer Anzeichen für die Schäden, die der starke Franken in der Schweizer Wirtschaft hinterlässt. So ist der Schweizer ZEW-Index (bitte nicht mit dem weitaus prominenteren deutschen Pendant verwechseln) für Juni von -11,5 auf -24,3 Punkte eingebrochen.

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