Devisenmärkte

Negative Zinsen werden zur Schweizer Realität

Trotz aller Spekulationen über mögliche Gegenmaßnahmen von SNB und Regierung: so richtig will der Schweizer Franken einfach nicht abwerten. Nicht einmal die Aussicht auf negative Zinsen kann Investoren davon abhalten, in den Franken zu investieren. So haben die diversen Liquiditätsmaßnahmen der SNB zu einem deutlichen Renditerückgang über alle Laufzeiten geführt, besonders stark zu sehen im kurzfristigen Bereich. Das Fixing für den Drei-Monats-Libor liegt mit 0,00667% (nein hier ist keine Null zuviel) nur noch hauchdünn im positiven Bereich. Im Ein-Monats-bereich ist der Libor sogar auf minus (!) 0,01333% gefallen, ohne dass dies zu Marktverwerfungen geführt hätte. Bei der letzten Auktion von Staatsanleihen hat es erstmals in der Geschichte eine negative Rendite gegeben, und die Auktion war vielfach überzeichnet. Die Nachfrage beim 6-Monats-Papier belief sich auf 8,829 Mrd. CHF, zugeteilt wurden „nur“ 599,8 Mio CHF.

SNB führt die Märkte vor, doch der Härtetest steht noch aus

Spannend wie ein Krimi, dessen Ende man schon zu kennen glaubt, ging es vergangene Woche in Euro-Franken zu. Doch: der Mörder war gar nicht der Gärtner. Die Idee, den Franken temporär an den Euro zu koppeln, um der ungebremsten Franken-Aufwertung Einhalt zu gebieten, gefiel den Märkten. Die von der SNB unausgesprochene Drohung, dass auch eine solche extreme Maßnahme denkbar sei, verfehlte ihre Wirkung nicht. Fast alle Devisenmarktakteure hatten einen solchen Schritt fest eingepreist, der Franken gab im Vorfeld der für Mittwoch erwarteten Ankündigung bereits deutlich nach – nur die besagte Euro-Ankoppelung blieb aus. Stattdessen versucht es die SNB auch weiterhin mit zinssenkenden Liquiditätsmaßnahmen. Was für eine Enttäuschung! Angesichts der Beruhigung der Finanzmarktturbulenzen von Anfang August wäre der Franken vermutlich auch ohne Zutun der Währungshüter unter Druck gekommen. Insofern haben die Spekulationen über die Euro-Anbindung nur als Katalysator gewirkt.

Stark, stärker, Schweizer Franken

An vielen Finanzmärkten herrscht derzeit eine gefährliche Mischung aus Panik und Ratlosigkeit. Wieder einmal drängt sich für viele Investoren der Schweizer Franken als Sicherer Hafen auf und markiert fast täglich neue Allzeithochs. Kurzfristig sollte das Bild weiter von der Flucht in den Sicheren Hafen und Positionsglattstellungen zur Verlustbegrenzung in Währungskrediten geprägt bleiben.

Der SNB reißt der Geduldsfaden

Der Ausverkauf in Euro-Franken hat bedrohliche Ausmaße angenommen und den Franken auf exorbitant neue Hochs geschleudert. Das Ausmaß dieser Bewegung scheint nicht nur für den Großteil der Beobachter, sondern auch für die SNB besorgniserregend zu sein, so dass die Notenbank nicht umhin kam und mit einer überraschenden Zinssenkung reagiert hat.

Es war einmal… der Dollar als sicherer Hafen

Die Fronten in der US-Politik sind derzeit so verhärtet, dass es schwer fällt, sich eine dauerhafte und langfristig tragbare Einigung im Schuldenstreit vorzustellen. Wir hoffen weiterhin auf eine Last-Minute-Lösung für die Schuldengrenze, aber der langfristige Schaden ist so oder so eingetreten. Das Investorenvertrauen in den einst unantastbaren Dollar ist schwer beschädigt, und die Wahrscheinlichkeit einer Ratingherabstufung nimmt täglich zu. Dennoch rechnen wir nicht mit einem panikartigen Dollar-Ausverkauf oder gar einer Zahlungsbilanzkrise.

Schuldenkrisen halten den Devisenmarkt auf Trab

Da das Wohl und Wehe des Euro zunächst weiter eng mit der EWU-Schuldenkrise verknüpft sein dürfte und hier nach wie vor weitere Hiobsbotschaften nicht auszuschließen sind, bestehen für den Euro ungeachtet der jüngsten Erholung noch weiter Abwärtsrisiken. Bedenkt man jedoch, dass die Schuldenkrise diesseits des Atlantiks gewissermaßen das Konstrukt der europäischen Währungsunion auf eine sehr harte Probe, bzw. dieses sogar immer mehr in Frage stellt, so muss man dem Euro doch eine gewisse Robustheit attestieren, bewegt er sich doch nach wie vor, ungeachtet aller Widrigkeiten, deutlich oberhalb seines langfristigen Durchschnitts (-10J), welcher bei rund 1,2550 USD verläuft. Doch woran könnte es liegen, dass sich der Euro so wacker schlägt?

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